Siltronic Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Siltronic stellt Siliziumwafer her – die runden Scheiben, auf denen jeder Computerchip entsteht. Das Münchner Unternehmen ist nach eigener Darstellung der einzige westlich ansässige unter den fünf großen Waferherstellern der Welt; die übrigen vier sitzen in Asien.
Die Zahlen zeigen derzeit ein ungewöhnliches Bild: Das EBITDA ist mit 134,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 klar positiv, das EBIT mit minus 104,3 Millionen deutlich negativ. Dazwischen liegen die Abschreibungen auf die Milliardeninvestitionen der vergangenen Jahre.
Unternehmensprofil
| Sitz | München |
| Historie | 1968 als Wacker Chemitronic gegründet, seit 2015 börsennotiert |
| Vorstandsvorsitz | Dr. Michael Heckmeier |
| Finanzvorstand | Claudia Schmitt |
| Mitarbeiter | rund 4.300 weltweit |
| Branche | Halbleiter, Siliziumwafer |
| Index | MDAX und TecDAX |
| ISIN | DE000WAF3001 |
| WKN | WAF300 |
| Kürzel | WAF |
| Aktien | 33.000.000 nach der Kapitalerhöhung vom Juni 2026 |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Siltronic produziert Siliziumwafer in den Durchmessern 300 und 200 Millimeter. Der 300-Millimeter-Wafer ist der Standard für moderne Logik- und Speicherchips, der 200-Millimeter-Wafer wird vor allem für Leistungselektronik und ältere Fertigungsverfahren genutzt.
Produziert wird an vier Standorten: Burghausen und Freiberg in Deutschland, dazu Singapur und Portland im US-Bundesstaat Oregon. Burghausen ist zugleich Forschungs- und Entwicklungszentrum; die 300-Millimeter-Volumenproduktion läuft in Deutschland und Singapur.
Als Kunden nennt das Unternehmen unter anderem Samsung, Infineon, TSMC, Intel, Micron und SK Hynix sowie auf der Entwicklerseite Nvidia, AMD und Qualcomm. Berichtspflichtige Produktsegmente weist Siltronic nicht aus; gesteuert wird über Durchmesser und Regionen. Das Geschäft läuft überwiegend über langfristige Lieferverträge.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus dem Halbjahresfinanzbericht vom 30. Juli 2026.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 628,1 Mio. € | 674,8 Mio. € |
| EBITDA | 134,5 Mio. € (21,4 % Marge) | 164,6 Mio. € (24,4 %) |
| EBIT | −104,3 Mio. € | +38,5 Mio. € |
| Nettoergebnis | −130,0 Mio. € | +18,8 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | −3,64 € | +0,46 € |
Die Lücke zwischen EBITDA und EBIT erklärt sich durch die Abschreibungen. Siltronic hat in den vergangenen Jahren erheblich in die 300-Millimeter-Kapazität investiert; für 2026 erwartet das Unternehmen Abschreibungen von 490 bis 520 Millionen Euro. Einen Auftragsbestand weist Siltronic nicht aus, weil das Geschäft über langfristige Verträge läuft. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 1.346,7 Millionen Euro Umsatz, 316,9 Millionen EBITDA bei 23,5 Prozent Marge, ein EBIT von minus 26,4 Millionen und ein Ergebnis je Aktie von minus 2,31 Euro.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Siltronic hat die Prognose am 30. Juli 2026 präzisiert. Beim Umsatz wird ein Rückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet, bei einem unterstellten Euro-Dollar-Kurs von 1,18 für das zweite Halbjahr. Bereinigt um Währungseffekte und die Einstellung der Kleindurchmesser-Linie läge der Umsatz auf oder leicht über Vorjahr.
Die EBITDA-Marge soll unverändert 20 bis 24 Prozent betragen. Die Investitionen werden mit 180 bis 220 Millionen Euro angegeben, der Netto-Cashflow im Bereich des Vorjahreswerts von minus 85 Millionen Euro. Bei der verkauften Waferfläche erwartet das Unternehmen einen deutlichen Anstieg.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Siltronic keine Dividende. Das entspricht der eigenen Dividendenpolitik, weil das Geschäftsergebnis negativ war. Die Hauptversammlung fand am 8. Mai 2026 statt.
Was das Geschäft antreibt
- Die 300-Millimeter-Nachfrage. Sie ist laut Unternehmen robust, die Kapazitäten waren über das Jahr hinweg hoch ausgelastet. Das von KI getriebene Wachstum in diesem Segment beziffert Siltronic auf rund 6 Prozent jährlich seit 2000, gegenüber rund 1 Prozent bei 200 Millimetern.
- Die erwartete Erholung bei 200 Millimetern. Für das zweite Halbjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit einer deutlichen Belebung.
- Die Kapitalerhöhung. Im Juni 2026 nahm Siltronic über die Ausgabe von 3,0 Millionen neuen Aktien zu 91,00 Euro brutto 273 Millionen Euro ein.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Die Abschreibungslast aus den 300-Millimeter-Investitionen. Mit 490 bis 520 Millionen Euro für 2026 drückt sie EBIT und Nettoergebnis klar ins Minus, obwohl das operative Geschäft Geld verdient.
- Die Währungsentwicklung. Die Planung unterstellt einen Euro-Dollar-Kurs von 1,18 nach 1,13 im Vorjahr; ein stärkerer Euro mindert die in Dollar fakturierten Erlöse.
- Preisdruck außerhalb der langfristigen Lieferverträge.
- Lagerabbau bei Kunden im Bereich Leistungselektronik belastet das 200-Millimeter-Geschäft.
- Fracht- und Energiekosten liegen über den ursprünglichen Planungsannahmen.
Wettbewerb
Siltronic nennt seine Wettbewerber in der Investorenpräsentation: SK Siltron, Shin-Etsu, Sumco und GlobalWafers. Zusammen mit Siltronic kommen diese fünf Hersteller auf rund 75 Prozent Marktanteil. Als Siliziumlieferanten werden Wacker Chemie, Hemlock, OCI und Tokuyama genannt.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 4. November 2026 | Quartalsmitteilung drittes Quartal 2026 |
| 20. November 2026 | Morgan Stanley European TMT, Barcelona |
| 23. November 2026 | Deutsches Eigenkapitalforum, Frankfurt |
| 14. Mai 2027 | Hauptversammlung in Präsenz |
Fazit
Bei Siltronic lohnt sich der Blick auf den Unterschied zwischen EBITDA und EBIT, weil er hier die ganze Geschichte erzählt. Das Unternehmen erwirtschaftet operativ einen Mittelzufluss – die EBITDA-Marge liegt bei über 21 Prozent. Die Abschreibungen auf die in den vergangenen Jahren gebauten Fabriken übersteigen diesen Betrag aber deutlich, weshalb das ausgewiesene Ergebnis negativ ist.
Für die Bewertung heißt das: Die Investitionsphase ist weitgehend abgeschlossen – die Investitionen sollen 2026 nur noch 180 bis 220 Millionen Euro betragen nach 369,1 Millionen im Vorjahr und 523,4 Millionen davor. Die Abschreibungen darauf laufen aber über Jahre weiter. Ob sich daraus wieder positive Ergebnisse ergeben, hängt davon ab, ob die Wafermengen und die Preise steigen.
Ein struktureller Punkt: Siltronic ist der einzige westliche Hersteller unter den fünf großen. In einer Zeit, in der Lieferketten für Halbleiter politisch bewertet werden, ist das ein Argument – ob es sich in Aufträgen niederschlägt, lässt sich aus den Unternehmensangaben nicht ablesen.
Fragen und Antworten
Zahlt Siltronic eine Dividende?
Für 2025 nicht. Die Dividendenpolitik sieht bei negativem Geschäftsergebnis keine Ausschüttung vor.
Warum ist das Ergebnis negativ, obwohl das EBITDA positiv ist?
Wegen der Abschreibungen auf die 300-Millimeter-Fabriken. Für 2026 erwartet Siltronic 490 bis 520 Millionen Euro – mehr als das EBITDA.
Was ist der Unterschied zwischen 300- und 200-Millimeter-Wafern?
Der Durchmesser der Siliziumscheibe. 300 Millimeter ist der Standard für moderne Logik- und Speicherchips, 200 Millimeter wird vor allem für Leistungselektronik genutzt.
In welchen Indizes ist die Aktie?
Im MDAX, in den sie im Juni 2026 zurückkehrte, und im TecDAX.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Quartalsmitteilung erscheint am 4. November 2026.
Quellen
- Siltronic AG – Investor Relations
- Siltronic AG – Halbjahresfinanzbericht 2026
- Siltronic AG – Angaben zur Aktie
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.