Verbio Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Verbio stellt Biokraftstoffe her – Biodiesel, Bioethanol und Biomethan – und zunehmend auch chemische Grundstoffe aus Biomasse. Die Anlagen stehen überwiegend in Ostdeutschland, dazu kommen Standorte in Polen, Ungarn, Nordamerika und Indien.
Das Geschäftsjahr 2025/26 brachte eine deutliche Wende: Das EBITDA stieg von 14,2 auf 193,9 Millionen Euro, das Unternehmen schrieb wieder Gewinn. Verbio hat ein abweichendes Geschäftsjahr, das am 30. Juni endet.
Unternehmensprofil
| Sitz | Zörbig, Verwaltungssitz Leipzig |
| Vorstandsvorsitz | Claus Sauter |
| Mitarbeiter | 1.391 im Geschäftsjahr 2025/26 |
| Branche | Bioenergie und erneuerbare Kraftstoffe |
| Index | TecDAX |
| ISIN | DE000A0JL9W6 |
| WKN | A0JL9W |
| Kürzel | VBK |
| Aktien | 64.008.484 |
| Börsengang | 16. Oktober 2006 zu 14,50 Euro |
| Geschäftsjahr | endet am 30. Juni |
| Großaktionäre | Gründerfamilien und verbundene Aktionäre mit 65,7 Prozent, gebunden durch eine Poolvereinbarung |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Verbio verarbeitet Biomasse – regionale Agrarrohstoffe und Reststoffe – in eigenen Bioraffinerien zu Kraftstoffen, Energie und erneuerbaren Komponenten. Das erklärte Prinzip ist, aus jeder Tonne Biomasse mehrere Produkte zu gewinnen.
Im Geschäftsjahr 2025/26 entfielen auf Biodiesel 951,0 Millionen Euro oder 50,8 Prozent des Umsatzes bei einem EBITDA von 98,0 Millionen. Auf Bioethanol und Biomethan entfielen 899,0 Millionen Euro oder 48,0 Prozent bei einem EBITDA von 85,5 Millionen. Die Produktionsmengen lagen bei 626.918 Tonnen Biodiesel, 590.884 Tonnen Bioethanol und 1.410.312 Megawattstunden Biomethan – letzteres mit einem Plus von 18,5 Prozent der stärkste Zuwachs.
Neben der Mobilität beliefert Verbio die Chemieindustrie, Kosmetik und Pharma, die Tierfutter- und Lebensmittelbranche sowie die Landwirtschaft. In Bitterfeld geht derzeit eine Ethenolyse-Anlage in Betrieb.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26, das vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2026 lief, veröffentlicht am 24. September 2026. Weil das Geschäftsjahr abweicht, ist dies zugleich die zuletzt gemeldete Periode.
| Kennzahl | 2025/26 | 2024/25 |
|---|---|---|
| Umsatz | 1.872,7 Mio. € | 1.579,8 Mio. € |
| EBITDA | 193,9 Mio. € | 14,2 Mio. € |
| EBIT | 128,2 Mio. € | −118,2 Mio. € |
| Periodenergebnis | 63,9 Mio. € | −137,9 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | 1,00 € | −2,17 € |
| Operativer Cashflow | 164,6 Mio. € | 13,9 Mio. € |
| Freier Cashflow | 78,0 Mio. € | −119,1 Mio. € |
| Nettofinanzverschuldung | 91,5 Mio. € | 164,0 Mio. € |
| Eigenkapitalquote | 59,7 % | 58,2 % |
Die Verbesserung bei EBIT und Periodenergebnis spiegelt laut Unternehmen auch das Ausbleiben der Wertminderungen, die das Vorjahr belastet hatten. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres, also von April bis Juni 2026, lag der Umsatz bei 531,9 Millionen Euro und das EBITDA bei 88,2 Millionen – nach minus 8,2 Millionen im Vorjahresquartal. Einen Auftragsbestand weist Verbio nicht aus, da es sich um ein Rohstoff- und Quotengeschäft handelt.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27, das bis zum 30. Juni 2027 läuft, erwartet Verbio ein Konzern-EBITDA von 210 bis 250 Millionen Euro nach 193,9 Millionen im Vorjahr. Die Prognose wurde am 24. September 2026 mit den Jahreszahlen veröffentlicht.
Als Treiber nennt das Unternehmen einen höheren Beitrag des Segments Bioethanol und Biomethan, höhere nordamerikanische Produktionsmengen, eine steigende Biomethanproduktion und zusätzliche Beiträge aus dem Treibhausgas-Quotengeschäft. Die Nettofinanzverschuldung soll deutlich sinken.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025/26 schlagen Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie vor. Die Hauptversammlung findet am 4. Dezember 2026 virtuell statt.
Zum Stand dieses Beitrags ist die Ausschüttung ein Vorschlag und noch nicht beschlossen.
Was das Geschäft antreibt
- Die Treibhausgas-Quote. Mineralölunternehmen müssen in Deutschland eine Minderungsquote erfüllen und kaufen dafür Zertifikate von Biokraftstoffherstellern. Verbio nennt die starke Nachfrage und einen sich festigenden Quotenmarkt ausdrücklich als Ergebnistreiber.
- Der RED-III-Beschluss. Die Bundesregierung hat am 24. April 2026 die Umsetzung der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie beschlossen. Verbio spricht von starken Marktanreizen und faireren Marktbedingungen.
- Biomethan und Nordamerika. Die Biomethanproduktion stieg um 18,5 Prozent; das nordamerikanische Marktvolumen beziffert Verbio auf über 50 Milliarden US-Dollar.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Die Abhängigkeit von der politischen Ausgestaltung der Treibhausgas-Quote und der EU-Klimaregulierung. Das Geschäftsmodell hängt unmittelbar daran, wie Gesetzgeber die Beimischungs- und Minderungspflichten festlegen.
- Hohe Ergebnisvolatilität. Das Segment Bioethanol und Biomethan wies im Vorjahr noch ein EBITDA von minus 77,2 Millionen Euro aus.
- Das Vorjahr war durch Wertminderungen belastet – ein Hinweis darauf, wie schnell sich die Bewertung von Anlagen in diesem Geschäft ändern kann.
- Die Sanierung des Standorts South Bend in Indiana und weitere Investitionen binden Kapital.
- Rohstoff- und Rohstoffpreisrisiken, denen Verbio mit Rohstoffflexibilität begegnet.
Wettbewerb
Verbio nennt keine Wettbewerber namentlich. Das Unternehmen beschreibt stattdessen eigene Vorteile: die integrierte Plattform, die Rohstoffflexibilität und eine nach eigenen Angaben über dem Branchendurchschnitt liegende Kapitalrendite.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 12. November 2026 | Quartalsmitteilung zum 30. September 2026 mit Telefonkonferenz |
| 4. Dezember 2026 | Hauptversammlung, virtuell |
| 11. Februar 2027 | Halbjahresmitteilung zum 31. Dezember 2026 |
| 13. Mai 2027 | Quartalsmitteilung zum 31. März 2027 |
| 23. September 2027 | Geschäftsbericht 2026/27 |
Fazit
Verbio ist ein Unternehmen, dessen Ergebnis maßgeblich von politischen Entscheidungen abhängt. Das zeigt der Vergleich zweier Geschäftsjahre: 2024/25 ein EBITDA von 14,2 Millionen Euro und ein Verlust von 137,9 Millionen, ein Jahr später ein EBITDA von 193,9 Millionen und ein Gewinn von 63,9 Millionen. Die Anlagen waren in beiden Jahren dieselben.
Der Unterschied liegt überwiegend im Markt für Treibhausgas-Quoten und in der Regulierung. Verbio selbst nennt den RED-III-Beschluss der Bundesregierung vom April 2026 als Grund für bessere Marktbedingungen. Wer die Aktie betrachtet, sollte deshalb weniger auf Produktionsmengen schauen als auf die Beimischungspflichten und Quotenpreise.
Zwei weitere Punkte. Erstens die Bilanz: Die Nettofinanzverschuldung sank von 164,0 auf 91,5 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote liegt bei 59,7 Prozent – das ist komfortabel. Zweitens die Eigentümerstruktur: Die Gründerfamilien halten 65,7 Prozent und sind durch eine Poolvereinbarung zu einheitlicher Stimmabgabe verpflichtet. Hauptversammlungsentscheidungen fallen damit faktisch im Pool.
Fragen und Antworten
Zahlt Verbio eine Dividende?
Für 2025/26 sind 0,20 Euro je Aktie vorgeschlagen. Die Hauptversammlung entscheidet darüber am 4. Dezember 2026.
Warum weicht das Geschäftsjahr vom Kalenderjahr ab?
Das Geschäftsjahr läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Quartalsmitteilungen beziehen sich deshalb auf andere Zeiträume als bei den meisten anderen deutschen Unternehmen.
Was ist die Treibhausgas-Quote?
Mineralölunternehmen müssen die Treibhausgasemissionen der von ihnen verkauften Kraftstoffe um einen gesetzlich festgelegten Prozentsatz mindern. Sie erfüllen das unter anderem, indem sie Biokraftstoffe beimischen oder Quoten von Herstellern wie Verbio erwerben.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Quartalsmitteilung erscheint am 12. November 2026.
Quellen
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.