Nennwert: Was er bei Anleihen und Aktien bedeutet

von FNE-Redaktion

Der Nennwert ist der Betrag, auf den ein Wertpapier lautet. Bei einer Anleihe ist er zugleich der Betrag, den Sie am Ende der Laufzeit zurückbekommen – unabhängig davon, was Sie beim Kauf bezahlt haben. Er ist damit die Rechengrundlage für fast alles, was an einer Anleihe interessant ist.

Der Nennwert bei Anleihen

Eine Anleihe über 1.000 Euro Nennwert zahlt am Ende der Laufzeit 1.000 Euro zurück. Daran ändert sich nichts, wenn der Kurs zwischendurch auf 90 oder 110 Prozent läuft. Diese Festlegung ist der entscheidende Unterschied zur Aktie: Bei der Aktie gibt es keinen Betrag, auf den Sie einen Anspruch hätten, bei der Anleihe schon – solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Der Nennwert erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig:

  • Rückzahlungsbetrag: Am Laufzeitende überweist der Schuldner den Nennwert.
  • Zinsbasis: Der Kupon bezieht sich immer auf den Nennwert, nie auf den Kaufpreis. Drei Prozent Kupon auf 1.000 Euro sind 30 Euro im Jahr – auch dann, wenn Sie die Anleihe für 900 Euro gekauft haben.
  • Bezugsgröße für den Kurs: Der Anleihekurs wird nicht in Euro notiert, sondern in Prozent des Nennwerts.

Übliche Stückelungen

Nennwert je StückWo er vorkommt
100 €einzelne Privatanleger-Anleihen, Mittelstandsanleihen
1.000 €Bundesanleihen und der Großteil der für Privatanleger erreichbaren Papiere
50.000 ۊltere Unternehmensanleihen
100.000 €ein großer Teil der neueren Unternehmensanleihen

Die Mindeststückelung entscheidet darüber, ob eine Anleihe für Sie überhaupt in Frage kommt. Bei 100.000 Euro je Stück ist eine einzelne Anleihe für die meisten Privatanleger keine sinnvolle Position mehr, weil sie das Depot zu stark auf einen einzigen Schuldner ausrichten würde. Für diesen Fall gibt es Anleihen-ETFs und Rentenfonds.

Nennwert, Kurswert, Rückzahlungswert

Drei Begriffe, die oft durcheinandergehen, lassen sich an einem Beispiel sauber trennen. Eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert notiert bei 96 Prozent:

Nennwert1.000 €steht fest, ändert sich nie
Kurswert960 €was Sie heute zahlen müssten
Rückzahlungswert1.000 €was Sie am Laufzeitende bekommen
Zinszahlung bei 3 % Kupon30 € im Jahrgerechnet auf den Nennwert, nicht auf 960 €

Aus der Differenz zwischen Kurswert und Rückzahlungswert entsteht ein Teil Ihres Ertrags. Wer für 960 Euro kauft und 1.000 Euro zurückbekommt, verdient zusätzlich zu den Zinsen 40 Euro. Genau das macht die Rendite höher als den Kupon.

Der Nennwert bei Aktien

Bei Aktien bedeutet der Nennwert etwas anderes: Er gibt den Anteil am Grundkapital der Gesellschaft an. Das Aktiengesetz unterscheidet in Paragraf 8 zwei Formen. Nennbetragsaktien lauten auf einen festen Betrag und müssen auf mindestens einen Euro lauten. Stückaktien lauten auf keinen Nennbetrag, sondern sind am Grundkapital in gleichem Umfang beteiligt – auch hier darf der rechnerisch auf eine Aktie entfallende Anteil einen Euro nicht unterschreiten.

In Deutschland ist die Stückaktie heute der Normalfall. Für Sie als Anleger hat der Nennwert einer Aktie deshalb kaum praktische Bedeutung: Er sagt nichts über den Wert des Unternehmens und nichts über den Börsenkurs aus. Er taucht vor allem bei Kapitalmaßnahmen auf, etwa wenn eine Gesellschaft ihr Grundkapital erhöht oder herabsetzt.

Worauf Sie achten sollten

  • Prüfen Sie vor dem Kauf die Mindeststückelung. Sie steht in den Basisinformationen und bestimmt, wie fein Sie Ihr Depot aufteilen können.
  • Rechnen Sie Zinsen immer auf den Nennwert, nicht auf den gezahlten Preis. Sonst überschätzen Sie den laufenden Ertrag.
  • Ein Kurs über 100 Prozent bedeutet, dass Sie mehr zahlen, als Sie am Ende zurückbekommen. Das muss kein schlechtes Geschäft sein, der Kupon gleicht es aus – aber es gehört in die Rechnung.

Quelle

Aktiengesetz, Paragraf 8 (Form und Mindestbeträge der Aktien).

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