Bayer verkauft Medikamente, Saatgut und Aspirin – und kämpft seit Jahren mit den Folgen einer einzigen Übernahme. Der Kauf von Monsanto 2018 brachte Rechtsstreitigkeiten, die den Konzern bis heute prägen.
Unternehmensprofil
| Unternehmen | Bayer AG |
| WKN | BAY001 |
| ISIN | DE000BAY0017 |
| Tickersymbol | BAYN |
| Börse | Xetra, Frankfurt |
| Index | DAX 40 |
| DAX-Rang | Platz 13 von 40 nach Börsenwert |
| Branche | Pharma, Agrarchemie |
| Sitz | Leverkusen, Deutschland |
| Gegründet | 1863 |
Kursverlauf
Das Geschäftsmodell
Bayer ist in drei Bereichen tätig und wird derzeit von einem Rechtsstreit dominiert, der das übrige Geschäft überlagert.
| Sparte | Was dahintersteht | Lage |
|---|---|---|
| Pharmaceuticals | verschreibungspflichtige Medikamente | neue Produkte in der Vermarktung |
| Crop Science | Saatgut und Pflanzenschutz | größte Sparte, belastet durch Glyphosat |
| Consumer Health | rezeptfreie Präparate wie Aspirin | stabil, wächst in Asien |
Pharmaceuticals ist das ertragsstärkste Geschäft, steht aber durch auslaufende Patente unter Druck. Crop Science ist weltweit führend und kam mit der Übernahme von Monsanto ins Haus. Consumer Health ist mit Marken wie Aspirin und Bepanthen das kleinste, dafür stabilste Geschäft.
Der Konzern peilt für 2026 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von höchstens drei Prozent an und erwartet einen negativen freien Mittelzufluss zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro.
Der Glyphosat-Komplex
Mit der Übernahme von Monsanto 2018 erwarb Bayer auch dessen Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Seither prägen Klagen in den Vereinigten Staaten die Bilanz.
Allein für 2026 rechnet der Vorstand mit Mittelabflüssen von rund fünf Milliarden Euro für Vergleiche und Prozesskosten. Die Nettoverschuldung liegt bei etwa 33 Milliarden Euro.
Zuletzt gab es prozessuale Fortschritte: Ein Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar wurde an ein anderes Gericht verlegt, was Bayer mehr Klarheit verschafft. Die Aktie reagierte mit Kursgewinnen.
Für Anleger ist entscheidend, dass die Rückstellungen ausreichen. Reichen sie nicht, belastet jede neue Klagewelle die Bilanz erneut.
Was den Kurs bewegt
Rechtsstreitigkeiten. Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat belasten den Konzern seit der Monsanto-Übernahme. Gerichtsentscheidungen bewegen den Kurs oft zweistellig.
Patentabläufe. Umsatzstarke Medikamente verlieren ihren Patentschutz. Ob die Forschungspipeline Ersatz liefert, ist die zentrale Frage für die Bewertung.
Agrarpreise. Verdienen Landwirte gut, investieren sie in Saatgut und Pflanzenschutz. Fallende Erzeugerpreise wirken sofort auf die Nachfrage.
Die Verschuldung. Sie begrenzt den Spielraum für Investitionen und Dividende. Die Ausschüttung wurde deshalb drastisch gekürzt.
Handelspolitik. Zölle auf europäische Pharmaprodukte sind ein neues Risiko für das Geschäft in den Vereinigten Staaten.
Gewichtung im DAX
Bayer war lange einer der schwersten DAX-Werte. Nach dem Kursverfall der vergangenen Jahre ist das Indexgewicht erheblich gesunken – ein Beispiel dafür, dass Indexzugehörigkeit nichts über die Geschäftsentwicklung aussagt.
Dividende
Bayer kürzte die Dividende drastisch auf einen symbolischen Betrag, um Mittel für Rechtsstreitigkeiten und Schuldenabbau zu erhalten. Zuvor galt der Wert jahrzehntelang als solide Dividendenaktie.
Das ist neben Fresenius das zweite Beispiel im DAX dafür, dass lange Dividendenreihen keine Sicherheit bieten. Mehr dazu im Beitrag zur Dividende.
Termine
| Datum | Anlass |
|---|---|
| 3. November 2026 | Ergebnisse 3. Quartal 2026 |
| 24. Februar 2027 | Geschäftsbericht 2026 und Ergebnisse 4. Quartal |
| 30. April 2027 | Hauptversammlung |
| 11. Mai 2027 | Ergebnisse 1. Quartal 2027 |
Die Dividende wird wenige Bankarbeitstage nach der Hauptversammlung ausgezahlt, der Ex-Tag ist der erste Handelstag danach. Wie dieser Ablauf funktioniert, steht im Dividendenkalender.
Quelle: Finanzkalender der Bayer AG, Stand September 2026. Änderungen durch das Unternehmen sind möglich.
Wettbewerber
Im Agrargeschäft sind Corteva und Syngenta die Hauptkonkurrenten. Im Pharmabereich konkurriert Bayer mit den großen Schweizer und amerikanischen Konzernen – dort ist das Unternehmen allerdings deutlich kleiner.
Einordnung
Bayer ist ein Sonderfall: Ein etablierter Konzern, dessen Kurs weniger von der operativen Entwicklung als von Gerichtsverfahren bestimmt wird.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die Aktie deshalb schwer zu bewerten. Solange die Höhe der Rechtsrisiken unklar bleibt, lässt sich kaum berechnen, was das Unternehmen wert ist.
Weitere Unternehmen finden Sie in unserer Übersicht Aktien im Portrait. Grundlagen zur Geldanlage stehen unter Finanzwissen.
Kursdaten von TradingView, verzögert. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.