Merck Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

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von user
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Merck aus Darmstadt ist das älteste Pharma- und Chemieunternehmen der Welt – gegründet 1668 und bis heute von der Gründerfamilie kontrolliert. Mit dem gleichnamigen US-Konzern hat es nichts zu tun.

Unternehmensprofil

UnternehmenMerck KGaA
WKN659990
ISINDE0006599905
TickersymbolMRK
BörseXetra, Frankfurt
IndexDAX 40
DAX-RangPlatz 11 von 40 nach Börsenwert
BranchePharma, Life Science, Elektronik
SitzDarmstadt, Deutschland
Gegründet1668

Kursverlauf

Das Geschäftsmodell

Merck aus Darmstadt ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt, gegründet 1668 und bis heute mehrheitlich in Familienbesitz. Der Konzern arbeitet in drei Bereichen.

SparteWas produziert wirdKunden
HealthcareMedikamente für Krebs, Multiple Sklerose, FruchtbarkeitKliniken und Patienten
Life ScienceLaborbedarf, Reagenzien, Ausrüstung für BiotechnologieForschung und Pharmaindustrie
ElectronicsFlüssigkristalle, Spezialchemikalien für HalbleiterDisplay- und Chiphersteller

Life Science ist ein Zulieferergeschäft ähnlich dem von Qiagen. Diese Kombination ist ungewöhnlich: Ein Unternehmen, das gleichzeitig Krebsmedikamente entwickelt und Materialien für die Chipfertigung liefert. Die Bereiche folgen völlig unterschiedlichen Zyklen.

Eine Besonderheit ist der Namensstreit: In Nordamerika tritt das Darmstädter Unternehmen als EMD auf, weil dort ein anderer Konzern die Rechte am Namen Merck hält – eine Folge der Enteignung nach dem Ersten Weltkrieg.

Was den Kurs bewegt

Forschungsergebnisse. Erfolg oder Scheitern von Medikamentenstudien bewegt den Kurs deutlich. Pharmaforschung ist ein Geschäft mit hohen Ausfallquoten; im Pharmageschäft entscheiden klinische Studien über Milliardenwerte, und ein Rückschlag in einer späten Phase kann den Kurs zweistellig bewegen.

Patentabläufe. Läuft der Schutz für ein umsatzstarkes Medikament aus, brechen die Erlöse ein, sobald Nachahmer auf den Markt kommen.

Halbleiterzyklus. Die Elektroniksparte hängt an den Investitionen der Chiphersteller und schwankt entsprechend – siehe Infineon. Dieser Zyklus hat mit dem Pharmageschäft nichts zu tun.

Biotech-Investitionen. Life Science profitiert, wenn Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen investieren. Zurückhaltung dort wirkt unmittelbar.

Die Familie. Rund 70 Prozent der Anteile liegen bei der Gründerfamilie. Das begrenzt den Streubesitz, schützt aber vor Übernahmen und erlaubt langfristige Entscheidungen.

Gewichtung im DAX

Die Familie Merck hält über eine Kommanditgesellschaft rund 70 Prozent. Der Streubesitz ist dadurch klein und das Indexgewicht entsprechend niedrig – der ausgeprägteste Fall dieser Art im DAX.

Dividende

Merck zahlt eine vergleichsweise niedrige, aber sehr verlässliche Dividende. Die Familienstruktur begünstigt eine Politik, die Substanz vor Ausschüttung stellt.

Mehr zur Einordnung steht im Beitrag zur Dividende.

Termine

AnlassRhythmus
Hauptversammlungjährlich, meist zwischen Februar und Juli
Dividendenzahlungeinmal jährlich, meist drei Bankarbeitstage nach der Hauptversammlung
Quartalszahlenvier Berichte je Geschäftsjahr
Ex-Tagder erste Handelstag nach der Hauptversammlung

Die genauen Daten veröffentlicht das Unternehmen im Finanzkalender auf seiner Investor-Relations-Seite, meist ein Jahr im Voraus. Wie Ex-Tag und Zahltag zusammenhängen und warum der Kurs am Ex-Tag fällt, steht im Dividendenkalender.

Wettbewerber

UnternehmenLandISIN
Thermo Fisher ScientificUSAUS8835561023
SartoriusDeutschlandDE0007165631
NovartisSchweizCH0012005267
DanaherUSAUS2358511028

Im Life-Science-Geschäft sind Thermo Fisher und Danaher die größten Wettbewerber. Im Pharmabereich konkurriert Merck mit den großen internationalen Konzernen, ist dort aber deutlich kleiner.

Daneben konkurriert Merck mit Roche in Pharma und Diagnostik, mit Bayer in Pharma und Agrar sowie bei Halbleitermaterialien mit den japanischen Anbietern JSR und Shin-Etsu.

Die Namensverwirrung

In Nordamerika darf das Darmstädter Unternehmen nicht als Merck auftreten – dort firmiert es als EMD. Umgekehrt heißt der amerikanische Konzern Merck & Co. außerhalb Nordamerikas MSD.

Ursache ist die Enteignung der amerikanischen Tochter im Ersten Weltkrieg. Seither existieren zwei unabhängige Unternehmen mit demselben Ursprung und demselben Namen. Für Anleger ist das eine echte Verwechslungsgefahr: Die Aktien sind völlig verschiedene Papiere.

Einordnung

Merck ist ein Mischkonzern mit drei wenig verwandten Geschäften – eine Struktur, die Schwankungen ausgleicht, aber die Bewertung erschwert.

Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt die getrennte Betrachtung der Sparten. Der Konzernumsatz verdeckt, dass die Bereiche völlig unterschiedlichen Zyklen folgen.

Weitere Unternehmen finden Sie in unserer Übersicht Aktien im Portrait. Grundlagen zur Geldanlage stehen unter Finanzwissen.

Kursdaten von TradingView, verzögert. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.