Beiersdorf verkauft Nivea – eine der bekanntesten Marken der Welt. Dahinter steht ein Hamburger Konzern, der seit über hundert Jahren Hautpflege herstellt und zusätzlich mit Tesa im Klebstoffgeschäft tätig ist.
Unternehmensprofil
| Unternehmen | Beiersdorf AG |
| WKN | 520000 |
| ISIN | DE0005200000 |
| Tickersymbol | BEI |
| Börse | Xetra, Frankfurt |
| Index | DAX 40 |
| DAX-Rang | Platz 31 von 40 nach Börsenwert |
| Branche | Körperpflege, Konsumgüter |
| Sitz | Hamburg, Deutschland |
| Gegründet | 1882 |
Kursverlauf
Das Geschäftsmodell
Der Konzern besteht aus zwei Teilen. Im Consumer-Bereich stehen die Marken: Nivea als Massenmarke, Eucerin im Apothekengeschäft, La Prairie im Luxussegment sowie Labello und Hansaplast.
Der zweite Bereich ist Tesa – Klebebänder für Industrie und Handel. Dieses Geschäft ist weniger bekannt, aber ertragreich und folgt einer völlig anderen Logik: Industriekunden statt Endverbraucher, technische Anforderungen statt Markenbindung.
Die Stärke liegt in der Markenbindung. Wer Nivea gewohnt ist, wechselt selten – auch wenn die Eigenmarke daneben günstiger ist. Diese Treue erlaubt Preiserhöhungen, die bei austauschbaren Produkten nicht durchsetzbar wären.
Was den Kurs bewegt
Das Luxussegment. La Prairie erzielt hohe Margen und hängt stark am Reiseverkehr, besonders an chinesischen Kunden. Schwache Nachfrage dort schlägt überproportional auf das Ergebnis durch.
Rohstoff- und Verpackungskosten. Öle, Fette und Kunststoffe bestimmen die Herstellkosten. Preisanstiege lassen sich weitergeben, aber mit Verzögerung.
Der Familieneinfluss. Die Beteiligungsgesellschaft der Familie Herz hält die Mehrheit. Das macht Übernahmen praktisch unmöglich und führt zu einer Unternehmensführung, die auf Jahrzehnte statt auf Quartale schaut.
Gewichtung im DAX
Wegen des hohen Familienanteils ist der Streubesitz begrenzt. Das Indexgewicht fällt deshalb niedriger aus, als die Unternehmensgröße nahelegt – dasselbe Muster wie bei Hannover Rück und Hochtief.
Dividende
Beiersdorf zahlte über viele Jahre eine konstante Dividende von 70 Cent je Aktie und hob sie erst in jüngerer Zeit an. Die Ausschüttungsquote ist im Branchenvergleich niedrig – das Unternehmen behält Gewinne lieber ein, als sie auszuschütten.
Für Anleger, die auf laufende Erträge zielen, ist die Aktie deshalb wenig geeignet. Was die Dividendenrendite aussagt und was nicht, steht im eigenen Beitrag.
Termine
| Anlass | Rhythmus |
|---|---|
| Hauptversammlung | jährlich, meist zwischen Februar und Juli |
| Dividendenzahlung | einmal jährlich, meist drei Bankarbeitstage nach der Hauptversammlung |
| Quartalszahlen | vier Berichte je Geschäftsjahr |
| Ex-Tag | der erste Handelstag nach der Hauptversammlung |
Die genauen Daten veröffentlicht das Unternehmen im Finanzkalender auf seiner Investor-Relations-Seite, meist ein Jahr im Voraus. Wie Ex-Tag und Zahltag zusammenhängen und warum der Kurs am Ex-Tag fällt, steht im Dividendenkalender.
Wettbewerber
| Unternehmen | Land | ISIN |
|---|---|---|
| L’Oréal | Frankreich | FR0000120321 |
| Unilever | Großbritannien | GB00B10RZP78 |
| Procter & Gamble | USA | US7427181091 |
| Henkel | Deutschland | DE0006048432 |
L’Oréal ist der größte Wettbewerber im Kosmetikbereich, Unilever und Procter & Gamble dominieren die Massenmärkte. Henkel steht mit Schwarzkopf im selben Segment – ebenfalls ein DAX-Wert mit Familienmehrheit.
Das Geschäftsmodell im Detail
Beiersdorf aus Hamburg ist ein Konsumgüterkonzern mit zwei Standbeinen: Hautpflege für Endkunden und Klebebänder für die Industrie.
| Bereich | Marken | Merkmal |
|---|---|---|
| Consumer | Nivea, Eucerin, La Prairie, Labello | größter Bereich, weltweite Präsenz |
| tesa | Klebebänder für Industrie und Haushalt | eigenständige Tochter, Industriekunden |
Nivea ist die bekannteste Marke und eine der ältesten Hautcremes überhaupt – die blaue Dose kam 1911 auf den Markt. Eucerin und La Prairie bedienen das Apotheken- und Luxussegment mit deutlich höheren Margen.
Warum die Marke das Kapital ist
Eine Hautcreme ist chemisch nicht schwer herzustellen. Was Beiersdorf verteidigt, ist das Vertrauen in die Marke – aufgebaut über ein Jahrhundert Werbung und Produkterfahrung.
Deshalb fließt ein erheblicher Teil des Umsatzes in Marketing. Sinkt dieser Aufwand, steigt kurzfristig der Gewinn, langfristig schwächt sich die Position.
Das erklärt auch die Bewertung: Konsumgüterkonzerne mit starken Marken werden höher bewertet als Industrieunternehmen mit vergleichbarem Gewinn, weil die Erträge verlässlicher sind.
Was den Kurs bewegt
Rohstoffkosten. Öle, Fette und Verpackung. Preiserhöhungen lassen sich im Handel nur verzögert durchsetzen.
China. Vor allem für das Luxussegment ein wichtiger Markt, der zuletzt schwächelte.
Innovationen. Neue Wirkstoffe können ganze Produktlinien tragen – oder floppen.
Die Eigentümerstruktur. Die Familie Herz hält über eine Holding die Mehrheit. Das begrenzt den Streubesitz und macht die Aktie weniger liquide als andere DAX-Werte.
Einordnung
Beiersdorf ist ein defensiver Wert: Hautpflege wird auch in Krisen gekauft, die Marken sind etabliert, die Bilanz ist solide.
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist genau das die Schwäche. Die Stabilität ist bekannt und eingepreist, während der Familieneinfluss große strategische Schritte unwahrscheinlich macht. Wer Kursfantasie sucht, findet sie hier selten.
Weitere Unternehmen finden Sie in unserer Übersicht Aktien im Portrait. Grundlagen zur Geldanlage stehen unter Finanzwissen.
Kursdaten von TradingView, verzögert. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.