Henkel führt zwei sehr unterschiedliche Geschäfte unter einem Dach: Klebstoffe für die Industrie und Marken wie Persil, Schwarzkopf und Pritt. Der Düsseldorfer Konzern ist seit Generationen in Familienhand.
Unternehmensprofil
| Unternehmen | Henkel AG & Co. KGaA |
| WKN (Vorzugsaktie) | 604843 |
| ISIN (Vorzugsaktie) | DE0006048432 |
| WKN (Stammaktie) | 604840 |
| Tickersymbol | HEN3 |
| Index | DAX 40 (Vorzugsaktie) |
| DAX-Rang | Platz 26 von 40 nach Börsenwert |
| Branche | Klebstoffe, Konsumgüter |
| Sitz | Düsseldorf, Deutschland |
| Gegründet | 1876 |
Im DAX notiert die Vorzugsaktie, nicht die Stammaktie. Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht, dafür meist eine etwas höhere Dividende – der Unterschied ist im Beitrag Was ist eine Aktie erklärt.
Kursverlauf
Das Geschäftsmodell
Der größere und ertragreichere Teil ist Adhesive Technologies – Klebstoffe, Dichtstoffe und Oberflächentechnik für die Industrie. Henkel ist hier Weltmarktführer. Die Produkte stecken in Autos, Smartphones und Verpackungen, ohne dass Verbraucher sie wahrnehmen.
Der zweite Bereich, Consumer Brands, bündelt Wasch- und Reinigungsmittel mit Persil und Pril sowie Körperpflege mit Schwarzkopf. Dieses Geschäft steht unter Druck: Handelsmarken werden günstiger angeboten, und die Verhandlungsmacht der großen Ketten ist erheblich.
Die Kombination ist ungewöhnlich. Industrieklebstoffe folgen völlig anderen Zyklen als Waschmittel – was Schwankungen ausgleicht, aber die Frage aufwirft, ob beide Teile zusammen mehr wert sind als getrennt.
Was den Kurs bewegt
Industriekonjunktur. Das Klebstoffgeschäft hängt an Automobilbau, Elektronik und Verpackungsindustrie. Schwächt sich die Produktion ab, sinkt der Absatz unmittelbar.
Rohstoffkosten. Beide Bereiche verarbeiten petrochemische Vorprodukte. Preisschwankungen treffen die Marge, bevor sie weitergegeben werden können.
Portfolioumbau. Henkel trennt sich seit Jahren von schwächeren Marken und kauft im Klebstoffbereich zu. Jede Meldung dazu wird als Hinweis auf die strategische Richtung gelesen.
Gewichtung im DAX
Die Familie Henkel hält über einen Aktienbindungsvertrag die Mehrheit der Stammaktien. Im Index ist nur die stimmrechtslose Vorzugsaktie vertreten, deren Streubesitz deutlich höher liegt.
Diese Konstruktion findet sich im DAX mehrfach – auch bei Beiersdorf bestimmt eine Familie die Richtung, ohne dass der Streubesitz darunter leidet.
Dividende
Henkel zahlt seit Jahrzehnten verlässlich aus und hat die Dividende auch in schwierigen Phasen selten gesenkt. Die Vorzugsaktie erhält dabei geringfügig mehr als die Stammaktie – das ist der Ausgleich für das fehlende Stimmrecht.
Die Ausschüttungsquote liegt im mittleren Bereich. Was die Dividendenrendite aussagt, steht im eigenen Beitrag.
Termine
| Anlass | Rhythmus |
|---|---|
| Hauptversammlung | jährlich, meist zwischen Februar und Juli |
| Dividendenzahlung | einmal jährlich, meist drei Bankarbeitstage nach der Hauptversammlung |
| Quartalszahlen | vier Berichte je Geschäftsjahr |
| Ex-Tag | der erste Handelstag nach der Hauptversammlung |
Die genauen Daten veröffentlicht das Unternehmen im Finanzkalender auf seiner Investor-Relations-Seite, meist ein Jahr im Voraus. Wie Ex-Tag und Zahltag zusammenhängen und warum der Kurs am Ex-Tag fällt, steht im Dividendenkalender.
Wettbewerber
| Unternehmen | Land | ISIN |
|---|---|---|
| Procter & Gamble | USA | US7427181091 |
| Unilever | Großbritannien | GB00B10RZP78 |
| H.B. Fuller | USA | US3596941068 |
| Sika | Schweiz | CH0418792922 |
Die Zweiteilung zeigt sich auch bei den Wettbewerbern: Im Konsumgütergeschäft konkurriert Henkel mit Procter & Gamble und Unilever, im Klebstoffbereich mit Spezialisten wie H.B. Fuller und Sika.
Das Geschäftsmodell im Detail
Henkel aus Düsseldorf ist in zwei sehr unterschiedlichen Bereichen tätig: Klebstoffe für die Industrie und Konsumgüter für Haushalt und Körperpflege.
| Bereich | Marken und Produkte | Merkmal |
|---|---|---|
| Adhesive Technologies | Loctite, Pattex, Industrieklebstoffe | größter Bereich, höhere Margen |
| Consumer Brands | Persil, Schwarzkopf, Pril, Somat | stabile Nachfrage, hoher Werbeaufwand |
Die Klebstoffsparte ist Weltmarktführer und beliefert Automobilbau, Elektronik und Verpackungsindustrie. Sie ist weniger bekannt als die Waschmittelmarken, aber wirtschaftlich bedeutender.
Zwei Geschäfte, zwei Logiken
Industrieklebstoffe folgen der Konjunktur: Läuft die Produktion, steigt der Verbrauch. Die Kunden sind Unternehmen, die Preise werden verhandelt.
Konsumgüter folgen dem Haushaltsbudget. Waschmittel wird auch in Rezessionen gekauft, der Wettbewerb läuft aber über Preis und Werbung. Steigen die Rohstoffkosten, lassen sie sich nur verzögert weitergeben.
Die Kombination glättet den Konzern: Schwächt die Industrie, trägt das Konsumgeschäft – und umgekehrt.
Die Aktiengattungen
Wie bei Volkswagen gibt es Stamm- und Vorzugsaktien. Im DAX notiert die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht. Die Gründerfamilie hält über einen Bindungsvertrag die Mehrheit der Stammaktien und damit die Kontrolle.
Für Anleger bedeutet das Stabilität, aber auch begrenzten Einfluss – und praktisch keine Übernahmefantasie.
Wettbewerb
| Wettbewerber | Land | Bereich |
|---|---|---|
| Procter & Gamble | 🇺🇸 USA | Konsumgüter |
| Unilever | 🇬🇧 Großbritannien | Konsumgüter |
| 3M | 🇺🇸 USA | Klebstoffe und Industrieprodukte |
| L’Oréal | 🇫🇷 Frankreich | Haarpflege und Kosmetik |
| Beiersdorf | 🇩🇪 Deutschland | Körperpflege |
Einordnung
Henkel ist im Kern ein Industrieunternehmen mit angehängtem Konsumgütergeschäft – auch wenn die bekannten Marken den gegenteiligen Eindruck erwecken.
Aus Sicht der Marktteilnehmer entscheidet sich die Bewertung am Klebstoffgeschäft. Dort liegen Marktführerschaft und Marge; das Konsumgütergeschäft erklärt eher, warum die Aktie zeitweise günstiger bewertet wird als reine Industriewerte.
Weitere Unternehmen finden Sie in unserer Übersicht Aktien im Portrait. Grundlagen zur Geldanlage stehen unter Finanzwissen.
Kursdaten von TradingView, verzögert. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.