Lithium-Aktien 2026: Produzenten, Projekte und Kennzahlen im Überblick
Lithium steckt in fast jeder Batterie für Elektroautos und Stromspeicher – und kaum ein Rohstoff hat in den vergangenen Jahren stärker geschwankt. Nach dem Preisrekord 2022 brach der Markt ein, viele Produzenten schrieben Verluste und legten Anlagen still. 2026 hat sich das Bild gedreht: Die großen Hersteller melden wieder hohe Gewinne. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten börsennotierten Lithium-Aktien, ihre Geschäftszahlen und was den Sektor antreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Lithium wird aus Hartgestein (vor allem Australien, Brasilien), aus Salzlaken (Chile, Argentinien) und künftig auch aus Thermalwasser (Oberrheingraben) gewonnen.
- Laut US-Geologiebehörde USGS fiel der durchschnittliche US-Vertragspreis für Lithiumcarbonat von 68.100 Dollar je Tonne (2022) auf rund 9.000 Dollar (2025).
- Seit Mitte 2025 steigen die Preise wieder; im ersten Halbjahr 2026 lag der Spotpreis für Lithiumcarbonat laut Rio Tinto im Schnitt bei rund 20.700 Dollar je Tonne.
- China dominiert die Weiterverarbeitung zu Batteriechemikalien und fertigt laut IEA über 80 Prozent der Batteriezellen weltweit.
Die wichtigsten Lithium-Aktien im Überblick
| Unternehmen | Börse | Schwerpunkt | Umsatz (letztes Geschäftsjahr) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Albemarle | NYSE | Salzlake (Chile), Hartgestein (Australien), Raffination | 5,14 Mrd. $ (2025) | −510,6 Mio. $ |
| SQM | NYSE, Santiago | Salzlake Atacama (mit Codelco), Jod, Dünger | 4,58 Mrd. $ (2025) | +588,1 Mio. $ |
| PLS Group (ehem. Pilbara Minerals) | ASX | Hartgestein (Spodumen) | 1,93 Mrd. A$ (GJ bis Juni 2026) | +526 Mio. A$ |
| Ganfeng Lithium | Shenzhen, Hongkong | Raffination, Minen, Batterien | 22,9 Mrd. Yuan (1. Halbjahr 2026) | +4,26 Mrd. Yuan |
| Sigma Lithium | Nasdaq, TSX Venture | Hartgestein (Brasilien) | 110,0 Mio. $ (2025) | −50,2 Mio. $ |
| Lithium Americas | NYSE, Toronto | Entwickler, Thacker Pass (USA) | noch kein Umsatz | −86,3 Mio. $ (2025) |
| Vulcan Energy | ASX, Frankfurt | Entwickler, Geothermie-Lithium (Oberrhein) | 2,3 Mio. € (1. Halbjahr 2026) | −51,8 Mio. € |
Hartgestein, Salzlake, Geothermie: Drei Wege zum Lithium
Beim Hartgestein wird das Mineral Spodumen im Tagebau abgebaut und zu einem Konzentrat mit rund sechs Prozent Lithiumoxid aufbereitet. Das geht vergleichsweise schnell, das Konzentrat muss aber noch in Raffinerien zu Lithiumcarbonat oder -hydroxid verarbeitet werden. Australien ist laut USGS mit rund 92.000 Tonnen Lithiuminhalt (2025) der größte Förderer.
Bei der Salzlake wird lithiumhaltiges Grundwasser aus Salzseen gepumpt und in großen Becken über Monate eingedunstet. Das Verfahren ist günstig, aber langsam und wasserintensiv; die wichtigsten Vorkommen liegen in der Atacama-Wüste in Chile und in Argentinien. Einen dritten Weg geht die Geothermie: Lithium wird aus heißem Thermalwasser gefiltert, die Wärme liefert zugleich Energie. Das Lithium-Projekt von Lithium Americas in Nevada nutzt dagegen lithiumhaltigen Ton.
Die Produzenten
Albemarle aus den USA ist der größte westliche Produzent. Der Konzern fördert in Chile und ist an den australischen Minen Greenbushes und Wodgina beteiligt. 2025 stand bei 5,14 Milliarden Dollar Umsatz noch ein Verlust von 511 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 1,74 Milliarden Dollar, der Gewinn lag bei 480 Millionen Dollar. Der erzielte Lithiumpreis stieg auf 19,53 Dollar je Kilogramm. Die Raffinerie Kemerton in Westaustralien hat Albemarle dennoch weitgehend stillgelegt.
SQM aus Chile betreibt die Salzlake-Förderung in der Atacama inzwischen gemeinsam mit dem Staatskonzern Codelco in der Gesellschaft NovaAndino Litio, wirtschaftlich rückwirkend zum 1. Januar 2025. Bis 2030 führt SQM das Geschäft, von 2031 bis 2060 übernimmt Codelco die Kontrolle. Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte SQM den Umsatz auf 4,23 Milliarden Dollar, der Gewinn stieg auf 1,02 Milliarden Dollar.
PLS Group hieß bis Ende 2025 Pilbara Minerals und betreibt in Westaustralien die Spodumen-Mine Pilgangoora. Im Geschäftsjahr bis Juni 2026 stiegen Umsatz und Produktion deutlich; nach einem Verlust im Vorjahr verdiente PLS 526 Millionen australische Dollar. Mineral Resources betreibt neben Bergbaudienstleistungen und Eisenerz die Lithiumminen Wodgina, Mt Marion und seit Mai 2026 wieder Bald Hill; die Lithiumsparte erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 rund 1,3 Milliarden australische Dollar Umsatz.
Rio Tinto ist durch die Übernahme von Arcadium Lithium im März 2025 für rund 6,7 Milliarden Dollar zu einem der großen Anbieter aufgestiegen. Die Sparte produzierte im ersten Halbjahr 2026 rund 27.300 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent und baut in Argentinien und Kanada weitere Anlagen. Für den Gesamtkonzern spielt Lithium neben Eisenerz, Kupfer und Aluminium aber eine kleine Rolle. Sigma Lithium fördert Spodumen in Brasilien. 2025 sank der Umsatz auf 110 Millionen Dollar, die Mine war zeitweise stillgelegt. Im Juli 2026 musste Sigma den Betrieb wegen Auflagen der Umweltbehörde des Bundesstaats Minas Gerais erneut unterbrechen und meldete im August 2026 nach einer Vereinbarung mit dem Bundesstaat die vollständige Wiederaufnahme.
Die Entwickler
Lithium Americas baut in Nevada das Projekt Thacker Pass, das in der ersten Phase 40.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr liefern soll. General Motors hält 38 Prozent am Projekt. Das US-Energieministerium (DOE) gewährt einen Kredit über 2,23 Milliarden Dollar, von dem bis Juni 2026 rund 1,21 Milliarden ausgezahlt waren. Im Gegenzug für Änderungen am Kredit erhielt das DOE im Januar 2026 Optionsrechte auf je fünf Prozent an Lithium Americas und am Projekt. Die mechanische Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant; die Baukosten wurden zuletzt mit 2,93 Milliarden Dollar angegeben, eine Neuberechnung steht aus.
Vulcan Energy ist der wichtigste deutsche Vertreter. Das Unternehmen will im Oberrheingraben Lithium aus Thermalwasser gewinnen, bei Landau aufbereiten und im Industriepark Höchst in Frankfurt zu Lithiumhydroxid verarbeiten. Geplant sind 24.000 Tonnen pro Jahr, genug für rund 500.000 E-Auto-Batterien. Im Dezember 2025 fiel die Investitionsentscheidung, im Mai 2026 wurde das Finanzierungspaket über 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Die EU hat das Projekt als strategisches Rohstoffprojekt eingestuft. Umsatz erzielt Vulcan bislang fast nur mit Strom und Bohrdienstleistungen.
Chinas Rolle in der Raffination
Abgebaut wird Lithium vor allem in Australien, Chile, Argentinien und zunehmend in Afrika – verarbeitet wird es überwiegend in China. Nach Daten der USGS hat China 2025 mit rund 62.000 Tonnen auch bei der Förderung Chile überholt. Die IEA erwartet, dass China selbst 2035 noch mehr als 60 Prozent des raffinierten Lithiums liefert. Ganfeng Lithium steht für dieses Modell: Der Konzern raffiniert Lithium, baut Batterien und besitzt Minen in Mali und Argentinien. Im ersten Halbjahr 2026 kam Ganfeng auf 22,9 Milliarden Yuan Umsatz und 4,26 Milliarden Yuan Gewinn, nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum. Westliche Raffinerien kämpfen dagegen mit hohen Kosten, wie die Stilllegung von Albemarles Kemerton-Anlage zeigt.
Der Lithiumpreis: Vom Rekord zum Absturz und zurück
Der Lithiumpreis bestimmt die Gewinne der Branche fast vollständig. 2022 lag der durchschnittliche US-Vertragspreis für Lithiumcarbonat laut USGS bei 68.100 Dollar je Tonne. 2023 fiel der Spotpreis in China von rund 76.000 auf rund 23.000 Dollar, 2025 lag der US-Durchschnitt bei nur noch 9.000 Dollar. Die IEA spricht von einem Preisrückgang von über 80 Prozent seit 2023. Spodumen-Konzentrat aus Australien kostete im November 2025 rund 970 Dollar je Tonne, nach rund 6.000 Dollar Anfang 2023.
Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 erholt sich der Markt. Laut Rio Tinto stieg der Spotpreis für Lithiumcarbonat im ersten Halbjahr 2026 von 14.500 auf 19.400 Dollar je Tonne. Spodumen-Konzentrat kostete im Juni 2026 nach Angaben von Ganfeng 2.150 bis 2.270 Dollar, PLS erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 für etwas geringer konzentrierte Ware im Schnitt rund 1.490 Dollar. Ganfeng berichtet aber auch, dass die Preise für Lithiumverbindungen Ende Juni wegen neuer Kapazitäten wieder deutlich nachgaben. Die australische Regierung erwartet in ihrem „Resources and Energy Quarterly“ vom Juni 2026, dass die Lithium-Exporterlöse von 9,9 Milliarden australischen Dollar (2025/26) auf 13 Milliarden steigen und danach wieder sinken.
Was den Sektor antreibt
- Elektroautos: Laut IEA Global EV Outlook 2026 wurden 2025 weltweit über 20 Millionen Elektroautos verkauft, etwa ein Viertel aller Neuwagen. Für 2026 erwartet die IEA rund 23 Millionen. Batterien stehen laut USGS für 88 Prozent des Lithiumverbrauchs.
- Stromspeicher: Großbatterien für Stromnetze sind der zweite Wachstumstreiber. SQM verweist auf starke Nachfrage aus diesem Bereich und erwartet für 2026 einen Weltmarkt von über 2,1 Millionen Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent.
- EU: Der Critical Raw Materials Act sieht vor, dass die EU bis 2030 mindestens 10 Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst fördert, 40 Prozent selbst verarbeitet und höchstens 65 Prozent aus einem einzelnen Drittland bezieht.
- USA: Washington fördert heimische Projekte mit Krediten und Beteiligungen wie bei Lithium Americas. Zugleich ist die Steuergutschrift für neue Elektroautos für Käufe nach dem 30. September 2025 entfallen; der E-Auto-Anteil lag 2025 laut IEA knapp unter 10 Prozent.
Risiken
Das größte Risiko ist der Preis selbst: Bei Albemarle verschiebt ein Preisunterschied von 10 auf 20 Dollar je Kilogramm das erwartete bereinigte EBITDA 2026 von rund einer auf rund 2,5 Milliarden Dollar. Hohe Preise locken neue Kapazitäten an, was den nächsten Abschwung auslösen kann. Hinzu kommen politische Risiken – die wachsende Rolle des Staates in Chile, Exportbeschränkungen in Simbabwe, Umweltauflagen wie bei Sigma Lithium. Entwickler wie Lithium Americas und Vulcan tragen zusätzlich Bau-, Kosten- und Finanzierungsrisiken.
Einordnung: Aus Sicht der Marktteilnehmer
Lithium ist ein klassischer Rohstoffzyklus: Auf den Boom 2022 folgten Überkapazitäten, Verluste und Stilllegungen, 2026 profitieren die etablierten Produzenten wieder von steigenden Preisen. Marktteilnehmer achten deshalb vor allem auf Förderkosten, Bilanzstärke und die Abhängigkeit vom Spotpreis. Kostengünstige Salzlake-Produzenten wie SQM und große Hartgestein-Minen überstehen Tiefphasen besser als kleinere Anbieter. Entwickler bieten einen höheren Hebel, sind aber auf Finanzierung und den termingerechten Bau angewiesen. Breiter streuen ETFs auf Lithium und Batterietechnik. Wer sich für verwandte Themen interessiert, findet weitere Branchenporträts zu Seltene-Erden-Aktien und Wasserstoff-Aktien.
Häufige Fragen
Gibt es deutsche Lithium-Aktien?
Der bekannteste Wert ist Vulcan Energy. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Australien, ist aber auch an der Frankfurter Börse notiert und baut sein erstes Projekt im Oberrheingraben sowie in Frankfurt-Höchst. Es befindet sich noch in der Bauphase und erzielt keinen Umsatz aus Lithium.
Warum ist der Lithiumpreis nach 2022 so stark gefallen?
Die hohen Preise von 2021 und 2022 lösten weltweit neue Minen- und Raffinerieprojekte aus. Laut USGS stieg die Förderung 2025 um 31 Prozent. Zugleich wuchs die E-Auto-Nachfrage zeitweise langsamer als erwartet, sodass ein Überangebot entstand.
Was unterscheidet Produzenten von Entwicklern?
Produzenten wie Albemarle, SQM oder PLS fördern bereits Lithium und verdienen in guten Jahren Geld. Entwickler wie Lithium Americas oder Vulcan bauen ihre Anlagen erst und sind bis zum Produktionsstart auf Kredite und Kapitalerhöhungen angewiesen.
Weitere Branchen im Überblick
- Wasserstoff-Aktien: Elektrolyseure, Brennstoffzellen, Industriegase
- Quantencomputer-Aktien: Spezialisten wie IonQ und D-Wave, dazu die Tech-Konzerne
- Uran-Aktien: Produzenten, Entwickler, Anreicherung und der Uranpreis
- Seltene-Erden-Aktien: Magnetrohstoffe und Chinas Exportkontrollen
- Drohnen-Aktien: Hersteller, Drohnenabwehr und Rüstungskonzerne
- Rüstungsaktien: Kurse, Bewertungen und was den Sektor antreibt
Quellen
- Albemarle: Full year 2025 results
- Albemarle: Q2 2026 results (SEC)
- SQM: Ergebnisse 2025 (SEC)
- SQM: Annual Report 20-F 2025 (SEC)
- SQM: Ergebnisse 2. Quartal 2026
- PLS Group: FY26 Full Year Results (ASX)
- Lithium Americas: Form 10-K 2025 (SEC)
- Lithium Americas: Q2 2026 results (SEC)
- Sigma Lithium: MD&A 2025 (SEC)
- Sigma Lithium: Q2 2026 results (SEC)
- Vulcan Energy: Financial Close Lionheart (ASX)
- Vulcan Energy: Halbjahresbericht 2026 (ASX)
- Ganfeng Lithium: Interim Results 2026 (HKEX)
- Rio Tinto: Abschluss der Arcadium-Übernahme (SEC)
- Rio Tinto: 2026 Half Year Results
- Mineral Resources: Lithium performance FY26
- U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2026 – Lithium
- U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2024 – Lithium
- Australian Government, Department of Industry: Resources and Energy Quarterly Juni 2026
- Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2026
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2025 – Zusammenfassung
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2025
- Europäische Kommission: Critical Raw Materials Act
- Internal Revenue Service: Clean Vehicle Credit
Stand: 14. Oktober 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen, Geschäftsberichten und Daten von USGS, IEA, australischer Regierung und Europäischer Kommission. Keine Anlageberatung. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.