Wasserstoff-Aktien: Unternehmen, Zahlen und was den Sektor antreibt
Wasserstoff gilt als Schlüssel für eine klimaneutrale Industrie – an der Börse war das Thema in den vergangenen Jahren dennoch vor allem eines: teuer für Anleger. Viele Hersteller von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen schreiben weiterhin Verluste, einige mussten sich neu aufstellen oder sind insolvent. Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die mit Wasserstoff oder verwandten Technologien inzwischen Geld verdienen. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten börsennotierten Wasserstoff-Aktien, ihre Geschäftszahlen und was den Sektor antreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Wasserstoff-Aktien lassen sich in drei Gruppen teilen: Hersteller von Elektrolyseuren (erzeugen Wasserstoff aus Strom), Hersteller von Brennstoffzellen (erzeugen Strom aus Wasserstoff) und Industriegase- und Infrastrukturkonzerne.
- Die reinen Elektrolyseur-Hersteller sind überwiegend defizitär; der Markt wächst langsamer als zu Beginn des Jahrzehnts erwartet.
- Profitabel sind vor allem breit aufgestellte Konzerne wie Air Liquide und Linde sowie Nischenanbieter wie SFC Energy.
- Die Internationale Energieagentur hat ihre Erwartung für die Produktion von emissionsarmem Wasserstoff bis 2030 mehrfach gesenkt.
Die wichtigsten Wasserstoff-Aktien im Überblick
| Unternehmen | Börse | Schwerpunkt | Umsatz (letztes Geschäftsjahr) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Nel | Oslo | Elektrolyseure | 963 Mio. NOK (2025) | −1.265 Mio. NOK |
| ITM Power | London (AIM) | PEM-Elektrolyseure | 26,0 Mio. £ (GJ bis April 2025) | −45,5 Mio. £ |
| thyssenkrupp nucera | Frankfurt | Elektrolyse, Chlor-Alkali | 845 Mio. € (GJ 2024/25) | EBIT rund +2 Mio. € |
| Plug Power | Nasdaq | Brennstoffzellen, Elektrolyseure | 709,9 Mio. $ (2025) | −1,63 Mrd. $ |
| Enapter | Frankfurt | AEM-Elektrolyseure | 22,1 Mio. € (2025) | EBITDA rund −18,1 Mio. € |
| Ballard Power | Nasdaq, Toronto | Brennstoffzellen | 99,4 Mio. $ (2025) | rund −90,9 Mio. $ |
| SFC Energy | Frankfurt | Brennstoffzellen | 143,3 Mio. € (2025) | bereinigtes EBITDA 16,7 Mio. € |
| Ceres Power | London | Festoxid-Technologie (Lizenzen) | 32,6 Mio. £ (2025) | −47,5 Mio. £ |
| FuelCell Energy | Nasdaq | Brennstoffzellen-Kraftwerke | 158,2 Mio. $ (GJ bis Okt. 2025) | −191,1 Mio. $ |
| Bloom Energy | NYSE | Festoxid-Brennstoffzellen | 2,02 Mrd. $ (2025) | −88,4 Mio. $ |
| Hexagon Purus | Oslo | Wasserstofftanks | 1.144 Mio. NOK (2025) | EBITDA −618 Mio. NOK |
| Air Liquide | Paris | Industriegase, Wasserstoffversorgung | 26,9 Mrd. € (2025) | Gewinn über 3,5 Mrd. € |
| Linde | NYSE | Industriegase, Anlagenbau | 34,0 Mrd. $ (2025) | deutlich profitabel |
Elektrolyseure: Die Hersteller der Wasserstoff-Fabriken
Elektrolyseure spalten Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff. Kommt der Strom aus Wind oder Sonne, entsteht „grüner“ Wasserstoff. Die Hersteller dieser Anlagen standen lange im Zentrum des Börsenhypes – und tragen heute die größte Last der Ernüchterung.
Nel aus Norwegen ist einer der ältesten Anbieter. Nach einem Jahresverlust von 1,27 Milliarden Kronen 2025, der zu großen Teilen auf eine Abschreibung zurückging, zog der Auftragseingang 2026 wieder an; im zweiten Quartal lag der Auftragsbestand bei 1,2 Milliarden Kronen. Das Unternehmen hat Kosten und Kapazitäten gekürzt, der Vorstandschef tritt ab. ITM Power aus Großbritannien baut PEM-Elektrolyseure und hat seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 zuletzt angehoben; die Jahreszahlen folgen am 19. Oktober 2026.
Der größte deutsche Vertreter ist thyssenkrupp nucera. Das Unternehmen verdient sein Geld bislang vor allem mit Chlor-Alkali-Elektrolyse für die Chemieindustrie; das Wasserstoffgeschäft schwächelt. In den ersten neun Monaten 2025/26 schrieb die Sparte grüner Wasserstoff ein operatives Minus von 107 Millionen Euro, unter anderem wegen eines gekündigten US-Auftrags. Nach dem Rückzug aus der SOEC-Technologie senkte nucera im August 2026 die Prognose: Für das Gesamtjahr werden nun 450 bis 500 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Minus (EBIT) von 75 bis 105 Millionen Euro erwartet. Enapter mit seinen kleinen AEM-Elektrolyseuren steckt mitten im Umbau: Die Prognose für 2026 wurde zurückgezogen, die Produktion soll an Partner ausgelagert werden, ein strategischer Investor soll frisches Kapital bringen. Im Halbjahresbericht weist Enapter auf eine bestandsgefährdende Finanzierungslage hin.
Plug Power aus den USA ist der bekannteste Name der Branche und zugleich ein Beispiel für ihre Probleme: 2025 stand bei 710 Millionen Dollar Umsatz ein Verlust von 1,63 Milliarden Dollar. Das Unternehmen finanzierte sich über Aktien, Optionsscheine und Wandelanleihen und verkauft nun Vermögenswerte. Für das vierte Quartal 2026 strebt Plug erstmals ein positives operatives Ergebnis vor Sonderposten an. Auch Siemens Energy baut Elektrolyseure, weist das Geschäft aber nicht gesondert aus; für die Aktie spielt es neben Gasturbinen und Netztechnik kaum eine Rolle.
Brennstoffzellen: Vom Lkw bis zum Rechenzentrum
Brennstoffzellen kehren den Prozess um: Sie erzeugen aus Wasserstoff – oder auch aus Erdgas und Methanol – Strom. Ballard Power aus Kanada liefert Brennstoffzellen für Busse, Züge und Lkw, arbeitet seit 2025 an einer Restrukturierung und will bis Ende 2027 profitabel werden. FuelCell Energy baut stationäre Brennstoffzellen-Kraftwerke, verbucht weiter Verluste und hat sich 2026 über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgt.
Zwei Unternehmen zeigen, dass es auch anders geht. Bloom Energy stellt Festoxid-Brennstoffzellen her und profitiert vom Strombedarf der Rechenzentren: Im zweiten Quartal 2026 verdoppelte sich der Umsatz mehr als, das Unternehmen schrieb Gewinn und hob die Jahresprognose auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar an. Mit Wasserstoff hat dieses Wachstum allerdings wenig zu tun – die Anlagen laufen überwiegend mit Erdgas. SFC Energy aus Brunnthal bei München verkauft Methanol- und Wasserstoff-Brennstoffzellen vor allem an Militär und Sicherheitsbehörden, ist operativ profitabel und hat die Prognose für 2026 angehoben. Ceres Power aus Großbritannien vergibt Lizenzen auf seine Festoxid-Technologie und hat im Juni 2026 gut 100 Millionen Pfund an frischem Kapital eingesammelt.
Industriegase und Infrastruktur
Die stabilsten Wasserstoff-Aktien sind keine reinen Wasserstoff-Aktien. Air Liquide und Linde produzieren und liefern seit Jahrzehnten Wasserstoff an Raffinerien und Chemiewerke und bauen Elektrolyse-Anlagen für ihre Kunden. Sie verdienen ihr Geld aber mit dem gesamten Industriegase-Geschäft und langfristigen Lieferverträgen – entsprechend gering ist das Risiko, aber auch der Hebel auf einen Wasserstoff-Boom. Hexagon Purus aus Norwegen fertigt Drucktanks für Wasserstofffahrzeuge; der Umsatz ist 2025 um 39 Prozent eingebrochen, die Eigenkapitalquote lag zur Jahresmitte 2026 nur noch bei einem Prozent.
Insolvenzen und Rückzüge
Wie hart der Markt ist, zeigen die Ausfälle. Der französische Elektrolyseur-Hersteller McPhy Energy ging im Juni 2025 in ein Insolvenzverfahren; der Großteil des Geschäfts wurde an John Cockerill verkauft, der Handel mit der Aktie ausgesetzt. Der US-Motorenbauer Cummins verbuchte 2025 hohe Abschreibungen auf sein Elektrolyseur-Geschäft und nimmt seit Februar 2026 keine neuen Aufträge mehr an.
Was den Sektor antreibt – und was ihn bremst
- Politische Ziele: Die EU will bis 2030 zehn Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff selbst erzeugen und weitere zehn Millionen Tonnen importieren.
- Infrastruktur in Deutschland: Die Bundesnetzagentur hat im Oktober 2024 das Wasserstoff-Kernnetz genehmigt – rund 9.040 Kilometer Leitungen für etwa 18,9 Milliarden Euro bis 2032. Die ersten 400 Kilometer sind seit Dezember 2025 in Betrieb.
- USA: Die Steuergutschrift für sauberen Wasserstoff („45V“) gilt nach einer Gesetzesänderung von 2025 nur noch für Anlagen, deren Bau vor 2028 beginnt. Das dämpft die Nachfrage aus Amerika.
- Langsamere Projekte: Laut Internationaler Energieagentur hat sich die weltweit installierte Elektrolyse-Kapazität 2025 auf über vier Gigawatt verdoppelt, drei Viertel des Zubaus entfielen auf China. Zugleich sank die Zahl neuer Investitionsentscheidungen erstmals, und die bis 2030 angekündigten Projekte schrumpften deutlich.
Einordnung: Aus Sicht der Marktteilnehmer
Der Wasserstoffsektor ist ein Lehrstück dafür, dass ein richtiges Zukunftsthema noch keine gute Aktie macht. Die Technik ist gefragt, doch grüner Wasserstoff ist teurer als Erdgas, Förderprogramme werden zurückgefahren, und chinesische Hersteller drücken die Preise für Elektrolyseure. Für die reinen Anbieter heißt das: hohe Verluste, wiederholte Kapitalerhöhungen und damit eine Verwässerung der Altaktionäre. Entscheidende Kennzahlen sind deshalb weniger die Umsatzziele als Auftragsbestand, Liquidität und der Weg zur Gewinnschwelle. Wer am Thema teilhaben möchte, findet bei den Industriegase-Konzernen ein ruhigeres, bei den Spezialisten ein deutlich riskanteres Engagement. Breiter streuen thematische ETFs, die allerdings ebenfalls stark von den Verlustbringern der Branche geprägt sind.
Häufige Fragen
Welche Wasserstoff-Aktien gibt es aus Deutschland?
Börsennotiert sind vor allem thyssenkrupp nucera (Elektrolyse), Enapter (kleine Elektrolyseure) und SFC Energy (Brennstoffzellen). Siemens Energy baut ebenfalls Elektrolyseure, das Geschäft ist für den Konzern aber klein.
Warum sind Wasserstoff-Aktien so stark gefallen?
Die Erwartungen der Jahre 2020 und 2021 haben sich nicht erfüllt. Viele Projekte wurden verschoben oder gestrichen, die Kosten für grünen Wasserstoff blieben hoch, und die meisten Hersteller verbrennen weiter Geld. Kapitalerhöhungen haben den Wert der bestehenden Aktien zusätzlich verwässert.
Welche Wasserstoff-Unternehmen verdienen Geld?
Profitabel sind vor allem die Industriegase-Konzerne Air Liquide und Linde sowie Spezialisten mit anderem Absatzmarkt wie SFC Energy (Militär und Sicherheit) und Bloom Energy (Stromversorgung von Rechenzentren). Die reinen Elektrolyseur-Hersteller schreiben fast durchweg Verluste.
Weitere Branchen im Überblick
- Quantencomputer-Aktien: Spezialisten wie IonQ und D-Wave, dazu die Tech-Konzerne
- Uran-Aktien: Produzenten, Entwickler, Anreicherung und der Uranpreis
- Seltene-Erden-Aktien: Magnetrohstoffe und Chinas Exportkontrollen
- Drohnen-Aktien: Hersteller, Drohnenabwehr und Rüstungskonzerne
- Lithium-Aktien: Produzenten, Projekte und der Lithiumpreis
- Rüstungsaktien: Kurse, Bewertungen und was den Sektor antreibt
Quellen
- Nel ASA: Second quarter 2026 results
- thyssenkrupp nucera: Geschäftsjahr 2024/25
- Plug Power: Q2 2026 results (SEC)
- Ballard Power: Q2 2026 results
- Bloom Energy: Q2 2026 results (SEC)
- SFC Energy: Geschäftsbericht 2025
- Ceres Power: Interim results 2026
- Euronext: McPhy Energy – Käufer bestimmt
- Europäische Kommission: Hydrogen
- Bundesnetzagentur: Wasserstoff-Kernnetz
- Internationale Energieagentur: Global Hydrogen Review 2026
Stand: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar.