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Honeywell Aktie: Was nach der Dreiteilung übrig bleibt

von FNE-Redaktion

Wer heute bei einem Finanzportal die Honeywell-Aktie aufruft, bekommt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8 angezeigt. Das wäre für einen Industriekonzern dieser Güte ein Schnäppchen – und es ist falsch. Honeywell hat sich am 29. Juni 2026 aufgespalten, und viele Datenbanken rechnen noch immer Gewinne des alten Konzerns gegen die Aktienzahl des neuen. Was übrig bleibt, ist ein reiner Automatisierungskonzern mit rund 20 Milliarden Dollar Umsatz – und einer Bewertung, die mit 8 nichts zu tun hat. Stand: 2. Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 29. Juni 2026 wurde Honeywell Aerospace abgespalten. Je zwei Honeywell-Aktien gab es eine Aerospace-Aktie, Stichtag war der 15. Juni 2026.
  • Am selben Tag folgte ein Reverse Split im Verhältnis 1:2. Die Aktienzahl halbierte sich auf rund 317 Millionen.
  • Honeywell Technologies ist seither ein reiner Automatisierungskonzern mit über 50.000 Mitarbeitern und drei Segmenten.
  • Das bereinigte Ergebnis je Aktie liegt laut Unternehmensprognose 2026 bei 8,05 bis 8,35 Dollar. Bei 213,80 Dollar Kurs ergibt das ein KGV von rund 26 – nicht 8.
  • Die Nettoverschuldung von 25,2 Milliarden Dollar ist der wunde Punkt: mehr als das Zwölffache des erwarteten freien Cashflows.

Was am 29. Juni 2026 passiert ist

Honeywell hat sich in drei eigenständige Unternehmen zerlegt. Zuerst ging Solstice Advanced Materials, das Spezialchemie-Geschäft. Den Abschluss bildete die Abspaltung der Luftfahrtsparte: Aktionäre erhielten für je zwei Honeywell-Aktien eine Aktie der Honeywell Aerospace, die seither unter dem Kürzel HONA an der Nasdaq notiert. Stichtag war der 15. Juni 2026, vollzogen wurde die Abspaltung am 29. Juni.

Zur Marktöffnung desselben Tages wurde zusätzlich ein Reverse Split im Verhältnis 1:2 wirksam: Aus zwei Aktien wurde eine. Die Zahl der ausstehenden Aktien sank damit von rund 634 auf etwa 317 Millionen. Vorstandschef Vimal Kapur nannte den Tag „einen entscheidenden Moment in Honeywells Geschichte“.

Warum die Kennzahlen auf den Portalen nicht stimmen

Genau diese Kombination aus Abspaltung und Reverse Split bringt Datenbanken durcheinander. Die rollierende Zwölfmonatsbetrachtung enthält noch Umsätze und Gewinne der Luftfahrt- und Chemiesparte, die Aktienzahl stammt aber schon aus der Zeit nach der Halbierung. Das Ergebnis sind Kennzahlen, die es so nie gegeben hat: ein Zwölfmonatsumsatz um 39 Milliarden Dollar für ein Unternehmen, das 2026 nach eigener Prognose 19,8 bis 20,0 Milliarden erlösen wird, und ein Gewinn je Aktie von über 27 Dollar bei einer Unternehmensprognose von gut 8 Dollar.

Auch die Mitarbeiterzahl ist betroffen: Verbreitet sind über 100.000, das Unternehmen selbst nennt für Honeywell Technologies „mehr als 50.000″. Wer die Aktie bewerten will, muss die Zahlen aus den Quartalsmitteilungen nehmen. Alles andere führt in die Irre.

Was Honeywell Technologies heute ist

Geblieben ist das Automatisierungsgeschäft in drei Segmenten. Die Zahlen des zweiten Quartals 2026 zeigen, wo das Unternehmen steht:

SegmentUmsatz Q2 2026organischSegmentmarge
Building Automation2.002 Mio. USD+9 %27,1 %
Process Automation & Technology1.679 Mio. USD−1 %22,1 %
Industrial Automation1.501 Mio. USD+4 %17,2 %
Quelle: Honeywell Technologies, Quartalsmitteilung vom 23. Juli 2026.

Das Gebäudegeschäft ist der Motor: höchste Marge, stärkstes Wachstum. Die Prozessautomatisierung – Steuerungstechnik für Raffinerien, Chemieanlagen, Kraftwerke – schrumpfte dagegen leicht. Industrial Automation, das margenschwächste Segment, wuchs um 4 Prozent.

Die Zahlen zum zweiten Quartal

Konzernweit setzte Honeywell Technologies 5.187 Millionen Dollar um, organisch 4 Prozent mehr. Die Segmentmarge stieg um 100 Basispunkte auf 19,0 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 1,95 Dollar; der ausgewiesene GAAP-Wert von 16,65 Dollar enthält den Buchgewinn aus der Abspaltung und sagt über das operative Geschäft nichts aus.

Bemerkenswerter als die Umsatzzahl ist der Auftragseingang: plus 16 Prozent, bei einem Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Dollar – also etwa einem Jahresumsatz. Das ist der belastbarste Hinweis darauf, dass die Nachfrage trägt. Der freie Cashflow lag im Quartal bei 456 Millionen Dollar.

Bewertung

Alle folgenden Werte sind aus den Unternehmensangaben und dem aktuellen Kurs gerechnet, nicht aus Portaldaten übernommen:

KennzahlWert
Kurs (2. Oktober 2026)213,80 USD
52-Wochen-Spanne195,77 – 260,15 USD
Börsenwert67,8 Mrd. USD
Umsatz 2026 (Prognose)19,8 – 20,0 Mrd. USD
Bereinigtes EPS 2026 (Prognose)8,05 – 8,35 USD
KGV 2026 (Mittelwert der Prognose)rund 26
Freier Cashflow 2026 (Prognose)rund 2,0 Mrd. USD
Nettoverschuldung (30. Juni 2026)25,2 Mrd. USD
Dividendenrendite1,31 %

Ein KGV von 26 bei 3 bis 4 Prozent organischem Wachstum ist kein Schnäppchen, aber auch nicht abwegig für ein Geschäft mit 19 Prozent Segmentmarge und einem Auftragsbestand in Höhe eines Jahresumsatzes. Der freie Cashflow von rund 2 Milliarden Dollar entspricht einer Rendite von knapp 3 Prozent auf den Börsenwert – das ist dünn.

Die Schulden sind der wunde Punkt

Zum 30. Juni 2026 standen in der Bilanz 26,2 Milliarden Dollar langfristige Schulden, 5,3 Milliarden kurzfristige Fälligkeiten und 2,5 Milliarden Commercial Paper – zusammen 34,0 Milliarden. Dem standen 8,8 Milliarden Dollar liquide Mittel gegenüber. Macht eine Nettoverschuldung von 25,2 Milliarden bei einem Eigenkapital von 18,9 Milliarden.

Ins Verhältnis zum erwarteten freien Cashflow gesetzt, sind das mehr als zwölf Jahresmittel. Solange die Zinsen auf dem heutigen Niveau bleiben, ist das tragbar, aber es begrenzt den Spielraum: Für größere Zukäufe oder deutlich höhere Ausschüttungen bleibt wenig, bevor nicht Schulden abgebaut sind.

Die Dividende

Am 25. September 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine Quartalsdividende von 0,70 Dollar je Aktie, zahlbar am 4. Dezember 2026 an Aktionäre, die am 13. November im Register stehen. Aufs Jahr sind das 2,80 Dollar und bei 213,80 Dollar Kurs eine Rendite von 1,31 Prozent. Für Anleger, die auf laufende Erträge aus sind, ist das wenig – rund 34 Prozent des erwarteten bereinigten Gewinns gehen an die Aktionäre.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Am 22. Oktober 2026 legt Honeywell Technologies die Zahlen zum dritten Quartal vor – das zweite vollständige Quartal als eigenständiges Unternehmen. Drei Punkte entscheiden über die Einschätzung: ob der Auftragseingang das Tempo hält, ob Process Automation aus dem leichten Minus herauskommt, und ob die Prognose für das bereinigte Ergebnis bestätigt oder angehoben wird.

Die Risiken

  • Zyklik. Automatisierungstechnik hängt an den Investitionsbudgets der Industrie. Werden Projekte verschoben, schlägt das mit Verzögerung voll durch.
  • Verschuldung. 25,2 Milliarden Dollar netto sind bei Anschlussfinanzierungen zu höheren Zinsen eine spürbare Last.
  • Umbaukosten. Eine Dreiteilung ist nicht nach einem Quartal verdaut; Doppelstrukturen und Trennungskosten belasten noch.
  • Kurze Historie. Für das neue Unternehmen gibt es erst wenige Quartale Vergleichsdaten. Jede Prognose steht auf schmaler Basis.

Fazit

Honeywell Technologies ist ein solides Automatisierungsgeschäft mit ordentlichen Margen und einem Auftragsbestand, der ein Jahr trägt. Billig ist die Aktie mit einem KGV um 26 nicht, und die Schuldenlast begrenzt, was das Unternehmen in den nächsten Jahren tun kann. Der eigentliche Befund dieses Artikels ist aber ein anderer: Nach einer Abspaltung mit Reverse Split sind Portalkennzahlen für Monate unbrauchbar. Wer hier auf ein KGV von 8 hereinfällt, kauft eine Zahl, die es nicht gibt.

Quellen

  • Honeywell, Pressemitteilung „Honeywell Technologies Launches as Independent Pure-Play Automation Company Following Honeywell Aerospace Spin-Off“, 29. Juni 2026
  • Honeywell Technologies, Quartalsmitteilung zum zweiten Quartal 2026, 23. Juli 2026 (Exhibit 99 zum Formular 8-K, US Securities and Exchange Commission)
  • Honeywell Technologies, Pressemitteilung zur Quartalsdividende, 25. September 2026
  • Kurs- und Börsenwertdaten: TradingView, Abruf 2. Oktober 2026

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