Knock-out-Zertifikate: Hebel, Schwelle und die drei Risiken
Ein Knock-out-Zertifikat verstärkt die Bewegung eines Basiswerts – und wird wertlos, sobald dieser eine festgelegte Schwelle berührt. Nicht am Laufzeitende, sondern sofort. Das unterscheidet es von jedem anderen Hebelprodukt und macht es zu einem Instrument für kurze Zeiträume.
Wie der Hebel entsteht
Der Emittent kauft den Basiswert und finanziert einen Teil davon selbst. Der Anleger zahlt nur die Differenz zwischen Kurs und Finanzierungslevel – und trägt dafür die volle Kursbewegung.
| Kurs des Basiswerts | 100 € |
| Finanzierungslevel | 90 € |
| Preis des Zertifikats, ohne Bezugsverhältnis und Aufgeld | 10 € |
| Hebel | 10 |
| Basiswert steigt auf 105 € | Zertifikat 15 €, plus 50 % |
| Basiswert fällt auf 95 € | Zertifikat 5 €, minus 50 % |
| Basiswert berührt die Knock-out-Schwelle | Totalverlust oder minimaler Restwert |
Der Hebel ist also kein eingestellter Faktor, sondern ergibt sich aus dem Abstand zur Schwelle. Je näher der Kurs daran liegt, desto größer der Hebel – und desto wahrscheinlicher der Ausfall.
Die drei Risiken
Das Knock-out-Risiko. Die Schwelle gilt in der Regel während der gesamten Handelszeit des Basiswerts, auch außerhalb der deutschen Börsenzeiten. Ein Kurssprung über Nacht kann das Zertifikat auslösen, bevor der Anleger reagieren kann. Stop-Loss-Orders helfen dagegen nicht.
Das Emittentenrisiko. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, kein Sondervermögen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, ist das Geld weg – unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt hat. Lehman Brothers ist das bekannteste Beispiel.
Die Finanzierungskosten. Bei Produkten ohne feste Laufzeit wird das Finanzierungslevel laufend angepasst. Diese Kosten zehren an der Position, auch wenn der Basiswert stillsteht – ein Grund, warum sich diese Papiere nicht zum Liegenlassen eignen.
Klassisch oder open end
| Klassisch, mit Laufzeit | Open End, ohne Laufzeit | |
|---|---|---|
| Laufzeitende | fester Termin | keines |
| Knock-out-Schwelle | fest | wird regelmäßig angepasst |
| Finanzierungskosten | im Aufgeld enthalten | laufend über das Level |
| Aufgeld | vorhanden, verfällt bis zum Ende | in der Regel keines |
Bei klassischen Produkten gibt es häufig eine Stop-Loss-Schwelle oberhalb des Basispreises. Wird sie berührt, wird ein Restwert ermittelt und ausgezahlt – das ist günstiger als der sofortige Totalverlust.
Steuerliche Behandlung
Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer. Verluste aus Termingeschäften und wertlos gewordenen Papieren waren zeitweise nur eingeschränkt verrechenbar; die betreffende Beschränkung wurde inzwischen aufgehoben. Weil sich die Rechtslage hier mehrfach geändert hat, lohnt vor größeren Positionen ein Blick in die aktuelle Fassung des § 20 EStG oder eine Rückfrage beim Steuerberater.
Einordnung
Knock-out-Zertifikate sind Werkzeuge für kurzfristige, bewusst eingegangene Positionen – zur Absicherung eines Depots oder zur gezielten Spekulation über Tage und Wochen. Sie sind nicht geeignet, um langfristig Vermögen aufzubauen, und sie vertragen keine Nachlässigkeit: Ein Papier, das man über Nacht hält, kann am Morgen nichts mehr wert sein.
Wer sie einsetzt, sollte den Abstand zur Schwelle, den Emittenten und die Finanzierungskosten kennen und nur Beträge einsetzen, deren vollständiger Verlust verkraftbar ist. Dieser Text ersetzt keine Anlageberatung und empfiehlt kein Produkt.
Grundlagen stehen unter Zertifikate.
Quellen
- § 20 EStG, Einkünfte aus Kapitalvermögen
- Wertpapierprospektverordnung und Basisinformationsblätter der Emittenten für die Produktausgestaltung