HENSOLDT Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
HENSOLDT baut keine Panzer und keine Flugzeuge. Das Unternehmen aus Taufkirchen bei München liefert die Sensorik dafür – Radare, Optronik, elektronische Kampfführung. Dabei ist es ausdrücklich plattformunabhängig: Die Systeme werden in Geräte verschiedener Hersteller eingebaut.
Die Zahl, die das Unternehmen derzeit am besten beschreibt, steht in der Bilanz: 10,36 Milliarden Euro Auftragsbestand zum 30. Juni 2026, bei einem Jahresumsatz von 2,46 Milliarden im Vorjahr. Das sind gut vier Jahresumsätze in den Büchern.
Unternehmensprofil
| Sitz | Taufkirchen bei München |
| Vorstandsvorsitz | Oliver Dörre |
| Finanzvorstand | Christian Ladurner |
| Mitarbeiter | 9.679 (30. Juni 2026) |
| Branche | Verteidigungs- und Sicherheitselektronik |
| Index | TecDAX |
| ISIN | DE000HAG0005 |
| WKN | HAG000 |
| Kürzel | HAG |
| Aktien | 115.500.000 |
| Großaktionäre | Bundesrepublik Deutschland rund 25,1 Prozent, Leonardo S.p.A. rund 22,8 Prozent |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
HENSOLDT versteht sich als Lösungsintegrator über mehrere Einsatzbereiche hinweg – Luft, Land, See, Cyber und Weltraum – und liefert dabei bis zu schlüsselfertigen Missionssystemen, ohne an einen bestimmten Plattformhersteller gebunden zu sein.
Das Geschäft teilt sich in zwei Segmente. Sensors erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2.058 Millionen Euro und damit den weitaus größten Teil; dazu gehören vernetzte, softwaredefinierte Sensoren und elektromagnetische Kampfführung. Optronics kam auf 419 Millionen Euro und liefert optische und optoelektronische Systeme.
Im ersten Halbjahr 2026 wuchs Sensors um 16,9 Prozent auf 955 Millionen Euro, Optronics sogar um 63,2 Prozent auf 219 Millionen. Regional lag der Schwerpunkt zuletzt bei rund 57 Prozent in Deutschland und 31 Prozent im übrigen Europa; langfristig strebt HENSOLDT eine Verteilung von etwa 50 zu 30 zu 20 an.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus dem Halbjahresbericht vom 31. Juli 2026. Alle Beträge in Millionen Euro.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Auftragseingang | 2.812 | 1.405 |
| Auftragsbestand zum 30. Juni | 10.356 | 7.070 |
| Umsatz | 1.167 | 944 |
| Bereinigtes EBITDA | 137 (11,8 % Marge) | 107 (11,3 %) |
| Bereinigtes EBIT | 70 (6,0 % Marge) | 49 (5,1 %) |
| Konzernergebnis | −13 | −44 |
| Ergebnis je Aktie | −0,09 € | −0,36 € |
| Bereinigter freier Cashflow | −136 | −181 |
Dass Konzernergebnis und freier Cashflow im ersten Halbjahr negativ sind, ist bei HENSOLDT der Normalfall: Das Geschäft ist stark auf das zweite Halbjahr gewichtet, und Vorleistungen für Großprojekte binden im ersten Halbjahr Kapital. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: Auftragseingang 4.710 Millionen Euro bei einem Book-to-Bill von 1,9, Umsatz 2.455 Millionen, bereinigtes EBITDA 452 Millionen, Konzernergebnis 86 Millionen und ein bereinigter freier Cashflow von 347 Millionen.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
HENSOLDT hat die Prognose für 2026 unverändert gelassen: ein Auftragseingang zwischen 4.125 und 5.500 Millionen Euro, ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,5 bis 2,0 sowie deutlich steigender Umsatz und deutlich steigendes bereinigtes EBITDA. Am 1. Juni 2026 wurde zusätzlich die Prognose für den bereinigten freien Cashflow angehoben.
Die ungewöhnlich breite Spanne beim Auftragseingang begründet das Unternehmen selbst mit der Unsicherheit über den Zeitpunkt, zu dem Großaufträge zustande kommen.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte HENSOLDT 0,55 Euro je Aktie bei einem Gesamtvolumen von 64 Millionen Euro. Beschlossen wurde die Ausschüttung auf der Hauptversammlung am 22. Mai 2026.
Die Dividendenpolitik sieht eine Ausschüttung von 30 bis 40 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses vor.
Was das Geschäft antreibt
- Steigende Verteidigungsbudgets. Das Unternehmen verweist auf das Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Kernverteidigung und auf das NATO-Programm Readiness 2030.
- Konkrete Beschaffungsprogramme. Genannt werden die Fregatte F127, Eurofighter Tranche 4 und 5 sowie Leopard 2A8.
- Software-defined Defence. Mit dem Software-Rückgrat MDOcore will HENSOLDT wiederkehrende Software- und Datenerlöse aufbauen – also Erlöse, die nicht an einzelnen Hardwarelieferungen hängen.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Der Zeitpunkt des Auftragseingangs bei Großprojekten. Das Unternehmen nennt diese Unsicherheit ausdrücklich in seiner Prognose.
- Die Beendigung des Programms F126. HENSOLDT hat dazu am 30. Juni 2026 eine eigene Folgenbewertung veröffentlicht.
- Stark negativer Cashflow im ersten Halbjahr durch den Working-Capital-Zyklus.
- Das Erreichen des eigenen Netto-Verschuldungsziels.
Wettbewerb
HENSOLDT nennt keine Wettbewerber namentlich. In den Unterlagen werden nur eigene Programme und Partner aufgeführt. Die Plattformunabhängigkeit bedeutet, dass das Unternehmen auch an Hersteller liefert, die untereinander konkurrieren.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 5. November 2026 | Quartalsmitteilung zu den ersten neun Monaten |
| 10. November 2026 | Kapitalmarkttag in London |
Einordnung
Bei HENSOLDT führt die Gewinn- und Verlustrechnung in die Irre, wenn man sie für sich nimmt. Ein Halbjahresverlust von 13 Millionen Euro steht einem Auftragsbestand von 10,36 Milliarden gegenüber. Entscheidend ist bei einem Rüstungszulieferer nicht, was in einem einzelnen Halbjahr abgerechnet wurde, sondern was in den Büchern steht und wie schnell es abgearbeitet werden kann.
Der Auftragsbestand hat sich binnen eines Jahres um 46 Prozent erhöht. Gleichzeitig ist die Frage, ob HENSOLDT die Kapazität hat, dieses Volumen umzusetzen. Das Unternehmen hat seit Jahresbeginn 780 Menschen eingestellt und ein Programm namens Operations 2.0 zum Kapazitätsausbau aufgelegt.
Die Ambition für 2030 nennt das Unternehmen selbst: 6 Milliarden Euro Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von mindestens 20 Prozent. Gegenüber 2,46 Milliarden Euro Umsatz und rund 18,4 Prozent Marge im Jahr 2025 ist das eine Verdopplung in fünf Jahren. Ob sie gelingt, hängt an Beschaffungsentscheidungen, die HENSOLDT nicht selbst trifft.
Häufige Fragen
Zahlt HENSOLDT eine Dividende?
Ja, für 2025 waren es 0,55 Euro je Aktie. Die Politik sieht 30 bis 40 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses vor.
Wem gehört HENSOLDT?
Die Bundesrepublik Deutschland hält rund 25,1 Prozent, der italienische Konzern Leonardo rund 22,8 Prozent. Der Rest ist Streubesitz.
Warum ist das Halbjahresergebnis negativ?
Das Geschäft ist stark auf das zweite Halbjahr gewichtet, und Vorleistungen für Großprojekte binden im ersten Halbjahr Kapital. Im Gesamtjahr 2025 lag das Konzernergebnis bei 86 Millionen Euro.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Quartalsmitteilung erscheint am 5. November 2026.
Quellen
- HENSOLDT AG – Investor Relations
- HENSOLDT AG – Angaben zur Aktie
- HENSOLDT AG – Unternehmen im Überblick
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.