Biotech-Aktien sind Anteile an Unternehmen, die Medikamente auf biologischer Basis entwickeln – Antikörper, Impfstoffe, Zelltherapien, mRNA. Was sie von fast jeder anderen Branche unterscheidet: Der Wert eines solchen Unternehmens hängt oft an einem einzigen Studienergebnis. Fällt es gut aus, verdoppelt sich der Kurs an einem Tag. Fällt es schlecht aus, bleibt von der Firma mitunter nur die Barreserve übrig.
Diese Seite zeigt 15 US-Biotechwerte mit Börsenwert, Entwicklungsstand und dem jeweils nächsten Termin, der den Kurs bewegen kann. Alle Angaben stammen aus Unternehmensberichten, SEC-Unterlagen und Mitteilungen der Zulassungsbehörden.
Das Wichtigste in Kürze
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was sind Biotech-Aktien? | Anteile an Unternehmen, die biologisch hergestellte Medikamente entwickeln – im Unterschied zu chemisch hergestellten Wirkstoffen. |
| Worin liegt das Risiko? | Die meisten Kandidaten scheitern. Ein Unternehmen ohne zugelassenes Produkt hat keinen Umsatz, nur Kosten. |
| Was bewegt die Kurse? | Studiendaten, Entscheidungen der FDA und Partnerschaften mit großen Pharmakonzernen. |
| Größter Wert in dieser Übersicht | Moderna mit rund 91 Mrd. US-Dollar. |
| Kleinster Wert | Acumen Pharmaceuticals mit rund 0,13 Mrd. US-Dollar. |
| Geht das auch ohne Einzelaktien? | Ja, über Branchenfonds. Das verteilt das Risiko über viele Kandidaten. |
Der Unterschied zu Pharma-Aktien
Die Begriffe werden oft vermischt, meinen aber zwei verschiedene Geschäftsmodelle. Ein Pharmakonzern wie Novartis oder Pfizer hat Dutzende zugelassene Medikamente, Milliardenumsätze und zahlt in der Regel eine Dividende. Fällt eine Studie aus, tut das weh, bringt den Konzern aber nicht in Gefahr.
Ein Biotechunternehmen hat häufig gar kein Produkt am Markt. Es finanziert sich über Kapitalerhöhungen und Partnerschaften, verbrennt Geld und lebt von der Aussicht auf eine Zulassung. In der Liste unten haben neun der 15 Unternehmen bereits ein zugelassenes Medikament, sechs noch keines.
Für Anleger heißt das: Die Kursbewegungen sind nicht vergleichbar. Ein Pharmawert schwankt wie ein normaler Standardwert, ein Biotechwert ohne Produkt verhält sich eher wie eine Wette mit festem Termin.
Die Branche im Chart
Der Chart zeigt den SPDR S&P Biotech ETF, der die US-Biotechbranche breit abbildet und dabei kleine und mittlere Werte gleich gewichtet. Er eignet sich als Stimmungsmesser für genau das Segment, um das es auf dieser Seite geht.
15 US-Biotechwerte im Überblick
Sortiert nach Börsenwert. Die Spanne reicht von 91 Milliarden bis 130 Millionen US-Dollar – ein Verhältnis von rund 700 zu 1 innerhalb derselben Branche.
| Unternehmen | Schwerpunkt | Börsenwert | Produkt am Markt |
|---|---|---|---|
| Moderna (MRNA) | mRNA-Impfstoffe, Onkologie | 90,7 Mrd. $ | ja |
| BioNTech (BNTX) | Onkologie, Impfstoffe | 22,4 Mrd. $ | ja |
| Jazz Pharmaceuticals (JAZZ) | Neurologie, Onkologie | 13,5 Mrd. $ | ja |
| Kiniksa (KNSA) | Entzündungserkrankungen | 10,0 Mrd. $ | ja |
| Kymera Therapeutics (KYMR) | Orale Immunologie | 9,0 Mrd. $ | nein |
| Protagonist (PTGX) | Peptide, Hämatologie | 8,6 Mrd. $ | ja |
| Veradermics (MANE) | Dermatologie | 5,1 Mrd. $ | nein |
| Scholar Rock (SRRK) | Neuromuskuläre Erkrankungen | 4,9 Mrd. $ | ja |
| Amylyx (AMLX) | Seltene Erkrankungen | 3,0 Mrd. $ | nein |
| NewAmsterdam Pharma (NAMS) | Cholesterinsenker | 2,4 Mrd. $ | ja (nur EU) |
| Novavax (NVAX) | Impfstoffe | 1,8 Mrd. $ | ja |
| Nuvation Bio (NUVB) | Onkologie | 1,6 Mrd. $ | ja |
| Vor Biopharma (VOR) | Autoimmunerkrankungen | 1,1 Mrd. $ | nein |
| Faeth Therapeutics (FTH) | Onkologie | 0,50 Mrd. $ | nein |
| Acumen Pharmaceuticals (ABOS) | Alzheimer | 0,13 Mrd. $ | nein |
Stand: 19. Oktober 2026. Börsenwert berechnet aus der zuletzt bei der US-Börsenaufsicht gemeldeten Aktienzahl und dem Kurs im US-Handel. Bei Kiniksa sind Aktien der Klassen A und B zusammengerechnet, gehandelt wird nur die Klasse A.
Wichtigster Kandidat und nächster Termin
Bei Biotechwerten entscheidet selten die Bilanz über den Kurs, sondern der nächste Termin. Diese Tabelle nennt für jedes Unternehmen den wichtigsten Wirkstoff und das, was als Nächstes ansteht. Wo das Unternehmen selbst keinen Zeitpunkt genannt hat, steht das ausdrücklich da – geschätzte Termine wären an dieser Stelle wertlos.
| Unternehmen | Wichtigster Kandidat | Stadium | Nächster Termin |
|---|---|---|---|
| Moderna | Intismeran autogene (mit Merck) | Phase 3 | Daten zum Melanom am 19.08.2026 vorgelegt, Gespräche mit Behörden über Zulassungsanträge laufen |
| BioNTech | Pumitamig (BNT327) | Phase 3 | Mehrere Datenauszüge 2026; Zeitpunkt des Zulassungsantrags nicht genannt |
| Jazz Pharmaceuticals | Zanidatamab (Ziihera) | zugelassen | Zwischenauswertung zum Gesamtüberleben im 1. Halbjahr 2027 |
| Kiniksa | KPL-387 | Phase 2/3 | Phase-2-Daten im 2. Halbjahr 2026, Start des Phase-3-Teils bis Jahresende |
| Kymera Therapeutics | KT-621 | Phase 2 | Topline-Daten zu atopischer Dermatitis bis Jahresende 2026 |
| Protagonist | Rusfertide (MIMRYLO) | zugelassen am 28.08.2026 | Start des Psoriasis-Programms Anfang 2027 |
| Veradermics | VDPHL01 | Phase 3 | Topline-Daten im 2. Halbjahr 2026; Antragstermin nicht genannt |
| Scholar Rock | Apitegromab (ISEMBYLD) | zugelassen am 11.09.2026 | Markteinführung läuft, EU-Prüfung ohne Zeitplan |
| Amylyx | Avexitide | Phase 3 abgeschlossen | Zulassungsantrag bis Jahresende 2026 geplant |
| NewAmsterdam Pharma | Obicetrapib | in der EU zugelassen | Zwischenanalyse der Herz-Kreislauf-Studie im 4. Quartal 2026 |
| Novavax | Kombinationsimpfstoff (Sanofi) | Phase 3 | Studienstart löst 125 Mio. $ aus; Datum nicht genannt |
| Nuvation Bio | Safusidenib | Phase 3 | FDA-Zieldatum 04.01.2027 für den erweiterten Antrag zu Ibtrozi |
| Vor Biopharma | Telitacicept | Phase 3 | Topline-Daten zu Myasthenia gravis im 1. Halbjahr 2027 |
| Faeth Therapeutics | PIKTOR | Phase 2 | Topline-Daten zum Endometriumkarzinom Ende 2026 |
| Acumen Pharmaceuticals | Sabirnetug | Phase 2 | Topline-Daten der Alzheimer-Studie Ende 2026 |
Was 2026 bereits eingetreten ist
Auffällig an diesem Jahrgang ist, wie viele Entscheidungen schon gefallen sind. Allein zwischen August und September 2026:
- 5. August: Die FDA lässt Modernas Grippeimpfstoff mFLUSIVA für Menschen ab 50 Jahren zu.
- 19. August: Merck und Moderna melden, dass die Phase-3-Studie INTerpath-001 ihre Endpunkte erreicht hat – die individualisierte mRNA-Krebstherapie Intismeran autogene plus Keytruda verlängerte bei operiertem Hautkrebs die Zeit bis zum Rückfall. Die Moderna-Aktie schloss den August bei 140 Dollar, nach 55 Dollar im Juli.
- 25. August: Zanidatamab von Jazz erhält die US-Zulassung für die Erstlinienbehandlung von HER2-positivem Magenkrebs.
- 28. August: Rusfertide von Protagonist wird als MIMRYLO zugelassen – das erste Mittel seiner Art bei Polycythaemia vera.
- 11. September: Apitegromab von Scholar Rock kommt als ISEMBYLD bei spinaler Muskelatrophie auf den Markt.
- 21. September: Die EU-Kommission lässt den Cholesterinsenker Obicetrapib von NewAmsterdam zu.
Fünf Zulassungen und ein großer Studienerfolg in sieben Wochen – das ist auch für diese Branche viel. Wer die Werte jetzt kauft, kauft sie nach diesen Nachrichten, nicht davor. Die Frage ist also nicht mehr, ob die Katalysatoren kommen, sondern ob in den Kursen schon mehr steckt, als die Produkte am Ende einbringen.
Wie der Weg zur Zulassung funktioniert
Wer Biotechwerte beurteilen will, muss die Stationen kennen, denn jede davon ist ein möglicher Kurssprung – nach oben wie nach unten.
| Stufe | Was geprüft wird | Typische Dauer |
|---|---|---|
| Präklinik | Wirkung im Labor und im Tierversuch | 1 bis 3 Jahre |
| Phase 1 | Verträglichkeit, meist an wenigen Dutzend gesunden Freiwilligen | 1 bis 2 Jahre |
| Phase 2 | Wirkt der Stoff überhaupt? Welche Dosis? | 2 bis 3 Jahre |
| Phase 3 | Beweis an mehreren hundert bis mehreren tausend Patienten | 2 bis 4 Jahre |
| Zulassungsantrag | Die Behörde prüft die Unterlagen (in den USA NDA oder BLA) | 6 bis 12 Monate |
Der wichtigste Begriff für Anleger ist das PDUFA-Datum. So heißt der Stichtag, bis zu dem sich die US-Behörde FDA zu einem Antrag äußern muss. Er steht lange vorher fest und ist deshalb der einzige Kurstermin in dieser Branche, den man sich im Kalender anstreichen kann. Ein Beispiel aus der Liste oben: Bei Nuvation Bio ist der 4. Januar 2027 gesetzt.
Dass ein Stichtag feststeht, heißt nicht, dass die Antwort ja lautet. Die FDA kann auch ablehnen oder Nachbesserungen verlangen – bei einem Unternehmen ohne zweites Produkt kostet das schnell die Hälfte des Kurses.
Die Risiken
- Das Produkt scheitert. Von den Wirkstoffen, die es bis in die Phase 1 schaffen, kommt nur ein kleiner Teil jemals auf den Markt. Phase 3 ist dabei die teuerste Stelle zum Scheitern.
- Das Geld geht aus. Ohne Umsatz lebt ein Biotechunternehmen von seiner Kasse. Reicht sie nicht bis zum nächsten Ergebnis, folgt eine Kapitalerhöhung – und die verwässert Altaktionäre.
- Ein Produkt trägt alles. Bei mehreren Werten in der Liste hängt fast der gesamte Umsatz an einem einzigen Medikament. Fällt der Patentschutz oder kommt Konkurrenz, bricht die Grundlage weg.
- Der Partner entscheidet mit. Novavax ist bei seinem wichtigsten Programm davon abhängig, wann Sanofi eine Studie startet. Solche Abhängigkeiten stehen im Geschäftsbericht, nicht in der Kurstabelle.
- Niedrige Kurse täuschen. Eine Aktie für 1,77 Dollar wie Acumen ist nicht billig, sondern klein. Der Börsenwert liegt bei 130 Millionen Dollar, und das Unternehmen hat kein Produkt am Markt.
Einzelwerte oder Fonds
Wer die Branche abbilden, aber nicht auf einzelne Studienergebnisse wetten will, kann einen Branchenfonds nehmen. Der Vorteil ist offensichtlich: Ein Fehlschlag unter 100 Positionen tut kaum weh. Der Nachteil ebenso: Die Verdopplung an einem Tag, wie sie Moderna im August hingelegt hat, verschwindet im Durchschnitt fast vollständig.
Wer Einzelwerte kauft, sollte die Position so klein halten, dass ein Totalverlust verkraftbar ist. Das ist bei dieser Branche keine Floskel – ein gescheiterter Phase-3-Wert verliert an einem Vormittag 70 bis 90 Prozent. Grundlagen zum Vorgehen stehen unter Aktien kaufen und ETF.
Fazit
Biotech ist die einzige Branche, in der ein Unternehmen ohne einen Euro Umsatz zweistellige Milliardenbeträge wert sein kann – Kymera steht mit 9 Milliarden Dollar in der Tabelle und hat kein zugelassenes Produkt. Das ist kein Konstruktionsfehler des Marktes, sondern der Preis für eine Aussicht. Ob er zu hoch ist, zeigt sich erst am Studienergebnis.
Das Jahr 2026 hat für diese Werte außergewöhnlich gut geliefert. Genau das ist der Grund zur Vorsicht: Die guten Nachrichten stehen bereits in den Kursen. Wer jetzt einsteigt, zahlt für Zulassungen, die schon erteilt sind, und wettet auf die nächste Runde – bei Acumen auf Alzheimer-Daten zum Jahresende, bei Kymera auf eine Hautstudie, bei Vor Biopharma auf Myasthenia-gravis-Daten im Jahr 2027.
Für die meisten Privatanleger ist die ehrliche Antwort deshalb: kleine Position oder Fonds. Wer einzelne Werte kauft, braucht einen Grund, der über den Kursverlauf hinausgeht, und die Bereitschaft, den Totalverlust auszuhalten. Verwandte Übersichten finden sich bei den KI-Aktien und den Tech-Aktien.
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Biotech und Pharma?
Biotechunternehmen stellen Wirkstoffe mit lebenden Zellen her – Antikörper, Impfstoffe, Zelltherapien. Pharmakonzerne arbeiten traditionell chemisch. Wirtschaftlich wichtiger ist der Unterschied in der Reife: Pharmakonzerne verdienen Geld, viele Biotechunternehmen noch nicht.
Was ist ein PDUFA-Datum?
Der Stichtag, bis zu dem die US-Behörde FDA über einen Zulassungsantrag entscheiden muss. Er wird bei Annahme des Antrags festgelegt und ist öffentlich – damit der einzige planbare Kurstermin der Branche.
Warum schwanken Biotech-Aktien so stark?
Weil der Wert an wenigen Ereignissen hängt. Zwischen zwei Studienergebnissen passiert operativ kaum etwas, dann fällt an einem Morgen eine Entscheidung, die über die gesamte Zukunft bestimmt. Moderna stieg im August 2026 innerhalb eines Monats von 55 auf 140 Dollar, nachdem eine Krebsstudie ihre Ziele erreicht hatte.
Kann ich diese Aktien in Deutschland kaufen?
Alle 15 sind an US-Börsen notiert und damit über jeden Broker mit US-Zugang handelbar. Einzelne haben zusätzlich eine deutsche Notierung, etwa Jazz Pharmaceuticals und Faeth Therapeutics. Die Umsätze sind dort meist dünner als in den USA.
Lohnt sich ein Biotech-Fonds mehr als Einzelaktien?
Das hängt davon ab, was man sucht. Ein Fonds nimmt das Risiko heraus, dass ein einzelnes Studienergebnis die Position vernichtet – und zugleich die Chance auf den großen Sprung. Wer die Branche nicht fachlich verfolgt, fährt mit dem Fonds in aller Regel besser.
Woran erkenne ich, ob einem Unternehmen das Geld ausgeht?
Im Quartalsbericht stehen Barmittel und operativer Mittelabfluss. Beides ins Verhältnis gesetzt ergibt die Reichweite. Viele Unternehmen nennen selbst, bis wann die Mittel reichen – steht dort ein Zeitpunkt vor dem nächsten Studienergebnis, ist eine Kapitalerhöhung wahrscheinlich.
Quellen
- US Securities and Exchange Commission: EDGAR-Datenbank – Quartalsberichte und Aktienzahlen der 15 Unternehmen, Abfrage vom 19. Oktober 2026
- Merck und Moderna: Mitteilung zur Phase-3-Studie INTerpath-001, 19. August 2026
- U.S. Food and Drug Administration: Zulassung von Rusfertide bei Polycythaemia vera, August 2026
- U.S. Food and Drug Administration: Zulassung von Zanidatamab bei HER2-positivem Magenkrebs, August 2026
- NewAmsterdam Pharma: EU-Zulassung für Obicetrapib, 21. September 2026
- Scholar Rock: Quartalsbericht und Zulassung von Apitegromab, 2026
- Kurse: Interactive Brokers, Stand 19. Oktober 2026