Der Goldpreis ist am Freitag, 23. Oktober 2026, unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze gefallen. Am Vormittag notierte XAU/USD zeitweise bei 3.986 Dollar (rund 3.560 Euro), am Nachmittag pendelte der Kurs knapp unter und knapp über der runden Marke. Unter 4.000 Dollar hatte Gold zuletzt im Juli gelegen.
Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf gut 4 Prozent, es ist der stärkste Wochenverlust seit mehr als vier Monaten. Vor einem Monat kostete eine Unze noch mehr als 4.300 Dollar. Noch deutlicher erwischte es Silber: Der Preis fiel innerhalb eines Monats um rund 16 Prozent auf etwa 54 Dollar (rund 48 Euro), den tiefsten Stand seit November 2025.
Die Zahlen im Überblick
| Markt | Stand 23.10.2026 | Vor einem Monat | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gold (Future, USD je Unze) | 4.010 $ (ca. 3.581 €) | 4.318 $ | −7,1 % |
| Silber (Future, USD je Unze) | 54,06 $ (ca. 48,28 €) | 64,38 $ | −16,0 % |
| Brent (USD je Barrel) | 111,90 $ | 103,08 $ | +8,6 % |
| Rendite 10-jährige US-Staatsanleihe | 4,99 % | 5,11 % | −0,12 Prozentpunkte |
| EUR/USD | 1,1197 | 1,1448 | −2,2 % |
Stand: 23. Oktober 2026, gegen 21 Uhr. Gold und Silber als Dezember-Terminkontrakt an der Comex, der Kassapreis lag leicht darunter. Euro-Werte umgerechnet zum aktuellen Kurs von 1,1197 Dollar.
Warum Gold fällt
1. Der Ölpreis treibt die Inflationssorgen
Der wichtigste Auslöser kommt vom Ölmarkt. Nach erneuten Angriffen auf die Ölinfrastruktur am Golf stieg Brent in dieser Woche zeitweise auf mehr als 113 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mai. Teures Öl hält die Inflation hoch, und das spricht dafür, dass die Zinsen länger hoch bleiben. Für Gold ist das ungünstig: Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab und verliert gegenüber verzinsten Anlagen an Attraktivität, wenn diese mehr Rendite bringen.
2. Die Fed ist im Zinserhöhungsmodus
Die US-Notenbank hatte im September die Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder angehoben, auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, und weitere Schritte in Aussicht gestellt. Bei der nächsten Sitzung am 27. und 28. Oktober rechnen die Märkte zwar mit einer Pause. Für Dezember gilt eine weitere Erhöhung aber als sehr wahrscheinlich. Mehr dazu auf der Seite zum Fed-Zinsentscheid.
3. Verkäufe, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen
Bemerkenswert ist, dass Gold am Donnerstag auch dann weiter fiel, als die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich auf unter 5 Prozent sank. Normalerweise hilft das dem Goldpreis. Gleichzeitig brachen Technologie- und Chipwerte ein: Der Nasdaq Composite verlor 2,6 Prozent, der Halbleiterindex der Börse Philadelphia sogar 6,7 Prozent. Viele Investoren mussten Verluste ausgleichen oder Nachschussforderungen bedienen und verkauften dafür, was sich schnell zu Geld machen lässt und zuvor gut gelaufen war, darunter Gold und Silber. In solchen Phasen wirkt Gold oft nicht als sicherer Hafen, sondern wird zunächst mit verkauft.
4. Wichtige Marken gerissen
Charttechnisch hat Gold in dieser Woche mehrere Unterstützungen unterschritten, zuerst 4.100 Dollar, dann 4.066 Dollar und schließlich die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar. Solche Brüche lösen häufig zusätzliche Verkäufe aus, etwa durch automatische Stop-Orders.
Was das für Anleger bedeutet
Vom Rekord Anfang 2026, als Gold zeitweise mehr als 4.900 Dollar kostete, ist der Preis inzwischen rund 18 Prozent entfernt. Für Euro-Anleger fiel der Rückgang zuletzt etwas geringer aus, weil der Dollar gegenüber dem Euro zugelegt hat. Kurzfristig hängt viel an zwei Fragen: ob der Ölpreis weiter steigt und wie deutlich die Fed am 28. Oktober eine Zinserhöhung im Dezember signalisiert. Beruhigt sich der Aktienmarkt, könnte auch der Verkaufsdruck bei Gold nachlassen.
Besonders stark schwanken in solchen Phasen die Aktien von Goldproduzenten, weil ihre Gewinne überproportional vom Goldpreis abhängen. Einen Überblick gibt es bei den Minenaktien. Wer den Wert eigener Bestände in Euro ausrechnen will, kann den Goldrechner nutzen.
Fazit
Gold fällt nicht wegen einer einzelnen Nachricht, sondern weil mehrere Belastungen zusammenkommen: teures Öl, die Aussicht auf weiter steigende US-Zinsen und Verkäufe von Investoren, die nach dem Einbruch der Technologiewerte Liquidität brauchen. Der Rückfall unter 4.000 Dollar ist vor allem ein Signal dafür, wie stark der Zinsausblick derzeit alle Märkte bestimmt.
Fragen und Antworten
Was bedeutet XAU/USD?
XAU ist das internationale Kürzel für Gold, USD steht für den US-Dollar. XAU/USD gibt also an, wie viele Dollar eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostet.
Wann lag Gold zuletzt unter 4.000 Dollar?
Zuletzt im Juli 2026. Am 23. Oktober fiel der Preis zum ersten Mal seit drei Monaten wieder unter diese Marke.
Warum steigt Gold trotz Krise am Golf nicht?
Weil die Krise vor allem den Ölpreis und damit die Inflations- und Zinserwartungen nach oben treibt. Höhere Zinsen machen Gold, das keine Zinsen abwirft, weniger attraktiv. Dazu kommen Verkäufe von Investoren, die nach Kursverlusten bei Aktien Geld benötigen.
Wann entscheidet die Fed das nächste Mal?
Die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank fällt am 28. Oktober 2026 um 19 Uhr deutscher Zeit.
Quellen
- Federal Reserve, geldpolitische Beschlüsse – federalreserve.gov
- CME Group, Gold-Futures (Comex) – cmegroup.com
- LBMA, Edelmetallpreise – lbma.org.uk
- U.S. Department of the Treasury, Renditen von Staatsanleihen – treasury.gov
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Kursangaben ohne Gewähr, Stand: 23. Oktober 2026, 21 Uhr.