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Intel-Optionen im Depot der Pelosis: Was in den Pflichtmeldungen steht

von FNE-Redaktion

In den Pflichtmeldungen des US-Repräsentantenhauses stehen seit diesem Jahr drei Intel-Positionen, die der Familie der Abgeordneten Nancy Pelosi zuzurechnen sind. Seit Intel vom Septemberhoch deutlich zurückgefallen ist, kursieren dazu Zahlen, die sich an den Originaldokumenten nicht nachvollziehen lassen.

Wir haben die Meldungen bei der Kanzlei des Repräsentantenhauses geöffnet und gegen die tatsächlichen Kursverläufe gehalten. Was steht wirklich drin?

Was die Pflichtmeldungen ausweisen

Es gibt zwei einschlägige Periodic Transaction Reports. Sie enthalten zusammen drei Intel-Positionen:

Datum des GeschäftsVorgangBetragsspanne
29. Mai 2026Kauf von 200 Call-Optionen, Basispreis 50 $, Verfall 19. März 20271.000.001 – 5.000.000 $
24. Juli 2026Kauf von 50 Call-Optionen, Basispreis 50 $, Verfall 17. Juni 2027250.001 – 500.000 $
24. Juli 2026Kauf von 10.000 Aktien500.001 – 1.000.000 $

Verkäufe sind für 2026 nicht gemeldet. Die Meldungen wurden am 23. Juni und am 21. August unterzeichnet.

Warum der Name auf der Meldung nicht der Käufer ist

In den Formularen gibt es eine Spalte mit der Überschrift „Owner“. Dort steht bei jeder dieser drei Zeilen das Kürzel SP. Nach dem amtlichen Ausfüllhinweis des Ethikausschusses steht SP für spouse, also den Ehepartner. DC stünde für ein unterhaltsberechtigtes Kind, JT für gemeinsames Eigentum.

Abgeordnete müssen die Geschäfte ihres Ehepartners melden. Die Meldung läuft deshalb unter ihrem Namen, obwohl sie die Transaktion nicht getätigt hat. Formulierungen wie „sie kaufte weitere Calls“ geben den Inhalt der Dokumente nicht wieder.

Ob eine solche Zurechnung politisch trotzdem berechtigt ist, lässt sich diskutieren. Nur steht sie so nicht im Dokument.

Was ein Basispreis von 50 Dollar bedeutet

Beide Call-Tranchen haben einen Basispreis von 50 Dollar und laufen bis März beziehungsweise Juni 2027. Am Kauftag der ersten Tranche schloss Intel bei 114,68 Dollar.

Eine Option, deren Basispreis weit unter dem Aktienkurs liegt, heißt „tief im Geld“. Sie verhält sich fast wie die Aktie selbst, nur mit geringerem Kapitaleinsatz. Der Käufer zahlt dafür eine Prämie, die den inneren Wert bereits enthält – bei 114 Dollar Kurs und 50 Dollar Basispreis also mindestens 64 Dollar je Aktie.

Das ist etwas anderes als eine Wette auf einen Kurssprung. Wer Optionen weit über dem aktuellen Kurs kauft, zahlt wenig und verliert alles, wenn die Aktie nicht steigt. Hier dagegen entspricht die Konstruktion weitgehend einem gehebelten Aktienkauf mit langer Laufzeit. Mehr zur Funktionsweise steht unter Eurex. Zur Person und zu den Offenlegungspflichten: Nancy Pelosi im Porträt.

Der Kursverlauf

Die Intel-Aktie hat in diesem Jahr ungewöhnlich weite Ausschläge gezeigt. Die Schlusskurse an den relevanten Tagen:

DatumSchlusskursAnlass
29. Mai 2026114,68 $Kauf der ersten Call-Tranche
22. Juni 2026140,94 $Höchster Schlusskurs im Juni
24. Juli 202692,32 $Kauf der zweiten Tranche und der Aktien
29. Juli 202681,88 $Tiefster Schlusskurs im Sommer
1. September 202690,05 $Monatsbeginn
23. September 2026127,39 $Höchster Schlusskurs im September
20. Oktober 202691,69 $Zuletzt

Zwei Angaben aus der Erzählung halten der Prüfung stand: Am 24. Juli lag der Kurs tatsächlich bei gut 92 Dollar, und im September ging es tatsächlich über 120 Dollar. Die Formulierung, die Aktie habe sich im Juni der Marke von 110 Dollar genähert, vermischt dagegen zwei Daten – gekauft wurde am 29. Mai bei 114,68 Dollar, gemeldet erst im Juni.

Was sich nicht belegen lässt

Die Pflichtmeldungen nennen keine Preise, keine Prämien und keine Bewertungen. Sie geben ausschließlich Betragsspannen an. Damit sind mehrere Zahlen, die im Umlauf sind, aus den Dokumenten nicht herleitbar.

Kursierende AngabeWas amtlich belegt ist
„knapp 1,5 Millionen Dollar“Spanne von 1.000.001 bis 5.000.000 $
„fast 2 Millionen Dollar Position“Summe der drei Spannen: 1.750.003 bis 6.500.000 $
„27 Prozent im Minus“keine Bewertungsangabe in den Meldungen
„10.000 Aktien“belegt
„weitere Calls“belegt, 50 Stück am 24. Juli

Bemerkenswert ist die Zahl von 27 Prozent. Die Intel-Aktie ist vom Septemberhoch bei 127,39 Dollar auf 91,69 Dollar gefallen, das sind 28 Prozent. Die Größenordnung entspricht also dem Kursrückgang der Aktie – nicht dem Ergebnis einer Optionsposition, das ohne Kenntnis der gezahlten Prämie niemand ausrechnen kann.

Wurden die Meldefristen eingehalten?

Der STOCK Act von 2012 verlangt eine Meldung spätestens 30 Tage nach Kenntnis, in jedem Fall aber innerhalb von 45 Tagen nach dem Geschäft. Meldepflichtig ist jede Einzeltransaktion über 1.000 Dollar. Verspätete Meldungen kosten mindestens 200 Dollar Gebühr.

GeschäftFristUnterzeichnet
29. Mai 202628. Juni 202623. Juni 2026
24. Juli 202623. August 202621. August 2026

Beide Meldungen liegen innerhalb der Frist. Ein laufendes Verfahren des Ethikausschusses oder des Office of Congressional Conduct zu diesen Geschäften ist in den amtlichen Übersichten nicht verzeichnet.

Fazit

Die Geschäfte sind real, die Dokumente öffentlich, die Fristen gewahrt. Drei Dinge stimmen an der verbreiteten Darstellung trotzdem nicht.

Erstens die handelnde Person: Die Formulare weisen durchgehend den Ehepartner als Eigentümer aus. Zweitens die Risikostruktur: Optionen mit einem Basispreis von 50 Dollar bei einem Kurs von 114 Dollar sind keine spekulative Wette, sondern ein gehebelter Aktienkauf mit anderthalb Jahren Laufzeit. Drittens die Zahlen: Weder die 1,5 Millionen noch die 2 Millionen noch die 27 Prozent stehen in den Meldungen.

Was bleibt, ist die politische Frage dahinter – und die ist älter als dieser Fall. Soll es Abgeordneten und ihren Ehepartnern erlaubt sein, Einzelaktien zu handeln, solange sie es nur fristgerecht melden? Pelosi selbst hat sich im Juli 2025 öffentlich hinter ein Handelsverbot für Abgeordnete gestellt. Beschlossen ist ein solches Verbot bis heute nicht.

Für Anleger ist die nüchterne Lehre eine andere: Wer Depots von Politikern nachbildet, kennt weder den Einstiegspreis noch den Zeitpunkt noch die Absicht dahinter. Die Meldungen erscheinen mit bis zu 45 Tagen Verzögerung und nennen nur Spannen. Zum Nachhandeln taugen sie nicht. Zur Aktie selbst finden Sie Zahlen und Bewertung unter Intel-Aktie.

Fragen und Antworten

Hat Nancy Pelosi diese Intel-Optionen selbst gekauft?

Nach den Formularen nicht. In der Eigentümerspalte steht bei allen drei Positionen das Kürzel SP für den Ehepartner. Abgeordnete sind verpflichtet, dessen Geschäfte zu melden.

Wie groß ist die Position wirklich?

Das lässt sich nicht genau sagen. Die Meldungen nennen nur Spannen. Zusammengerechnet liegt die Summe zwischen 1,75 und 6,5 Millionen Dollar.

Steht die Position 27 Prozent im Minus?

Aus den amtlichen Unterlagen lässt sich das nicht ableiten. Sie enthalten keine Kurse und keine Bewertungen. Die Intel-Aktie selbst hat vom Septemberhoch rund 28 Prozent verloren.

Was bedeutet ein Basispreis von 50 Dollar?

Die Option war beim Kauf tief im Geld. Sie bildet die Aktie weitgehend ab, statt auf einen Kurssprung zu setzen. Der Käufer zahlt dafür eine entsprechend hohe Prämie.

Waren die Geschäfte erlaubt?

Der Handel mit Einzelaktien ist Abgeordneten und ihren Angehörigen erlaubt. Pflicht ist die fristgerechte Meldung nach dem STOCK Act. Beide Meldungen lagen innerhalb der Frist.

Läuft ein Verfahren?

In den Übersichten des Ethikausschusses und des Office of Congressional Conduct ist zu diesen Geschäften nichts verzeichnet.

Kann ich solche Geschäfte nachhandeln?

Die Meldungen erscheinen mit erheblicher Verzögerung und ohne Preise. Wer darauf handelt, kennt weder Einstiegskurs noch Prämie noch den Zeitpunkt eines möglichen Ausstiegs.

Quellen

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