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Stabilus Aktie

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Gasdruckfeder hält die geöffnete Heckklappe eines Autos in einem hellen Designstudio
Aktie im Porträt

Stabilus Aktie: Portrait, Zahlen und Dividende

Die Stabilus SE aus Koblenz stellt Gasfedern, Dämpfer und elektromechanische Antriebe her und fasst dieses Geschäft unter dem Begriff Motion Control zusammen. Nach dem Verkauf von Fabreeka und Tech Products im Geschäftsjahr 2026 bezeichnet sich das Unternehmen selbst als reines Motion-Control-Unternehmen.

Das Geschäftsjahr endet am 30. September. Die letzten berichteten Zahlen betreffen daher die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 vom 1. Oktober 2025 bis 30. Juni 2026, veröffentlicht am 3. August 2026. Die endgültigen Jahreszahlen sind für den 7. Dezember 2026 angekündigt.

Dieses Portrait fasst Geschäftsmodell, Zahlen, Prognose, Dividende und die vom Unternehmen selbst genannten Risiken zusammen. Alle Angaben stammen aus Primärquellen von Stabilus. Es ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Unternehmensprofil

FirmaStabilus SE
SitzWallersheimer Weg 100, 56070 Koblenz
RechtsformEuropäische Aktiengesellschaft (SE), Umwandlung 2022
Gegründet1934 in Koblenz, Börsengang 23.05.2014
BrancheMotion Control: Gasfedern, Dämpfer, elektromechanische Antriebe, Automatisierungstechnik
GeschäftseinheitenAutomotive Gas Spring, Automotive Powerise, Industrial Components, Industrial Automation (Destaco)
Mitarbeiter7.179 zum 30.06.2026 (7.608 inkl. Leiharbeit, Auszubildende, Praktikanten)
VorstandDr. Michael Büchsner (CEO, zugleich Interims-CFO), David Sabet (CTO)
AufsichtsratsvorsitzDr. Frank Heinricht (seit Februar 2026)
ISINDE000STAB1L8
WKNSTAB1L
KürzelSTM
BörsensegmentPrime Standard, Frankfurter Wertpapierbörse
IndexSDAX
Geschäftsjahresende30. September (abweichendes Geschäftsjahr)
Aktienzahl24.700.000
Größere AktionäreGoldman Sachs Group 11 %, FMR LLC 10 %, Teleios Capital Partners 10 %, Soo Chuen Tan 6 %, Norbel Inversiones 5 %, Union Investment 5 %, eigene Aktien 3 %, übrige Investoren 38 %
Marktkapitalisierung388,28 Mio. Euro nach Angabe des eigenen Factsheets

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Stabilus entwickelt, produziert und verkauft Komponenten und Systeme zur Bewegungssteuerung: mechanische und verriegelbare Gasfedern, Rotations- und Hydraulikdämpfer, Sicherheits- und Industriestoßdämpfer, Vibrationsisolatoren sowie elektromechanische Antriebe der Baureihe Powerise. Mit der Übernahme von Destaco im Jahr 2024 kam Automatisierungs- und Spanntechnik hinzu. Der Umsatz entsteht über den Verkauf dieser Komponenten an Fahrzeughersteller und Zulieferer, an Industriekunden sowie über Distributoren, den unabhängigen Ersatzteilmarkt und E-Commerce.

Die vier Geschäftseinheiten entwickelten sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 sehr unterschiedlich. Automotive Gas Spring kam auf 220,1 Mio. Euro Umsatz nach 247,7 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum, ein Rückgang von 11,1 Prozent. Automotive Powerise verlor von 290,0 auf 241,8 Mio. Euro, also 16,6 Prozent. Industrial Components blieb mit 309,9 nach 309,6 Mio. Euro praktisch stabil. Industrial Automation, also Destaco, kam auf 123,6 nach 132,7 Mio. Euro, ein Minus von 6,9 Prozent. Automobil- und Industriegeschäft machen damit jeweils etwa die Hälfte des Konzernumsatzes aus.

Regional verlief das Jahr ebenfalls zweigeteilt. EMEA erreichte 405,0 Mio. Euro Umsatz nach 409,4 Mio. Euro, ein Minus von 1,1 Prozent, organisch dagegen ein Plus von 0,1 Prozent, bei einer bereinigten EBIT-Marge von 11,3 Prozent nach 10,4 Prozent. Americas verlor 7,1 Prozent auf 332,7 Mio. Euro, organisch 3,3 Prozent, und die Marge fiel von 9,5 auf 7,7 Prozent. APAC brach um 25,8 Prozent auf 157,7 Mio. Euro ein, organisch um 22,4 Prozent, hielt aber mit 15,3 Prozent nach 15,0 Prozent die höchste Regionenmarge.

Neben den Geschäftseinheiten berichtet Stabilus die Umsatzentwicklung nach Endmärkten: Automotive, Industrial Machinery und Automation, Distributoren und unabhängiger Ersatzteilmarkt inklusive E-Commerce, Aerospace, Marine, Rail und Defense, Energie und Bau, Gesundheit, Freizeit und Möbel sowie Nutzfahrzeuge. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete das Unternehmen für Aerospace, Marine, Rail und Defense ein Plus von 35 Prozent, für Nutzfahrzeuge 10 Prozent, für Distribution und Ersatzteilmarkt 9 Prozent und für Gesundheit, Freizeit und Möbel 7 Prozent.

Eine Kundenkonzentration weist Stabilus in den abgerufenen Unterlagen nicht aus, ebenso keinen Anteil wiederkehrender Umsätze. Auftragseingang und Auftragsbestand berichtet das Unternehmen nicht.

Produktseitig hat Stabilus am 29. Juli 2026 eine Partnerschaft mit Synapticon zur gemeinsamen Produktion integrierter Aktuatoren für humanoide Roboter gemeldet. Laut Ergebnispräsentation sind smarte Rotationsaktuatoren in Entwicklung, mit bis zu 30 Aktuatoren je Roboter.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Die folgenden Zahlen stammen aus der Quartalsmitteilung zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 3. August 2026. Berichtszeitraum ist der 1. Oktober 2025 bis 30. Juni 2026. Angaben in Millionen Euro, soweit nicht anders bezeichnet.

Kennzahl9M GJ2026 (Mio. Euro)9M GJ2025 (Mio. Euro)Veränderung
Umsatzerlöse895,5980,0-8,6 %
Umsatz organisch––-5,9 %
EBIT (berichtet)111,878,8+41,9 %
Bereinigtes EBIT95,6108,6-12,0 %
Bereinigte EBIT-Marge10,7 %11,1 %–
Periodenergebnis68,935,6+93,5 %
Ergebnis je Aktie (Euro)2,761,40+97,1 %
Operativer Cashflow93,2119,3-21,9 %
Investitionen52,066,2-21,5 %
Free Cashflow (berichtet)123,353,9mehr als +100 %
Bereinigter Free Cashflow56,660,3-6,1 %
Nettofinanzschulden552,2673,7-17,6 %
Nettoverschuldungsgrad2,77x3,03x–
Eigenkapital718,3646,1+11,2 %
Eigenkapitalquote38,4 %34,6 %–
Bilanzsumme1.871,01.868,5+0,1 %

Veränderungsangaben, die der Bericht nicht selbst ausweist, sind aus den berichteten Absolutwerten berechnet. Wichtig für die Einordnung: Der große Abstand zwischen berichtetem und bereinigtem EBIT sowie zwischen berichtetem und bereinigtem Free Cashflow geht auf den im dritten Quartal vollzogenen Verkauf von Fabreeka und Tech Products zurück. Im dritten Quartal allein standen 66,1 Mio. Euro berichtetes EBIT gegen 32,2 Mio. Euro bereinigtes EBIT. Die bereinigten Größen sind damit die operative Referenz. Zudem sind die Vorjahresreihen nicht deckungsgleich: Die Kennzahlenübersicht vergleicht Bilanzgrößen mit dem 30.06.2025, die Konzernbilanz dagegen mit dem 30.09.2025 (Eigenkapital dort 635,8 Mio. Euro, Bilanzsumme 1.880,5 Mio. Euro).

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 gab Stabilus am 8. Dezember 2025 erstmals ab: Umsatz von 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro, bereinigte EBIT-Marge von 10 bis 12 Prozent und bereinigter Free Cashflow von 80 bis 110 Mio. Euro. Die Bandbreiten begründete das Unternehmen mit dem herausfordernden Marktumfeld.

Am 4. Mai 2026 bestätigte Stabilus diesen Ausblick im Zwischenbericht zum ersten Halbjahr unverändert. Erwartet wurde nur eine moderate Erholung der Weltwirtschaft und ein leicht rückläufiges Geschäftsvolumen.

Am 22. Juli 2026 konkretisierte der Vorstand die Prognose per Ad-hoc-Mitteilung innerhalb der ursprünglichen Bandbreiten, bestätigt in der Quartalsmitteilung vom 3. August 2026. Wörtlich heißt es: „Für das Geschäftsjahr 2026 werden nun Ergebnisse innerhalb der Bandbreite für den Umsatz (circa 1,15 Mrd. Euro)“ erwartet, und: „Die bereinigte EBIT-Marge wird am unteren Ende der Bandbreite bei circa 10% erwartet.“ Der bereinigte Free Cashflow wird mit rund 90 Mio. Euro erwartet. Eine Erholung in den verbleibenden Monaten bis zum 30. September 2026 hielt der Vorstand „derzeit nicht für wahrscheinlich“.

Formal ist die Prognose damit eingehalten worden, inhaltlich ist es jeweils das untere Ende der ursprünglichen Spanne. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 lag zum Datenstand noch nicht vor; sie dürfte mit dem Geschäftsbericht am 7. Dezember 2026 kommen.

Als Mittelfristziele nennt Stabilus eine Senkung des Nettoverschuldungsgrads „innerhalb der nächsten drei Jahre unter 2,0“ und mittelfristig auf 1,0. Das im September 2025 beschlossene Transformationsprogramm soll rund 19 Mio. Euro Einsparungen im Geschäftsjahr 2027 und rund 32 Mio. Euro pro Jahr ab dem Geschäftsjahr 2028 bringen. Die Langfriststrategie trägt den Namen STAR 2030, Zielzahlen veröffentlicht das Unternehmen dazu nicht.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 hat die Hauptversammlung am 4. Februar 2026 eine Dividende von 0,35 Euro je Aktie beschlossen. Die Ausschüttungssumme betrug 8,6 Mio. Euro, die Ausschüttungsquote 37 Prozent.

Für das Geschäftsjahr 2024 hatte Stabilus noch 1,15 Euro je Aktie gezahlt, insgesamt 28,4 Mio. Euro bei einer Quote von 40 Prozent. Die Dividende wurde damit um rund 70 Prozent gesenkt.

Als Dividendenpolitik legt Stabilus eine Zielausschüttungsquote von 20 bis 40 Prozent des Ergebnisses zugrunde. Die Corporate News vom 8. Dezember 2025 ordnet die Quote von 37 Prozent ausdrücklich „am oberen Ende“ dieser Spanne ein.

Parallel läuft ein Aktienrückkauf. Am 15. Dezember 2025 beschloss der Vorstand ein Programm mit einem Volumen von bis zu 20 Mio. Euro. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 weist der Konzern unter Erwerb eigener Aktien einen Mittelabfluss von rund 8,9 Mio. Euro aus. Das Factsheet führt Stabilus mit 3 Prozent eigenen Aktien in der Aktionärsstruktur. Laufzeit und zurückgekaufte Stückzahlen sind in den abgerufenen Unterlagen nicht ausgewiesen.

Ein konkreter Zahltag der Dividende ist in den abgerufenen Primärquellen nicht genannt, ebenso keine Dividendenhistorie vor dem Geschäftsjahr 2024.

Was das Geschäft antreibt

  • Elektrifizierung von Fahrzeugklappen. Stabilus produziert seit 2002 elektromechanische Systeme für Seitentüren, Kofferraumklappen und Heckdeckel in Serie. Automotive Powerise ist mit 241,8 Mio. Euro die zweitgrößte Geschäftseinheit, verlor in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 aber 16,6 Prozent. Der Treiber wirkt derzeit also negativ.
  • Diversifizierung weg vom Automobilgeschäft. Industrial Components mit 309,9 Mio. Euro und Industrial Automation mit 123,6 Mio. Euro machen zusammen etwa die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Industrial Components war mit plus 0,1 Prozent stabil, während beide Automotive-Einheiten zweistellig verloren.
  • Portfoliobereinigung zum Pure Play. Der im Mai 2026 vereinbarte Verkauf von Fabreeka und Tech Products hat den berichteten Free Cashflow auf 123,3 Mio. Euro gehoben und die Nettofinanzschulden auf 552,2 Mio. Euro gesenkt. Die Netto-Veräußerungserlöse werden laut Präsentation vorrangig zum Schuldenabbau eingesetzt.
  • Kostenprogramm. Für das im September 2025 beschlossene Transformationsprogramm wurde im Geschäftsjahr 2025 eine Rückstellung von 18 Mio. Euro gebildet; die Mittelabflüsse fallen überwiegend im Geschäftsjahr 2026 an. Die Einsparungen sollen ab dem Geschäftsjahr 2028 rund 32 Mio. Euro pro Jahr betragen.
  • Defense und Aerospace. Das Marktsegment Aerospace, Marine, Rail und Defense wuchs im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 35 Prozent. Am 3. März 2026 kündigte Stabilus an, das Geschäft mit militärischen Anwendungen erheblich ausbauen zu wollen.
  • Robotik und Automatisierung. Neben der Synapticon-Partnerschaft kündigte Stabilus am 26. Februar 2026 integrierte Lösungen für die industrielle Automatisierung und am 31. März 2026 das Angebot „Customized to Order“ für Industrial-Powerise-Antriebe an.
  • Regionale Produktion. Am 19. Mai 2026 meldete Stabilus Investitionen in Produktions- und Vertriebsinfrastruktur in den USA, China, Mexiko und Deutschland. Den Ansatz local for local führt das Unternehmen als natürliche Währungsabsicherung und Resilienzfaktor an. Gegenläufig dazu brach der APAC-Umsatz um 25,8 Prozent ein.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Die folgenden Angaben stammen aus dem Chancen- und Risikobericht der Quartalsmitteilung zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026. Stabilus bewertet Risiken auf einer eigenen Skala mit den Stufen niedrig, mittel und hoch. Der vollständige Risikokatalog steht laut Bericht im Geschäftsbericht 2025 ab Seite 51; dieses Dokument war über die abgerufenen IR-Seiten nicht als PDF verfügbar.
  • Zwei Einstufungen hat das Unternehmen im Berichtszeitraum verändert. Das Kredit- und Liquiditätsrisiko wurde von mittel auf niedrig gesenkt, begründet vor allem mit dem Verkauf der fünf Tochtergesellschaften und dem abgeschlossenen Covenant-Reset. Die Materialrisiken, also Beschaffungsrisiko und Lieferfähigkeit, wurden von mittel auf hoch angehoben, begründet mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Rohstoffmärkte und Lieferketten.
  • Namentlich nennt Stabilus zudem Handelsspannungen, mögliche Handelsbeschränkungen, eine Eskalation des Nahostkonflikts sowie eine höhere Volatilität auf den globalen Absatz- und Beschaffungsmärkten. Diese Risiken betreffen überwiegend die Endmärkte Automobil und Industrie.
  • Im Zwischenbericht zum ersten Halbjahr nennt das Unternehmen in der Marktdiskussion zusätzlich, ausdrücklich nicht als formale Risikokategorien, makroökonomische Unsicherheit, intensiven Wettbewerb, anhaltenden Preisdruck mit Margenbelastung, geopolitische Spannungen einschließlich der USA sowie in APAC steigende Kostenbasen inklusive höherer Personalkosten.
  • Zur Finanzierung: Der maximal zulässige Nettoverschuldungsgrad als Covenant beträgt regulär 3,5x, wurde für das Geschäftsjahr 2026 temporär auf 4,0x erhöht und liegt im Geschäftsjahr 2027 bei bis zu 3,9x, ab Ende des Geschäftsjahres 2028 wieder bei 3,5x. Zum Stichtag berichtet das Unternehmen ausreichenden Covenant-Spielraum und keinen Covenant-Bruch im Berichtszeitraum.
  • In der Gesamtbeurteilung sieht das Management aus den aggregierten Risiken keine wesentliche Auswirkung auf die Risikotragfähigkeit des Konzerns, da sich das Gesamtrisikoprofil nicht wesentlich verändert habe. Es werde kein Einzel- oder Gesamtrisiko gesehen, das den Fortbestand der Stabilus SE oder des Konzerns wesentlich gefährden könnte. Die Risikotragfähigkeit ist an die Financial Covenants und das Eigenkapital gebunden und wird laufend überwacht.

Wettbewerb

Namentliche Wettbewerber nennt Stabilus in den abgerufenen Primärquellen nicht. Auch die Ergebnispräsentation zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 enthält weder Wettbewerbernamen noch Marktanteils- oder Marktpositionsangaben.

Zur eigenen Positionierung beschreibt sich Stabilus als einer der weltweit führenden Anbieter von Motion-Control-Lösungen und nennt als Ziel, Weltmarktführer bei intelligenten Motion-Control-Technologien zu werden. Nach dem Verkauf von Fabreeka und Tech Products bezeichnet sich das Unternehmen als reines Motion-Control-Unternehmen, was die strategische Klarheit erhöhe.

Zur Region EMEA heißt es im Zwischenbericht zum ersten Halbjahr: „Damit konnte Stabilus seine Marktposition weiterhin gut behaupten.“ Zur Wettbewerbsintensität äußert sich das Unternehmen nur allgemein und nennt intensiven Wettbewerb und anhaltenden Preisdruck als Belastung der Margen, ohne Wettbewerber zu benennen. Marktanteile veröffentlicht Stabilus nicht.

Termine

DatumEreignis
07.12.2026Geschäftsbericht 2026 mit Analysten- und Investoren-Webkonferenz
25.01.2027Quartalsmitteilung Q1 Geschäftsjahr 2027
03.02.2027Ordentliche Hauptversammlung in Koblenz
03.05.2027Zwischenbericht erstes Halbjahr Geschäftsjahr 2027
02.08.2027Quartalsmitteilung 9M Geschäftsjahr 2027
06.12.2027Geschäftsbericht 2027

Fazit

Stabilus hat im Geschäftsjahr 2026 zwei Dinge gleichzeitig getan: die Bilanz entlastet und das Portfolio verengt. Die Nettofinanzschulden sanken binnen neun Monaten auf 552,2 Mio. Euro, ein Minus von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresstichtag, der Nettoverschuldungsgrad auf 2,77x, und der berichtete Free Cashflow sprang auf 123,3 Mio. Euro. Dieser Sprung ist allerdings kein operativer: Der bereinigte Free Cashflow lag mit 56,6 Mio. Euro unter dem Vorjahr, der operative Cashflow fiel um 21,9 Prozent, und die Investitionen wurden um 21,5 Prozent zurückgefahren. Dasselbe Muster zeigt das Ergebnis: Das berichtete EBIT stieg um 41,9 Prozent, das bereinigte EBIT fiel um 12,0 Prozent.

Operativ ist das Bild zweigeteilt. Die beiden Automotive-Einheiten verloren 11,1 und 16,6 Prozent, Industrial Components blieb stabil. Regional fällt APAC mit einem Umsatzrückgang von 25,8 Prozent auf, bei allerdings weiterhin höchster Regionenmarge von 15,3 Prozent. Americas verlor dagegen sowohl Umsatz als auch Marge, von 9,5 auf 7,7 Prozent. Offen bleibt die Frage, ob die APAC-Schwäche vorrangig auf das chinesische Automobilgeschäft zurückgeht und ob die Margenstabilität dort bei weiter sinkenden Volumina zu halten ist. Das Unternehmen beantwortet diese Frage in den abgerufenen Berichten nicht.

Kapitalseitig ist die Botschaft auf Entschuldung ausgerichtet. Das Ziel lautet Nettoverschuldungsgrad unter 2,0 innerhalb von drei Jahren und mittelfristig 1,0, während die Covenant-Obergrenze bis Ende des Geschäftsjahres 2028 von temporär 4,0x auf 3,5x zurückläuft. Gleichzeitig läuft ein Aktienrückkauf von bis zu 20 Mio. Euro, von dem in neun Monaten rund 8,9 Mio. Euro abgeflossen sind, und die Dividende wurde von 1,15 auf 0,35 Euro gesenkt. Entschuldung, Rückkauf und Dividende konkurrieren damit um denselben Mittelzufluss. Ob das Rückkaufprogramm bei weiter rückläufigem bereinigten Free Cashflow fortgeführt wird, ist aus den abgerufenen Quellen nicht ersichtlich.

Ein Hinweis zur Governance: Der zum 1. November 2025 bestellte Finanzvorstand Andreas Jaeger hat sein Amt am 7. August 2026 auf eigenen Wunsch niedergelegt, der CEO führt die Finanzen seither interimistisch. Der Aufsichtsratsvorsitz wechselte im Februar 2026 auf Dr. Frank Heinricht. Zugleich ist die eigene IR-Datenlage nicht ganz konsistent: Das Factsheet nennt im Indexfeld SDAX, im Kurskopf dagegen MDAX, und die ausgewiesene Marktkapitalisierung von 388,28 Mio. Euro passt nicht exakt zu Aktienzahl mal angezeigtem Kurs. Für die Lektüre von Kennzahlen heißt das: immer Stichtag und Bereinigungsstatus mitlesen.

Die nächste belastbare Datenbasis liefert der Geschäftsbericht am 7. Dezember 2026. Er bringt die endgültigen Zahlen für das am 30. September 2026 beendete Geschäftsjahr, voraussichtlich die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 und den vollständigen Risikokatalog.

Fragen und Antworten

In welchem Index ist die Stabilus Aktie notiert?

Stabilus ist nach den Konstituentendaten der Deutschen Börse Mitglied im SDAX und im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Das eigene IR-Factsheet nennt im Feld Indizes ebenfalls SDAX, im Kurskopf derselben Seite dagegen MDAX. Diese Abweichung erläutert das Unternehmen nicht.

Wann endet das Geschäftsjahr von Stabilus?

Stabilus hat ein abweichendes Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Das Geschäftsjahr 2027 läuft vom 1. Oktober 2026 bis 30. September 2027. Quartalszahlen beziehen sich daher nicht auf Kalenderquartale.

Wie hoch ist die Dividende von Stabilus?

Für das Geschäftsjahr 2025 hat die Hauptversammlung am 4. Februar 2026 eine Dividende von 0,35 Euro je Aktie beschlossen, insgesamt 8,6 Mio. Euro bei einer Ausschüttungsquote von 37 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2024 waren es noch 1,15 Euro. Die Zielausschüttungsquote liegt bei 20 bis 40 Prozent des Ergebnisses.

Warum weichen berichtetes und bereinigtes Ergebnis so stark voneinander ab?

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 wurde der Verkauf von Fabreeka und Tech Products vollzogen. Der Veräußerungsgewinn steckt im berichteten EBIT von 111,8 Mio. Euro und im berichteten Free Cashflow von 123,3 Mio. Euro, nicht aber in den bereinigten Größen von 95,6 Mio. Euro bzw. 56,6 Mio. Euro. Für den operativen Verlauf sind die bereinigten Werte die Referenz.

Hat Stabilus die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 gesenkt?

Formal nicht. Die am 8. Dezember 2025 abgegebene Spanne von 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro Umsatz, 10 bis 12 Prozent bereinigter EBIT-Marge und 80 bis 110 Mio. Euro bereinigtem Free Cashflow blieb bestehen. Am 22. Juli 2026 konkretisierte der Vorstand sie innerhalb dieser Bandbreiten auf circa 1,15 Mrd. Euro Umsatz, circa 10 Prozent Marge am unteren Ende und rund 90 Mio. Euro bereinigten Free Cashflow.

Welches Risiko hat Stabilus zuletzt höher eingestuft?

Die Materialrisiken, also Beschaffungsrisiko und Lieferfähigkeit, wurden von mittel auf hoch angehoben. Das Unternehmen begründet dies mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Rohstoffmärkte und Lieferketten. Gleichzeitig wurde das Kredit- und Liquiditätsrisiko von mittel auf niedrig gesenkt.

Wann veröffentlicht Stabilus die Jahreszahlen?

Der Geschäftsbericht für das am 30. September 2026 beendete Geschäftsjahr ist für den 7. Dezember 2026 angekündigt, verbunden mit einer Analysten- und Investoren-Webkonferenz. Die Hauptversammlung folgt am 3. Februar 2027 in Koblenz.

Quellen

  • Stabilus SE, Quartalsmitteilung 9M Geschäftsjahr 2026, veröffentlicht 03.08.2026 (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Ergebnispräsentation Q3 Geschäftsjahr 2026, 03.08.2026 (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Zwischenbericht erstes Halbjahr Geschäftsjahr 2026, veröffentlicht 04.05.2026 (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Corporate News vom 08.12.2025 zu vorläufigen Zahlen Geschäftsjahr 2025, Dividendenvorschlag und Prognose (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, IR-Factsheet mit Aktien- und Unternehmensdaten sowie Aktionärsstruktur (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Finanznachrichten, Übersicht der Corporate News und Ad-hoc-Mitteilungen (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Corporate Governance, Vorstand und Aufsichtsrat (ir.stabilus.com)
  • Stabilus SE, Finanzkalender und Hauptversammlung (ir.stabilus.com)
  • Stabilus Group, Unternehmenshistorie (group.stabilus.com)
  • Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX (deutsche-boerse.com)

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.