tick Trading Software Aktie: Portrait, Kurs und Klumpenrisiko

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von user

Die tick Trading Software AG ist ein Nebenwert, wie er kleiner kaum geht: 11,8 Millionen Euro Börsenwert, 31 Mitarbeiter, ein Produkt. Das Unternehmen aus Düsseldorf liefert Handelssysteme an Broker und Market Maker und war damit jahrelang verlässlich profitabel. Dann verlor es seinen größten Kunden. Dieses Portrait zeigt, was von der Firma übrig bleibt.

Unternehmensprofil

Nametick Trading Software AG
WKNA35JS9
Handelsplätzegettex, Lang & Schwarz
SitzDüsseldorf
Mitarbeiter31
Marktkapitalisierung11,8 Mio. €
Umsatz (12 Monate)8,37 Mio. €
Gewinn (12 Monate)1,57 Mio. €
Geschäftsjahr1. Oktober bis 30. September
ProduktTradeBase MX

Kursverlauf

Die 52-Wochen-Spanne reicht von 5,70 bis 9,50 €. Der Kurs steht bei 6,15 € und damit nahe am unteren Ende. Bei einem Papier mit 11,8 Millionen Euro Börsenwert ist der Handel dünn – einzelne Orders bewegen den Kurs, und zwischen den Handelsplätzen klaffen spürbare Unterschiede.

Das Geschäftsmodell

Das Unternehmen entwickelt TradeBase MX, ein Handelssystem für Broker, Handelshäuser und Market Maker. Es verbindet den Kunden mit den Börsen, erlaubt das Quotieren direkt auf Xetra und Xetra Wien und überwacht den Orderfluss auf Auffälligkeiten.

Der Umsatz hat drei Bestandteile, und ihre Mischung erklärt die Lage des Unternehmens besser als jede Gesamtzahl.

Umsatzart1. Halbjahr 2025/26Vorjahr
Lizenzen und Betrieb2.356 TEUR–
Lastabhängige Erlöse1.370 TEUR2.173 TEUR
Projektumsatz188 TEUR105 TEUR
Gesamt3.914 TEUR−16,7 %

Lizenz- und Betriebserlöse sind planbar. Die lastabhängigen Erlöse hängen daran, wie viele Orders durch das System laufen – sie steigen in volatilen Börsenphasen und fallen, wenn ein Kunde abspringt. Genau das ist passiert.

Die Zahlen

Kennzahl2024/252023/24
Umsatz9.152 TEUR8.374 TEUR (+9,3 %)
Jahresüberschuss2.111 TEUR1.256 TEUR (+68 %)
Eigenkapitalquoteüber 80 %–
Bilanzgewinn1.731 TEUR–
Dividende je Aktie0,85 €–

Das Geschäftsjahr 2024/2025 war das beste der jüngeren Firmengeschichte. Die Hauptversammlung beschloss am 29. April 2026 eine Dividende von 0,85 € je Aktie – bei rund 1,9 Millionen Aktien sind das etwa 1,63 Mio. €, also fast der gesamte Bilanzgewinn.

Für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 erwartet der Vorstand einen Jahresüberschuss von 800 bis 1.200 TEUR. Diese Prognose wurde im April 2026 angehoben, nachdem sie im Februar noch bei 600 bis 900 TEUR gelegen hatte. Im ersten Halbjahr, das am 31. März 2026 endete, standen 630 TEUR nach Steuern zu Buche, 46,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das Klumpenrisiko

Der Grund für den Einbruch steht in den eigenen Mitteilungen: der Verlust eines Top-Kunden sowie zweier mittelgroßer Kunden. Bei zweien davon war die lastabhängige Vergütung ausschlaggebend für die Umsatzhöhe. Ein Unternehmen mit 9 Millionen Euro Jahresumsatz, das einen Kunden verliert und daraufhin 17 Prozent Umsatz und fast die Hälfte des Gewinns einbüßt, zeigt damit offen, wie schmal seine Basis ist.

Die Gegenmaßnahme heißt Transformation: ein neuer Beratungsbereich, der laut Unternehmen bereits mehrere Projekte gewonnen hat, und Gespräche mit neuen Kunden. Der Projektumsatz ist im ersten Halbjahr von 105 auf 188 TEUR gestiegen – auf niedrigem Niveau, aber in die richtige Richtung.

Bewertung und Dividende

Auf den Gewinn der vergangenen zwölf Monate von 1,57 Mio. € kostet die Aktie rund 7,5 Jahresgewinne. Auf die Prognose für das laufende Jahr gerechnet, also 0,8 bis 1,2 Mio. €, sind es rund 10 bis 15.

Bei der Dividende ist Vorsicht geboten. Die 0,85 € je Aktie beziehen sich auf das starke Geschäftsjahr 2024/2025 und entsprechen beim aktuellen Kurs rechnerisch fast 14 Prozent. Diese Zahl lässt sich nicht fortschreiben: Wenn der Jahresüberschuss von 2,11 auf 0,8 bis 1,2 Mio. € fällt und der Großteil des Gewinns ausgeschüttet wird, läge die nächste Dividende bei etwa 0,42 bis 0,63 € je Aktie. Wer die Aktie wegen der Rendite ansieht, rechnet mit der falschen Zahl.

Positiv steht dem eine Eigenkapitalquote von über 80 Prozent gegenüber. Das Unternehmen hat keinen Finanzierungsdruck und kann eine Übergangsphase aus eigener Kraft tragen.

Termine

Das Geschäftsjahr endet am 30. September. Die Zahlen für 2025/2026 sind damit Anfang Oktober abgeschlossen; veröffentlicht wurden sie im Vorjahr Anfang November.

Einordnung

tick Trading Software ist ein Spezialanbieter in einem Markt, in den niemand ohne Not einsteigt: Handelssysteme für Broker haben lange Verkaufszyklen, hohe Anforderungen und wenige Kunden. Das schützt vor Wettbewerb und macht zugleich verwundbar – wenn es nur wenige mögliche Kunden gibt, wiegt jeder verlorene schwer.

Wer die Aktie beobachtet, hat zwei Zahlen: die lastabhängigen Erlöse, die zeigen, ob neue Kunden das verlorene Volumen ersetzen, und den Projektumsatz aus der Beratung, der zeigt, ob das zweite Standbein trägt. Der Jahresabschluss im Herbst gibt die nächste Antwort darauf. Bei einem Börsenwert von 11,8 Millionen Euro und entsprechend dünnem Handel ist zudem zu beachten, dass schon kleine Orders den Kurs deutlich bewegen können.

Quellen

  • tick Trading Software AG, Unternehmensmeldung zum Dividendenvorschlag und zum Geschäftsjahr 2024/2025 vom 12. Februar 2026
  • tick Trading Software AG, Unternehmensmeldung zum ersten Halbjahr 2025/2026 vom 24. Juni 2026
  • tick Trading Software AG, Mitteilung zum Hauptversammlungsbeschluss vom 29. April 2026
  • Kurs- und Bilanzdaten: TradingView, Stand 3. Oktober 2026