Rekordjahr für Börsengänge – und trotzdem hinter dem Index

2026 ist das Rekordjahr für Börsengänge in den USA – und ausgerechnet wer die neuen Aktien gekauft hat, liegt hinter dem Markt zurück. Bis Anfang September wurden rund 145,8 Milliarden Dollar über Neuemissionen eingesammelt und damit die bisherige Bestmarke aus dem Gesamtjahr 2021 von etwa 142,4 Milliarden übertroffen. Der größte Brocken war der Börsengang von SpaceX im Juni mit 85,7 Milliarden Dollar, die höchste Summe, die je bei einer Erstnotiz weltweit aufgenommen wurde. Und der nächste steht an: Anthropic hat im Juni vertraulich einen Antrag eingereicht.

Rekordvolumen, enttäuschende Kurse

Die auffälligste Zahl des Jahres steht nicht in den Emissionsprospekten, sondern in der Wertentwicklung danach. Die US-Börsengänge des Jahres 2026 brachten gewichtet rund 5,6 Prozent Rendite. Der S&P 500 schaffte im selben Zeitraum etwa 13 Prozent, der Nasdaq 100 rund 17 Prozent.

Wertentwicklung 2026
US-Börsengänge insgesamtrund 5,6 Prozent
Neuemissionen ab 1 Milliarde Dollarrund 4,2 Prozent
S&P 500rund 13 Prozent
Nasdaq 100rund 17 Prozent
Biotech-Neuemissionenrund 55 Prozent

Bemerkenswert ist, dass gerade die großen Emissionen zurückblieben: Die sechzehn Börsengänge mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Dollar kamen gewichtet nur auf etwa 4,2 Prozent. Wer stattdessen einfach einen breiten Indexfonds gehalten hat, steht deutlich besser da. Die einzige Ausnahme bildeten Biotech- und Pharmawerte mit rund 55 Prozent.

Das ist kein Zufallsbefund eines einzelnen Jahres, sondern ein wiederkehrendes Muster. Ein Unternehmen geht an die Börse, wenn der Zeitpunkt für die Alteigentümer günstig ist – nicht, wenn er für die Käufer günstig ist. Wer zeichnet, zahlt in der Regel den Preis, den ein professionell begleiteter Verkaufsprozess erzielen konnte.

Was über Anthropic bekannt ist

Der Antrag wurde im Juni vertraulich eingereicht, das Verfahren läuft. Zur Bewertung kursieren Zahlen bis zu zwei Billionen Dollar, beim Emissionsvolumen ist von bis zu 100 Milliarden die Rede. Beides ist bislang nicht bestätigt – es sind Erwartungen von Investoren, keine Angaben des Unternehmens.

Belastbarer ist die Umsatzseite. Nach Angaben der Financial Times lag die hochgerechnete Jahresrate im Juli bei etwa 65 Milliarden Dollar, nach rund 47 Milliarden im Mai. Diese Kennzahl rechnet das aktuelle Monatsniveau auf zwölf Monate hoch und ist deshalb kein Jahresumsatz. Bei einem so schnell wachsenden Unternehmen überzeichnet sie die tatsächlich erzielten Erlöse.

Anthropic
Antrag eingereichtJuni 2026, vertraulich
Bewertung im Gesprächbis zu 2 Billionen Dollar, unbestätigt
Emissionsvolumen im Gesprächbis zu 100 Milliarden Dollar, unbestätigt
Hochgerechnete Umsatzrate Julirund 65 Milliarden Dollar
Hochgerechnete Umsatzrate Mairund 47 Milliarden Dollar

Was Anleger daraus machen sollten

Drei Dinge sind aus den Zahlen ablesbar, ohne dass man eine Meinung zur KI-Branche haben muss.

Erstens: Ein Rekordvolumen bei Neuemissionen ist ein Stimmungsindikator, kein Renditeversprechen. Historisch häufen sich Börsengänge in Phasen hoher Bewertungen – weil dann am meisten zu erlösen ist.

Zweitens: Die Bewertungszahl allein sagt wenig. Zwei Billionen Dollar wären mehr, als die meisten börsennotierten Konzerne der Welt wert sind. Ob das gerechtfertigt ist, entscheidet nicht die Wachstumsrate von heute, sondern die Frage, welcher Anteil der KI-Wertschöpfung am Ende bei den Modellanbietern landet und welcher bei Chipherstellern, Rechenzentren und Anwendern.

Drittens: Wer am ersten Handelstag kauft, kauft ohne Kurshistorie, ohne Quartalsberichte als börsennotiertes Unternehmen und oft mit einer Sperrfrist für Altaktionäre im Rücken, die später ausläuft. Wie stark einzelne Werte schwanken können, zeigt der Beitrag zur Volatilität; warum Streuung dagegen hilft, steht unter Diversifikation.

Einordnung

Der Börsengang wird ein Ereignis, das die Märkte bewegt – dafür reicht die Größenordnung allein. Für die Anlageentscheidung ist er zunächst keines. Die nüchterne Zahl des Jahres bleibt, dass Neuemissionen 2026 im Schnitt hinter einem simplen Indexfonds zurückblieben, und zwar deutlich.

Wer die KI-Entwicklung im Depot abbilden will, kann das längst über bestehende börsennotierte Unternehmen tun. Ein weiterer Anbieter ändert daran wenig – außer, dass er die Bewertungen der bereits notierten Werte neu zur Diskussion stellt.

Quellen

  • US-Börsenaufsicht SEC – vertrauliche Einreichung der Börsengangsunterlagen, Juni 2026
  • Financial Times – hochgerechnete Umsatzrate von Anthropic
  • Marktdaten zu US-Emissionsvolumen und Wertentwicklung der Neuemissionen 2026, Stand Anfang September

Stand: 29. September 2026. Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Transparenzhinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von Claude erstellt, einem KI-System von Anthropic – also jenem Unternehmen, um dessen Börsengang es hier geht. Die Zahlen stammen aus den oben genannten Quellen und wurden gegengeprüft.

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