Bill Gates hält künstliche Intelligenz für mächtig genug, um Ereignisse mit einer Milliarde Toten auszulösen. In einem Interview für die NBC-Sendung „Meet the Press“ fordert der Microsoft-Mitgründer verbindliche staatliche Aufsicht – Selbstverpflichtungen der Branche hält er für unzureichend.
Das Wichtigste in Kürze
| Wer | Bill Gates, Mitgründer von Microsoft |
| Wo | NBC News, „Meet the Press“ |
| Aufzeichnung | Mittwoch, Ausschnitte am Freitag veröffentlicht |
| Vollständige Ausstrahlung | Sonntag |
| Kernaussage | KI sei mächtig genug für Ereignisse mit einer Milliarde Toten |
| Forderung | verbindliche staatliche Aufsicht und Kontrolle |
| Adressat | der US-Kongress |
Was Gates gesagt hat
Auf die Frage, ob Washington gesetzlich tätig werden müsse, antwortete Gates mit einem klaren Ja. Strafverfolgung und Politik müssten an der Frage beteiligt werden, wie Schutzmechanismen und Überwachung aussehen – und diese müssten verpflichtend sein.
Zur Selbstregulierung der Branche sagte er knapp: „No one thinks self-regulation is enough.“ Den zusätzlichen Aufwand für die Unternehmen bezeichnete er als überschaubar und nicht als spürbare Bremse für deren Entwicklung.
Gates sagte ausdrücklich nicht voraus, dass KI die Menschheit in absehbarer Zeit auslöschen werde. Sein Punkt ist ein anderer: Die Gefahr gehe schon heute von Menschen mit böser Absicht aus, die auf die vorhandenen Werkzeuge zugreifen.
Der Hintergrund
Wenige Tage zuvor hatte Gates einen längeren Aufsatz veröffentlicht, in dem er drei Risiken benennt: dauerhafte und breite Arbeitsplatzverluste, sinkende Hürden für Cyberangriffe und die Entwicklung gefährlicher Erreger sowie Schäden für die Entwicklung von Kindern und für zwischenmenschliche Beziehungen.
Darin argumentiert er, KI werde entweder der größte Gleichmacher der Geschichte oder die schlimmste Quelle von Ungerechtigkeit. Beim gegenwärtigen Kurs sei ein negatives Gesamtergebnis wahrscheinlich.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der auch aus den Entwicklungslaboren selbst Warnungen kommen. Die Chefs mehrerer großer KI-Unternehmen hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, das Tempo der Entwicklung zu verlangsamen.
Wie weit die EU ist
Während in den USA noch über Gesetze diskutiert wird, gilt in Europa bereits ein Regelwerk. Die KI-Verordnung ist seit August 2024 in Kraft, ihre Pflichten greifen allerdings gestaffelt – und ein Teil davon wurde zuletzt verschoben.
| Stichtag | Was gilt |
|---|---|
| seit 2. Februar 2025 | Verbot bestimmter Praktiken, etwa Sozialbewertung von Menschen; Pflicht zur KI-Kompetenz |
| seit 2. August 2025 | Pflichten für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck, Aufsichtsstrukturen, Bußgeldvorschriften |
| seit 2. August 2026 | Transparenzpflichten: Chatbots müssen sich zu erkennen geben, Deepfakes sind offenzulegen, generative Ausgaben maschinenlesbar zu kennzeichnen |
| ab 2. Dezember 2027 | Pflichten für eigenständige Hochrisiko-Systeme, etwa in Personalauswahl, Kreditvergabe und kritischer Infrastruktur |
| ab 2. August 2028 | Pflichten für KI in regulierten Produkten wie Maschinen oder Medizingeräten |
Die Verschiebung. Ursprünglich sollten die anspruchsvollen Hochrisiko-Pflichten bereits im August 2026 greifen. Mit dem sogenannten Digital Omnibus – in Kraft seit dem 27. Juli 2026 – wurden sie um 16 Monate nach hinten gerückt. Begründet wurde das damit, dass technische Normen und Prüfstellen nicht rechtzeitig bereitstanden.
Die Aufsicht in Deutschland. Seit Ende Juli 2026 regelt ein eigenes Gesetz die Marktüberwachung; zuständig ist im Grundsatz die Bundesnetzagentur. Verstöße können dort gemeldet werden, auch von Wettbewerbern.
Die Bußgelder. Bei verbotenen Praktiken drohen bis zu 35 Millionen Euro oder ein Anteil des weltweiten Jahresumsatzes – je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Damit ist Europa in dem Punkt weiter, den Gates einfordert: Die Aufsicht ist verbindlich und staatlich, nicht freiwillig. Kritiker halten dem entgegen, dass gerade die Verschiebung zeige, wie schwer sich solche Vorgaben umsetzen lassen.
Was das für Anleger bedeutet
Regulierung ist ein Kostenfaktor. Verbindliche Prüf- und Meldepflichten verursachen Aufwand. Gates selbst hält ihn für gering, historisch haben solche Vorgaben die Entwicklungszyklen in anderen Branchen aber verlängert.
Große Anbieter könnten profitieren. Wer bereits Compliance-Strukturen unterhält, verkraftet neue Auflagen leichter als kleine Wettbewerber. Regulierung verschiebt Marktanteile oft zugunsten der Etablierten.
Der Zeitpunkt ist offen. Zwischen Forderung und Gesetz liegen in den USA erfahrungsgemäß Jahre. Die EU ist mit ihrem KI-Gesetz deutlich weiter, wie der Abschnitt oben zeigt.
Für die Kurse gilt bislang: Warnungen prominenter Stimmen haben die Bewertungen im Technologiesektor kaum bewegt. Entscheidend waren zuletzt Gewinnerwartungen und Investitionen in Rechenzentren – ein Thema, das auch Rohstoffe betrifft, siehe Rohstoffe.
Einordnung
Bemerkenswert ist weniger die Zahl als der Absender. Gates gilt nicht als Kritiker der Technologiebranche, sondern als einer ihrer Architekten – und er hat sich in der Vergangenheit eher optimistisch zu KI geäußert.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt die Aussage zunächst eine politische Positionierung ohne unmittelbare Folgen für Unternehmen oder Kurse. Relevant wird sie, wenn sie Gesetzgebungsverfahren beschleunigt. Dann rücken Fragen in den Vordergrund, die Anleger direkt betreffen: Welche Prüfpflichten gelten, wer haftet, und was kostet die Einhaltung.
Quellen
- NBC News, 25. September 2026 – Interviewauszüge aus „Meet the Press“
- Axios, 25. September 2026 – Einordnung und Bezug zum Aufsatz vom August
- Bloomberg, 25. September 2026 – Bericht über die Vorabauszüge
- Quartz, 25. September 2026 – die drei im Aufsatz genannten Risiken
- EU-Verordnung 2024/1689 (KI-Verordnung) und Änderungsverordnung 2026/1744 – Geltungsbeginn der einzelnen Pflichten
Stand: 26. September 2026. Das vollständige Interview wird am Sonntag ausgestrahlt. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.