Jahrelang hinkte Siri den KI-Assistenten der Konkurrenz hinterher. Jetzt baut Apple seine Sprachassistentin grundlegend um – und greift dafür ausgerechnet auf die Technik eines direkten Wettbewerbers zurück: Googles KI-Modell Gemini.
Was bekannt ist
Im Januar 2026 bestätigte Apple die Partnerschaft mit Google. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni zeigte der Konzern die neue Siri. Die zugrunde liegenden Modelle wurden in Zusammenarbeit mit Google entwickelt und basieren auf einer angepassten Gemini-Version.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Grundlage | angepasstes Gemini-Modell von Google |
| Größe laut Berichten | rund 1,2 Billionen Parameter |
| Kosten laut Berichten | etwa eine Milliarde US-Dollar jährlich |
| Verarbeitung | teils auf dem Gerät, teils auf Apple-Servern, das größte Modell in der Google-Cloud |
Die neue Siri soll mit Text, Sprache und Bildern umgehen, aktuelle Informationen aus dem Netz abrufen und auf persönlichen Kontext wie Nachrichten, E-Mails und Kalendereinträge zugreifen können.
Ein Eingeständnis
Die Entscheidung ist bemerkenswert. Die hauseigenen Modelle, mit denen Apple 2024 seine KI-Offensive gestartet hatte, waren deutlich kleiner als die der Konkurrenz. Mit der Gemini-Lizenz räumt Apple faktisch ein, dass eigene Entwicklung allein nicht schnell genug zum Ziel geführt hätte.
Für einen Konzern, der sich über Jahre mit Datenschutz gegen das Geschäftsmodell von Google abgegrenzt hat, ist das ein heikler Schritt. Apple betont, die Kontrolle über die Daten zu behalten, auch wenn Rechenleistung in der Google-Cloud genutzt wird.
Der Wechsel an der Spitze
Die neue Siri fällt in eine Umbruchphase: Am 1. September 2026 hat Tim Cook den Chefposten an John Ternus übergeben, bisher verantwortlich für die Hardware-Entwicklung. Unter Cook wurde Apple zum wertvollsten Konzern der Welt – die künstliche Intelligenz galt als das Feld, auf dem der Ruf des Unternehmens gelitten hatte.
Was das für Europa bedeutet
Nicht alle Funktionen stehen in der EU von Beginn an zur Verfügung. Regulatorische Vorgaben verzögern bei Apple regelmäßig den Start neuer KI-Funktionen in Europa. Wer ein neues iPhone kauft, um die neue Siri zu nutzen, sollte vorher prüfen, welche Funktionen in Deutschland tatsächlich verfügbar sind.
Was das für Anleger bedeutet
Für Apple ist die Partnerschaft ein Weg, den Rückstand bei KI schnell aufzuholen, ohne jahrelang Milliarden in eigene Großmodelle zu investieren. Für Google ist sie eine zusätzliche Einnahmequelle und ein Prestigeerfolg: Das eigene Modell läuft künftig auf Hunderten Millionen iPhones.
Profitieren dürfte zudem der Chiphersteller Nvidia, auf dessen Prozessoren das größte Modell in der Cloud betrieben wird.
Fazit
Apple tauscht mit der Gemini-Partnerschaft Unabhängigkeit gegen Tempo. Ob sich das auszahlt, entscheidet sich nicht an Präsentationen, sondern im Alltag der Nutzer.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt ein Blick darauf, ob die neue Siri Käufer zum Gerätewechsel bewegt. Nur dann wird aus einer Software-Neuerung ein Umsatztreiber.
Stand: 21. September 2026. Angaben nach Herstellerinformationen und Medienberichten, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.