TradingView ist mit Abstand die meistgenutzte Trading-Software in Deutschland. Der Grund ist simpel: Es läuft im Browser, kostet in der Grundversion nichts und zeigt nahezu jeden Markt der Welt. Die Grenzen zeigen sich erst, wenn man damit tatsächlich handeln will.
Produktprofil
| Typ | Charting- und Analyseplattform im Browser |
| Zugänge | Browser, Desktop-App, iOS, Android |
| Märkte | Aktien, Futures, Devisen, Anleihen, Kryptowährungen, Indizes weltweit |
| Programmiersprache | Pine Script für eigene Indikatoren und Strategien |
| Handel | über angebundene Broker, nicht über TradingView selbst |
| Preismodell | Abo in fünf Stufen, Grundversion dauerhaft kostenlos |
| Echtzeitdaten | in keinem Tarif enthalten, je Börse buchbar |
Die fünf Tarife und ihre Preise
| Tarif | Preis je Monat | Charts je Layout | Indikatoren je Chart | Alarme | Werbung |
|---|---|---|---|---|---|
| Basic | kostenlos | 1 | 2 | 3 | ja |
| Essential | 12,95 $ | 2 | 5 | 20 plus 20 technische | nein |
| Plus | 29,95 $ | 4 | 10 | 100 plus 100 technische | nein |
| Premium | 59,95 $ | 8 | 25 | 400 plus 400 technische | nein |
| Ultimate | 199,95 $ | 16 | 50 | 1.000 plus 1.000 technische | nein |
Im Jahresabo sinkt der Preis um bis zu 17 Prozent. Die Basic-Version zeigt 5.000 historische Kerzen je Chart – für Tagescharts reicht das, für Minutencharts über mehrere Monate nicht.
Die entscheidende Größe beim Tarifwechsel ist nicht der Preis, sondern die Zahl der Indikatoren je Chart. Zwei Indikatoren in Basic sind belegt, sobald ein gleitender Durchschnitt und ein Volumenprofil aufliegen. Wer mit mehreren Zeitebenen nebeneinander arbeitet, stößt zusätzlich an die Zahl der Charts je Layout.
Was die Echtzeitdaten kosten
Dieser Posten überrascht die meisten Nutzer. In keinem Tarif sind Echtzeitkurse enthalten; kostenlos sind nur verzögerte Daten. Die Börsen werden einzeln gebucht, für nichtprofessionelle Nutzer zu diesen Sätzen:
| Börse | Preis je Monat |
|---|---|
| Deutsche Börse, Xetra | 19,95 $ |
| CME Group, inklusive E-mini | 9,95 $ |
| Nasdaq | 3,00 $ |
| NYSE | 3,00 $ |
Wer deutsche Aktien in Echtzeit verfolgen will, zahlt für die Daten also mehr als für den Essential-Tarif. Je nach Stufe lassen sich nur zwei bis sechs Datenabos gleichzeitig führen.
Was TradingView gut kann
Die Stärke liegt in Breite und Zugänglichkeit. Nahezu jeder handelbare Wert der Welt lässt sich aufrufen, die Charts sind sauber bedienbar, Zeichnungen und Analysen gleichen sich zwischen Browser und Handy ab. Die öffentliche Bibliothek mit Indikatoren anderer Nutzer ist die größte ihrer Art.
Pine Script ist die zweite Stärke. Die Sprache ist deutlich einfacher als C# oder C++ und reicht für eigene Indikatoren, Alarmlogik und einfache Strategietests. Wer in NinjaTrader oder Sierra Chart an der Programmierung scheitert, kommt hier meist weiter.
Wo die Grenzen liegen
TradingView ist keine Handelsplattform im engeren Sinn. Orders laufen über angebundene Broker, und die Tiefe dieser Anbindung bleibt hinter einer Software zurück, die direkt an Rithmic oder CQG hängt.
Die zweite Grenze ist das Orderbuch. TradingView zeigt Kurse und Volumen, aber keine vollständige Markttiefe mit einzelnen Orders. Wer Liquidität im Orderbuch lesen will, braucht Bookmap, ATAS oder Sierra Chart – Programme mit Market-by-Order-Daten, wie auf der Seite zur Trading-Software erklärt.
Die dritte Grenze betrifft Backtests. Pine Script testet Strategien, aber nicht auf Tickbasis mit vollständiger Orderbuchhistorie. Für ernsthafte Strategieentwicklung im Futures-Bereich reicht das nicht.
Für wen sich das eignet
Für fast jeden als Zweitprogramm, für viele als einziges. Wer Kurse verfolgt, Charts ansieht, Alarme setzt und gelegentlich handelt, braucht nichts anderes und kommt mit Basic oder Essential aus. Wer Futures im Sekundentakt handelt, nutzt TradingView für die Vorbereitung und eine zweite Software für die Ausführung.
Die ehrliche Rechnung für deutsche Nutzer: Essential für 12,95 $ plus Xetra-Echtzeitdaten für 19,95 $ ergibt rund 33 $ im Monat. Mit verzögerten Daten bleibt es bei 12,95 $ – und für Chartanalyse auf Tagesbasis genügen verzögerte Daten.
Quellen
- TradingView, Tarif- und Datenabdeckungsseiten, abgerufen am 3. Oktober 2026