Die großen Tech-Werte bewegen sich nicht mehr gemeinsam. Auf Zwölfmonatssicht liegt AMD 276 Prozent im Plus, Tesla 21 Prozent im Minus – fast 300 Prozentpunkte Unterschied zwischen zwei Aktien, die in derselben Branchenliste stehen. Wer heute „Tech-Aktien“ kauft, kauft kein Paket mehr, sondern trifft eine Einzelentscheidung.
Die zehn größten Tech-Werte im Vergleich
| Unternehmen | Kurs | Börsenwert | KGV | 12 Monate | Umsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Nvidia | 233,95 $ | 5,6 Bio. $ | 29,6 | +23 % | +83 % |
| Apple | 333,69 $ | 4,9 Bio. $ | 38,3 | +30 % | +14 % |
| Alphabet | 343,50 $ | 4,2 Bio. $ | 17,3 | +40 % | +20 % |
| Microsoft | 517,53 $ | 3,8 Bio. $ | 28,8 | ±0 % | +18 % |
| Amazon | 251,52 $ | 2,7 Bio. $ | 20,2 | +14 % | +16 % |
| TSMC | 472,78 $ | 2,0 Bio. $ | 34,1 | +59 % | +35 % |
| Meta Platforms | 728,08 $ | 1,9 Bio. $ | 27,4 | +1 % | +28 % |
| Broadcom | 355,14 $ | 1,7 Bio. $ | 45,3 | +2 % | +49 % |
| Tesla | 370,59 $ | 1,5 Bio. $ | 344,3 | −21 % | +12 % |
| AMD | 633,91 $ | 1,0 Bio. $ | 162,7 | +276 % | +40 % |
Zusammen bringen diese zehn Unternehmen rund 29,3 Billionen Dollar auf die Waage. Die Spannweite der Bewertungen innerhalb der Gruppe ist größer als zwischen manchen Branchen: Alphabet kostet 17 Jahresgewinne, Tesla 344. Beide stehen in derselben Tabelle. TSMC ist dabei der einzige Wert ohne eigenes Portrait auf dieser Seite – der Konzern fertigt in Taiwan die Chips, die Nvidia, AMD, Apple und Broadcom entwerfen, und ist damit der Engpass, durch den praktisch die gesamte Branche hindurchmuss.
Kursverlauf des Nasdaq 100
Der Chart bildet den Nasdaq 100 über den Invesco QQQ Trust ab, den größten ETF auf diesen Index. Er notiert in Dollar je Anteil, nicht in Indexpunkten.
Der Nasdaq 100 steht bei rund 30.800 Punkten und liegt auf Zwölfmonatssicht 23,6 Prozent im Plus, über fünf Jahre bei plus 109 Prozent. Zum Vergleich: Der S&P 500 schaffte im selben Fünfjahreszeitraum 78 Prozent, der DAX 68 Prozent. Der Technologievorsprung ist real – er ist nur nicht mehr gleichmäßig verteilt.
Warum die Kurse auseinanderlaufen
Drei Gruppen lassen sich in den Zahlen unterscheiden.
Die Lieferanten des KI-Ausbaus. Das ist die Gruppe mit dem stärksten Wachstum: Nvidia steigert den Umsatz um 83 Prozent, Broadcom um 49, AMD um 40, TSMC um 35. Hier zahlt sich aus, dass der gesamte Rechenzentrumsausbau über wenige Anbieter läuft. Das Risiko liegt in genau dieser Abhängigkeit: Die Nachfrage kommt von einer Handvoll Cloud-Konzernen, deren Investitionsbudgets jährlich neu beschlossen werden. Wie unterschiedlich der Markt das bewertet, zeigt der Vergleich innerhalb der Gruppe – AMD kostet 163 Jahresgewinne, TSMC 34.
Die Konzerne, die den Ausbau bezahlen. Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta investieren dreistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren. Ihre Umsätze wachsen zweistellig, aber die Abschreibungen auf diese Investitionen drücken künftige Gewinne. Microsoft steht deshalb trotz 18 Prozent Umsatzwachstum auf Jahressicht bei null. Alphabet dagegen hat 40 Prozent zugelegt – bei einem KGV von 17 war dort am meisten Skepsis eingepreist, die sich nicht bestätigt hat.
Die Sonderfälle. Tesla ist in dieser Runde kein Technologiewert im engeren Sinn, sondern ein Autohersteller mit Technologiebewertung. Ein KGV von 344 bei zwölf Prozent Umsatzwachstum erklärt das Minus von 21 Prozent besser als jede Branchenbetrachtung.
Wenn Tech-Aktien fallen: wie man einen schwachen Tag liest
Technologiewerte schwanken stärker als der Gesamtmarkt, weil ihr Wert zu einem großen Teil aus erwarteten Gewinnen in ferner Zukunft besteht. Steigen die Zinsen, sind diese künftigen Gewinne heute weniger wert – der Kurs fällt, obwohl sich am Geschäft nichts geändert hat. Das ist der häufigste Grund für Tage, an denen der ganze Sektor gleichzeitig nachgibt.
Drei Fragen helfen bei der Einordnung eines Rücksetzers:
- Fällt der ganze Sektor oder ein einzelner Wert? Ein breiter Rückgang deutet auf Zinsen, Konjunktur oder Politik hin, ein einzelner Einbruch auf Unternehmensnachrichten.
- Wie breit ist der Markt getragen? Wenn ein Index nur noch von wenigen Schwergewichten nach oben gezogen wird, ist er anfälliger. Wie es darum derzeit steht, zeigt die Analyse zur Marktbreite der US-Aktien.
- Hat sich die Bewertung oder das Geschäft verändert? Ein Kursrückgang bei unveränderten Umsätzen senkt das KGV – aus Sicht eines langfristigen Käufers ist das keine schlechte Nachricht.
Tech ist nicht nur Silicon Valley
Europa stellt in dieser Branche wenige, dafür schwer ersetzbare Unternehmen. ASML aus den Niederlanden ist der einzige Hersteller der Belichtungsmaschinen, ohne die moderne Chips nicht entstehen. SAP ist der größte europäische Softwarekonzern und der schwerste Wert im DAX. Beide hängen am selben Investitionszyklus wie die US-Werte, werden aber in Euro gehandelt – das Wechselkursrisiko entfällt.
Chinesische Technologiewerte sind ein eigenes Kapitel. Sie notieren oft deutlich günstiger, unterliegen aber politischen Eingriffen, die sich nicht aus Bilanzen ablesen lassen, und sind für deutsche Anleger meist nur über Hinterlegungsscheine oder Umwege handelbar. Wer dort investiert, sollte das als eigene Anlageklasse behandeln, nicht als Tech-Beimischung.
Einzelwerte oder Index
Wer die Branche abbilden will, ohne sich zwischen Alphabet und Tesla entscheiden zu müssen, kommt über einen Index günstiger weg. Ein ETF auf den Nasdaq 100 enthält alle sieben Werte – allerdings nach Marktkapitalisierung gewichtet, und das heißt in der Praxis: Die Hälfte des Fondsvermögens steckt in einer Handvoll Titeln. Die Streuung ist geringer, als die Zahl von 100 Unternehmen vermuten lässt.
Wer breiter streuen möchte, findet Technologie auch in einem Welt-ETF wieder, dort aber mit etwa einem Viertel Gewicht statt mit hundert Prozent. Welcher der großen Welt-Indizes dafür taugt, klärt der Vergleich FTSE All-World gegen MSCI World.
Einordnung
Die Jahre, in denen ein Kauf „der Tech-Aktien“ eine sinnvolle Entscheidung war, sind vorbei. Die Gruppe teilt sich inzwischen in Unternehmen, die am KI-Ausbau verdienen, solche, die ihn bezahlen, und solche, die aus anderen Gründen in der Liste stehen. Entsprechend unterschiedlich fallen Bewertung und Kursentwicklung aus.
Für die Einschätzung eines einzelnen Wertes zählen drei Zahlen mehr als jede Branchenerzählung: das Umsatzwachstum, das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Frage, wie viel vom Geschäft an wenigen Großkunden hängt. Die Portraits zu den einzelnen Unternehmen führen diese Zahlen jeweils auf. Einen Überblick über die gesamte Wertschöpfungskette gibt die Übersicht der KI-Aktien.
Quellen
- Kurse, Börsenwerte, Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Umsatzwachstum und Indexstände: TradingView, Stand 4. Oktober 2026
- Umsatz- und Gewinnangaben der Unternehmen: jeweils aktuellste Quartals- und Jahresmitteilungen der Gesellschaften
Stand: 4. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.