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Trumps Diesel-Deal mit Russland: Die Menge reicht keine zwei Wochen

von FNE-Redaktion

Donald Trump verkauft es als Entlastung für Landwirte und Lkw-Fahrer: Russland soll den USA und dem Weltmarkt Diesel liefern, insgesamt 4,8 Millionen Tonnen. Rechnet man die angekündigten Mengen in Barrel um und legt den aktuellen US-Verbrauch daneben, schrumpft der Deal auf eine Größe von rund neuneinhalb Tagen. Die erste Lieferung deckt nicht einmal einen Tag.

Was Trump angekündigt hat

Nach einem Telefonat mit Wladimir Putin schrieb Trump am Freitag, 9. Oktober 2026, auf Truth Social, Russland liefere sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel, im November weitere 500.000 Tonnen, danach eine Million Tonnen und „innerhalb kurzer Zeit“ zusätzliche drei Millionen Tonnen. Niedrigere Preise für Amerikaner, „besonders für unsere großartigen Farmer, Rancher und Trucker“, seien seine größte Priorität.

Am selben Tag erteilte das US-Finanzministerium die rechtliche Grundlage: Die Sanktionsbehörde OFAC veröffentlichte die General License 135. Sie erlaubt Verkauf, Lieferung, Entladung und Import von Diesel russischen Ursprungs – ausdrücklich auch in die USA – bis zum 7. April 2027. Ausgenommen bleiben Zahlungen zulasten von Konten der russischen Zentralbank, des Nationalen Wohlstandsfonds und des Finanzministeriums. Es ist die erste Lockerung der Diesel-Sanktionen über das übliche 30-Tage-Fenster hinaus seit Kriegsbeginn im Februar 2022.

Moskau bestätigte nach dem Gespräch die Bereitschaft, Öl und Ölprodukte an die USA und den Weltmarkt zu liefern, nannte aber keine Mengen. Vizepremier Alexander Nowak kündigte an, das seit Juli geltende Exportverbot für Diesel vorzeitig aufzuheben; erste Lieferungen in die USA seien noch im Oktober möglich. Wer die Ladungen bezahlt und wann sie ankommen, ließ das Weiße Haus offen.

Die Rechnung: Wie viel 4,8 Millionen Tonnen wirklich sind

Eine Tonne Diesel entspricht rund 7,45 Barrel. Die vier Tranchen ergeben damit gut 35,8 Millionen Barrel. Die USA verbrauchten in den vier Wochen bis zum 2. Oktober 2026 laut Energieinformationsbehörde EIA im Schnitt 3,77 Millionen Barrel Destillate pro Tag – Diesel und Heizöl, wobei Diesel den Großteil ausmacht.

Tranche laut TrumpMengein Barrel (ca.)Reicht für US-Verbrauch
Sofort300.000 t2,2 Mio.rund 14 Stunden
November500.000 t3,7 Mio.rund 1 Tag
Danach1 Mio. t7,5 Mio.rund 2 Tage
Später3 Mio. t22,4 Mio.knapp 6 Tage
Gesamt4,8 Mio. t35,8 Mio.rund 9,5 Tage
Umrechnung mit 7,45 Barrel je Tonne; Verbrauch: Vier-Wochen-Durchschnitt der US-Destillatnachfrage bis 2. Oktober 2026 (EIA), 3,77 Mio. Barrel pro Tag. Eigene Berechnung.

Selbst wenn alle Tranchen vollständig fließen, entspricht die Gesamtmenge also weniger als zwei Wochen amerikanischer Nachfrage – verteilt über mehrere Monate. Auch die ukrainische Seite argumentiert mit dieser Rechnung: Der Sanktionsbeauftragte Wladyslaw Wlasjuk nannte den Deal „wirtschaftlich sinnlos“, weil die USA wöchentlich rund 3,5 Millionen Tonnen Diesel verbrauchen und 4,9 Millionen Tonnen herstellen.

Warum Diesel in den USA so teuer ist

Der Hintergrund ist der Preis an der Zapfsäule, drei Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November. Laut EIA kostete eine Gallone Diesel am 5. Oktober 2026 im US-Schnitt 6,20 Dollar, knapp 2,49 Dollar mehr als vor einem Jahr. Der Automobilclub AAA hatte am 22. September einen Rekord von 6,52 Dollar gemeldet. Kritiker im Kongress führen den Anstieg vor allem auf die Folgen des Iran-Konflikts für die Ölmärkte zurück; Trump selbst verwies in seinem Beitrag zusätzlich auf die Lage in der Straße von Hormus.

Russland wiederum fällt als Lieferant derzeit weitgehend aus. Nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien hat Moskau den Dieselexport seit Juli untersagt und das Verbot zuletzt bis Ende Oktober verlängert. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die russische Dieselproduktion um rund 30 Prozent eingebrochen ist. Ob Russland kurzfristig überhaupt Millionen Tonnen für den Export freimachen kann, ist deshalb offen.

Sanktionen: Kehrtwende vier Wochen nach dem neuen Gesetz

Politisch brisant ist der Zeitpunkt. Erst im September hatte Trump ein umfassendes Sanktionsgesetz unterzeichnet, das Russlands Öl- und Gaseinnahmen treffen soll – mit Strafmaßnahmen gegen Banken und die Schattenflotte sowie Zöllen von bis zu 100 Prozent für große Abnehmer russischer Energie. Zudem verbietet ein Gesetz von 2022 den Import russischer Ölprodukte in die USA; ob eine General License dieses Verbot aushebeln kann, ist unter Juristen umstritten. Seit 2022 haben die USA kein russisches Öl und Gas mehr eingeführt.

Die demokratischen Senatoren Chuck Schumer, Jeanne Shaheen und Elizabeth Warren sprachen von einem „totalen Verrat an der Ukraine, unseren europäischen Verbündeten und der nationalen Sicherheit Amerikas“. Auch republikanische Senatoren stellten sich gegen den Präsidenten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Schritt „eine schwache Entscheidung starker Partner“, die den Krieg verlängere – während ukrainische Unterhändler in Florida über eine Waffenruhe sprachen.

Was das für Europa und Deutschland bedeutet

Für Europa ändert die US-Lizenz unmittelbar nichts: Das EU-Importverbot für russische Ölprodukte gilt seit Februar 2023 weiter. Die EU-Kommission kündigte an, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen weiter zu verringern; die Außenbeauftragte Kaja Kallas stellte das bislang größte Paket an Sanktionslistungen in Aussicht. Indirekt spielt der Deal dennoch eine Rolle, denn Diesel wird weltweit gehandelt: Mehr russisches Angebot auf dem Weltmarkt würde den Preisdruck leicht mindern – auch für die Notierungen, nach denen sich Großhandel und Tankstellen in Deutschland richten. Wie sich der Spritpreis zusammensetzt, erklärt unser Beitrag zum Benzinpreis; welche Faktoren den Rohölmarkt bewegen, der zum Ölpreis.

Einordnung: Aus Sicht der Marktteilnehmer

Die Diesel-Futures gaben nach der Ankündigung zunächst nach, zogen in den Tagen danach aber wieder an. Energieanalysten sehen wenig dauerhaften Effekt. Clayton Seigle vom Washingtoner Thinktank CSIS erwartet „wahrscheinlich nicht viel“ Wirkung auf die Preise, Michael Lynch von der Energy Policy Research Foundation rechnet damit, dass russische Mengen die Preise eher auf dem aktuellen Niveau halten als senken. Das deckt sich mit der Rechnung: Die USA sind beim Diesel Nettoexporteur, ihr Problem ist der hohe Weltmarktpreis, nicht fehlende Ware. Ein Zusatzangebot von rund 9,5 Tagen US-Verbrauch, verteilt über Monate, verschiebt diesen Preis kaum.

Für den Markt wichtiger ist das Signal. Die Lizenz läuft sechs Monate und gilt weltweit, nicht nur für Lieferungen in die USA. Sollte Russland seine Exportsperre tatsächlich aufheben, könnten über diesen Weg deutlich größere Mengen an andere Abnehmer gehen als die von Trump genannten 4,8 Millionen Tonnen. Beobachter werten den Schritt zudem als mögliches Zugeständnis im Ringen um eine Waffenruhe für Energieanlagen. Ob die Lieferungen kommen, zeigt sich frühestens Ende Oktober, wenn das russische Exportverbot ausläuft.

Quellen

Stand: 13. Oktober 2026. Reine Information, keine Anlageberatung.

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