Quartalszahlen der US-Großbanken Q3 2026: JPMorgan, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup im Vergleich

von FNE-Redaktion

Am 13. Oktober 2026 haben vier der größten US-Banken am selben Tag ihre Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup. Das Bild ist einheitlicher, als die sehr unterschiedlichen Wachstumsraten vermuten lassen. Der Aktienhandel lief bei allen ausgesprochen stark, der Anleihehandel schwächelte, und der Nettozinsertrag legte überall zu.

Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den Pflichtmitteilungen der Banken an die US-Börsenaufsicht SEC (Form 8-K vom 13.10.2026). Die Kapitalquoten zum 30.09.2026 kennzeichnen Wells Fargo und Citigroup ausdrücklich als vorläufige Schätzungen, die sich im Quartalsbericht (Form 10-Q) noch ändern können.

Die Zahlen im Überblick

KennzahlJPMorganGoldman SachsWells FargoCitigroup
Ertrag (Mio. USD)50.907 (+8 %)18.679 (+23 %)21.870 (+2 %)23.845 (+8 %)
Nettogewinn (Mio. USD)15.305 (+6 %)5.2945.951 (+6,5 %)5.245 (+40 %)
Gewinn je Aktie (verwässert)5,57 USD (+10 %)17,01 USD (+39 %)1,87 USD (+13 %)2,85 USD (+53 %)
Rendite auf materielles Eigenkapital20 %20,5 %16,3 %11,5 %
Risikovorsorge (Mio. USD)2.743 (−19 %)3681.029 (+51 %)2.586 (+6 %)
Aufwandsquotenicht ausgewiesen60,5 %63 %58,5 %
CET1-Quote13,9 %12,4 %10,0 %12,8 %

Hinweise zur Vergleichbarkeit: JPMorgan weist den Ertrag auf „managed basis“ aus. Goldman Sachs nennt in der Mitteilung keinen Vorjahreswert für den Nettogewinn, das EPS-Plus von 39 Prozent ergibt sich aus 17,01 USD gegenüber 12,25 USD. JPMorgan, Wells Fargo und Citigroup verwenden die Kennzahl ROTCE bzw. RoTCE, Goldman Sachs die Kennzahl ROTE – beide bezeichnen die Rendite auf das materielle Eigenkapital.

JPMorgan Chase: Rekordertrag mit einem Wertpapierverlust

JPMorgan Chase kam auf einen Ertrag von 50,9 Mrd. USD (+8 %) und einen Nettogewinn von 15,3 Mrd. USD (+6 %). Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg um 10 % auf 5,57 USD, die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 20 %.

Belastet wurde das Quartal von einem Verlust im Wertpapierportfolio: 658 Mio. USD vor Steuern, 498 Mio. USD nach Steuern, was den Gewinn je Aktie um 0,18 USD drückte. Ohne diesen Posten weist die Bank 15,8 Mrd. USD Nettogewinn, 5,75 USD je Aktie und eine Rendite von 21 % aus.

Treiber war die Investmentbank: Die Erträge der Commercial & Investment Bank stiegen um 14 % auf 22,7 Mrd. USD, die Investmentbanking-Gebühren ebenfalls um 14 % auf 3,0 Mrd. USD. Im Handel zeigte sich das Muster des Quartals besonders deutlich – Markets-Erträge 10,3 Mrd. USD (+15 %), davon Anleihehandel (FICC) 5,4 Mrd. USD (−4 %) und Aktienhandel 5,0 Mrd. USD (+49 %). Der Nettozinsertrag legte um 13 % auf 27,0 Mrd. USD zu, die Risikovorsorge sank um 19 % auf 2,7 Mrd. USD. Im Asset & Wealth Management wuchsen die Erträge um 14 %, bei Nettomittelzuflüssen von 263 Mrd. USD.

Goldman Sachs: Aktienhandel plus 72 Prozent

Goldman Sachs legte das stärkste Wachstum der vier vor. Die Nettoerträge stiegen um 23 % auf 18,7 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie auf 17,01 USD nach 12,25 USD im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn betrug 5,29 Mrd. USD, die Eigenkapitalrendite 18,7 %, die Rendite auf das materielle Eigenkapital 20,5 %.

Getragen wurde das vom Segment Global Banking & Markets mit 13,46 Mrd. USD (+32 %). Die Investmentbanking-Gebühren erreichten 3,22 Mrd. USD (+21 %). Im Handel klafft dieselbe Lücke wie bei JPMorgan, nur größer: FICC 3,47 Mrd. USD (−1 %), Aktienhandel 6,44 Mrd. USD (+72 %). Asset & Wealth Management kam auf 5,05 Mrd. USD (+14 %), das verwaltete Vermögen auf den Rekordwert von 4.097 Mrd. USD.

Zwei Punkte dämpfen das Bild: Der Aufwand stieg um 20 % auf 11,3 Mrd. USD, und das Segment Platform Solutions brach um 72 % auf 170 Mio. USD ein – Grund sind Abschreibungen im Apple-Card-Geschäft. Zusätzlich belastete eine Zuwendung von rund 450 Mio. USD an die Stiftung Goldman Sachs Gives das Ergebnis um etwa 1,00 USD je Aktie und 1,1 Prozentpunkte Rendite.

Wells Fargo: dünnes Ertragsplus, kräftiges Volumenwachstum

Wells Fargo wuchs am langsamsten, zeigte aber die deutlichste Bilanzausweitung. Der Ertrag stieg um 2 % auf 21,9 Mrd. USD, der Nettogewinn um 6,5 % auf 5,95 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie um 13 % auf 1,87 USD. Der Unterschied zwischen den letzten beiden Raten erklärt sich aus den Aktienrückkäufen – die verwässerte Aktienzahl sank um 5,3 %. Im Quartal kaufte die Bank 28,6 Mio. eigene Aktien für 2,5 Mrd. USD zurück. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 16,3 %.

Auffällig ist das Volumenwachstum: Die durchschnittlichen Kredite stiegen um 11 % auf 1.033 Mrd. USD, die durchschnittlichen Einlagen ebenfalls um 11 % auf 1.483 Mrd. USD. Der Nettozinsertrag legte um 5 % auf 12,5 Mrd. USD zu, der zinsunabhängige Ertrag gab um 1 % nach. Der Aufwand sank um 1 % – die Bank nennt dafür ausdrücklich ihre Effizienzprogramme und einen um 8 % niedrigeren Personalstand. Die Aufwandsquote verbesserte sich von 65 % auf 63 %.

Nach Segmenten: Wealth and Investment Management +12 % (4,10 Mrd. USD), Commercial Banking +6 % (3,24 Mrd. USD), Consumer Banking and Lending +5 % (10,66 Mrd. USD), Corporate and Investment Banking +3 % (5,01 Mrd. USD). Die Risikovorsorge stieg um 51 % auf 1,03 Mrd. USD – laut Mitteilung vor allem wegen höherer Rückstellungen für Firmenkunden- und Autokredite infolge gewachsener Bestände, teils ausgeglichen durch eine niedrigere Vorsorge für Gewerbeimmobilien. Die tatsächlichen Kreditausfälle blieben mit 983 Mio. USD oder 0,38 % der Kredite unauffällig (Vorjahr 0,40 %). Die CET1-Quote von 10,0 % ist die niedrigste der vier Banken, liegt aber klar über dem regulatorischen Minimum von 8,5 % inklusive Puffer.

Ein Hinweis zum Ertragsvergleich: Der zinsunabhängige Ertrag wurde durch den Verkauf des Waggon-Leasinggeschäfts im ersten Quartal 2026 und schwächere Ergebnisse aus Venture-Capital-Beteiligungen gebremst. Beim Aufwandsvergleich wirkt umgekehrt, dass das Vorjahresquartal 296 Mio. USD Abfindungsaufwand enthielt. In der Steuerposition half ein diskreter Steuervorteil von 170 Mio. USD aus der Auflösung von Vorperioden-Sachverhalten.

Citigroup: 53 Prozent EPS-Plus mit einem Vorjahres-Sondereffekt

Citigroup zeigt auf dem Papier den größten Sprung: Der Gewinn je Aktie stieg um 53 % auf 2,85 USD. Dazu gehört allerdings der Vorjahresvergleich – im dritten Quartal 2025 hatte eine Goodwill-Abschreibung von 726 Mio. USD im Zusammenhang mit dem Verkauf eines 25-Prozent-Anteils an der mexikanischen Banamex das Ergebnis belastet. Ohne diesen Posten beziffert Citi das EPS-Plus selbst auf 27 %. Für das dritte Quartal 2026 nennt die Bank keinen Sondereffekt.

Der Ertrag stieg um 8 % auf 23,8 Mrd. USD, der Nettogewinn um 40 % auf 5,25 Mrd. USD. Der Nettozinsertrag legte um 14 % auf 17,0 Mrd. USD zu, der Aufwand sank um 2 % auf 13,95 Mrd. USD. Die Aufwandsquote verbesserte sich damit von 64,7 % auf 58,5 %. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital von 11,5 % ist die niedrigste der vier Banken – Citi selbst nennt 14 bis 15 % als mittelfristiges Ziel und 11 bis 13 % als Nahziel.

Nach Segmenten: Services 6,61 Mrd. USD (+15 %, darin Treasury and Trade Solutions +16 % und Securities Services +13 %), Wealth 3,27 Mrd. USD (+15 %), Markets 6,11 Mrd. USD (+6 %), Banking 1,74 Mrd. USD (+6 %), U.S. Consumer Cards 4,66 Mrd. USD (unverändert). Im Handel: Fixed Income 4,39 Mrd. USD (+4 %), Aktien 1,73 Mrd. USD (+14 %). Die Risikovorsorge lag bei 2,59 Mrd. USD (+6 %), davon 2,2 Mrd. USD tatsächliche Ausfälle und 369 Mio. USD Netto-Reservebildung. An die Aktionäre gingen 4,1 Mrd. USD über Rückkäufe und Dividenden, die Ausschüttungsquote lag bei 85 %.

Der rote Faden: Aktienhandel boomt, Anleihehandel schwächelt

Das deutlichste gemeinsame Muster liegt im Handelsgeschäft. Bei allen drei Banken, die die Aufteilung ausweisen, stagnierte oder schrumpfte der Anleihe- und Zinshandel, während das Aktiengeschäft zweistellig bis dreistellig zulegte.

BankAnleihe- und Zinshandel (FICC)Aktienhandel (Equities)
JPMorgan5,4 Mrd. USD (−4 %)5,0 Mrd. USD (+49 %)
Goldman Sachs3,47 Mrd. USD (−1 %)6,44 Mrd. USD (+72 %)
Citigroup4,39 Mrd. USD (+4 %)1,73 Mrd. USD (+14 %)
Wells Fargokeine vergleichbare AufteilungAktienerträge +21 %

Keine der vier Banken erklärt in ihrer Mitteilung, warum das Aktiengeschäft so viel besser lief als der Anleihehandel. Goldman Sachs und Citigroup nennen beide das Prime-Brokerage-Geschäft und Asien als Treiber, Citi zusätzlich Prime-Bestände, die um mehr als 40 % zulegten. Ob dahinter eine dauerhafte Verschiebung steckt oder ein einzelnes starkes Quartal mit hoher Kundenaktivität, lässt sich aus den Quartalsmitteilungen allein nicht beantworten.

Zweites gemeinsames Muster: Der Nettozinsertrag stieg überall – bei Citigroup um 14 %, bei JPMorgan um 13 %, bei Wells Fargo um 5 %. Grundlage ist in allen Fällen Volumenwachstum bei Krediten und Einlagen. Drittens das Investmentbanking: Die Gebühren legten bei Goldman Sachs um 21 %, bei JPMorgan um 14 % und bei Citigroup um 4 % zu (Investment-Banking-Erträge +9 %). Goldman und Citi nennen beide das Aktienemissionsgeschäft (ECM) als Treiber.

Wie sieht es bei der Risikovorsorge aus?

Hier gehen die Zahlen auseinander – aus nachvollziehbaren Gründen.

  • JPMorgan: 2,74 Mrd. USD, −19 %
  • Goldman Sachs: 368 Mio. USD
  • Wells Fargo: 1,03 Mrd. USD, +51 %
  • Citigroup: 2,59 Mrd. USD, +6 %

Der Anstieg bei Wells Fargo und Citigroup geht überwiegend auf Reservebildung für gewachsene Kreditbestände zurück, nicht auf höhere tatsächliche Ausfälle. Wells Fargo weist eine Ausfallquote von 0,38 % aus (Vorjahr 0,40 %), bei Citigroup lagen die Nettoausfälle mit 2.217 Mio. USD praktisch auf Vorjahresniveau (2.214 Mio. USD). Citis Reservequote auf ausgezahlte Kredite sank von 2,7 % auf 2,5 %.

Ein Warnsignal für die Kreditqualität der US-Konsumenten lässt sich aus diesen Zahlen bislang nicht ableiten. Wells Fargo schreibt, die eigenen Daten zeigten, dass Privat- und Geschäftskunden gut dastünden; gleichzeitig nennt die Bank höhere Zinsen, höhere Ölpreise und anhaltende Inflation ausdrücklich als Risiken für die Wirtschaft. Citigroup begründet die eigene Reservebildung mit Veränderungen im makroökonomischen Ausblick und mit Portfoliowachstum.

Was lässt sich daraus ablesen?

Die Quartalszahlen allein sagen nichts darüber, ob eine der vier Aktien gerade günstig oder teuer ist. Drei Fragen sind aus dem Zahlenwerk heraus aber beantwortbar und für die weitere Beobachtung relevant.

  • Wie stark hängt der Ertrag am Handelsgeschäft? Bei Goldman Sachs stammen rund 72 % der Nettoerträge aus Global Banking & Markets, bei JPMorgan etwa 45 % aus der Commercial & Investment Bank, bei Wells Fargo sind es mit dem Segment Corporate and Investment Banking rund 23 %. Handelserträge gelten als die schwankungsanfälligste Ertragsquelle einer Bank.
  • Wie weit sind die Renditeziele? Citigroup liegt mit 11,5 % Rendite auf das materielle Eigenkapital deutlich hinter JPMorgan (20 %) und Goldman Sachs (20,5 %); Wells Fargo liegt mit 16,3 % dazwischen. Citi nennt selbst 14 bis 15 % als mittelfristiges Ziel.
  • Wie viel Kapitalpuffer bleibt für Rückkäufe? Die CET1-Quoten reichen von 10,0 % bei Wells Fargo bis 13,9 % bei JPMorgan. Wells Fargo kaufte im Quartal für 2,5 Mrd. USD eigene Aktien zurück, Citigroup schüttete zusammen mit der Dividende 4,1 Mrd. USD aus.

Dieser Artikel fasst veröffentlichte Zahlen zusammen und ist keine Anlageempfehlung. Die Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr 2026 werden die vier Banken voraussichtlich im Januar 2027 vorlegen.

Quellen

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