Positionstrading: Haltedauer, Kosten und die Grenze zum Anlegen
Positionstrading ist der Handelsstil mit der längsten Haltedauer. Positionen bleiben Wochen bis Monate offen, manchmal länger. Gehandelt werden nicht Tagesbewegungen, sondern übergeordnete Entwicklungen – und damit verschwimmt die Grenze zum Anlegen.
Diese Seite beschreibt, was Positionstrading ausmacht, warum die Kostenseite hier fast keine Rolle mehr spielt, was stattdessen über das Ergebnis entscheidet und wo der Unterschied zum reinen Anlegen tatsächlich liegt. Sie gehört zum Trading-Überblick, der die vier Stile nebeneinanderstellt.
Was Positionstrading bedeutet
| Merkmal | Positionstrading |
|---|---|
| Haltedauer | Wochen bis Monate |
| Trades je Monat | oft weniger als einer |
| Zeitfenster | unabhängig von den Handelszeiten |
| Technik | Tages- oder Wochenkurse genügen |
| Kapitalbindung | dauerhaft über den gesamten Zeitraum |
| Hauptfrage | die Auswahl, nicht der Einstiegszeitpunkt |
Wer nur wenige Entscheidungen im Jahr trifft, verlagert das Gewicht. Beim Scalping entscheidet die Ausführung, beim Day Trading der Tagesablauf, beim Swing-Trading der Umgang mit Kurslücken. Beim Positionstrading entscheidet, was gekauft wurde.
Die Grenze zum Anlegen
Der Unterschied zum Anlegen ist kleiner, als der Name vermuten lässt, aber er existiert. Ein Anleger kauft, um dauerhaft beteiligt zu bleiben, und plant den Ausstieg nicht mit ein. Ein Positionstrader legt vorher fest, woran er erkennt, dass die Position zu beenden ist – an einer Kursmarke, an einer veränderten Lage oder an einem Zeitpunkt.
Dieser Unterschied ist keine Begriffsspielerei. Er entscheidet darüber, ob es eine Verlustgrenze gibt. Wer anlegt und über Jahrzehnte hält, sitzt Rückschläge bewusst aus. Wer handelt, steigt nach vorher festgelegten Kriterien aus. Beides ist vertretbar, aber beides gleichzeitig funktioniert nicht: Wer ohne Plan kauft und den Verkauf dann als „langfristige Anlage“ umdeutet, hat die Entscheidung nur verschoben.
Wer den langfristigen Weg bewusst wählt, findet die Grundlagen unter Geld anlegen, ETF und Aktien kaufen.
Was Positionstrading kostet
Hier liegt der klare Vorteil des Stils. Wer einmal im Monat handelt, zahlt einmal im Monat. Bei 20.000 Euro je Position und 0,1 Prozent Kosten je Runde aus Kauf und Verkauf ergibt das 240 Euro im Jahr, also 1,2 Prozent des eingesetzten Kapitals. Zum Vergleich: Bei zwanzig Trades im Monat sind es 24 Prozent.
| Trades im Monat | Kosten im Jahr | nötige Rendite vor Kosten |
|---|---|---|
| 0,5 (alle zwei Monate) | 120 € | 0,6 % |
| 1 | 240 € | 1,2 % |
| 2 | 480 € | 2,4 % |
Gerechnet mit 20.000 Euro je Position und 0,1 Prozent Kosten je Runde; eigene Werte lassen sich im Kostenrechner einsetzen. Weil die Handelskosten so gering ausfallen, rücken andere Posten in den Vordergrund: laufende Produktkosten bei Fonds und ETFs, Depotgebühren und – bei gehebelten Produkten – die Finanzierung.
Warum Hebelprodukte hier selten passen
Finanzierungskosten fallen für jeden Kalendertag an, an dem eine gehebelte Position offen ist. Bei einer Haltedauer von Monaten summiert sich das zu einem Betrag, der die eigentliche Kursentwicklung überlagern kann. Was bei einer Haltedauer von Stunden kaum auffällt, wird über ein halbes Jahr zum entscheidenden Faktor.
Dazu kommt die Glattstellungspflicht. Nach der Allgemeinverfügung der BaFin vom 23. Juli 2019 müssen CFD-Positionen geschlossen werden, sobald das Guthaben zuzüglich nicht realisierter Gewinne unter die Hälfte der gesamten Ersteinschusszahlung fällt. Über Monate hinweg ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine zwischenzeitliche Gegenbewegung genau das auslöst – auch wenn sich die ursprüngliche Einschätzung später als richtig erweist. Ähnliches gilt für Knock-out-Zertifikate, die bei Erreichen der Schwelle wertlos verfallen.
Was stattdessen entscheidet
Bei wenigen Entscheidungen im Jahr trägt jede einzelne ein hohes Gewicht. Wer zwölfmal handelt, kann einen Fehlgriff nicht durch Menge ausgleichen. Deshalb verschiebt sich die Arbeit vom Handeln zur Vorbereitung: Welche Branche, welches Unternehmen, welcher Index, und was genau soll sich in den nächsten Monaten ändern?
Hilfreich sind dabei die Einordnungen unter Sektoren, Indizes und Märkte. Ebenso wichtig ist die Positionsgröße: Wer über Monate hält, muss Schwankungen aushalten können, ohne die Position aus Nervosität zu schließen.
Steuern
An der Besteuerung ändert die lange Haltedauer nichts. Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person und Jahr bleibt frei. Eine Spekulationsfrist, nach der Kursgewinne steuerfrei wären, gibt es bei Wertpapieren nicht.
Bei langer Haltedauer kommen allerdings laufende Erträge ins Spiel, die bei kurzen Haltedauern keine Rolle spielen: Dividenden, Zinsen und bei Fonds die Vorabpauschale. Sie werden im Jahr des Zuflusses besteuert und zehren den Sparerpauschbetrag auf, bevor überhaupt eine Position verkauft wurde. Was dabei anfällt, lässt sich mit dem Vorabpauschale-Rechner abschätzen.
Für die Verlustverrechnung gilt dasselbe wie bei allen anderen Stilen: Nach § 20 Absatz 6 EStG dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden. Bei mehreren Depots ist dafür eine Verlustbescheinigung nach § 43a Absatz 3 Satz 4 EStG nötig, die bis zum 15. Dezember beantragt werden muss.
Typische Fehler
- Keinen Ausstieg definieren. Ohne vorher festgelegtes Kriterium wird aus einer Handelsposition stillschweigend eine Dauerbeteiligung – meist bei genau den Werten, die im Minus stehen.
- Gehebelte Produkte über Monate halten. Finanzierungskosten und Glattstellungsschwellen arbeiten mit jedem Tag stärker gegen die Position.
- Die Position zu groß wählen. Wer Monate halten will, muss zwischenzeitliche Rückgänge aushalten können, ohne aus Nervosität zu verkaufen.
- Zwischendurch die Begründung austauschen. Wenn der ursprüngliche Grund entfallen ist, ist die Position zu beenden – und nicht mit einem neuen Argument weiterzuführen.
- Laufende Kosten übersehen. Bei Fonds und ETFs wirkt die jährliche Produktkostenquote über Monate stärker als die einmalige Ordergebühr.
Für wen Positionstrading in Frage kommt
Positionstrading passt zu Menschen, die sich gründlich mit einzelnen Werten oder Märkten befassen wollen, aber weder Zeit noch Interesse für tägliche Entscheidungen haben. Der Zeitaufwand liegt in der Vorbereitung, nicht in der Ausführung. Wer keine Lust hat, sich mit der Auswahl zu beschäftigen, ist mit einem breit gestreuten ETF besser bedient – dort ersetzt die Streuung die Auswahl.
Wer umgekehrt mehr Aktivität sucht, findet unter Swing-Trading den nächstkürzeren Stil. Die Gegenüberstellung aller vier Stile samt Kostenrechner steht im Trading-Überblick.
Fazit
Positionstrading ist der günstigste der vier Handelsstile und der einzige, der sich ohne feste Bindung an die Handelszeiten betreiben lässt. Was beim Scalping die Ausführung ist, ist hier die Auswahl: Bei wenigen Entscheidungen im Jahr trägt jede einzelne so viel Gewicht, dass Menge sie nicht ausgleichen kann.
Die eigentliche Disziplin liegt deshalb nicht im Handeln, sondern im Festhalten an einem vorher formulierten Ausstiegskriterium. Wer das nicht hat, betreibt kein Positionstrading, sondern hält unbeabsichtigt langfristig – und merkt es meist erst, wenn der Verlust bereits groß ist.
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Positionstrading und Anlegen?
Ein Positionstrader legt vorher fest, woran er erkennt, dass die Position zu beenden ist. Ein Anleger kauft, um beteiligt zu bleiben, und sitzt Rückschläge bewusst aus. Die Haltedauer kann ähnlich lang sein, die Entscheidungslogik ist eine andere.
Wie lange hält man eine Position?
Üblich sind Wochen bis Monate. Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Entscheidend ist nicht die Dauer selbst, sondern ob ein vorher definiertes Kriterium für den Ausstieg existiert.
Eignen sich CFDs oder Hebelzertifikate für Positionstrading?
In aller Regel nicht. Finanzierungskosten fallen an jedem Kalendertag an, und bei CFDs besteht zusätzlich die Pflicht zur Glattstellung, sobald das Guthaben unter die Hälfte der Ersteinschusszahlung fällt. Beides arbeitet über Monate gegen die Position.
Wie viel Zeit kostet Positionstrading?
Wenig laufende Zeit, aber konzentrierte Vorbereitung. Die Analyse vor dem Kauf und eine regelmäßige Überprüfung, ob die ursprüngliche Begründung noch trägt, sind der eigentliche Aufwand. Während der Haltedauer ist tägliches Beobachten nicht nötig.
Quellen
- BaFin: Allgemeinverfügung bezüglich sogenannter Differenzgeschäfte (Contracts for Difference) vom 23. Juli 2019
- § 20 Absatz 6 und § 43a Absatz 3 Einkommensteuergesetz, gesetze-im-internet.de
- Deutsche Börse AG: Handelszeiten Xetra