Swing-Trading: Haltedauer, Kosten und das Risiko über Nacht
Swing-Trading bedeutet, Positionen über mehrere Tage bis einige Wochen zu halten. Gehandelt werden nicht die Bewegungen eines einzelnen Tages, sondern die Schwünge dazwischen. Das klingt nach einem Kompromiss zwischen Day Trading und langfristigem Anlegen, ist aber ein eigener Stil mit einer eigenen Hauptschwierigkeit.
Diese Seite beschreibt, wie Swing-Trading funktioniert, warum das Risiko über Nacht der entscheidende Unterschied ist, was der Stil kostet und für wen er sich eignet. Sie gehört zum Trading-Überblick, der alle vier Handelsstile gegenüberstellt.
Was Swing-Trading bedeutet
| Merkmal | Swing-Trading |
|---|---|
| Haltedauer | Tage bis wenige Wochen |
| Trades je Monat | typischerweise 4 bis 15 |
| Zeitfenster | Entscheidungen lassen sich außerhalb der Handelszeiten vorbereiten |
| Technik | Tageskurse genügen, Echtzeitdaten sind nicht zwingend |
| Kapitalbindung | über Nacht und über das Wochenende |
| Hauptrisiko | Kurslücken zur Eröffnung |
Der wichtigste praktische Vorteil liegt im Zeitplan. Wer feste Arbeitszeiten hat, kann abends auswerten, am nächsten Morgen eine Order platzieren und sie danach laufen lassen. Die Entscheidung muss nicht in dem Moment fallen, in dem sich der Markt bewegt. Das ist der Grund, warum dieser Stil für Berufstätige überhaupt praktikabel ist.
Das Risiko über Nacht
Wer über Nacht hält, akzeptiert, dass der nächste Kurs nicht an den letzten anschließen muss. Zwischen Handelsschluss und Eröffnung werden Quartalszahlen veröffentlicht, Übernahmen bekanntgegeben, Prognosen gesenkt. Der Handel auf Xetra endet um 17:30 Uhr und beginnt am nächsten Morgen um 9:00 Uhr – in diesen Stunden kann sich der Preis ohne jede Handelsmöglichkeit verändern.
Eine Verlustbegrenzung schützt davor nur eingeschränkt. Eine Stop-Order wird ausgelöst, wenn der Kurs die Schwelle erreicht, und anschließend zum nächsten handelbaren Preis ausgeführt. Liegt die Eröffnung deutlich darunter, wird auch deutlich darunter verkauft. Wer das vermeiden will, arbeitet mit einer Limit-Order und akzeptiert dafür, dass sie unter Umständen gar nicht ausgeführt wird.
Über das Wochenende verlängert sich dieses Fenster auf mehr als zwei Tage. Welche Handelsmöglichkeiten es dann überhaupt gibt, steht unter Wochenendhandel. Der Wirtschaftskalender zeigt, vor welchen Terminen das Risiko erhöht ist.
Was Swing-Trading kostet
Bei vier bis fünfzehn Trades im Monat fällt die Kostenseite deutlich weniger ins Gewicht als bei kurzen Haltedauern. Bei 20.000 Euro je Position und 0,1 Prozent Kosten je Runde aus Kauf und Verkauf ergeben zehn Trades im Monat 2.400 Euro im Jahr, also 12 Prozent des eingesetzten Kapitals. Bei fünf Trades sind es 1.200 Euro oder 6 Prozent.
| Trades im Monat | Kosten im Jahr | nötige Rendite vor Kosten |
|---|---|---|
| 4 | 960 € | 4,8 % |
| 8 | 1.920 € | 9,6 % |
| 15 | 3.600 € | 18,0 % |
Gerechnet mit 20.000 Euro je Position und 0,1 Prozent Kosten je Runde; eigene Werte lassen sich im Kostenrechner einsetzen. Dazu kommt ein Posten, den es beim Day Trading nicht gibt: Wer gehebelte Produkte über Nacht hält, zahlt Finanzierungskosten für jeden Tag, an dem die Position offen bleibt. Über mehrere Wochen summiert sich das und frisst den Vorteil der niedrigeren Handelsfrequenz teilweise wieder auf.
Womit gearbeitet wird
Für Swing-Trading genügen Tageskurse. Markttiefe und Tickdaten, die beim Scalping unverzichtbar sind, spielen hier keine Rolle – entsprechend entfallen auch die monatlichen Datenabonnements. Die Plattform des Brokers reicht in den meisten Fällen aus; ein Überblick über weitergehende Programme steht unter Trading-Software.
Wichtiger als die Software ist die Vorbereitung. Dazu gehören eine Einschätzung der Volatilität des gehandelten Wertes, die Kenntnis anstehender Termine und eine vorher festgelegte Verlustgrenze. Wer über Tage hält, hat Zeit zum Nachdenken – und genau diese Zeit wird häufig genutzt, um eine einmal getroffene Entscheidung nachträglich aufzuweichen.
Steuern
Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer; der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person und Jahr bleibt frei. Bei vier bis fünfzehn Trades im Monat bleibt die Zahl der Abrechnungen überschaubar, was die Steuererklärung deutlich einfacher macht als bei hoher Frequenz.
Zu beachten ist die Verlustverrechnung nach § 20 Absatz 6 EStG: Verluste aus Aktienverkäufen dürfen ausschließlich mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden, nicht mit Gewinnen aus Derivaten, Fonds oder Zinsen. Wer bei mehreren Banken handelt, braucht eine Verlustbescheinigung nach § 43a Absatz 3 Satz 4 EStG, die bis zum 15. Dezember beantragt werden muss.
Typische Fehler
- Die Verlustgrenze nachträglich verschieben. Wer über Tage hält, hat Zeit, sich Gründe zurechtzulegen. Genau dafür wird die Grenze vorher festgelegt.
- Termine übersehen. Eine Position über die Veröffentlichung von Quartalszahlen zu halten, ist eine eigene Entscheidung – sie sollte bewusst getroffen werden und nicht aus Unwissen passieren.
- Die Stop-Order für eine Garantie halten. Sie löst bei Erreichen der Schwelle aus, führt aber zum nächsten handelbaren Preis aus. Bei einer Kurslücke liegt dieser deutlich darunter.
- Finanzierungskosten vergessen. Bei gehebelten Produkten laufen sie an jedem Kalendertag weiter, auch am Wochenende.
- Zu viele Positionen gleichzeitig. Wer acht Werte parallel hält, kann keinen davon noch ernsthaft beobachten.
Für wen Swing-Trading in Frage kommt
Swing-Trading ist der Stil, der sich am ehesten mit einem Beruf vereinbaren lässt, weil die Entscheidungen vorbereitet und nicht im Moment getroffen werden. Vorausgesetzt wird dafür die Bereitschaft, Kursschwankungen über Nacht und über das Wochenende auszuhalten, ohne jeden Morgen die gesamte Strategie infrage zu stellen.
Wer noch weniger Zeit aufwenden möchte, findet unter Positionstrading den Stil mit der längsten Haltedauer. Wer gar nicht aktiv handeln, sondern langfristig Vermögen aufbauen will, ist mit den Wegen unter Geld anlegen und einem ETF-Sparplan sachlich besser bedient.
Fazit
Swing-Trading verschiebt das Problem, es löst es nicht. Die Kostenbelastung sinkt gegenüber kurzen Haltedauern deutlich, dafür kommt ein Risiko hinzu, das sich nicht wegplanen lässt: der Sprung zwischen Handelsschluss und Eröffnung. Wer diesen Tausch bewusst eingeht, hat einen Stil gewählt, der neben einem Beruf funktionieren kann.
Entscheidend bleibt dasselbe wie bei jedem Handelsstil: vorher festlegen, wo ausgestiegen wird, die eigenen Kosten kennen und über Monate aufschreiben, was passiert ist. Ohne Aufzeichnung lässt sich nicht beurteilen, ob eine Strategie getragen hat oder ob eine gute Phase Zufall war.
Fragen und Antworten
Wie lange hält man eine Position beim Swing-Trading?
Üblich sind wenige Tage bis einige Wochen. Eine feste Grenze gibt es nicht – entscheidend ist, dass die Position über Nacht offen bleibt und nicht, wie beim Day Trading, vor dem Handelsschluss geschlossen wird.
Ist Swing-Trading für Berufstätige geeignet?
Von den vier Handelsstilen ist es der praktikabelste, weil Vorbereitung und Entscheidung zeitlich getrennt sind. Orders lassen sich abends oder vor Handelsbeginn platzieren. Trotzdem gehört dazu, die laufenden Positionen regelmäßig anzusehen und anstehende Termine zu kennen.
Was passiert, wenn über Nacht eine Kurslücke entsteht?
Eine Stop-Order wird bei Erreichen der Schwelle ausgelöst und zum nächsten handelbaren Preis ausgeführt. Eröffnet der Markt deutlich unter der Schwelle, fällt der Verlust entsprechend größer aus als geplant. Begrenzen lässt sich das nur über die Positionsgröße, nicht über die Orderart.
Fallen beim Swing-Trading Finanzierungskosten an?
Bei direkt gekauften Aktien nicht. Bei gehebelten Produkten wie CFDs oder Hebelzertifikaten laufen Finanzierungskosten für jeden Tag, an dem die Position offen ist – auch an Wochenenden und Feiertagen. Über mehrere Wochen ist das ein eigener Kostenblock.
Quellen
- Deutsche Börse AG: Handelszeiten Xetra
- BaFin: Allgemeinverfügung bezüglich sogenannter Differenzgeschäfte (Contracts for Difference) vom 23. Juli 2019
- § 20 Absatz 6 und § 43a Absatz 3 Einkommensteuergesetz, gesetze-im-internet.de