Die US-Börsen haben den Auftakt der Berichtssaison zum dritten Quartal am Dienstag, 13. Oktober 2026, mit leichten Verlusten beendet. Während die Großbanken JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo deutliche Gewinnsteigerungen meldeten, drückte ein Ausverkauf bei Speicherchip-Werten auf die Technologiebörse. Im Gesundheitssektor gingen die Reaktionen auseinander: UnitedHealth hob die Jahresprognose an, Johnson & Johnson verbuchte wegen einer Sonderbelastung im Talkum-Streit einen Gewinneinbruch. Energie- und Versorgerwerte entwickelten sich am besten, Gesundheits- und Technologiewerte am schwächsten.
Die Indizes im Überblick
Der S&P 500 schloss nahezu unverändert, der Dow Jones Industrial Average gab etwas deutlicher nach. Die an der Nasdaq notierten Technologiewerte schlossen ebenfalls im Minus, die Nebenwerte im Russell 2000 verloren 0,4 Prozent.
| Index | Schlussstand | Veränderung |
|---|---|---|
| S&P 500 | 7.805,45 | −0,02 % |
| Nasdaq Composite | 27.204,38 | −0,15 % |
| Dow Jones Industrial Average | 51.670,10 | −0,35 % |
| Russell 2000 | 2.783,37 | −0,40 % |
Großbanken eröffnen die Berichtssaison
JPMorgan Chase steigerte den Nettogewinn im dritten Quartal um 6 Prozent auf 15,3 Milliarden US-Dollar. Je Aktie verdiente die größte US-Bank 5,57 Dollar, ein Plus von 10 Prozent. Ohne Verluste aus dem Verkauf von Wertpapieren in Höhe von 658 Millionen Dollar vor Steuern hätte der Gewinn je Aktie bei 5,75 Dollar gelegen. Die ausgewiesenen Nettoerträge stiegen um 8 Prozent auf 50,2 Milliarden Dollar. Konzernchef Jamie Dimon verwies auf zweistellige Zuwächse im Investmentbanking und im Handel, warnte aber zugleich vor Risiken durch Haushaltsdefizite, hartnäckige Inflation und die geopolitische Lage.
Bei Goldman Sachs kletterte der Gewinn auf 5,29 Milliarden Dollar oder 17,01 Dollar je Aktie, die Nettoerträge lagen bei 18,68 Milliarden Dollar. Herausragend war der Aktienhandel: Die Erträge in diesem Bereich stiegen im Vorjahresvergleich um 72 Prozent auf 6,44 Milliarden Dollar. Die Gebühren im Investmentbanking legten um 21 Prozent auf 3,22 Milliarden Dollar zu.
Die Citigroup meldete einen Nettogewinn von 5,2 Milliarden Dollar, 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Gewinn je Aktie stieg um 53 Prozent auf 2,85 Dollar, die Erträge um 8 Prozent auf 23,8 Milliarden Dollar. Wells Fargo verdiente 5,95 Milliarden Dollar, ein Plus von 6 Prozent; je Aktie waren es 1,87 Dollar nach 1,66 Dollar im Vorjahr. Die Erträge wuchsen um 2 Prozent auf 21,87 Milliarden Dollar.
Speicherchips unter Druck
Deutliche Abgaben gab es bei Herstellern von Speicherchips und Festplatten. Die Aktie von Micron verlor rund 4 bis 5 Prozent. Belastend wirkten erneut Sorgen über den wachsenden Wettbewerb durch den chinesischen DRAM-Hersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT), der seit seinem Börsengang in Shanghai im Sommer als ernstzunehmender Rivale gilt. Western Digital fiel um 7,7 Prozent, Seagate um 7,3 Prozent. Bereits zuvor hatten in Südkorea Samsung Electronics um 7,4 Prozent und SK Hynix um 4,3 Prozent nachgegeben. Die Branche hatte in den vergangenen Monaten stark von der Nachfrage nach Speicher für Anwendungen der künstlichen Intelligenz profitiert und entsprechend hohe Bewertungen erreicht.
Gesundheitswerte: UnitedHealth hoch, J&J runter
UnitedHealth übertraf mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,69 Dollar (Vorjahr: 2,92 Dollar) die Erwartungen und hob die Prognose für das Gesamtjahr an. Der Krankenversicherer rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn von mindestens 20,50 Dollar je Aktie, nach US-Rechnungslegung mit mindestens 19,50 Dollar. Der Umsatz lag mit 112,7 Milliarden Dollar knapp unter dem Vorjahreswert, die Quote der medizinischen Kosten sank von 89,9 auf 88,4 Prozent. Die Aktie legte zu.
Johnson & Johnson steigerte den Umsatz zwar um 5,9 Prozent auf 25,4 Milliarden Dollar und hob die Jahresziele leicht an: Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilt der Konzern nun 11,05 bis 11,15 Dollar an, beim Umsatz 101,0 bis 101,4 Milliarden Dollar. Eine einmalige Sonderbelastung für die geplante Beilegung der Talkum-Klagen ließ den Nettogewinn jedoch um rund 96 Prozent auf 210 Millionen Dollar einbrechen, je Aktie blieben 0,09 Dollar. Bereinigt lag der Gewinn je Aktie bei 2,59 Dollar nach 2,80 Dollar im Vorjahr. Die Aktie verlor rund 5 Prozent und belastete den gesamten Gesundheitssektor.
Öl und Gold
Die Ölpreise setzten ihren Rückgang fort. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 2,1 Prozent auf 91,78 Dollar je Barrel, die Nordseesorte Brent notierte bei rund 104,40 Dollar. Hintergrund ist die vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen für russischen Diesel: Das US-Finanzministerium hatte am 9. Oktober mit der Generallizenz 135 Geschäfte mit Diesel russischen Ursprungs bis zum 7. April 2027 erlaubt. Am Markt wird dadurch ein größeres Angebot an Mitteldestillaten erwartet. Der Goldpreis lag bei rund 4.210 Dollar je Feinunze.
Was als Nächstes ansteht
Am Mittwoch, 14. Oktober, rückten die Inflationsdaten in den Mittelpunkt. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics stiegen die Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent und im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei plus 0,3 Prozent zum Vormonat und 2,6 Prozent zum Vorjahr. Die Zahlen sind für die US-Notenbank von Bedeutung, die im September den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben hatte – einstimmig und mit dem Hinweis, die Inflation bleibe erhöht.
Die Berichtssaison geht weiter, am Mittwoch legte unter anderem Bank of America ihre Quartalszahlen vor. Am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise für September, am Freitag die Import- und Exportpreise. Die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve fällt am 28. Oktober nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses. Weitere Termine bündelt der Wirtschaftskalender.
Quellen
- JPMorgan Chase: Earnings Release 3Q 2026 (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- Goldman Sachs: Third Quarter 2026 Earnings Results (SEC Form 8-K)
- Citigroup: Third Quarter 2026 Results (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- Wells Fargo: Third Quarter 2026 Earnings (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- UnitedHealth Group: Third Quarter 2026 Results (SEC Form 8-K)
- Johnson & Johnson: Third-Quarter 2026 Results (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- Federal Reserve: FOMC-Statement vom 16. September 2026
- Federal Reserve: FOMC-Sitzungskalender
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Consumer Price Index – September 2026
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Veröffentlichungskalender 2026
- U.S. Department of the Treasury (OFAC): General License 135 – Diesel russischen Ursprungs
Stand: 14. Oktober 2026. Reine Information, keine Anlageberatung.