Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist am Montag auf 5,28 Prozent gestiegen, vier Basispunkte mehr als am Vortag. Für die Aktienmärkte war das genug: Der Dow Jones verlor 0,6 Prozent auf 51.169 Punkte, der S&P 500 gab 0,3 Prozent auf 7.663 Zähler nach, der Nasdaq Composite schloss 0,1 Prozent schwächer bei 26.791 Punkten. Der DAX hatte am selben Tag seinen schwächsten Handelstag seit über vier Monaten hinter sich.
Der Markt rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung
Hinter dem Renditeanstieg steht eine Erwartung, die noch vor Kurzem als unwahrscheinlich galt: Die Terminmärkte preisen inzwischen mit rund 73 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte im Oktober ein. Nicht eine Senkung – eine Erhöhung.
Für Anleger ist das die eigentliche Nachricht. Wer sein Depot auf fallende Zinsen ausgerichtet hat, rechnet gegen den Markt. Was die Fed mit ihren Zinsentscheiden bezweckt und wie der Leitzins wirkt, erklären die verlinkten Beiträge.
| Stand 29. September 2026 | |
|---|---|
| Rendite 10-jähriger US-Anleihen | 5,28 Prozent, plus 4 Basispunkte |
| Dow Jones | 51.169 Punkte, minus 0,6 Prozent |
| S&P 500 | 7.663 Punkte, minus 0,3 Prozent |
| Nasdaq Composite | 26.791 Punkte, minus 0,1 Prozent |
| Brent-Öl | 103,68 Dollar, minus 1,5 Prozent |
| WTI-Öl | 90,44 Dollar, minus 2,3 Prozent |
Warum steigende Renditen Aktien belasten
Der Zusammenhang wirkt über zwei Kanäle, und beide treffen Technologiewerte härter als den Rest des Marktes.
Die Konkurrenz um das Geld. Eine Staatsanleihe der USA mit 5,28 Prozent ist eine Anlage mit sehr geringem Ausfallrisiko. Je höher diese Verzinsung, desto weniger Grund hat ein Anleger, für eine Aktie mit ungewisser Gewinnentwicklung Risiko einzugehen. Mehr zu dieser Anlageklasse unter Staatsanleihen.
Die Abzinsung künftiger Gewinne. Der Wert einer Aktie ergibt sich rechnerisch aus den Gewinnen, die das Unternehmen in Zukunft erwirtschaftet, abgezinst auf heute. Steigt der Zins, mit dem abgezinst wird, sinkt dieser Barwert – und zwar umso stärker, je weiter die erwarteten Gewinne in der Zukunft liegen. Genau das ist die Lage bei hoch bewerteten Wachstumswerten: Ihr Kurs lebt von Erträgen, die erst in Jahren anfallen sollen.
Deshalb reagiert der Nasdaq typischerweise empfindlicher auf Renditebewegungen als der DAX, in dem Industrie, Versicherer und Versorger ein größeres Gewicht haben.
Der Ölpreis hat diesmal entlastet
Gegen den Renditedruck stand ein fallender Ölpreis. Brent gab 1,5 Prozent auf 103,68 Dollar nach, WTI 2,3 Prozent auf 90,44 Dollar – ausgelöst von Signalen aus dem Nahen Osten, dass wieder mehr Rohöl fließt, nachdem Saudi-Arabien den Pipeline-Export nach Wartungsarbeiten wieder aufgenommen hat.
Das ist mehr als eine Randnotiz: Ein niedrigerer Ölpreis dämpft die Inflation und nimmt damit mittelfristig Druck von den Zinsen. Kurzfristig belastete er allerdings die Energiewerte. Hintergründe im Beitrag zum Ölpreis.
Auffällig war zudem, dass Chipwerte gegen den Markt zulegten. Marvell gewann 4,3 Prozent, Nvidia 0,6 Prozent, gestützt von ausgeweiteten Aktienrückkaufprogrammen.
Was das für Anleger bedeutet
Ein Renditeanstieg um vier Basispunkte ist für sich genommen unbedeutend. Bedeutend ist das Niveau: Über fünf Prozent bei zehnjährigen US-Anleihen verschiebt sich der Maßstab, an dem jede andere Anlage gemessen wird.
Für deutsche Sparer hat das eine unmittelbare Seite. Höhere Zinsen am Kapitalmarkt schlagen mit Verzögerung auf Tagesgeld und Festgeld durch – die risikofreie Alternative zum Aktiendepot wird also attraktiver, nicht unattraktiver.
Gleichzeitig gilt der übliche Vorbehalt: Ein Handelstag ist kein Trend. Die Erwartung einer Zinserhöhung im Oktober kann sich mit dem nächsten Inflationsbericht drehen. Wer sein Depot nach einer einzelnen Tagesmeldung umbaut, handelt meist gegen sich selbst.
Quellen
- US-Finanzministerium – Tagesrenditen der Staatsanleihen
- Deutsche Börse – DAX-Tagesverlauf
- CME FedWatch – eingepreiste Wahrscheinlichkeit der Fed-Entscheidung im Oktober
Stand: 29. September 2026. Kurse schwanken laufend, Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.