Der Anlagendeckungsgrad ist eine Kennzahl aus der Bilanzanalyse. Er zeigt, wie weit das Anlagevermögen eines Unternehmens, also Grundstücke, Gebäude, Maschinen und immaterielle Vermögensgegenstände, durch langfristiges Kapital finanziert ist. Dahinter steht die Idee, dass langfristig gebundenes Vermögen auch langfristig finanziert sein sollte.
Die drei Formeln
| Kennzahl | Formel | Richtwert |
|---|---|---|
| Anlagendeckungsgrad 1 | Eigenkapital ÷ Anlagevermögen × 100 | möglichst nahe 100 % |
| Anlagendeckungsgrad 2 | (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen × 100 | mindestens 100 % |
| Anlagendeckungsgrad 3 | (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ (Anlagevermögen + langfristig gebundenes Umlaufvermögen) × 100 | mindestens 100 % |
Zum langfristigen Fremdkapital zählen Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr, Pensionsrückstellungen und langfristige Anleihen. Langfristig gebundenes Umlaufvermögen ist etwa ein dauerhaft benötigter Mindestbestand an Vorräten.
Ein Beispiel
| Bilanzposten | Betrag |
|---|---|
| Anlagevermögen | 800.000 € |
| Eigenkapital | 560.000 € |
| Langfristiges Fremdkapital | 400.000 € |
- Anlagendeckungsgrad 1: 560.000 ÷ 800.000 × 100 = 70 %
- Anlagendeckungsgrad 2: (560.000 + 400.000) ÷ 800.000 × 100 = 120 %
Das Anlagevermögen ist zu 70 Prozent mit Eigenkapital finanziert. Zusammen mit dem langfristigen Fremdkapital ist es vollständig gedeckt, es bleibt sogar ein Überschuss für einen Teil des Umlaufvermögens.
Die goldene Bilanzregel
Die Kennzahlen gehen auf die goldene Bilanzregel zurück, auch Fristenkongruenz genannt. Danach sollen langfristig gebundene Vermögenswerte mit langfristigem Kapital finanziert werden. Wer eine Maschine mit zehn Jahren Nutzungsdauer über einen Kontokorrentkredit finanziert, der jederzeit gekündigt werden kann, geht ein Liquiditätsrisiko ein. Ein Anlagendeckungsgrad 2 unter 100 Prozent gilt deshalb als Warnsignal.
Wie aussagekräftig ist die Kennzahl?
- Branchenabhängig: Anlageintensive Branchen wie Energieversorger oder Chemie haben ganz andere Werte als Händler oder Softwarefirmen.
- Stichtagsbezogen: Die Bilanz zeigt nur einen Zeitpunkt.
- Bewertung: Stille Reserven, etwa in alten Immobilien, werden nicht erfasst.
- Kein Ersatz für die Liquiditätsplanung: Ob Zahlungen pünktlich geleistet werden können, zeigt eher die Kapitalflussrechnung.
Fazit
Der Anlagendeckungsgrad zeigt, ob ein Unternehmen seine langfristigen Vermögenswerte solide finanziert hat. Grad 1 sollte möglichst hoch sein, Grad 2 mindestens 100 Prozent erreichen. Für Anleger und Banken ist er ein wichtiger Baustein der Bilanzanalyse, aber kein alleiniges Urteil.
Fragen und Antworten
Wie berechnet man den Anlagendeckungsgrad 1?
Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen, mal 100.
Wie berechnet man den Anlagendeckungsgrad 2?
Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital, geteilt durch Anlagevermögen, mal 100.
Was ist ein guter Anlagendeckungsgrad?
Grad 1 sollte möglichst nahe an 100 Prozent liegen, Grad 2 mindestens 100 Prozent erreichen.
Was sagt ein Anlagendeckungsgrad unter 100 Prozent?
Ein Teil des Anlagevermögens ist kurzfristig finanziert. Das erhöht das Risiko von Liquiditätsengpässen.
Quellen
- Handelsgesetzbuch § 266 Gliederung der Bilanz – gesetze-im-internet.de
- Deutsche Bundesbank, Unternehmensabschlüsse – bundesbank.de
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.