Am Markt für US-Staatsanleihen ist eine Investorengruppe in den Vordergrund gerückt, die dort lange eine Nebenrolle spielte: Hedgefonds. Nach Berechnungen des Office of Financial Research (OFR), einer Forschungsstelle des US-Finanzministeriums, hielten Hedgefonds Ende 2025 rund 2 Billionen US-Dollar an handelbaren US-Staatsanleihen, sogenannten Treasuries. Das ist fast dreimal so viel wie fünf Jahre zuvor und entspricht einem Rekordanteil von 7 Prozent am Markt. Weil ein Großteil dieser Positionen mit geliehenem Geld finanziert ist, beobachten Notenbanken und Aufseher die Entwicklung mit wachsender Sorge, zumal die Renditen zuletzt kräftig gestiegen sind.
Hedgefonds halten so viele Treasuries wie nie
Der handelbare Bestand an US-Staatsanleihen ist laut OFR seit Ende 2020 um 29 Prozent auf 28,9 Billionen US-Dollar gewachsen. Die Bestände der Hedgefonds haben sich im selben Zeitraum fast verdreifacht. Ihr Anteil ist damit so hoch wie noch nie seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2013.
Eine Studie der US-Notenbank Fed vom Juni 2026 kommt auf Basis der Meldungen großer Fonds an die Börsenaufsicht SEC (Formular PF) zu einem ähnlichen Bild: Zwischen 2023 und September 2025 hat sich das gesamte Treasury-Engagement großer Hedgefonds auf 4,0 Billionen US-Dollar verdoppelt. Davon entfielen 2,4 Billionen US-Dollar auf Kaufpositionen und 1,6 Billionen US-Dollar auf Verkaufspositionen. Gemessen an allen ausstehenden Treasuries stieg der Anteil der Hedgefonds von rund 4,5 auf rund 8,5 Prozent. Die Abweichung zum OFR-Wert von 7 Prozent erklärt sich durch unterschiedliche Abgrenzungen und Stichtage.
Auch 2026 haben Hedgefonds weiter zugekauft. Nach Fed-Daten erwarben in den USA ansässige Fonds im ersten Quartal netto 26,4 Mrd. US-Dollar und im zweiten Quartal 60,6 Mrd. US-Dollar an Treasuries.
| Kennzahl | Wert | Stand |
|---|---|---|
| Cash-Treasuries im Besitz von Hedgefonds | ca. 2,0 Bio. USD | Ende 2025 |
| Handelbare US-Staatsschulden gesamt | 28,9 Bio. USD | Ende 2025 |
| Anteil der Hedgefonds am handelbaren Markt | ca. 7 % | Ende 2025 |
| Treasury-Engagement großer Hedgefonds, brutto | 4,0 Bio. USD (2,4 Bio. long, 1,6 Bio. short) | September 2025 |
| Geschätzte Basis-Trade-Positionen | ca. 830 Mrd. USD | September 2025 |
| Short-Positionen in Treasury-Futures | ca. 1,4 Bio. USD | Ende 2025 |
| Nettokäufe US-Hedgefonds 1. Halbjahr 2026 | ca. 87 Mrd. USD | Juni 2026 |
Quellen: Office of Financial Research, Federal Reserve (FEDS Notes, Juni 2026).
Der Basis-Trade: kleine Spanne, großer Hebel
Treiber der Entwicklung ist vor allem eine Arbitrage-Strategie, der sogenannte Basis-Trade. Dabei kauft ein Hedgefonds eine Staatsanleihe und verkauft gleichzeitig einen Terminkontrakt (Future) auf eine vergleichbare Anleihe. Verdient wird an der kleinen Preisdifferenz zwischen beiden Instrumenten, die sich bis zur Fälligkeit des Futures angleichen soll.
Diese Differenz entsteht, weil viele Vermögensverwalter, Versicherer und Fonds ihr Zinsrisiko lieber über Futures abbilden als über den direkten Kauf von Anleihen. Ihre Nachfrage treibt die Futures-Preise leicht über den Wert der Anleihen. Hedgefonds übernehmen die Gegenseite. Die Fed schätzt den Basis-Trade auf rund 830 Mrd. US-Dollar im September 2025, etwa doppelt so viel wie beim bisherigen Höchststand Anfang 2020. Er macht damit 35 Prozent der Kaufpositionen der Hedgefonds aus.
Weil die Spanne meist nur wenige Basispunkte beträgt, lohnt sich der Trade nur mit hohem Fremdkapitaleinsatz. Die Fonds finanzieren den Anleihekauf über den Repo-Markt: Sie hinterlegen die gekaufte Anleihe als Sicherheit, leihen sich dafür Geld und kaufen damit weitere Anleihen. Die Futures-Seite erfordert ebenfalls nur eine Sicherheitsleistung (Margin) für ein Vielfaches an Nominalwert.
Wie groß der Basis-Trade aktuell ist, ist umstritten, weil Hedgefonds Anleihen und Derivate in ihren Meldungen nicht getrennt ausweisen. Schätzungen von Aufsehern und Banken reichen laut OFR von 350 Mrd. bis 1,5 Bio. US-Dollar. Strategen von Morgan Stanley sehen die Positionen zuletzt bei rund 900 Mrd. US-Dollar, nach etwa 1,26 Bio. US-Dollar zu Jahresbeginn 2026. Sie führen den Rückgang auf geringere Arbitrage-Chancen zurück, nicht auf Stress am Markt.
Warum Aufseher warnen
Die Konstruktion hat eine Schwachstelle: Hedgefonds finanzieren sich überwiegend über Tagesgeld am Repo-Markt, weil das günstiger ist als längerfristige Kredite. Steigen die Repo-Sätze plötzlich oder erhöhen die Börsen die Margin-Anforderungen für Futures, müssen die Fonds ihre Positionen unter Umständen schnell auflösen. Das OFR warnt, ein ungeordneter Abbau hochgehebelter Basis-Trades könne die Schwankungen am Anleihe- und Futures-Markt verstärken.
Die Fed stellte in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Mai 2026 fest, dass der Hebel der Hedgefonds nahe Rekordniveau liegt und sich auf wenige große Häuser konzentriert. Laut der Fed-Studie entfallen rund 90 Prozent der Treasury-Aktivität auf die 50 größten Fonds, Anfang 2023 waren es noch 84 Prozent. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben auf die Risiken hingewiesen, die aus Hebel und kurzfristiger Repo-Finanzierung im Kern des Anleihemarkts entstehen.
Dass diese Sorge nicht theoretisch ist, zeigte der März 2020. Als zu Beginn der Corona-Krise selbst US-Staatsanleihen schwer handelbar wurden, mussten Hedgefonds Basis-Trades in großem Umfang auflösen und Anleihen verkaufen. Die Fed stabilisierte den Markt damals mit massiven Anleihekäufen.
Renditen auf dem höchsten Stand seit über 20 Jahren
Brisant wird das Thema durch die aktuelle Lage am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist seit Ende Februar 2026 von rund 4 Prozent auf über 5 Prozent gestiegen. Laut den offiziellen Tageswerten des US-Finanzministeriums lag sie am 9. Oktober bei 5,24 Prozent, die 20-jährige Laufzeit bei 5,65 Prozent und die 30-jährige bei 5,60 Prozent. Zwischenzeitlich erreichte die Zehnjährige 5,35 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Welche Folgen steigende US-Renditen für die Aktienmärkte haben, haben wir gesondert beleuchtet.
Steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse. Für Hedgefonds, die Anleihen und Futures gegeneinander halten, ist das zunächst kein Problem, solange sich beide Seiten parallel bewegen. Kritisch wird es, wenn die Volatilität steigt, Margin-Anforderungen angehoben werden oder die Finanzierung am Repo-Markt teurer wird. Der nächste wichtige Termin ist der Zinsentscheid der Fed am 28. Oktober 2026.
Nützlicher Käufer oder Risiko für den Markt?
Die Rolle der Hedgefonds ist zweischneidig. Einerseits nehmen sie einen Teil der hohen Neuemissionen auf, mit denen Washington seine Haushaltsdefizite finanziert. Das wird wichtiger, weil traditionelle Käufer wie Pensionsfonds weniger lange Laufzeiten nachfragen und Primärhändler wegen der Kapitalregeln seit der Finanzkrise weniger Anleihen in ihren Bilanzen halten können. Das OFR betont, dass Hedgefonds Liquidität bereitstellen und die Preise von Anleihe- und Futures-Markt miteinander verbinden. Einen Überblick über die Verschuldung der Vereinigten Staaten bietet das Finanzprofil USA.
Andererseits verfolgen Hedgefonds andere Ziele als langfristige Investoren. Sie halten Anleihen nicht bis zur Fälligkeit, sondern solange sich die Position rechnet. Gerät die Finanzierung unter Druck, könnten gerade die Käufer, auf die der Markt zunehmend angewiesen ist, gleichzeitig zu Verkäufern werden.
Fazit
Hedgefonds sind zu einem der wichtigsten Akteure am weltweit bedeutendsten Anleihemarkt geworden. Mit rund 2 Billionen US-Dollar an US-Staatsanleihen und einem Marktanteil von 7 Prozent sorgen sie für Liquidität und nehmen Emissionen auf, die andere Investoren nicht mehr schultern. Aus Sicht der Marktteilnehmer liegt das Risiko weniger in der Größe der Bestände als in ihrer Finanzierung: Ein großer Teil ruht auf kurzfristigen Krediten und hohem Hebel. Solange die Repo-Finanzierung reibungslos läuft, stabilisiert das den Markt. In einer Stressphase mit steigenden Renditen könnte es die Bewegung verstärken.
Fragen und Antworten
Wie viele US-Staatsanleihen halten Hedgefonds?
Laut dem Office of Financial Research hielten Hedgefonds Ende 2025 rund 2 Billionen US-Dollar an handelbaren US-Staatsanleihen. Das entspricht etwa 7 Prozent des Marktes von 28,9 Billionen US-Dollar.
Was ist der Basis-Trade?
Beim Basis-Trade kauft ein Hedgefonds eine Staatsanleihe und verkauft gleichzeitig einen Future auf eine vergleichbare Anleihe. Er verdient an der kleinen Preisdifferenz zwischen beiden und finanziert die Position überwiegend mit geliehenem Geld am Repo-Markt.
Wie groß ist der Basis-Trade?
Die Fed schätzte ihn für September 2025 auf rund 830 Mrd. US-Dollar. Andere Schätzungen reichen von 350 Mrd. bis 1,5 Bio. US-Dollar, weil Hedgefonds Anleihen und Derivate nicht getrennt melden.
Warum gilt der Basis-Trade als Risiko?
Weil er mit hohem Hebel und kurzfristiger Finanzierung betrieben wird. Steigen Repo-Sätze oder Margin-Anforderungen plötzlich, müssen Fonds ihre Positionen eventuell schnell auflösen und Anleihen verkaufen. Das kann Kursbewegungen verstärken, wie im März 2020.
Was bedeutet das für Anleger in Deutschland?
US-Staatsanleihen gelten als Referenz für die weltweiten Zinsen. Starke Bewegungen am US-Anleihemarkt wirken sich auf Bundesanleihen, Anleihe-ETFs, Aktienbewertungen und den Euro-Dollar-Kurs aus.
Quellen
- Office of Financial Research, Ted Berg und Daniel Stemp: Hedge Funds’ Cash Treasury Holdings Reach $2 Trillion, 19.08.2026 (financialresearch.gov)
- Board of Governors of the Federal Reserve System, Phillip J. Monin: Decomposing Hedge Funds’ U.S. Treasury Exposures, FEDS Notes, 22.06.2026 (federalreserve.gov)
- Board of Governors of the Federal Reserve System: Financial Stability Report, Mai 2026 (federalreserve.gov)
- Board of Governors of the Federal Reserve System: Financial Accounts of the United States (Z.1), 2. Quartal 2026 (federalreserve.gov)
- U.S. Department of the Treasury: Daily Treasury Par Yield Curve Rates (treasury.gov)
- Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: BIS Quarterly Review, Dezember 2025 (bis.org)
- Morgan Stanley Research: The Size of the Basis Trade, Januar 2026
Stand der Daten: 18. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung und keine Verkaufsempfehlung.