USA im Finanzprofil: 40 Billionen Schulden, Rating und Gläubiger

von user

Die USA sind der größte Schuldner der Welt – und zugleich der Staat, dem Anleger am meisten Geld anvertrauen. Diese Seite prüft das Land wie einen Kreditnehmer: Schulden, Zinslast, Gläubiger, Sicherheiten und Bonitätsnoten.

Das Profil auf einen Blick

Land🇺🇸 Vereinigte Staaten von Amerika
WährungUS-Dollar, wichtigste Reservewährung der Welt
NotenbankFederal Reserve System, gegründet 1913
SchuldenverwaltungUS-Finanzministerium, Bureau of the Fiscal Service
Staatsschuldenrund 40,1 Billionen Dollar (23. September 2026)
Schuldenquoterund 122 Prozent des BIP
RatingAA+ bei S&P und Fitch, Aa1 bei Moody’s
Goldreservenrund 8.133 Tonnen, größter Bestand der Welt

Die Bonitätsnoten

Anders als Deutschland haben die USA ihre Bestnote verloren – bei allen drei großen Agenturen. Seit Mai 2025 gibt es kein AAA mehr für die größte Volkswirtschaft der Welt.

AgenturNoteHerabstufungBegründung
S&P GlobalAA+5. August 2011Streit um die Schuldenobergrenze, fehlender Konsolidierungsplan
FitchAA+1. August 2023steigende Schuldenlast, wiederholtes Taktieren um die Schuldengrenze
Moody’sAa116. Mai 2025wachsende Defizite und Zinskosten, keine Aussicht auf Umkehr

Moody’s hielt das Spitzenrating seit 1917 – über ein Jahrhundert, zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise hinweg. Alle drei Ausblicke stehen inzwischen auf stabil, eine weitere Herabstufung ist also nicht unmittelbar zu erwarten.

Die Verschuldung im Detail

Die Staatsschulden der USA überschritten im Jahr 2026 die Marke von 40 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Vor vier Jahrzehnten lagen sie bei rund 900 Milliarden.

KennzahlWert
Staatsschuldenrund 40,1 Billionen US-Dollar (September 2026)
Schuldenquoterund 122 Prozent des BIP
Nettozinsausgabenrund 952 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 2025
Anteil der Zinsen am Haushaltrund 15 Prozent der Bundesausgaben
Erwartete Quote 2035rund 134 Prozent des BIP, Schätzung von Moody’s
Prognose Zinsausgaben16,2 Billionen Dollar über zehn Jahre, Schätzung des CBO

Die Zinslast ist der entscheidende Unterschied zu Deutschland. Dort verschlingen Zinsen rund 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung, in den USA nähern sie sich einer Billion Dollar im Jahr – mehr als der Verteidigungshaushalt in wenigen Jahren betragen dürfte. Moody’s erwartet, dass Zinszahlungen bis 2035 rund 30 Prozent der Bundeseinnahmen binden, gegenüber 18 Prozent im Jahr 2024.

Wer die amerikanischen Schulden hält

Ausländische Investoren hielten Anfang 2026 US-Staatsanleihen im Rekordwert von rund 9,3 Billionen Dollar. Ihr Anteil an der gesamten Staatsverschuldung ist trotzdem rückläufig – er lag Ende 2025 bei 31 Prozent, nach Werten um 50 Prozent im Jahr 2008.

GläubigerBestandAnmerkung
🇯🇵 Japanrund 1,2 Billionen Dollargrößter ausländischer Gläubiger
🇬🇧 Großbritannienrund 0,9 Billionen Dollarüberwiegend Finanzplatz London
🇨🇳 Chinarund 0,7 Billionen DollarBestand seit Jahren rückläufig
Belgien, Kanada, Luxemburgje rund 0,4 bis 0,5 Billionen Dollarteils Verwahrstellen für Dritte
Federal Reservemehrere Billionen Dollaraus den Anleihekaufprogrammen, Bestand wird abgebaut
US-Fonds, Banken, Privatanlegergrößter Block insgesamtGeldmarktfonds wuchsen zuletzt am stärksten

Von den ausländischen Beständen entfallen 41,9 Prozent auf staatliche Stellen wie Notenbanken, der Rest auf private Investoren. Die Zinszahlungen ins Ausland beliefen sich 2025 auf 282 Milliarden Dollar. Wie sich Chinas Abkehr vom Dollar bemerkbar macht, zeigt der Beitrag China kauft Gold wie nie.

Die Sicherheiten: Gold

Die USA halten mit rund 8.133 Tonnen den größten staatlichen Goldbestand der Welt – mehr als doppelt so viel wie Deutschland.

AngabeWert
Bestandrund 8.133 Tonnen
Wert zum Kurs von 4.261 Dollarrund 1,11 Billionen Dollar
Anteil an den Staatsschuldenrund 2,8 Prozent
Wichtigste LagerorteFort Knox, West Point, Denver, Federal Reserve Bank of New York
Buchwert in der Bilanz42,22 Dollar je Unze – ein Wert aus dem Jahr 1973

Die Bewertung in der Staatsbilanz ist eine Kuriosität: Offiziell führt das Finanzministerium sein Gold mit 42,22 Dollar je Unze, weniger als einem Prozent des Marktwerts. Eine Neubewertung stünde dem Staat theoretisch frei und würde rechnerisch Hunderte Milliarden freisetzen – ein Gedankenspiel, das regelmäßig auftaucht und ebenso regelmäßig verworfen wird. Mehr zum Metall im Beitrag Gold.

Der Finanzplatz

Kein Land beherbergt größere Börsen. Die beiden führenden Handelsplätze der Welt liegen beide in New York.

HandelsplatzSitzSchwerpunktWebsite
New York Stock ExchangeNew Yorkgrößte Wertpapierbörse der Welt nach Marktwertnyse.com
NasdaqNew YorkTechnologiewerte, vollelektronischer Handelnasdaq.com
Cboe Global MarketsChicagoOptionen, Volatilitätsindex VIXcboe.com
CME GroupChicagoTerminbörse für Zinsen, Rohstoffe und Devisencmegroup.com
NYSE ArcaNew YorkETF-Handelnyse.com/arca

Die wichtigsten Indizes sind der S&P 500, der Dow Jones, der Nasdaq 100 und der Russell 2000. Eine laufende Marktübersicht bietet die Seite Marktübersicht USA.

Die Federal Reserve

Die Fed ist Notenbank und zugleich einer der größten Gläubiger des eigenen Staates. Über die Anleihekaufprogramme der Jahre 2008 bis 2022 sammelte sie Staatsanleihen in Billionenhöhe an; seitdem baut sie den Bestand ab.

Sie entscheidet über den Leitzins, überwacht große Banken und steuert die Dollarliquidität weltweit. Weil so viele Länder in Dollar handeln und sich verschulden, wirken ihre Entscheidungen weit über die USA hinaus – mehr dazu im Beitrag zum Leitzins.

Die Bewertung wie bei einer Kreditprüfung

Was für die USA spricht

Die Reservewährung. Der Dollar ist die Weltwährung. Die USA verschulden sich in ihrer eigenen Währung und können sie notfalls selbst schaffen – ein Vorteil, den kein Schwellenland hat.

Der tiefste Kapitalmarkt der Welt. US-Staatsanleihen gelten als Maßstab für risikofreie Anlagen. Die Nachfrage ist auch bei Rekordemissionen vorhanden.

Wirtschaftskraft und Innovation. Moody’s hebt in seiner Begründung ausdrücklich Größe, Einkommen und Produktivität der US-Wirtschaft hervor – sie tragen das Rating trotz der Schulden.

Sicherheiten. Der größte Goldbestand der Welt, dazu gewaltiges Staatsvermögen an Land und Rohstoffvorkommen.

Was ein Prüfer kritisch anmerken würde

Die Zinsspirale. Höhere Zinsen erfordern mehr Schulden, mehr Schulden erhöhen die Zinslast. Diese Dynamik ist der Kern aller drei Herabstufungen.

Strukturelle Defizite. Prognostiziert werden Fehlbeträge um sieben Prozent der Wirtschaftsleistung – in einer Phase ohne Krise und bei guter Beschäftigung.

Politische Blockaden. Der wiederkehrende Streit um die Schuldenobergrenze führte mehrfach an den Rand eines technischen Zahlungsausfalls. S&P nannte genau das 2011 als Grund.

Abhängigkeit vom Vertrauen. Sinkt die Bereitschaft ausländischer Anleger, Dollaranleihen zu halten, steigen die Renditen – und mit ihnen die Zinslast.

Fazit

Die USA sind ein Schuldner, den kein Gläubiger ablehnen würde und den zugleich kein Prüfer bedenkenlos durchwinken könnte. Die Schulden sind gewaltig, die Zinslast wächst, und alle drei Agenturen haben reagiert.

Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt der entscheidende Faktor der Dollar. Solange die Welt ihre Reserven in amerikanischen Staatsanleihen hält, finanziert sich Washington zu Konditionen, von denen andere Länder mit dieser Schuldenlast nur träumen könnten. Verändert sich das, ändert sich alles – langsam zwar, aber nachhaltig. Zum Vergleich lohnt der Blick auf das Finanzprofil Deutschlands.

Quellen

Stand: 24. September 2026. Angaben nach den genannten Quellen, ohne Gewähr. Die Darstellung als Kreditprüfung ist eine Aufbereitung und keine Bonitätsbewertung im aufsichtsrechtlichen Sinn. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

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