Value Area: die Spanne, in der das Geschäft stattfand

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Volumenhistogramm mit hell markiertem Band im mittleren Preisbereich

Value Area: die Spanne, in der das Geschäft stattfand

Die Value Area ist die Preisspanne, in der ein festgelegter Anteil des Umsatzes stattfand. Üblich sind 70 Prozent des gehandelten Volumens einer Sitzung, doch dieser Anteil ist eine Konvention der Darstellung und keine Eigenschaft des Marktes. Abgelesen wird die Spanne aus einem Profil, das jeden Abschluss seinem Kursniveau zuschlägt. Diese Seite beschreibt die Begriffe, die Berechnung, die Varianten und die Stellen, an denen die Deutung endet.

Was die Value Area bezeichnet

Grundlage ist ein Volume Profile. Darin steht je Preisstufe eine Summe des dort gehandelten Volumens. Legt man einen Anteil fest und sammelt Preisstufen so lange ein, bis dieser Anteil am Gesamtvolumen erreicht ist, ergibt sich eine zusammenhängende Spanne. Diese Spanne ist die Value Area. Der Begriff stammt aus der Market-Profile-Tradition, in der eine Sitzung als Verteilung über Preise dargestellt wird, und gehört heute zum üblichen Werkzeugkasten der Orderflow-Analyse.

Die Spanne beschreibt Vergangenheit: Sie sagt, wo der Umsatz lag, nachdem er stattgefunden hat. Solange die Sitzung läuft, wird sie mit jedem weiteren Abschluss neu gerechnet.

Value Area High und Value Area Low

Die obere Grenze der Spanne heißt Value Area High, abgekürzt VAH, die untere Value Area Low, abgekürzt VAL. Beide sind Ergebnisse der Rechnung und keine vorab gesetzten Marken. Verschiebt sich eine einzige Preisstufe über die Schwelle, wandert die Grenze mit. Wird derselbe Zeitraum mit einer anderen Stufenbreite gerechnet, liegen VAH und VAL woanders.

Weil beide Werte als waagerechte Linien gezeichnet werden, wirken sie wie Niveaus mit eigener Bedeutung. Tatsächlich markieren sie nur die Stelle, an der die Zählung aufgehört hat.

Berechnung ausgehend vom Point of Control

Die verbreitete Rechnung beginnt am Point of Control, also an der Preisstufe mit dem höchsten Volumen im Profil. Von dort wird nach außen verglichen: Das Programm betrachtet die nächsten Stufen über und unter dem bereits eingesammelten Bereich, nimmt die volumenstärkere Seite hinzu und wiederholt diesen Schritt, bis der festgelegte Anteil erreicht ist. Manche Programme vergleichen einzelne Stufen, andere Paare von Stufen, und manche brechen beim Erreichen der Schwelle ab, während andere die laufende Stufe noch vollständig aufnehmen. Daraus entstehen bei identischen Daten leicht abweichende Grenzen.

Ein erfundenes Rechenbeispiel ohne Marktbezug, allein zur Veranschaulichung des Verfahrens: Ein Profil enthalte 1.000 Einheiten, der Point of Control davon 200, die Stufe darüber 90, die darunter 120. Nach zwei Schritten sind 410 Einheiten eingesammelt; die Zählung läuft weiter, bis 700 erreicht sind. Die äußersten dann einbezogenen Stufen sind VAL und VAH. Alle Zahlen sind frei gewählt und beziehen sich auf keinen gehandelten Markt.

BegriffBerechnungLesart und Vorbehalt
Value AreaZusammenhängende Preisspanne, die den festgelegten Anteil am Volumen des Profils enthält, üblich 70 ProzentZeigt, wo der Umsatz des Zeitraums zusammenlief; der Anteil ist gesetzt, nicht gemessen, und die Spanne ändert sich mit Zeitraum und Stufenbreite
Value Area High, VAHOberste Preisstufe, die beim Einsammeln noch aufgenommen wurdeObere Kante der Zählung; kein Niveau, an dem etwas geschehen muss, und je Programm um eine Stufe verschoben
Value Area Low, VALUnterste Preisstufe, die beim Einsammeln noch aufgenommen wurdeUntere Kante der Zählung; dieselben Vorbehalte wie beim VAH
Point of Control, POCPreisstufe mit dem höchsten Volumen im ProfilStartpunkt der Rechnung; empfindlich gegenüber einzelnen großen Abschlüssen und bei Gleichstand von einer Programmregel abhängig

Der Anteil von 70 Prozent als Konvention

Der Wert von 70 Prozent ist die gebräuchliche Voreinstellung, nicht mehr. Er wird häufig mit der Standardabweichung einer Normalverteilung in Verbindung gebracht, weil dort rund 68 Prozent der Fläche innerhalb einer Standardabweichung liegen. Umsatzverteilungen über Preise sind jedoch selten normalverteilt, häufig schief und mitunter zweigipfelig. Die Analogie beschreibt also die Herkunft der Zahl, begründet sie aber nicht.

Entsprechend rechnen manche mit 68, manche mit 80 Prozent. Dass bei einem bestimmten Anteil etwas Besonderes geschieht, lässt sich aus dem Verfahren nicht ableiten.

Volumenbasierte Value Area und TPO-Variante

Zwei Zählweisen stehen nebeneinander. Die volumenbasierte Value Area summiert die gehandelte Menge je Preisstufe. Die TPO-Variante, benannt nach Time Price Opportunity, zählt stattdessen die Zeitabschnitte, in denen eine Preisstufe berührt wurde. Beide liefern eine Spanne, meinen aber Verschiedenes: Die eine fragt, wo viel umgesetzt wurde, die andere, wo der Kurs lange verweilte.

In ruhigen Phasen laufen die Ergebnisse auseinander, weil ein Preis lange berührt und dabei kaum gehandelt sein kann. Welche Variante gezeichnet wird und wie die Sitzung abgegrenzt ist, steht in der Dokumentation des jeweiligen Programms, etwa bei Sierra Chart oder ATAS; ein Überblick über die verbreiteten Werkzeuge findet sich unter Trading-Software.

Vergleich von Sitzung zu Sitzung

Die gebräuchliche Auswertung stellt die Spanne einer Sitzung neben die der vorigen. Beschrieben wird dabei dreierlei: wie stark sich die Spannen überlappen, in welche Richtung die neue Spanne verschoben ist und ob sie breiter oder enger ausfällt. Eine breite Spanne bedeutet, dass der Umsatz über viele Preisstufen verteilt war, eine enge, dass er sich auf wenige drängte. Beim DAX-Future ist dabei zusätzlich zu beachten, welche Handelszeiten in den Sitzungsbegriff eingehen und wie mit dem Rollen des Kontrakts verfahren wird.

Die Gegenprobe gehört zu jeder dieser Beobachtungen. Eine verschobene Spanne kann aus einer Kurslücke, einem anderen Sitzungsschnitt oder einem Kontraktwechsel folgen, ohne dass sich an der Zusammensetzung der Marktteilnehmer etwas geändert hätte. Eine fehlende Überlappung kann auch nur heißen, dass ein großer Teil des Umsatzes in eine Auktion am Rand der Sitzung fiel. Wie sich der Umsatz innerhalb der Stufen verteilte, zeigt eher das Footprint-Chart als die Breite der Spanne.

Was die Value Area nicht ist

Die Spanne ist keine Zone, die halten muss. Sie enthält keine Orders und keinen Mechanismus, der einen Kurs zurückholt. Dass Kurse oft innerhalb einer zuvor umsatzstarken Spanne verlaufen, ist größtenteils eine Eigenschaft der Rechnung: Sie wird so bestimmt, dass sie den Großteil des Geschäfts einschließt.

Ebenso ist sie keine Zusage auf Liquidität: Innerhalb der Value Area einer vergangenen Sitzung kann das Orderbuch heute dünn sein. Und sie ist kein Bewertungsurteil. Der Name legt nahe, dort liege der faire Wert, doch die Rechnung kennt nur Mengen je Preisstufe.

Häufige Fragen

Warum sind 70 Prozent üblich

Weil es die überlieferte Voreinstellung aus der Market-Profile-Darstellung ist, angelehnt an die Fläche innerhalb einer Standardabweichung. Ein sachlicher Grund, der gerade diesen Anteil auszeichnet, ergibt sich daraus nicht.

Zeigen zwei Programme dieselbe Value Area

Nicht zwangsläufig. Abweichungen entstehen durch Sitzungsdefinition, Stufenbreite, Datenquelle und die Reihenfolge, in der nach außen gezählt wird.

Liegt der Point of Control immer in der Value Area

Bei der beschriebenen Rechnung ja, denn sie beginnt dort. Er liegt aber nicht zwangsläufig in der Mitte der Spanne; bei schiefer Verteilung kann er nah an einer der beiden Kanten sitzen.

Was bedeutet eine sehr schmale Spanne

Dass sich der Umsatz auf wenige Preisstufen konzentrierte. Das kann eine ruhige Sitzung anzeigen, aber auch eine verkürzte Handelszeit oder einen einzelnen großen Abschluss, der das Profil dominiert.

Lässt sich die Value Area während der Sitzung ablesen

Ja, als laufend neu gerechnete Spanne. Sie ist dann vorläufig und kann sich bis zum Sitzungsschluss verschieben; ein feststehender Wert liegt erst nach Sitzungsende vor.

Quellen

  • CME Group, Dokumentation zur Market-Profile-Darstellung und zu Marktdaten: cmegroup.com
  • Eurex, Kontraktspezifikationen, Handelszeiten und Rollverfahren: eurex.com
  • Deutsche Börse, Market Data and Services zu Handelsdaten und Auktionen: deutsche-boerse.com
  • Sierra Chart, Herstellerdokumentation zu Volume-by-Price-Studien und Sitzungsdefinition: sierrachart.com
  • ATAS, Herstellerdokumentation zu Profil- und Value-Area-Einstellungen: atas.net

Die übrigen Bausteine zu Marktstruktur, Software und Datenanbindung sind unter Trading zusammengefasst. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung; der Handel mit Hebelprodukten kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.