Die Börse Hannover ist die kleinste der deutschen Regionalbörsen und wird gemeinsam mit Hamburg betrieben. Bekannt ist sie vor allem für einen eigenen Index, der Unternehmen nach ethischen Kriterien auswählt.
Das Wichtigste in Kürze
| Land | 🇩🇪 Deutschland |
| Sitz | Hannover |
| Gegründet | 1785 |
| Betrieb | gemeinsam mit der Börse Hamburg |
| Handelszeiten | 8:00 bis 20:00 Uhr |
| Handelsmodell | Skontroführer |
| Bekannter Index | Global Challenges Index |
| Schwerpunkt | Fonds, Anleihen, nachhaltige Anlagen |
Der Global Challenges Index
2007 legte die Börse Hannover einen Index auf, der Unternehmen nach ihrem Beitrag zu globalen Herausforderungen auswählt – Klimawandel, Wasserversorgung, Armutsbekämpfung, Entwaldung und andere.
Die Auswahl trifft nicht die Börse selbst, sondern eine unabhängige Ratingagentur, begleitet von einem Beirat. Enthalten sind Unternehmen aus aller Welt, ausgeschlossen sind unter anderem Rüstung, Atomkraft und Tabak.
Für Anleger ist der Index vor allem als Vergleichsmaßstab interessant: Er zeigt, wie sich ein streng gefiltertes Portfolio gegenüber breiten Indizes entwickelt. Mehrere Fonds bilden ihn ab.
Geschichte
Die Börse in Hannover entstand 1785 und diente zunächst dem Handel mit Wechseln und Staatspapieren des Kurfürstentums. Über Jahrhunderte blieb sie ein regionaler Platz für norddeutsche Industriewerte und Versicherungen.
2008 schloss sie sich organisatorisch mit Hamburg zusammen. Der Zusammenschluss war eine Antwort auf sinkende Umsätze: Gemeinsam ließen sich Technik und Verwaltung günstiger betreiben, während beide Börsen ihre Zulassungen behielten.
Wie nachhaltige Indizes funktionieren
Der Global Challenges Index arbeitet mit einem zweistufigen Verfahren. Zuerst werden Branchen ausgeschlossen, die den Zielen widersprechen. Danach bewertet eine Ratingagentur die verbleibenden Unternehmen nach ihrem Beitrag zu den definierten Herausforderungen.
| Schritt | Wirkung |
|---|---|
| Ausschlusskriterien | Rüstung, Atomkraft, Tabak und weitere Branchen fallen heraus |
| Positivbewertung | Unternehmen müssen einen messbaren Beitrag leisten |
| Überprüfung | der Index wird regelmäßig neu zusammengestellt |
| Beirat | ein unabhängiges Gremium begleitet die Auswahl |
Für Anleger ist wichtig zu wissen, dass es keinen einheitlichen Standard für Nachhaltigkeit gibt. Jeder Index definiert eigene Kriterien – zwei Produkte mit demselben Etikett können völlig unterschiedliche Unternehmen enthalten.
Wer solche Fonds erwägt, sollte deshalb nicht auf das Label achten, sondern auf die tatsächliche Zusammensetzung. Grundlagen zu Indexfonds im Beitrag Was ist ein ETF.
Wie der Handel funktioniert
Wie in Hamburg stellen Skontroführer die Kurse und prüfen Aufträge vor der Ausführung. Beide Börsen nutzen dieselbe technische Plattform, bleiben rechtlich aber eigenständig.
| Merkmal | Börse Hannover | Xetra |
|---|---|---|
| Kursstellung | Skontroführer | zentrales Orderbuch |
| Handelszeiten | 8:00 bis 20:00 Uhr | 9:00 bis 17:30 Uhr |
| Stärke | Fonds, Anleihen, nachhaltige Werte | Standardwerte |
| Umsatz | gering | sehr hoch |
Was dort gehandelt wird
| Gattung | Bedeutung |
|---|---|
| Offene Fonds | börslicher Handel ohne Ausgabeaufschlag |
| Aktien | deutsche und ausländische Werte in Euro |
| Anleihen | Unternehmens- und Staatsanleihen |
| ETFs | fortlaufende Kursstellung |
| Nachhaltige Anlagen | Fonds und Zertifikate auf den eigenen Index |
Wie in Hamburg ist der Fondshandel der Schwerpunkt. Beide Börsen zusammen bilden damit den wichtigsten börslichen Zugang zu Investmentfonds in Deutschland.
Der Handel in den Randzeiten
Zwischen 8:00 und 9:00 Uhr sowie zwischen 17:30 und 20:00 Uhr stellt Xetra keine Kurse. In diesen Fenstern sind die Regionalbörsen und die außerbörslichen Plattformen die einzigen Anlaufstellen.
Das ist besonders am Abend relevant, wenn amerikanische Unternehmen Zahlen veröffentlichen oder die US-Notenbank entscheidet. Wer darauf reagieren möchte, findet dort die Möglichkeit – allerdings bei größeren Spannen als tagsüber, weil weniger Teilnehmer aktiv sind.
Die deutschen Börsenplätze im Überblick
| Platz | Schwerpunkt |
|---|---|
| Xetra | größter Umsatz, Referenzmarkt für deutsche Aktien |
| Frankfurt | breites Spektrum, Parketthandel |
| München | Privatanleger, Anleihen, Mittelstand |
| Düsseldorf | Quotrix, Fonds und ETFs |
| Hamburg | Fondszweitmarkt |
| Hannover | nachhaltige Anlagen, Fonds |
| Stuttgart | Zertifikate und Anleihen |
Dazu kommen die außerbörslichen Plattformen gettex, LS Exchange und Tradegate, über die inzwischen ein erheblicher Teil des Privatanlegerhandels läuft.
Für Anleger
Bei liquiden Aktien führt der Weg über Xetra. Hannover kommt in Betracht für Fondsanteile, Anleihen und Orders außerhalb der Xetra-Zeiten.
Ein praktischer Vorteil der kleinen Plätze: Teilausführungen kosten keine zusätzlichen Gebühren. Wer eine größere Order in einem wenig gehandelten Papier aufgibt, zahlt also nicht mehrfach.
Warum die Regionalbörsen überhaupt bestehen
Börsen in Deutschland werden von den Bundesländern genehmigt und beaufsichtigt. Jedes Land hat ein Interesse daran, seinen Handelsplatz zu erhalten – ein Grund, warum die Struktur trotz sinkender Umsätze fortbesteht.
Hinzu kommt ein praktisches Argument: Mehrere Handelsplätze bedeuten Wettbewerb. Broker können zwischen ihnen wählen, was die Gebühren drückt und die Ausführungsqualität verbessert.
Für Anleger ist die Vielfalt damit kein Nachteil, solange sie wissen, worauf zu achten ist: Spanne zwischen An- und Verkaufskurs, verfügbares Volumen und Handelsplatzentgelt. Ein Limit schützt in jedem Fall vor unerwarteten Ausführungen.
Häufige Fragen
Warum gibt es so viele deutsche Börsen?
Historisch war jede Wirtschaftsregion auf einen eigenen Handelsplatz angewiesen. Nach der Einführung des elektronischen Handels blieb diese Struktur bestehen, obwohl sich die Umsätze längst konzentriert haben.
Was unterscheidet Hannover von Hamburg?
Technisch und organisatorisch wenig – beide werden gemeinsam betrieben. Der Unterschied liegt in den Schwerpunkten: Hamburg beim Fondszweitmarkt, Hannover bei nachhaltigen Anlagen.
Einordnung
Die Börse Hannover ist ein kleiner Platz mit einem klaren Thema. Ihr Nachhaltigkeitsindex hat über die Börse hinaus Bekanntheit erlangt.
Aus Sicht der Marktteilnehmer spielt sie im Aktienhandel kaum eine Rolle, bietet aber wie die anderen Regionalbörsen Zugang außerhalb der Xetra-Zeiten. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.
Quellen
- Börsen Hamburg und Hannover, Handelszeiten und Segmente
- Global Challenges Index – Auswahlkriterien und Zusammensetzung
Stand: 25. September 2026. Handelszeiten können an Feiertagen abweichen. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.