AISC steht für All-in Sustaining Costs – die gesamten laufenden Kosten je geförderter Unze Gold, einschließlich der Investitionen, die nötig sind, um die Förderung aufrechtzuerhalten. Die Kennzahl macht Minenunternehmen vergleichbar.
Warum es diese Kennzahl gibt
Lange Zeit veröffentlichten Minenbetreiber nur die reinen Betriebskosten – die sogenannten Cash Costs. Diese Zahl klang niedrig, verschwieg aber, was eine Mine wirklich kostet.
Nicht enthalten waren Verwaltung, Erkundung neuer Vorkommen und vor allem die Ersatzinvestitionen: Maschinen verschleißen, Stollen müssen vorgetrieben, Abraum bewegt werden. Wer das ausklammert, rechnet sich reich.
2013 einigte sich der Weltgoldrat deshalb auf eine einheitliche Definition. Seither berichten die meisten Unternehmen ihre AISC – und erst dadurch lassen sich zwei Minen sinnvoll vergleichen.
Was in die Kennzahl einfließt
| Bestandteil | Enthalten in Cash Costs | Enthalten in AISC |
|---|---|---|
| Löhne im Bergwerk | ja | ja |
| Energie und Treibstoff | ja | ja |
| Material und Chemikalien | ja | ja |
| Lizenzgebühren und Abgaben | teilweise | ja |
| Verwaltung | nein | ja |
| Erhaltungsinvestitionen | nein | ja |
| Erkundung bestehender Vorkommen | nein | ja |
| Rekultivierung | nein | ja |
| Bau neuer Minen | nein | nein |
| Steuern und Zinsen | nein | nein |
Die letzten beiden Zeilen sind wichtig: Auch die AISC bilden nicht alles ab. Der Bau einer neuen Mine läuft als Wachstumsinvestition außerhalb der Kennzahl – ein Unternehmen mit niedrigen AISC kann trotzdem Geld verbrennen, wenn es viel in neue Projekte steckt.
Wie man die Zahl liest
Die AISC zeigen, ab welchem Goldpreis ein Unternehmen seine laufenden Kosten deckt. Alles darüber ist Marge.
| AISC je Unze | Einordnung | Marge bei 3.000 $ |
|---|---|---|
| unter 1.100 $ | sehr günstig fördernd | über 1.900 $ |
| 1.100 bis 1.400 $ | solide | 1.600 bis 1.900 $ |
| 1.400 bis 1.700 $ | Branchendurchschnitt | 1.300 bis 1.600 $ |
| 1.700 bis 2.000 $ | teuer | 1.000 bis 1.300 $ |
| über 2.000 $ | anfällig | unter 1.000 $ |
Der entscheidende Zusammenhang: Je höher die AISC, desto stärker reagiert der Gewinn auf Änderungen des Goldpreises. Bei einer Mine mit 2.500 Dollar Kosten kann ein Preisrückgang um zehn Prozent die Marge halbieren.
Wie dieser Hebel rechnerisch funktioniert, steht ausführlich im Beitrag zu Goldminenaktien.
Worauf beim Vergleich zu achten ist
Nebenprodukte. Viele Goldminen fördern auch Silber, Kupfer oder Zink. Deren Erlöse werden häufig von den Kosten abgezogen – das drückt die ausgewiesenen AISC, macht das Unternehmen aber zugleich abhängig von weiteren Rohstoffpreisen.
Währungen. Gold wird in Dollar verkauft, gefördert wird in Australien, Kanada oder Südafrika. Wertet die lokale Währung ab, sinken die AISC in Dollar gerechnet – ohne dass die Mine effizienter geworden wäre.
Erzgehalt. Sinkt der Goldgehalt im Gestein, muss mehr Material bewegt werden. Steigende AISC über mehrere Jahre deuten oft auf nachlassende Qualität der Lagerstätte hin.
Berichtsfreiheit. Die Definition ist eine Empfehlung, keine Vorschrift. Unternehmen legen unterschiedlich aus, was als Erhaltungs- und was als Wachstumsinvestition gilt. Ein Blick in die Erläuterungen des Geschäftsberichts lohnt.
Andere Kennzahlen im Vergleich
| Cash Costs | nur direkte Betriebskosten, veraltet als Vergleichsmaß |
| AISC | laufende Kosten inklusive Erhaltungsinvestitionen |
| AIC | All-in Costs, zusätzlich Wachstumsinvestitionen |
| Reserven | wirtschaftlich förderbare Menge beim aktuellen Preis |
| Ressourcen | nachgewiesene Menge, unabhängig von der Wirtschaftlichkeit |
Für die Beurteilung eines Unternehmens sind AISC und Reserven zusammen aussagekräftiger als jede Zahl für sich: Die eine zeigt, ob heute verdient wird, die andere, wie lange das noch möglich ist.
Häufige Fragen
Gilt AISC nur für Gold?
Die Kennzahl stammt aus der Goldbranche, wird inzwischen aber auch für Silber und teilweise für andere Metalle verwendet. Die Definition ist dort weniger einheitlich.
Wo findet man die AISC eines Unternehmens?
In den Quartals- und Jahresberichten, meist im Abschnitt zu den operativen Kennzahlen. Viele Unternehmen geben zusätzlich eine Prognose für das laufende Jahr ab.
Warum steigen die AISC in der Branche?
Drei Gründe wirken zusammen: sinkende Erzgehalte in alternden Minen, gestiegene Energie- und Lohnkosten sowie höhere Auflagen für Umweltschutz und Rekultivierung.
Was bedeutet eine AISC-Marge?
Die Differenz zwischen erzieltem Goldpreis und AISC. Sie zeigt, was je Unze tatsächlich übrig bleibt – vor Steuern, Zinsen und Investitionen in neue Projekte.
Einordnung
Die AISC sind die wichtigste einzelne Kennzahl bei Minenunternehmen, aber kein vollständiges Bild. Sie sagen nichts über Verschuldung, Länderrisiko oder die Qualität des Managements.
Wer Minenaktien vergleicht, sollte sie deshalb als Ausgangspunkt nehmen und ergänzen: Wie lange reichen die Reserven? Wo stehen die Minen? Wie hoch sind die Schulden? Erst daraus ergibt sich ein Urteil.
Quellen
- World Gold Council – Guidance Note on Non-GAAP Metrics
- Geschäfts- und Quartalsberichte der Minenunternehmen
Stand: 28. September 2026. Keine Anlageberatung.