EZB-Zinsentscheid: Termine, aktuelle Leitzinsen und was sie bedeuten

von user

Achtmal im Jahr entscheidet der EZB-Rat über die Leitzinsen im Euroraum. Die Bekanntgabe erfolgt um 14:15 Uhr, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr – und oft bewegt die Wortwahl dort die Märkte stärker als der Beschluss selbst.

Die aktuellen Leitzinsen

Einlagesatz2,50 %
Hauptrefinanzierungssatz2,65 %
Spitzenrefinanzierungssatz2,90 %
Gültig seit16. September 2026
Letzte Entscheidung10. September 2026: Erhöhung um 0,25 Punkte
Nächste Sitzung29. Oktober 2026

Stand: 28. September 2026. Angaben ohne Gewähr.

Die Sitzungstermine 2026 und 2027

DatumBekanntgabeErgebnis
4. Februar 202614:15 Uhrunverändert (2,00 %)
19. März 202614:15 Uhrunverändert
30. April 202614:15 Uhrunverändert
11. Juni 202614:15 UhrErhöhung auf 2,25 %
23. Juli 202614:15 Uhrunverändert
10. September 202614:15 UhrErhöhung auf 2,50 %
29. Oktober 202614:15 Uhrausstehend
17. Dezember 202614:15 Uhrausstehend
4. Februar 202714:15 Uhrausstehend
18. März 202714:15 Uhrausstehend

Die Termine stehen weit im Voraus fest. Zwischen Beschluss und Pressekonferenz liegen dreißig Minuten – ein Zeitfenster, in dem an den Märkten häufig mehr passiert als beim Beschluss selbst, weil der Zinsschritt meist erwartet wurde, die Begründung aber nicht.

Die drei Leitzinsen und ihre Aufgabe

ZinssatzWofürBedeutung
EinlagesatzBanken parken Geld über Nacht bei der EZBder wichtigste Steuerungszins
HauptrefinanzierungssatzBanken leihen sich Geld für eine Wochehistorisch der Leitzins
Spitzenrefinanzierungssatzkurzfristige Überbrückung über NachtObergrenze des Zinskorridors

Seit 2022 ist der Einlagesatz der entscheidende Wert. Weil im Bankensystem mehr Geld vorhanden ist, als benötigt wird, orientieren sich die Marktzinsen an dem Satz, zu dem Banken überschüssige Mittel parken können.

Was ein Zinsschritt bewirkt

Für Sparer

Steigende Leitzinsen bedeuten in der Regel bessere Konditionen bei Tagesgeld und Festgeld – allerdings mit Verzögerung und selten in voller Höhe. Banken geben Erhöhungen langsamer weiter als Senkungen.

Unmittelbar wirkt es bei Geldmarktfonds, deren Rendite dem Marktzins ohne Verzögerung folgt.

Für Kreditnehmer

Bauzinsen folgen weniger dem Leitzins als den langfristigen Anleiherenditen – sie können deshalb schon vor einer Sitzung steigen, wenn der Markt eine Erhöhung erwartet. Dispozinsen und Ratenkredite reagieren dagegen direkt.

Für Aktien

Höhere Zinsen belasten Aktien aus zwei Gründen: Kredite werden für Unternehmen teurer, und Anleihen werden als Alternative attraktiver. Besonders betroffen sind Wachstumswerte, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen.

Für den Euro

Steigende Zinsen stärken tendenziell die Währung, weil Anlagen im Euroraum attraktiver werden. Entscheidend ist dabei nicht der absolute Zins, sondern der Abstand zu anderen Währungsräumen – Einzelheiten im Beitrag zum Euro-Dollar-Kurs.

Wie die EZB entscheidet

Der EZB-Rat besteht aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums. Über die Zinsen wird nach Möglichkeit im Konsens entschieden.

Das Mandat ist klar: Preisstabilität, definiert als zwei Prozent Inflation mittelfristig. Anders als die amerikanische Notenbank hat die EZB kein zweites Ziel wie Vollbeschäftigung.

Seit 2022 betont der Rat, dass Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung und datenabhängig getroffen werden – es gibt also keinen angekündigten Zinspfad.

Worauf man am Sitzungstag achtet

Der Beschluss um 14:15 Uhr. Meist wenig überraschend, weil die Erwartung eingepreist ist.

Die Pressekonferenz um 14:45 Uhr. Hier erklärt die Präsidentin die Entscheidung und beantwortet Fragen. Formulierungen zur weiteren Entwicklung bewegen die Märkte regelmäßig stärker als der Zinsschritt.

Die Projektionen. Viermal im Jahr veröffentlicht die EZB Prognosen zu Wachstum und Inflation – ein Hinweis darauf, wohin es geht.

Häufige Fragen

Wann ist der nächste EZB-Zinsentscheid?

Am 29. Oktober 2026, Bekanntgabe um 14:15 Uhr, Pressekonferenz um 14:45 Uhr. Die letzte Sitzung des Jahres folgt am 17. Dezember.

Wie oft tagt der EZB-Rat?

Achtmal im Jahr zu geldpolitischen Sitzungen, etwa alle sechs Wochen. Daneben gibt es weitere Sitzungen zu anderen Aufgaben.

Was bedeutet ein Basispunkt?

Ein Hundertstel Prozentpunkt. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte entspricht 0,25 Prozentpunkten – der übliche Schritt.

Warum ist der Einlagesatz wichtiger als der Leitzins?

Weil im Bankensystem Überschussliquidität herrscht. Banken leihen sich kaum Geld von der EZB, sie parken es dort – deshalb bestimmt der Einlagesatz das Zinsniveau am Markt.

Die amerikanische Seite: Termine, Leitzins und warum die Entscheidungen der Fed auch hier wirken, stehen im Beitrag Fed-Zinsentscheid.

Quellen

  • Europäische Zentralbank – geldpolitische Beschlüsse und Sitzungskalender
  • Deutsche Bundesbank – Zinsstatistik

Stand: 28. September 2026. Keine Anlageberatung.

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