Frank Thelen gehört zu den bekanntesten Tech-Investoren Deutschlands – aus der Gründerszene, aus „Die Höhle der Löwen“ und seit 2021 auch aus dem Fondsgeschäft. Eine Frage taucht dabei immer wieder auf: Wie viel ist er eigentlich wert? Die kurze Antwort: Das weiß niemand genau, auch Thelen selbst vermutlich nur ungefähr. Medienschätzungen bewegen sich um die 30 Millionen Euro. Belastbar überprüfbar ist diese Zahl nicht.
Dieser Beitrag ordnet ein, woher das Vermögen stammt, welche Beteiligungen öffentlich dokumentiert sind, wie sich sein Publikumsfonds geschlagen hat – und warum Vermögensschätzungen bei Wagniskapitalgebern grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind. Stand: 28.09.2026.
Frank Thelen im Kurzprofil
| Geboren | 10. Oktober 1975 in Bonn |
| Bekannt als | Gründer, Wagniskapitalgeber, Juror bei „Die Höhle der Löwen“ |
| Eigene Gründungen | Twisd AG (1996), ip.labs (2004), Doo/Scanbot (2011) |
| Investmentgesellschaft | Freigeist Capital (gegründet 2014 als e42) |
| Fondsgesellschaft | TEQ Capital (bis 2024: 10xDNA Capital Partners) |
| Bücher | „Startup-DNA“ (2018), „10xDNA – Das Mindset der Zukunft“ (2020) |
| Geschätztes Vermögen | rund 30 Mio. Euro (Medienschätzung, nicht bestätigt) |
Wie hoch ist das Vermögen von Frank Thelen?
In deutschen Medien und auf Vermögensportalen kursiert seit einigen Jahren eine Größenordnung von etwa 30 Millionen Euro. Diese Zahl ist eine Schätzung – Thelen hat sie weder bestätigt noch eine eigene Zahl genannt. Für eine seriöse Einordnung ist wichtig zu verstehen, warum sich das Vermögen eines Wagniskapitalgebers kaum präzise beziffern lässt.
Der weitaus größte Teil steckt in Anteilen an nicht börsennotierten Unternehmen. Deren Wert ergibt sich nicht aus einem Börsenkurs, sondern aus der jeweils letzten Finanzierungsrunde. Bewertet ein Investor ein Start-up mit 100 Millionen Euro, sind zehn Prozent davon rechnerisch zehn Millionen wert – aber nur, solange jemand bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Bleibt die nächste Runde aus, kann derselbe Anteil binnen Monaten faktisch wertlos sein. Genau das ist bei einer seiner bekanntesten Beteiligungen passiert.
Dazu kommt: Anteile an Start-ups sind illiquide. Sie lassen sich nicht wie Aktien am nächsten Handelstag verkaufen. Ein Papiervermögen von 30 Millionen Euro bedeutet also nicht, dass dieser Betrag verfügbar wäre. Alle Zahlen in diesem Beitrag sind daher als Größenordnung zu lesen, nicht als Bilanz.
Woher das Vermögen stammt: die Exits
Thelen hat zwei Karrieren hinter sich – erst als Gründer, dann als Investor. Die folgende Übersicht listet die öffentlich dokumentierten Verkäufe, an denen er als Gründer oder über seine Investmentgesellschaft beteiligt war. Kaufpreise werden bei Start-up-Übernahmen häufig nicht veröffentlicht; wo Zahlen kursieren, stammen sie aus Medienberichten.
| Unternehmen | Rolle | Käufer | Jahr | Berichteter Kaufpreis |
|---|---|---|---|---|
| ip.labs | Gründer | Fujifilm | 2008 | 13–19 Mio. Euro |
| kaufDA | Investor | Bonial / Axel Springer | 2012 | nicht veröffentlicht |
| Wunderlist | Investor | Microsoft | 2015 | ca. 100–200 Mio. USD (berichtet) |
| MyTaxi | Investor | Daimler | 2014 | nicht veröffentlicht |
| Ankerkraut | Investor (DHDL 2016) | Nestlé | 2022 | nicht veröffentlicht |
| Scanbot (ehem. Doo) | Gründer | Maple Media, später Apryse | 2020 / 2025 | nicht veröffentlicht |
| yfood | Investor (DHDL 2018) | Nestlé | 2023 / 2026 | ca. 220 Mio. Euro (Gesamtdeal) |
Der yfood-Fall zeigt die Logik des Geschäfts besonders deutlich: Thelen investierte 2018 in der Sendung 200.000 Euro. Nestlé übernahm 2023 zunächst 49 Prozent und im Juli 2026 den Rest – der Gesamtdeal wurde mit rund 220 Millionen Euro beziffert. Welcher Anteil davon auf Thelen entfiel, ist nicht öffentlich. Klar ist nur die Größenordnung des Hebels.
Freigeist Capital: das aktive Portfolio
Seine Investmentgesellschaft Freigeist Capital gründete Thelen 2014 unter dem Namen e42. Sie investiert in sehr frühen Phasen – oft, bevor ein Produkt existiert. Zum bekannten Portfolio zählen unter anderem der Getränkehersteller air up, die Software-Firma Xentral, der Wärmespeicher-Entwickler Kraftblock, der Robotik-Anbieter RobCo und der Satellitenhersteller EnduroSat.
Wagniskapital folgt dabei einer unangenehmen Mathematik, die oft unterschätzt wird: Die Mehrheit der Beteiligungen bringt nichts ein, ein kleiner Teil spielt den Einsatz zurück, und der gesamte Ertrag hängt an ein oder zwei Volltreffern. Wer die Gewinner eines Portfolios aufzählt, zeichnet deshalb automatisch ein zu freundliches Bild – das gilt für Thelen wie für jeden anderen Wagniskapitalgeber.
Der Fonds: 10xDNA, heute TEQ Capital
2021 öffnete Thelen sein Konzept für Privatanleger: Der aktiv gemanagte Aktienfonds 10xDNA – Disruptive Technologies startete am 1. September 2021. Die Fondsgesellschaft heißt seit 2024 TEQ Capital, der Fonds entsprechend TEQ – Disruptive Technologies. Er ist damit kein ETF, sondern ein klassischer aktiver Investmentfonds mit Ausgabeaufschlag.
| Fondsname | TEQ – Disruptive Technologies R (ehem. 10xDNA) |
| ISIN / WKN | DE000DNA10X3 / DNA10X |
| Auflage | 1. September 2021 |
| Fondsvolumen | rund 63 Mio. Euro |
| Verwaltungsvergütung | 1,80 % p. a. |
| Ausgabeaufschlag | bis zu 3,00 % |
| Größte Positionen | Compass Pathways, Micron Technology, Oscar Health |
| Schwerpunkt | Halbleiter (rd. 27 %), Gesundheit, Finanzdienste; USA rd. 46 % |
Interessanter als die Momentaufnahme ist der Verlauf. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf den Stand Ende September 2026:
| Zeitraum | Wertentwicklung |
|---|---|
| 1 Jahr | +27,4 % |
| 3 Jahre | +96,9 % |
| 5 Jahre | +11,2 % |
| 52-Wochen-Spanne | 17,26 – 28,22 Euro |
Der Widerspruch zwischen den drei Zeiträumen erzählt die eigentliche Geschichte: Der Fonds startete kurz vor der Zinswende und verlor in den Jahren 2022 und 2023 massiv an Wert – zeitweise notierte er deutlich unter dem Ausgabepreis. Die starken drei Jahre danach haben diesen Einbruch zwar weitgehend aufgeholt, unterm Strich bleibt über fünf Jahre aber ein einstelliger Zuwachs. Thelen selbst hat öffentlich eingeräumt, das Team sei auf die historisch schnellen Zinserhöhungen nicht vorbereitet gewesen und habe anfangs zu hohe Bewertungen akzeptiert.
Für Anlegerinnen und Anleger ist das die lehrreichere Botschaft als jede Vermögensschätzung: Ein Fonds mit klarer Themenwette schwankt erheblich stärker als ein breiter Markt. Wer im Herbst 2021 eingestiegen ist, hat fünf Jahre gebraucht, um wieder im Plus zu landen.
Der KI-ETF von 2026
Im Januar 2026 legte TEQ Capital erstmals einen börsengehandelten Indexfonds auf: den TEQ – General Artificial Intelligence ETF (WKN A41AXG, Start 18. Januar 2026). Er kostet 0,69 Prozent laufende Gebühren im Jahr und bildet einen regelbasierten Index ab, der die gesamte KI-Wertschöpfungskette abdecken soll – nicht nur die großen Tech-Konzerne. Thelen hat nach eigenen Angaben eine Million Euro eigenes Geld investiert. Der zugrunde liegende Index legte im ersten Jahr seit Dezember 2024 rund 30 Prozent zu; eine Aussage über die Zukunft ist das nicht.
Die Höhle der Löwen
Bekannt wurde Thelen einem Millionenpublikum ab 2014 als Juror in der Vox-Gründershow. Nach sieben Staffeln stieg er Ende 2019 aus, kehrte 2024 für einen Gastauftritt zurück und ist seit der Herbststaffel 2025 wieder fester Investor. Das Format hat für ihn eine Doppelfunktion: Es ist Investitionskanal und Reichweitenmaschine zugleich – ein Umstand, der bei der Bewertung seiner öffentlichen Einschätzungen mitgedacht werden sollte.
Rückschläge: Lilium und die Wirecard-Episode
Die prominenteste Fehlinvestition ist Lilium. Der Flugtaxi-Entwickler aus Oberpfaffenhofen war eine der frühesten und sichtbarsten Freigeist-Beteiligungen, ging 2021 über eine SPAC-Fusion an die US-Börse und meldete 2024/2025 Insolvenz an. Ein Investment, das über Jahre als Aushängeschild galt, ist damit weitgehend abgeschrieben – und ein gutes Beispiel dafür, wie schnell eine Bewertung aus einer Finanzierungsrunde verschwinden kann.
Kritik brachte ihm außerdem seine öffentliche Positionierung im Fall Wirecard ein: Thelen hatte den Zahlungsdienstleister vor dem Zusammenbruch 2020 mehrfach öffentlich verteidigt und Vorwürfe gegen das Unternehmen als unbegründet dargestellt. Nach Aufdeckung des Bilanzbetrugs geriet diese Haltung in die Kritik.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Der Blick auf ein Investorenvermögen ist unterhaltsam, praktisch verwertbar sind aber vor allem drei Beobachtungen.
- Bekanntheit ist keine Qualitätsgarantie. Der Fonds eines prominenten Investors unterliegt denselben Marktgesetzen wie jeder andere – und trägt durch Ausgabeaufschlag und 1,8 Prozent Verwaltungsvergütung spürbare Kosten.
- Konzentration schneidet in beide Richtungen. Wer auf wenige Zukunftsthemen setzt, muss Rückgänge von 50 Prozent und mehr aushalten können. Das ist eine Frage des Zeithorizonts, nicht der Meinung.
- Privatanleger können Wagniskapital nicht nachbauen. Ein VC-Portfolio funktioniert über Dutzende Beteiligungen, Informationsvorsprung und Jahre ohne Liquidität. Der zugängliche Weg für Privatanleger bleibt der Aktienmarkt – über Einzelwerte, Fonds oder ETFs.
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Häufige Fragen
Wie reich ist Frank Thelen wirklich?
Eine belastbare Zahl existiert nicht. Medienschätzungen liegen bei rund 30 Millionen Euro, überwiegend gebunden in Anteilen an nicht börsennotierten Unternehmen. Thelen hat selbst keine Zahl genannt.
Womit verdient Frank Thelen sein Geld?
Über drei Kanäle: Verkäufe eigener Gründungen (vor allem ip.labs), Beteiligungen über Freigeist Capital und das Fondsgeschäft der TEQ Capital. Dazu kommen Buchhonorare, Vorträge und Medienauftritte.
Wie heißt der Fonds von Frank Thelen?
TEQ – Disruptive Technologies, ISIN DE000DNA10X3, aufgelegt im September 2021 unter dem Namen 10xDNA. Seit Januar 2026 gibt es zusätzlich den TEQ – General Artificial Intelligence ETF (WKN A41AXG).
Hat sich der 10xDNA-Fonds gelohnt?
Das hängt stark vom Einstiegszeitpunkt ab. Wer zur Auflage im September 2021 gekauft hat, liegt nach fünf Jahren nur rund elf Prozent im Plus. Wer erst nach dem Einbruch 2022/2023 eingestiegen ist, hat deutlich besser abgeschnitten – über drei Jahre steht ein Plus von rund 97 Prozent.
Ist Frank Thelen noch bei „Die Höhle der Löwen“?
Ja. Nach dem Ausstieg Ende 2019 und einem Gastauftritt 2024 ist er seit der Herbststaffel 2025 wieder als fester Investor dabei.
Quellen
- TEQ Capital – Fondsunterlagen und Factsheets, teq.capital
- Kursdaten TEQ – Disruptive Technologies R (ISIN DE000DNA10X3), Stand 28.09.2026
- Freigeist Capital – Portfolioübersicht, freigeist.com
- DAS INVESTMENT: Performance-Analyse des 10xDNA-Fonds
- Börsen-Zeitung: Bericht zur Neuaufstellung der Fondsgesellschaft
- Unternehmensmeldungen zu den Übernahmen von ip.labs, Scanbot und yfood
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vermögensangaben sind Schätzungen Dritter und nicht vom Genannten bestätigt.