Footprint-Chart: Umsatz je Preisstufe lesen

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Monitor mit Footprint-Chart aus geteilten Kerzen und farbig markierten Zellen

Footprint-Chart: Umsatz je Preisstufe lesen

Ein Footprint-Chart ist ein Kursbalken, der aufgeklappt wurde. Wo ein normaler Chart je Zeiteinheit vier Werte zeigt, öffnet das Footprint-Chart jede Kerze und listet für jede Preisstufe darin, wie viel gehandelt wurde und auf welcher Seite die Initiative lag. Die Darstellung ist Teil der Orderflow-Analyse und gehört zu den Werkzeugen, die ausschließlich mit ausgeführten Geschäften arbeiten, nicht mit offenen Orders.

Der Zugewinn an Detail ist erheblich, der Zugewinn an Klarheit nicht automatisch. Ein Footprint beantwortet die Frage, wo innerhalb einer Bewegung das Volumen lag. Warum es dort lag, steht nicht darin.

Aufbau einer Footprint-Kerze

Die senkrechte Achse bleibt der Preis, die waagerechte bleibt die Zeit. Innerhalb einer Kerze wird der Preisbereich jedoch in Stufen zerlegt, üblicherweise in Ticks oder in Vielfache davon. Neben jeder Stufe stehen zwei Zahlen: das Volumen, das zum Geldkurs gehandelt wurde, und das Volumen, das zum Briefkurs gehandelt wurde.

Hinter der Zuordnung steht eine einfache Regel. Wer sofort kaufen will, nimmt die beste vorhandene Verkaufsorder und handelt damit zum Briefkurs. Wer sofort verkaufen will, trifft die beste Kauforder und handelt zum Geldkurs. Die eine Spalte zählt also die aktiven Käufe, die andere die aktiven Verkäufe, jeweils auf der Preisstufe, auf der sie zustande kamen.

Diese Regel ist eine Konvention mit Randfällen. Geschäfte aus Eröffnungs- und Schlussauktionen, Abschlüsse innerhalb des Spreads und Transaktionen, die außerhalb des laufenden Buches zustande kommen, lassen sich keiner Seite eindeutig zuordnen. Jedes Programm behandelt diese Fälle nach eigener Festlegung, und wer die Zahlen bis zur letzten Stelle vergleicht, vergleicht insofern auch Auslegungen.

Die gängigen Darstellungsformen

Dieselben Zahlen lassen sich auf mehrere Weisen zeigen, und die Wahl verändert, was ins Auge fällt. Die drei verbreiteten Formen sind die getrennte Anzeige von Geld- und Briefvolumen, die Differenz der beiden Werte und das Gesamtvolumen je Stufe als Profil.

DarstellungsformWas sichtbar wirdTypische Verwendung
Bid x Ask, beide Werte je StufeVollständige Aufteilung nach Seite, Grundlage für UngleichgewichteDetailbetrachtung einzelner Kerzen, Prüfung von Umschlagzonen
Delta je Stufe, also DifferenzNur der Saldo; welche Seite je Stufe überwogSchnelles Überfliegen vieler Kerzen, Vergleich mit dem Kursverlauf
Volumenprofil je KerzeGesamtumsatz je Stufe ohne SeitenzuordnungErkennen der Schwerpunkte innerhalb einer Kerze
Farbskala statt ZahlenRelative Größenverhältnisse, keine exakten WerteÜbersicht über längere Abschnitte

Keine Form enthält mehr Information als die anderen; sie verdichten unterschiedlich stark. Die Delta-Ansicht ist schneller zu lesen und verliert dabei genau die Angaben, die für die Beurteilung eines Ungleichgewichts nötig sind. Mehr zur Zusammenfassung dieser Salden über die Zeit steht unter Delta im Orderflow.

Ungleichgewichte und ihre Berechnung

Als Ungleichgewicht gilt eine Stelle, an der das Volumen der einen Seite das der anderen um einen festgelegten Faktor übersteigt. Üblich ist der diagonale Vergleich: Das Briefvolumen einer Preisstufe wird dem Geldvolumen der Stufe darunter gegenübergestellt, weil genau diese beiden Werte dasselbe Kursniveau aus beiden Richtungen beschreiben.

Ein erfundenes Rechenbeispiel, allein zur Veranschaulichung der Formel und ohne jeden Bezug zu einem tatsächlichen Markt: Auf einer Stufe werden 120 Kontrakte zum Briefkurs gehandelt, auf der Stufe darunter 30 zum Geldkurs. Das Verhältnis ist vier zu eins. Liegt die eingestellte Schwelle bei drei zu eins, markiert das Programm diese Stelle. Liegt sie bei fünf zu eins, markiert es sie nicht. Die Schwelle ist eine Einstellung, keine Eigenschaft des Marktes.

Daneben wird oft eine Mindestmenge verlangt, damit ein Verhältnis überhaupt gezählt wird. Ohne sie erzeugen dünn gehandelte Stufen laufend Markierungen, weil zwei gegen null ebenfalls ein unendliches Verhältnis ergibt. Wer Ungleichgewichte zählt, zählt daher immer das Ergebnis zweier willkürlich gesetzter Parameter.

Wiederkehrende Beobachtungen und die Gegenprobe

Eine häufig beschriebene Beobachtung ist die absorbierte Bewegung: Der Kurs läuft in eine Richtung, auf den äußeren Stufen steht weiterhin viel aktives Volumen in dieser Richtung, und dennoch bewegt sich der Preis nicht weiter. Die naheliegende Deutung lautet, dass eine Gegenseite die Aufträge aufnimmt. Die Gegenprobe: Dasselbe Bild entsteht, wenn der Auftragsstrom einfach versiegt, wenn eine Preisstufe technisch stark besetzt ist, oder wenn gerade ein großer Auftrag abgearbeitet wird, dessen Urheber mit der Kursrichtung nichts im Sinn hat. Zudem ist die Aufnahme erst im Rückblick erkennbar, nämlich daran, dass es nicht weiterging.

Eine zweite Beobachtung ist die leere Stufe am Rand einer Kerze: Der Kurs berührt ein Niveau, und dort wird kaum gehandelt. Gelesen wird das als Abwesenheit von Interesse. Die Gegenprobe: Eine niedrige Zahl kann ebenso daran liegen, dass die Kerze an dieser Stelle gerade schloss, dass die Tickgröße zu fein eingestellt ist, oder dass Volumen in verdeckten Aufträgen lag, die in dieser Ansicht nicht auftauchen.

Eine dritte ist das Häufen von Ungleichgewichten an einem Ende der Kerze. Dass sich dort mehrere Markierungen stapeln, folgt teilweise schon aus der Rechenweise: An den Rändern einer Bewegung ist das Volumen naturgemäß einseitig, weil der Kurs dort gerade erst angekommen oder bereits weitergezogen ist. Die Markierung bestätigt dann die Bewegung, die sie erklären soll. Für jede dieser Beobachtungen gilt dasselbe: Sie tritt in Phasen ohne Folge genauso auf wie in Phasen mit Folge, und wer nur die Fälle mit Folge erinnert, hält eine Alltagserscheinung für ein Signal.

Einstellungen, die das Bild verändern

Die wichtigste Einstellung ist die Tickgröße der Preisstufen. Werden mehrere Ticks zu einer Stufe zusammengefasst, sinkt die Zahl der Stufen, die Werte je Stufe steigen, und Ungleichgewichte verschwinden oder entstehen neu, weil die verglichenen Mengen andere sind. Dasselbe Marktgeschehen kann bei feiner Einstellung zerfasert und bei grober Einstellung geordnet aussehen.

Ebenso wirkt die Wahl des Balkens. Ein Footprint auf Zeitbasis, auf Tickbasis, auf Volumenbasis oder auf Range-Basis gruppiert dieselben Geschäfte unterschiedlich, und damit ändern sich alle abgeleiteten Größen. Ein Volumenbalken enthält definitionsgemäß in jeder Kerze dieselbe Gesamtmenge, was Vergleiche erleichtert und den Zeitbezug entfernt.

Dazu kommen Details, die leicht übersehen werden: ob Auktionsvolumen mitgezählt wird, ob mehrere Ausführungen eines Auftrags zu einem Abschluss zusammengefasst werden, welcher Kontraktmonat dargestellt ist und wie ein Rollover behandelt wird. Beim DAX-Future etwa bringt jeder Rollwechsel eine Phase mit sich, in der sich das Volumen auf zwei Kontrakte verteilt und das Bild entsprechend dünner wird.

Warum derselbe Chart bei zwei Anbietern anders aussieht

Zwischen dem Geschehen an der Börse und dem Bild auf dem Schirm liegen mehrere Stationen, und jede kann Unterschiede erzeugen. Die Börse liefert den Datenstrom, ein Anbieter wie Rithmic oder CQG verteilt ihn, und die Software rechnet daraus die Darstellung. Werden historische Daten aus unterschiedlichen Archiven nachgeladen, kommen weitere Abweichungen hinzu.

Praktisch heißt das: ATAS, Quantower und Sierra Chart können dieselbe Kerze mit leicht verschiedenen Zahlen zeigen, ohne dass eines davon fehlerhaft arbeitet. Die Dokumentation der jeweiligen Software beschreibt, wie Seitenzuordnung, Zusammenfassung und Auktionen behandelt werden. Wer Zahlen aus zwei Programmen nebeneinander legt, sollte diese Festlegungen kennen, bevor er eine Abweichung für eine Entdeckung hält.

Häufige Fragen

Braucht ein Footprint-Chart die Markttiefe?

Nein. Es arbeitet ausschließlich mit ausgeführten Geschäften, also mit Tickdaten. Markttiefe ist eine eigene, in der Regel teurere Datenstufe und wird für Orderbuchdarstellungen gebraucht, nicht für den Footprint.

Welche Tickgröße ist die richtige?

Es gibt keine richtige. Die Einstellung sollte so gewählt sein, dass eine Stufe im betrachteten Markt genug Volumen enthält, um überhaupt aussagefähig zu sein, und so fein, dass noch Struktur erkennbar bleibt. Wer die Einstellung wechselt, sobald das Bild unpassend erscheint, passt die Darstellung an die eigene Erwartung an.

Sind Ungleichgewichte ein Einstiegssignal?

Sie sind das Ergebnis einer Rechenregel mit frei gesetzten Schwellen. Dass eine Stelle markiert ist, bedeutet nur, dass ein Mengenverhältnis einen eingestellten Faktor überschritten hat. Welche Folge das hat, steht in den Daten nicht, und ein Footprint liefert in dieser Hinsicht grundsätzlich keine Signale.

Funktioniert das auch bei Aktien oder CFDs?

Bei Aktien eingeschränkt, weil ein Teil des Handels über andere Plätze und außerbörslich läuft und das Bild damit unvollständig bleibt. Bei Differenzkontrakten beschreibt ein angezeigtes Volumen das Geschäft des Anbieters, nicht den Markt. Für zentral gehandelte Terminkontrakte ist die Datenlage dagegen vollständig.

Wie verhält sich der Footprint zum Volume Profile?

Beide tragen Volumen über Preis auf, nur über unterschiedliche Zeiträume. Der Footprint tut es je Kerze, das Volume Profile über eine Sitzung oder einen längeren Abschnitt. Wer beide nutzt, betrachtet dieselbe Information in zwei Auflösungen.

Quellen

  • CME Group, Dokumentation zu Marktdaten und Handelsdatenformaten: cmegroup.com
  • Eurex, Handelsregelwerk und Auktionsverfahren: eurex.com
  • ATAS, Herstellerdokumentation zu Footprint und Ungleichgewichten: atas.net
  • Quantower, Herstellerdokumentation zu Volumenanalyse: quantower.com
  • Sierra Chart, Herstellerdokumentation zu Numbers Bars und Datenverarbeitung: sierrachart.com
  • ESMA, Vorgaben zur Nachhandelstransparenz nach MiFIR: esma.europa.eu

Welche Software welche Footprint-Varianten mitbringt und was an Daten und Anbindung dafür nötig ist, steht im Überblick unter Trading. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung; der Handel mit Hebelprodukten kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.