Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind der erste große Stimmungsindikator jedes Monats für die deutsche Wirtschaft. Er erscheint rund zwei Wochen vor dem ifo-Geschäftsklima und gilt deshalb als Frühindikator unter den Frühindikatoren. Diese Seite erklärt, wie der Index gebaut ist, was die Zahlen bedeuten und wann sie kommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Herausgeber ist das ZEW — Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.
- Grundlage ist der ZEW-Finanzmarkttest, eine monatliche Umfrage unter Analysten und institutionellen Anlegern.
- Veröffentlicht wird monatlich um 11:05 Uhr, meist an einem Dienstag in der Monatsmitte.
- Es gibt zwei Indikatoren: die Erwartungen für die nächsten sechs Monate und die Beurteilung der aktuellen Lage.
- Zuletzt veröffentlicht: September 2026 mit plus 34,7 Punkten bei den Erwartungen und minus 47,1 Punkten bei der Lage.
- Der nächste Termin ist der 20. Oktober 2026.
Wie der Index gebaut ist
Das ZEW fragt monatlich mehrere Hundert Fachleute aus Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen, wie sie die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden sechs Monaten einschätzen. Drei Antworten sind möglich: Verbesserung, keine Veränderung, Verschlechterung. Im August 2026 nahmen 185 Analysten teil, der Befragungszeitraum lief vom 10. bis 17. August.
Veröffentlicht wird kein Mittelwert, sondern ein Saldo: der Anteil der Optimisten minus der Anteil der Pessimisten. Sagen 50 Prozent Verbesserung, 20 Prozent Verschlechterung und 30 Prozent keine Veränderung voraus, ergibt das einen Saldo von plus 30 Punkten. Der Wert kann theoretisch zwischen minus 100 und plus 100 liegen.
Daraus folgt eine Eigenschaft, die oft übersehen wird: Der Index misst eine Richtung, keine Höhe. Ein Wert von plus 34,7 Punkten sagt, dass deutlich mehr Fachleute eine Besserung als eine Verschlechterung erwarten. Er sagt nichts darüber, wie stark die Wirtschaft wachsen wird oder von welchem Niveau aus.
Erwartungen und Lage — zwei getrennte Zahlen
Der Erwartungsindikator blickt sechs Monate voraus und ist die Zahl, die in den Schlagzeilen steht. Der Lageindikator bewertet die Gegenwart und läuft deshalb hinterher. Beide zusammen ergeben erst ein Bild.
Der September 2026 zeigt eine Konstellation, die für Wendepunkte typisch ist: Die Erwartungen liegen klar im Plus, die Lagebeurteilung bleibt mit minus 47,1 Punkten tief im Minus. Die Befragten halten die Gegenwart also für schlecht und rechnen trotzdem mit Besserung. Ob diese Erwartung aufgeht, lässt sich aus dem Index selbst nicht ablesen.
Der aktuelle Stand: September 2026
| Indikator | September 2026 | August 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Konjunkturerwartungen Deutschland | +34,7 | +34,2 | +0,5 |
| Lagebeurteilung Deutschland | −47,1 | −61,1 | +14,0 |
Veröffentlicht am 15. September 2026. Angaben in Saldenpunkten.
Das ZEW führt die Erholungserwartung auf fiskalische Impulse und zusätzliche Exportnachfrage zurück. Als Risiken benennt das Institut hohe Energiekosten im anhaltenden Iran-Konflikt sowie Verunsicherung durch hybride Angriffe.
Die Branchen im September 2026
Neben den Gesamtindikatoren erhebt das ZEW Erwartungen für einzelne Branchen. Das Bild bleibt gespalten.
| Branche | Saldo | Veränderung zum Vormonat |
|---|---|---|
| Banken | +52,9 | +8,2 |
| Versicherungen | +46,4 | +12,1 |
| Stahl- und Metallproduktion | −16,7 | — |
| Fahrzeugbau | −22,6 | — |
Die Finanzbranche profitiert vom höheren Zinsniveau, während die energieintensive Industrie und der Fahrzeugbau im negativen Bereich verharren. Für Anleger mit Branchen-ETFs ist diese Aufgliederung der informativere Teil der Veröffentlichung — sie steht in der Pressemitteilung, nicht in den Schlagzeilen.
Die Termine
Das ZEW legt die Termine jeweils im Herbst für das Folgejahr fest. Veröffentlicht wird immer um 11:05 Uhr.
| 2026 | 2027 |
|---|---|
| 20. Januar | 19. Januar |
| 17. Februar | 16. Februar |
| 17. März | 16. März |
| 21. April | 13. April |
| 12. Mai | 11. Mai |
| 16. Juni | 15. Juni |
| 21. Juli | 20. Juli |
| 18. August | 17. August |
| 15. September | 14. September |
| 20. Oktober | 19. Oktober |
| 17. November | 16. November |
| 15. Dezember | 14. Dezember |
Wie der Index auf die Märkte wirkt
Die Wirkung ist geringer als beim US-Verbraucherpreisindex oder beim amerikanischen Arbeitsmarktbericht. Der ZEW-Index beruht auf Einschätzungen, nicht auf gemessenen Größen — er ist eine Umfrage unter Fachleuten, die dieselben Nachrichten gelesen haben wie der Markt. Vieles ist deshalb schon eingepreist.
Spürbar wird er trotzdem, und zwar vor allem dann, wenn er deutlich von der Erwartung abweicht. Betroffen sind in erster Linie der DAX, der MDAX und der Euro. Weil die Veröffentlichung um 11:05 Uhr mitten in den europäischen Handel fällt, ist die Reaktion direkt im Kursverlauf sichtbar.
Für langfristig orientierte Anleger ist der einzelne Monatswert ohne Belang. Interessant ist der Verlauf über mehrere Monate — und besonders der Punkt, an dem Erwartungen und Lage sich kreuzen.
Grenzen des Index
- Es ist eine Stimmungsumfrage, keine Messung. Erwartungen können sich als falsch erweisen.
- Befragt werden Finanzmarktfachleute, nicht Unternehmen. Das ifo-Geschäftsklima fragt dagegen Betriebe nach ihrer eigenen Geschäftslage und ist näher an der Realwirtschaft.
- Der Saldo reagiert empfindlich auf Nachrichtenlagen. Einzelne Ereignisse können den Wert stark bewegen, ohne dass sich an der Konjunktur etwas geändert hat.
- Die Stichprobe ist mit rund 180 bis 200 Teilnehmern klein. Schon wenige Meinungswechsel verschieben den Saldo um mehrere Punkte.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zum ifo-Geschäftsklima?
Das ZEW befragt Finanzmarktfachleute zu ihrer Erwartung an die Gesamtwirtschaft, das ifo-Institut befragt Unternehmen zu ihrer eigenen Geschäftslage und ihren eigenen Aussichten. Das ZEW erscheint früher im Monat, das ifo gilt als näher an der Realwirtschaft. Beide ergänzen sich.
Ab welchem Wert ist der Index positiv zu lesen?
Die Nulllinie trennt Optimisten- und Pessimistenmehrheit. Über null erwarten mehr Befragte eine Verbesserung als eine Verschlechterung. Ein positiver Erwartungswert bei gleichzeitig negativer Lagebeurteilung ist dabei kein Widerspruch, sondern der Normalfall in einer Erholungsphase.
Gibt es den Index auch für den Euroraum?
Ja. Das ZEW veröffentlicht parallel Erwartungen und Lagebeurteilung für die Eurozone. Im August 2026 lagen die Erwartungen für den Euroraum bei plus 31,4 Punkten, die Lagebeurteilung bei minus 21,5 Punkten.
Wo bekomme ich die Originalzahlen?
Beim ZEW selbst. Das Institut stellt die Pressemitteilung, die Ergebnistabelle und den vollständigen Finanzmarktreport bereit. Die Quellen sind unten verlinkt.
- Wirtschaftskalender — alle Termine für USA, Deutschland und Eurozone
- CPI: US-Verbraucherpreisindex — der Termin mit der stärksten Marktwirkung
- Rezession — wann eine Wirtschaft offiziell schrumpft
- Leitzins — das wichtigste Werkzeug der Notenbanken
- EZB-Zinsentscheid — Termine und Ablauf
- Inflation — Ursachen und Folgen für Anleger
Quellen
- ZEW: Konjunkturerwartungen bleiben positiv, Pressemitteilung vom 15. September 2026 (zew.de)
- ZEW: Veröffentlichungstermine für ZEW-Konjunkturerwartungen 2026 (zew.de)
- ZEW: Veröffentlichungstermine für ZEW-Konjunkturerwartungen 2027 (zew.de)
- ZEW: ZEW-Finanzmarkttest, Ergebnistabelle August 2026 (zew.de)
Stand: 11. Oktober 2026. Die Werte beziehen sich auf die Erhebung September 2026. Diese Seite wird nach jeder Veröffentlichung aktualisiert.