SPY ist das Börsenkürzel des SPDR S&P 500 ETF Trust, des ältesten und größten börsengehandelten Indexfonds der Welt. Er bildet den S&P 500 ab und ist damit so etwas wie der große Bruder des QQQ: gleicher Markt, gleiche Produktidee, aber ein deutlich breiterer Index und eine andere Auswahllogik.
Dieses Portrait erklärt, was im SPY steckt, wie der S&P 500 zusammengesetzt wird, was der Fonds kostet und über welchen Weg deutsche Anleger an diesen Index kommen. Denn wie beim QQQ gilt: Der US-Fonds selbst ist hierzulande für Privatanleger in aller Regel nicht handelbar.
Der SPY auf einen Blick
| Voller Name | SPDR S&P 500 ETF Trust |
| Börsenkürzel | SPY |
| Abgebildeter Index | S&P 500 |
| Auflegung | 22. Januar 1993 |
| Rechtsstruktur | Unit Investment Trust |
| Kostenquote | 0,0945 Prozent pro Jahr (Gross Expense Ratio, Stand 14.10.2026) |
| Fondsvolumen | 823.230,73 Mio. US-Dollar zum 13.10.2026 |
| Positionen | 504 im Fonds, 503 im Index zum 13.10.2026 |
| Ausschüttung | quartalsweise |
| Börse | NYSE Arca |
| Für deutsche Privatanleger | In aller Regel nicht direkt handelbar, siehe den Abschnitt zur UCITS-Variante weiter unten |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der vergangenen fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Warum der SPY eine Besonderheit ist
Der SPY wurde am 22. Januar 1993 aufgelegt und war damit der erste in den USA börsennotierte Indexfonds überhaupt. Mit einem Fondsvolumen von gut 823 Mrd. US-Dollar zum 13.10.2026 ist er bis heute der größte. Seine Rechtsform stammt noch aus dieser Frühzeit: Er ist ein Unit Investment Trust, also ein starres Konstrukt, das den Index streng nachbildet und erhaltene Dividenden bis zur quartalsweisen Ausschüttung nicht wieder anlegen darf. Moderne ETFs sind flexibler aufgebaut.
Eine Auffälligkeit zeigt der Vergleich der Positionszahlen: Der Fonds hält 504 Werte, der Index umfasst 503. Der Grund ist, dass einzelne Unternehmen mit mehreren Aktiengattungen im Index vertreten sind. Dass dort überhaupt mehr als 500 Positionen stehen, obwohl die Zahl der Unternehmen auf 500 festgelegt ist, hat genau diesen Grund.
Wie der S&P 500 zusammengesetzt wird
Hier liegt der wichtigste Unterschied zum Nasdaq-100: Der S&P 500 ist kein rein regelbasierter Index. Über die Aufnahme entscheidet ein Index Committee, das ausschließlich aus hauptamtlichen Mitarbeitern des Indexanbieters besteht, monatlich tagt und dessen Beratungen vertraulich sind. Die Auswahl liegt im Ermessen dieses Gremiums, das sich dabei an den Aufnahmekriterien orientiert und auch auf die Ausgewogenheit der Sektoren achtet. Die Zahl der Bestandteile ist auf 500 Unternehmen festgelegt.
Wer überhaupt in Frage kommt, regeln dagegen harte Kriterien. Nach der Methodik mit Stand Juli 2026 gilt:
- Das Unternehmen muss in den USA domiziliert sein.
- Die Marktkapitalisierung auf Unternehmensebene muss mindestens 22,7 Mrd. US-Dollar betragen. Dieser Schwellenwert wird zu Beginn jedes Quartals überprüft und soll das Universum etwa beim 85. Perzentil erfassen.
- Die streubesitzadjustierte Marktkapitalisierung je Wertpapier muss mindestens 50 Prozent dieses Schwellenwerts erreichen.
- Der Streubesitzfaktor muss mindestens 0,1 betragen.
- Beim Liquiditätsmaß, dem Verhältnis aus jährlichem Handelsvolumen in Dollar und Streubesitzkapitalisierung, sind zum Aufnahmezeitpunkt mindestens 0,75 gefordert. Zusätzlich muss die Aktie in jedem der sechs Monate vor dem Stichtag mindestens 250.000 Stück handeln.
- Das Unternehmen muss Gewinn machen: Das Nettoergebnis aus fortgeführten Geschäftsbereichen nach US-Bilanzierung muss sowohl im letzten Quartal als auch in der Summe der letzten vier aufeinanderfolgenden Quartale positiv sein. Für börsennotierte Immobiliengesellschaften zählen ersatzweise die Funds From Operations.
Diese Gewinnanforderung ist der vielleicht unterschätzteste Punkt am S&P 500. Sie sorgt dafür, dass dauerhaft defizitäre Unternehmen nicht in den Index kommen, egal wie groß sie an der Börse bewertet sind. Der Nasdaq-100 kennt keine vergleichbare Hürde.
Gewichtung und Anpassungen
Gewichtet wird nach streubesitzadjustierter Marktkapitalisierung. Entscheidend ist dabei, was der S&P 500 nicht hat: eine Obergrenze für einzelne Werte. Anders als bei den gekappten Varianten desselben Anbieters und anders als beim Nasdaq-100, der bei 24 Prozent auf Unternehmensebene eingreift, gibt es im S&P 500 keine Kappungsgrenze. Die größten Konzerne wiegen so schwer, wie ihr Börsenwert es vorgibt.
Eine feste jährliche Neuzusammensetzung gibt es ebenfalls nicht. Änderungen erfolgen bei Bedarf, angekündigt mit mindestens drei Geschäftstagen Vorlauf und jeweils um 17:15 Uhr Eastern Time. Die Aktienzahlen werden vierteljährlich aktualisiert; Änderungen des Streubesitzfaktors fließen nur dann in das Quartalsreview ein, wenn sie mindestens fünf Prozent der Aktien betreffen und auf eine einzelne Kapitalmaßnahme zurückgehen.
Für Anleger heißt das: Beim Nasdaq-100 weiß man, dass im Dezember neu zusammengestellt wird. Beim S&P 500 kann eine Aufnahme oder Streichung grundsätzlich jederzeit kommen.
SPY und QQQ im Vergleich
| Merkmal | SPY | QQQ |
|---|---|---|
| Index | S&P 500 | Nasdaq-100 |
| Unternehmen | 500 | 100 |
| Auflegung | 22.01.1993 | 10.03.1999 |
| Kostenquote | 0,0945 % | 0,18 % |
| Auswahl | Index Committee nach Ermessen, innerhalb fester Kriterien | regelbasiert nach Rangliste |
| Gewinnanforderung | ja, positives Ergebnis im letzten Quartal und über vier Quartale | nein |
| Finanzwerte | enthalten | ausgeschlossen |
| Kappungsgrenze | keine | ja, ab 24 % je Unternehmen beziehungsweise 15 % je Wertpapier |
| Feste Neuzusammensetzung | nein, Änderungen nach Bedarf | ja, jährlich im Dezember |
Beide Fonds bilden den amerikanischen Aktienmarkt ab, aber mit unterschiedlicher Breite und unterschiedlicher Logik. Der S&P 500 deckt nach Angabe des Indexanbieters rund 80 Prozent der verfügbaren Marktkapitalisierung in den USA ab, der Nasdaq-100 bewusst nur einen Ausschnitt ohne Finanzwerte.
Können deutsche Anleger den SPY kaufen?
In der Regel nicht, und zwar aus demselben Grund wie beim QQQ. Für den Vertrieb an Privatanleger in der Europäischen Union verlangt die PRIIPs-Verordnung ein Basisinformationsblatt in der Landessprache. US-Fonds stellen dieses Dokument üblicherweise nicht bereit, weshalb deutsche Broker solche Produkte für Privatkunden meist ausblenden oder nur noch Verkäufe zulassen.
Der Anbieter führt für Europa eine eigene Variante, den SPDR S&P 500 UCITS ETF. Dessen Eckdaten:
| Name | SPDR S&P 500 UCITS ETF |
| ISIN | IE00B6YX5C33 |
| Ticker an der Deutschen Börse | SPY5 |
| Auflegung | 19.03.2012 |
| Laufende Kosten | 0,03 Prozent pro Jahr |
| Fondsvolumen | 45.161,51 Mio. US-Dollar zum 13.10.2026 |
| Replikation | physisch |
| Ertragsverwendung | ausschüttend, quartalsweise |
| Fondswährung | US-Dollar |
| Domizil | Irland |
| Handelsplätze | Deutsche Börse in Euro als Primärlisting, dazu London in Pfund und Dollar, Borsa Italiana, SIX Swiss Exchange und Euronext Paris |
Bemerkenswert ist der Kostenvergleich: Die europäische Variante kostet mit 0,03 Prozent weniger als ein Drittel des US-Originals mit 0,0945 Prozent. Wer nach SPY sucht und in Deutschland investieren will, zahlt also nicht drauf, sondern spart. Der abgebildete Markt ist derselbe, Domizil, Währungsabwicklung und steuerliche Behandlung sind es nicht. Diese Punkte stehen im Basisinformationsblatt.
Was den SPY antreibt
- Die Breite des Index: 500 Unternehmen aus allen Sektoren, nach Angabe des Indexanbieters rund 80 Prozent der verfügbaren US-Marktkapitalisierung. Der Fonds entwickelt sich damit weitgehend wie der amerikanische Aktienmarkt insgesamt.
- Die Gewichtung nach Börsenwert ohne Obergrenze: Die größten Konzerne bestimmen die Wertentwicklung überproportional, und zwar in beide Richtungen.
- Die Gewinnanforderung bei der Aufnahme: Sie hält dauerhaft defizitäre Unternehmen draußen und unterscheidet den S&P 500 von vielen anderen Großindizes.
- Das Ermessen des Index Committee: Aufnahmen und Streichungen folgen keiner Automatik. Das kann den Index stabiler machen, nimmt ihm aber die vollständige Vorhersehbarkeit.
- Die Kosten: 0,0945 Prozent beim US-Fonds, 0,03 Prozent bei der europäischen Variante. Bei einem Produkt, das schlicht einen Index abbildet, ist das ein unmittelbarer Renditefaktor.
- Die Größe: Mit gut 823 Mrd. US-Dollar Fondsvolumen ist der SPY das liquideste Produkt seiner Art, was sich in engen Handelsspannen niederschlägt.
Welche Risiken dieser ETF mitbringt
- Länderrisiko: Der S&P 500 enthält ausschließlich in den USA domizilierte Unternehmen. Eine geografische Streuung leistet er nicht, auch wenn viele der enthaltenen Konzerne weltweit Geschäft machen.
- Konzentration an der Spitze: Weil es keine Kappungsgrenze gibt, kann das Gewicht der größten Werte unbegrenzt wachsen. Ein Index mit 500 Namen ist deshalb nicht automatisch gleichmäßig gestreut.
- Währungsrisiko: Fonds und Aktien notieren in US-Dollar. Für Anleger im Euroraum kommt die Wechselkursentwicklung zum Kursrisiko hinzu, sofern keine abgesicherte Anteilsklasse gewählt wird.
- Ermessensentscheidungen: Die Zusammensetzung hängt von einem Gremium ab, dessen Beratungen vertraulich sind. Änderungen können mit drei Geschäftstagen Vorlauf kommen.
- Handelbarkeit in Deutschland: Der US-Fonds ist für Privatanleger in der EU regelmäßig nicht erwerbbar. Wer das übersieht, kauft am Ende ein anderes Produkt als recherchiert.
- Die Rechtsform des US-Originals: Als Unit Investment Trust darf der SPY erhaltene Dividenden bis zur quartalsweisen Ausschüttung nicht wieder anlegen. In steigenden Märkten ist das ein kleiner, aber struktureller Nachteil gegenüber moderner konstruierten Fonds.
Häufige Fragen
Was ist der SPY-ETF?
Der SPDR S&P 500 ETF Trust, aufgelegt am 22. Januar 1993 und damit der erste börsengehandelte Indexfonds der USA. Er bildet den S&P 500 ab, hielt zum 13.10.2026 gut 823 Mrd. US-Dollar und kostet 0,0945 Prozent pro Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen SPY und QQQ?
Der SPY bildet den S&P 500 mit 500 Unternehmen aus allen Branchen ab, der QQQ den Nasdaq-100 mit 100 Unternehmen ohne Finanzwerte. Der S&P 500 verlangt von seinen Mitgliedern Gewinne und kennt keine Kappungsgrenze, der Nasdaq-100 verlangt keine Gewinne und kappt sehr große Einzelwerte. Der SPY ist mit 0,0945 Prozent zudem günstiger als der QQQ mit 0,18 Prozent.
Welcher ETF ist SPY in Deutschland?
Für deutsche Privatanleger ist der US-Fonds in der Regel nicht handelbar. Die europäische Entsprechung aus demselben Haus ist der SPDR S&P 500 UCITS ETF mit der ISIN IE00B6YX5C33, an der Deutschen Börse unter dem Kürzel SPY5 in Euro handelbar, physisch repliziert, ausschüttend und mit laufenden Kosten von 0,03 Prozent.
Schüttet der SPY Dividenden aus?
Ja, quartalsweise. Auch die europäische Variante SPY5 schüttet vierteljährlich aus. Eine thesaurierende Variante hat der Anbieter unter dieser ISIN nicht; wer Wiederanlage möchte, muss die Produktpalette des Anbieters darauf prüfen.
Warum hält der SPY 504 Positionen, wenn der Index 500 Unternehmen umfasst?
Weil einzelne Unternehmen mit mehreren Aktiengattungen vertreten sind. Die Zahl der Unternehmen ist auf 500 festgelegt, die Zahl der Wertpapiere liegt darüber. Zum 13.10.2026 waren es 504 im Fonds und 503 im Index.
Wer entscheidet, welche Aktie in den S&P 500 kommt?
Ein Index Committee aus hauptamtlichen Mitarbeitern des Indexanbieters. Es tagt monatlich, die Beratungen sind vertraulich, und die Auswahl liegt in seinem Ermessen, orientiert an festen Aufnahmekriterien und an der Ausgewogenheit der Sektoren.
Quellen
- State Street Global Advisors, Produktseite zum SPDR S&P 500 ETF Trust (Auflegung, Rechtsform, Kostenquote, Fondsvolumen, Positionen, Ausschüttung, Börse)
- State Street Global Advisors, Produktseite zum SPDR S&P 500 UCITS ETF (ISIN, Ticker, Auflegung, laufende Kosten, Fondsvolumen, Replikation, Domizil, Handelsplätze)
- S&P Dow Jones Indices, S&P U.S. Indices Methodology, Stand Juli 2026 (Aufnahmekriterien, Gewinnanforderung, Index Committee, Gewichtung, Anpassungen)
- S&P Dow Jones Indices, Übersichtsseite zum S&P 500 (Abdeckung der Marktkapitalisierung)
Stand der Daten: 14.10.2026. Fondsvolumen, Zusammensetzung und Kosten können sich ändern; maßgeblich sind das Basisinformationsblatt und das aktuelle Factsheet des Anbieters. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.