Drohnen-Aktien: Hersteller, Drohnenabwehr und Rüstungskonzerne im Überblick
Kaum eine Technologie hat die Kriegführung so schnell verändert wie die Drohne. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine werden kleine, günstige Fluggeräte in großer Zahl zur Aufklärung und als Waffe eingesetzt – und Armeen in Europa und den USA ziehen nach. Für Anleger ist das Thema verlockend, aber unübersichtlich: Neben wenigen etablierten Herstellern gibt es junge Unternehmen mit hohem Wachstum und hohen Verlusten, dazu Rüstungskonzerne, für die Drohnen nur ein Geschäftsfeld unter vielen sind. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten börsennotierten Drohnen-Aktien, ihre Geschäftszahlen und was den Sektor antreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Drohnen-Aktien lassen sich in drei Gruppen teilen: Hersteller militärischer Drohnen, Anbieter von Drohnenabwehr und Hersteller ziviler und kommerzieller Drohnen. Viele Unternehmen sind in mehreren Bereichen tätig.
- Der größte reine Anbieter an der Börse ist AeroVironment mit knapp 2 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die meisten kleineren Spezialisten wachsen stark, schreiben aber Verluste.
- Die US-Regierung hat 2025 per Dekret und Pentagon-Erlass den Ausbau der heimischen Drohnenindustrie zur Priorität erklärt; in Europa steigen die Verteidigungshaushalte deutlich.
- Wichtige deutsche Drohnenhersteller wie Helsing, Quantum Systems und Stark sind nicht börsennotiert.
Die wichtigsten Drohnen-Aktien im Überblick
| Unternehmen | Börse | Schwerpunkt | Umsatz (letztes Geschäftsjahr) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| AeroVironment | Nasdaq | Aufklärungs- und Kamikazedrohnen, Drohnenabwehr, Raumfahrt | 1.976,8 Mio. $ (GJ bis April 2026) | −265,1 Mio. $ |
| Kratos | Nasdaq | Zieldarstellungsdrohnen, Kampfdrohne Valkyrie, Antriebe | 1.346,8 Mio. $ (2025) | +22,0 Mio. $ |
| Red Cat | Nasdaq | Aufklärungsdrohnen (Black Widow) | 40,7 Mio. $ (2025) | −72,1 Mio. $ |
| Ondas | Nasdaq | Autonome Drohnen, Drohnenabwehr, Funknetze | 50,7 Mio. $ (2025) | −133,4 Mio. $ |
| DroneShield | ASX | Drohnenabwehr | 216,5 Mio. A$ (2025) | +3,5 Mio. A$ |
| Parrot | Paris | Mikrodrohnen, Drohnensoftware (Pix4D) | 79,8 Mio. € (2025) | −14,5 Mio. € (Konzernanteil) |
| Rheinmetall | Frankfurt | Rüstungskonzern, u. a. Loitering Munition, Flug- und Drohnenabwehr | 9.935 Mio. € (2025) | +835 Mio. € nach Steuern |
| Hensoldt | Frankfurt | Radar und Sensorik, Drohnenabwehr | 2.455 Mio. € (2025, vorläufig) | bereinigtes EBITDA 452 Mio. € |
| Airbus | Paris, Frankfurt | Luft- und Raumfahrt, Eurodrone | 73.420 Mio. € (2025) | +5.221 Mio. € |
Militärische Drohnen: Von der Taschendrohne bis zum Begleitjet
AeroVironment aus Kalifornien ist der bekannteste börsennotierte Drohnenhersteller. Das Unternehmen baut kleine Aufklärungsdrohnen und die Kamikazedrohne Switchblade, die auch in der Ukraine eingesetzt wird. Im Mai 2025 übernahm AeroVironment per Aktientausch den Rüstungstechnik-Anbieter BlueHalo; das Management bezifferte den Unternehmenswert bei Ankündigung auf rund 4,1 Milliarden Dollar. Mit BlueHalo kamen Drohnenabwehr, Laserwaffen und Raumfahrttechnik hinzu. Im Geschäftsjahr bis Ende April 2026 stieg der Umsatz auf knapp 1,98 Milliarden Dollar, unter dem Strich stand wegen einer Firmenwert-Abschreibung von 240,7 Millionen Dollar aber ein Verlust von 265,1 Millionen Dollar. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 480,5 Millionen Dollar, der finanzierte Auftragsbestand erreichte 1,5 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet AeroVironment 2,125 bis 2,225 Milliarden Dollar Umsatz.
Kratos Defense baut seit Jahrzehnten unbemannte Zieldarstellungsdrohnen, mit denen Streitkräfte die Abwehr von Marschflugkörpern üben. Bekannter ist inzwischen die XQ-58 Valkyrie, ein unbemannter Jet, der Kampfflugzeuge begleiten soll. Kratos plant, ab Anfang 2028 rund 40 Valkyries pro Jahr zu bauen. Drohnen machen allerdings nur einen Teil des Geschäfts aus: Die Sparte Unmanned Systems kam 2025 auf 292 Millionen Dollar Umsatz, der Konzern insgesamt auf 1,35 Milliarden Dollar. Für 2026 erwartet Kratos 1,75 bis 1,81 Milliarden Dollar.
Red Cat ist deutlich kleiner. Die Tochter Teal Drones wurde im November 2024 von der US-Armee für das Programm Short Range Reconnaissance (SRR) ausgewählt; das Beschaffungsziel lag damals bei 5.880 Systemen über fünf Jahre. 2025 setzte Red Cat 40,7 Millionen Dollar um, im ersten Halbjahr 2026 bereits 35,7 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen 150 bis 180 Millionen Dollar an – bei weiterhin hohen Verlusten. Teal hat zudem die zweite Runde des Pentagon-Wettbewerbs „Drone Dominance“ erreicht.
In Deutschland spielt sich ein großer Teil der Drohnenentwicklung abseits der Börse ab. Helsing, Quantum Systems und Stark sind privat finanziert; Anleger können sich daran nicht direkt beteiligen. Börsennotiert ist dagegen Rheinmetall: Der Konzern meldete im ersten Halbjahr 2026 einen Rahmenvertrag in Milliardenhöhe für die Loitering Munition FV-014 für die Bundeswehr. Airbus ist industrieller Hauptauftragnehmer der Eurodrone, einer großen Aufklärungsdrohne, die Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gemeinsam über die Rüstungsagentur OCCAR beschaffen. Für beide Konzerne ist das Drohnengeschäft im Verhältnis zum Gesamtumsatz klein.
Drohnenabwehr: Das zweite Wachstumsfeld
Je mehr Drohnen fliegen, desto größer wird der Bedarf, sie zu erkennen und abzuwehren – an Fronten ebenso wie an Flughäfen, Kasernen und Kraftwerken. DroneShield aus Sydney ist der bekannteste reine Anbieter. Das Unternehmen verkauft Sensoren, Störsender und Software zur Erkennung und Abwehr von Drohnen. 2025 vervierfachte sich der Umsatz nahezu auf 216,5 Millionen australische Dollar, erstmals stand ein kleiner Gewinn. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz um 74 Prozent auf 125,8 Millionen A$, wegen hoher Investitionen und Sondereffekte fiel aber ein Verlust von 32,2 Millionen A$ an. Für 2026 erwartet DroneShield 250 bis 270 Millionen A$ Umsatz. Die australische Finanzaufsicht ASIC untersucht Börsenmitteilungen und Handelsaktivitäten aus dem November 2025; das Unternehmen unterstützt die Ermittlungen.
Auch die etablierten Rüstungskonzerne profitieren. Rheinmetall bündelt seine Flugabwehrsysteme Skyranger und Skynex, die auch gegen Drohnen eingesetzt werden, seit Januar 2026 in einer eigenen Sparte Air Defence; ihr Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 62 Prozent auf 478 Millionen Euro. Hensoldt liefert Radare und Sensoren und betreibt mit der Plattform Elysion ein eigenes Drohnenabwehr-Geschäft; die Bundeswehr hat Hensoldt beauftragt, ihr Abwehrsystem ASUL um kinetische Wirkmittel zu ergänzen. AeroVironment und Ondas sind ebenfalls in der Drohnenabwehr aktiv.
Zivile und kommerzielle Drohnen
Der Markt für Freizeit- und Profidrohnen wird von nicht börsennotierten chinesischen Herstellern dominiert. Westliche Anbieter haben sich deshalb meist auf Behörden, Sicherheit und Industrie spezialisiert. Parrot aus Paris war einst für Spielzeugdrohnen bekannt und verkauft heute vor allem Mikrodrohnen für Militär und Sicherheitsbehörden sowie über die Tochter Pix4D Software zur Vermessung aus der Luft. Nach einem Verlust von 15 Millionen Euro im Jahr 2025 kehrte Parrot im ersten Halbjahr 2026 in die Gewinnzone zurück: Der Umsatz stieg um 71 Prozent auf 57,3 Millionen Euro, getragen vom Militärmodell ANAFI UKR.
Ondas aus den USA bietet autonome Drohnensysteme für Überwachung und Inspektion an, darunter die Optimus-Drohne und das Drohnenabwehrsystem Iron Drone Raider, dazu Funknetze für Bahnen und Versorger. Das Unternehmen wächst vor allem durch Zukäufe: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 83,8 Millionen Dollar nach 6,3 Millionen im Vorjahr, für 2026 erwartet Ondas 525 bis 550 Millionen Dollar. Der Verlust lag im zweiten Quartal bei 89,7 Millionen Dollar.
Was den Sektor antreibt
- Krieg in der Ukraine: Der massenhafte Einsatz günstiger Drohnen auf beiden Seiten hat Militärs weltweit gezeigt, dass Stückzahl und Preis ebenso zählen wie Hochtechnologie. Das treibt die Nachfrage nach Drohnen und nach deren Abwehr.
- USA: Mit dem Dekret „Unleashing American Drone Dominance“ (Executive Order 14307) vom 6. Juni 2025 verpflichtete Präsident Trump Bundesbehörden, in den USA gebaute Drohnen zu bevorzugen, und ordnete Regeln für Flüge außerhalb der Sichtweite an. Das Pentagon zog im Juli 2025 mit einem eigenen Erlass nach. Bereits 2023 hatte es mit „Replicator“ das Ziel ausgegeben, binnen 18 bis 24 Monaten mehrere Tausend autonome Systeme einzuführen. Das Programm „Drone Dominance“ soll mit einer Milliarde Dollar über zwei Jahre rund 340.000 kleine Angriffsdrohnen finanzieren; Ende Juni 2026 bündelte das Ministerium die Steuerung aller unbemannten Systeme in einer neuen Stelle.
- Deutschland: Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte im Februar 2026 Rahmenverträge für Loitering Munition mit zwei deutschen Herstellern, im April kam ein dritter Lieferant hinzu. Für 2027 plant die Bundesregierung Verteidigungsausgaben von 139,6 Milliarden Euro, nach 108,2 Milliarden Euro 2026 (jeweils inklusive Sondervermögen).
- EU: Das Kreditprogramm SAFE stellt bis zu 150 Milliarden Euro für gemeinsame Rüstungsbeschaffung bereit; kleine Drohnen und Drohnenabwehr sind ausdrücklich förderfähig. Die EU-Kommission hat im Oktober 2025 eine „European Drone Defence Initiative“ als eines von vier Leitprojekten ihres Fahrplans für Verteidigungsbereitschaft bis 2030 vorgestellt.
Risiken: Bewertung, Aufträge, Verwässerung
Bewertung: Viele Drohnen-Aktien werden mit einem Vielfachen ihres Umsatzes gehandelt, weil Anleger auf künftiges Wachstum setzen. Bleiben Aufträge aus oder verzögern sich, reagieren die Kurse entsprechend heftig. Bei DroneShield zeigte das erste Halbjahr 2026, wie schnell Investitionen in Wachstum einen Gewinn wieder in einen Verlust drehen können.
Auftragsabhängigkeit: Die Kunden sind überwiegend Staaten. Einzelne Großaufträge, Haushaltsbeschlüsse und politische Entscheidungen bestimmen die Umsätze. Bei Red Cat hängt ein großer Teil der Erwartungen an einem einzigen Armeeprogramm, und schon Verzögerungen bei Lieferungen verschieben Umsätze von einem Quartal ins nächste. Ein Waffenstillstand in der Ukraine könnte die Dringlichkeit mancher Beschaffungen verringern.
Verwässerung: Wachstum und Zukäufe finanzieren die kleineren Anbieter häufig über neue Aktien. Bei Ondas stieg die Zahl der ausstehenden Aktien im ersten Halbjahr 2026 von rund 381 Millionen auf rund 530 Millionen; im Januar 2026 hatte das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar eingesammelt. Red Cat nahm im ersten Halbjahr 2026 brutto 258,8 Millionen Dollar über Aktienplatzierungen ein. Auch AeroVironment hat BlueHalo mit eigenen Aktien bezahlt. Für Altaktionäre sinkt dadurch ihr Anteil am Unternehmen.
Einordnung: Aus Sicht der Marktteilnehmer
Anders als beim Wasserstoff ist die Nachfrage im Drohnensektor real und wächst schnell: Regierungen bestellen, Budgets steigen, und mehrere Unternehmen haben ihre Umsätze binnen eines Jahres vervielfacht. Daraus folgt aber nicht automatisch Profitabilität. Die meisten reinen Drohnenanbieter investieren massiv in Fertigung und Zukäufe und schreiben Verluste. Marktteilnehmer achten deshalb vor allem auf Auftragsbestand, die Umwandlung von Rahmenverträgen in feste Bestellungen, Bruttomargen und den Finanzierungsbedarf. Die Rüstungskonzerne Rheinmetall, Hensoldt und Airbus bieten ein breiter abgestütztes Engagement mit geringerem Drohnenanteil, die Spezialisten einen größeren Hebel bei deutlich höheren Schwankungen. Wer breiter streuen möchte, findet thematische ETFs zu Verteidigung und Robotik.
Häufige Fragen
Gibt es deutsche Drohnen-Aktien?
Reine Drohnenhersteller aus Deutschland sind bislang nicht börsennotiert; Helsing, Quantum Systems und Stark sind privat finanziert. Börsennotiert sind Rheinmetall (Loitering Munition, Flug- und Drohnenabwehr), Hensoldt (Sensorik und Drohnenabwehr) sowie Airbus, das die Eurodrone federführend entwickelt.
Welche Drohnen-Unternehmen verdienen Geld?
Profitabel sind vor allem die großen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne. Kratos schrieb 2025 einen kleinen Gewinn, Parrot im ersten Halbjahr 2026. AeroVironment erzielte ein positives bereinigtes EBITDA, wies wegen einer Abschreibung aber einen Jahresverlust aus. Red Cat und Ondas schreiben hohe Verluste, DroneShield rutschte im ersten Halbjahr 2026 wieder ins Minus.
Kann man DroneShield in Deutschland kaufen?
Die Hauptnotiz von DroneShield liegt an der australischen Börse ASX. Die Aktie wird auch an deutschen Börsenplätzen gehandelt, dort ist die Liquidität aber oft geringer. Welcher Handelsplatz sinnvoll ist, hängt von Ordergröße, Uhrzeit und Gebühren ab.
Weitere Branchen im Überblick
- Wasserstoff-Aktien: Elektrolyseure, Brennstoffzellen, Industriegase
- Quantencomputer-Aktien: Spezialisten wie IonQ und D-Wave, dazu die Tech-Konzerne
- Uran-Aktien: Produzenten, Entwickler, Anreicherung und der Uranpreis
- Seltene-Erden-Aktien: Magnetrohstoffe und Chinas Exportkontrollen
- Lithium-Aktien: Produzenten, Projekte und der Lithiumpreis
- Rüstungsaktien: Kurse, Bewertungen und was den Sektor antreibt
Quellen
- AeroVironment: Fiscal 2026 Results (SEC), Q1 Fiscal 2027 Results (SEC) und BlueHalo-Transaktion (SEC)
- Kratos: Full Year 2025 Results und Q2 2026 Results (SEC)
- Red Cat: Full Year 2025 Results, Q2 2026 (SEC-Einreichung) und Auswahl für das SRR-Programm
- Ondas: Full Year 2025 Results und Q2 2026 Results (SEC)
- DroneShield: Annual Report 2025 (ASX) und 1H 2026 Results (ASX)
- Parrot: Résultats du 1er semestre 2026
- Rheinmetall: Bilanzvorlage 2025 und Halbjahresfinanzbericht 2026
- Hensoldt: Drohnenabwehrsystem ASUL
- Airbus: Full-Year 2025 Results und Eurodrone
- Weißes Haus: Executive Order 14307 „Unleashing American Drone Dominance“
- US-Verteidigungsministerium: Replicator (Defense Innovation Unit), Drone Dominance (U.S. Army) und Direct Reporting Portfolio Manager for Unmanned Systems
- Bundesministerium der Verteidigung: Haushaltsausschuss bewilligt Beschaffungsprojekte (Februar 2026) und Loitering Munition (April 2026)
- Deutscher Bundestag: Beratung des Verteidigungshaushalts 2027
- Rat der EU: Security Action for Europe (SAFE)
- Europäische Kommission: Defence Readiness Roadmap 2030
Stand: 14. Oktober 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen, SEC- und ASX-Einreichungen sowie Veröffentlichungen von Weißem Haus, US-Verteidigungsministerium, Bundesverteidigungsministerium, Bundestag und EU. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.