Eine überraschend hohe Inflationsrate hat die US-Börsen am Mittwoch, 14. Oktober 2026, ins Minus gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen im September stärker als von Volkswirten erwartet, die Renditen von Staatsanleihen zogen an, und am Markt wuchs die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung durch die Federal Reserve noch in diesem Monat. Besonders unter Druck standen Technologiewerte und Nebenwerte, die jeweils rund 2 Prozent verloren. Der Dow Jones hielt sich dagegen nahezu stabil. Zusätzlich belasteten Kursverluste bei Bank of America nach einer Strafzahlung an die Aufsichtsbehörden.
Die Indizes im Überblick
Der S&P 500 verbuchte nach Angaben von AP den fünften Verlust in sechs Handelstagen seit seinem Rekordhoch. Die an der Nasdaq notierten Technologiewerte gaben deutlich nach, der Russell 2000 mit kleineren Unternehmen verlor am stärksten. Der Dow Jones Industrial Average mit seinen überwiegend an der NYSE gelisteten Standardwerten schloss nur knapp im Minus. Bereits am Dienstag hatten die Indizes leicht nachgegeben.
| Index | Schlussstand | Veränderung |
|---|---|---|
| S&P 500 | 7.721,49 | −1,1 % |
| Nasdaq Composite | 26.701,48 | −1,9 % |
| Dow Jones Industrial Average | 51.624,87 | −0,1 % |
Inflation höher als erwartet
Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics (BLS) stiegen die Verbraucherpreise im September saisonbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich lag die Teuerung bei 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Volkswirte hatten laut AP mit 3,6 Prozent gerechnet. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel erhöhte sich um 0,3 Prozent zum Vormonat und um 2,6 Prozent zum Vorjahr.
Treiber war vor allem die Energie: Der Energieindex kletterte im Monatsvergleich um 5,2 Prozent, Benzin verteuerte sich saisonbereinigt um 9,1 Prozent. Binnen zwölf Monaten liegen die Benzinpreise 34,2 Prozent höher. Die Wohnkosten stiegen um 0,4 Prozent, die Preise für Nahrungsmittel blieben im September unverändert.
Renditen und Zinserwartungen
Am Anleihemarkt reagierten die Renditen umgehend. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang laut AP zeitweise über 5,32 Prozent, nachdem sie unmittelbar vor der Veröffentlichung noch unter 5,17 Prozent gelegen hatte; im Tagesverlauf gab sie einen Teil des Anstiegs wieder ab. Kürzere Laufzeiten, die stärker auf Zinserwartungen reagieren, legten deutlicher zu.
Die Federal Reserve hatte den Leitzins am 16. September einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben – mit dem Hinweis, die Inflation bleibe erhöht. Nach Daten der CME Group, auf die sich AP beruft, sahen Händler die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung bei der nächsten Sitzung am 27. und 28. Oktober zuletzt bei knapp 35 Prozent, nach 22 Prozent am Vortag. Höhere Zinsen belasten vor allem hoch bewertete Wachstumswerte und kleinere, stärker kreditabhängige Unternehmen.
Quartalszahlen des Tages
Bank of America meldete für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 6,9 Milliarden US-Dollar nach 8,3 Milliarden Dollar im Vorjahr. Je Aktie verdiente die Bank 0,91 Dollar nach 1,04 Dollar. Belastend wirkte eine nicht steuerlich absetzbare Rückstellung von 1,2 Milliarden Dollar für Geldbußen: Die Aufsichtsbehörden OCC und FinCEN hatten am 13. Oktober Anordnungen wegen Mängeln bei der Geldwäsche- und Sanktionsprüfung bekanntgegeben. Ohne diese Belastung hätte der Gewinn je Aktie bei 1,08 Dollar gelegen. Die Erträge stiegen um 3 Prozent auf 30,0 Milliarden Dollar, der Zinsüberschuss um 8 Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor laut AP 5,5 Prozent.
Morgan Stanley steigerte die Nettoerträge um 12 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie kletterte von 2,80 auf 3,03 Dollar. Die Erträge im Aktiengeschäft wuchsen um 41 Prozent. BlackRock verwaltete Ende September ein Rekordvermögen von 15,5 Billionen Dollar; der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 38 Prozent auf 15,93 Dollar, die Nettozuflüsse lagen bei 205 Milliarden Dollar. State Street erhöhte den Gewinn je Aktie um 33 Prozent auf 3,69 Dollar bei Erträgen von 4,0 Milliarden Dollar; die Aktie fiel laut AP dennoch um 5,4 Prozent, da die Erlöse hinter den Erwartungen zurückblieben.
Aus Europa legte der Chipausrüster ASML einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von rund 5,0 Milliarden Euro vor. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern 44 bis 45 Milliarden Euro Umsatz. Die geplanten Kapazitäten für 2027 und 2028 würden die Kundennachfrage nicht vollständig decken, hieß es. Der Versicherer Progressive meldete für das dritte Quartal einen leichten Gewinnrückgang auf 4,37 Dollar je Aktie nach 4,45 Dollar.
Gewinner und Verlierer
Unter den großen Technologiewerten verloren laut AP Nvidia und Broadcom jeweils 3,7 Prozent, Advanced Micro Devices 6,1 Prozent. Deutlich schwächer tendierten Werte aus dem Umfeld der KI-Infrastruktur: Oracle gab um 9,5 Prozent nach, der Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave um 15,9 Prozent und der Kraftwerksausrüster GE Vernova um 7,6 Prozent. Am Ölmarkt verteuerte sich die Nordseesorte Brent um 0,4 Prozent auf 106,06 Dollar je Barrel.
Was als Nächstes ansteht
Am Donnerstag, 15. Oktober, veröffentlicht das BLS die Erzeugerpreise für September, am Freitag, 16. Oktober, folgen die Import- und Exportpreise. Die Berichtssaison setzt sich mit weiteren Konzernen fort. Die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve fällt nach der Sitzung am 27. und 28. Oktober, die EZB berät am 28. und 29. Oktober. Die Verbraucherpreise für Oktober sind für den 10. November angekündigt. Weitere Termine bündelt der Wirtschaftskalender.
Quellen
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Consumer Price Index – September 2026
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Veröffentlichungskalender Oktober 2026
- Federal Reserve: FOMC-Statement vom 16. September 2026
- Federal Reserve: FOMC-Sitzungskalender
- Europäische Zentralbank: Sitzungskalender des EZB-Rats
- Bank of America: Third Quarter 2026 Results (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- Morgan Stanley: Third Quarter 2026 Earnings Results (SEC Form 8-K)
- BlackRock: Third Quarter 2026 Earnings (SEC Form 8-K, Exhibit 99.1)
- State Street: Third-Quarter 2026 Financial Results (SEC Form 8-K)
- ASML: Q3 2026 Financial Results (SEC Form 6-K)
- Progressive: September 2026 and Third Quarter Results (SEC Form 8-K)
- AP: US stocks slip after inflation worsens by more than economists expected (14. Oktober 2026)
Stand: 14. Oktober 2026, nach US-Börsenschluss. Reine Information, keine Anlageberatung.