Hedging bedeutet, ein bestehendes Risiko durch eine gegenläufige Position ganz oder teilweise auszugleichen. Wer ein Aktiendepot besitzt und vorübergehend Kursverluste fürchtet, kann zum Beispiel Index-Futures verkaufen oder Verkaufsoptionen kaufen, statt die Aktien abzustoßen. Fällt der Markt, gleicht der Gewinn der Absicherung den Verlust im Depot aus. Steigt er, schmälert die Absicherung den Gewinn. Hedging ist damit keine Renditequelle, sondern eine Versicherung mit einem Preis.
Definition: Absicherung statt Spekulation
Ein Hedge setzt immer eine bestehende Grundposition voraus, ein sogenanntes Exposure. Das kann ein Aktienbestand sein, ein Anleiheportfolio, künftige Einnahmen in Fremdwährung oder ein geplanter Rohstoffeinkauf. Die Sicherungsposition wird so gewählt, dass ihr Wert sich möglichst genau entgegengesetzt entwickelt. Ohne Grundposition ist dieselbe Transaktion eine Spekulation.
In der Rechnungslegung nach IFRS 9 gibt es eigene Regeln für die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen. Unternehmen müssen dokumentieren, welches Risiko gesichert wird und wie wirksam der Hedge ist. Für Privatanleger spielt das keine Rolle, das Grundprinzip ist aber dasselbe.
Instrumente zur Absicherung
| Instrument | Wirkung | Kosten | Restrisiko |
|---|---|---|---|
| — | — | — | — |
| Index-Future verkaufen | Gewinne und Verluste werden weitgehend eingefroren | Gering, aber Sicherheitsleistung nötig | Basisrisiko, Nachschusspflicht |
| Put-Option kaufen | Verlustbegrenzung unterhalb des Basispreises, Gewinnchance bleibt | Optionsprämie | Verlust bis zum Basispreis |
| Collar (Put kaufen, Call verkaufen) | Bandbreite nach unten und oben begrenzt | Teilweise oder ganz durch Call-Prämie finanziert | Gewinn oberhalb des Calls entfällt |
| Devisentermingeschäft | Wechselkurs für einen späteren Zeitpunkt festgelegt | Zinsdifferenz | Keine Teilnahme an günstigen Kursen |
Bei Fremdwährungen übernimmt diese Aufgabe oft schon der Fonds, wie im Beitrag zu währungsgesicherten Anlagen beschrieben.
Funktionsweise: Beta-Hedging
Ein Depot bewegt sich selten exakt wie der Index. Die Kennzahl Beta misst, wie stark ein Portfolio im Verhältnis zum Index schwankt. Ein Beta von 1,2 bedeutet, dass das Depot im Schnitt 1,2 Prozent verliert, wenn der Index 1 Prozent fällt. Die Zahl der benötigten Kontrakte ergibt sich daraus:
**Anzahl Kontrakte = Depotwert × Beta ÷ (Indexstand × Kontraktwert je Punkt)**
Der Kontraktwert je Indexpunkt beträgt beim großen DAX-Future 25 Euro, beim Mini-DAX-Future 5 Euro und beim Micro-DAX-Future 1 Euro. Kleinere Kontrakte erlauben eine genauere Anpassung an die Depotgröße.
Beispiel mit Zahlen
Ein Depot mit deutschen Aktien ist 386.500 Euro wert und hat gegenüber dem DAX ein Beta von 1,18. Der Index steht bei 23.740 Punkten. Ein großer Future entspricht damit 593.500 Euro, ein Mini-Future 118.700 Euro. Rechnerisch wären 0,77 große oder 3,84 Mini-Kontrakte nötig. Gewählt werden vier Mini-Futures.
Fällt der DAX anschließend um 8,4 Prozent auf 21.745,84 Punkte, verliert das Depot gemäß Beta rund 38.310 Euro. Die vier verkauften Mini-Futures bringen dagegen 39.883 Euro. Die leichte Überabsicherung entsteht durch das Aufrunden auf ganze Kontrakte.
Alternativ kauft der Anleger vier DAX-Puts mit Basispreis 22.500 Punkten zu je 318,40 Punkten Prämie. Bei 5 Euro je Punkt kostet das 6.368 Euro oder etwa 1,65 Prozent des Depotwerts. Bei einem Rückgang auf 21.745,84 Punkte haben die Puts am Verfallstag einen inneren Wert von etwa 15.083 Euro. Der Verlust bis zum Basispreis bleibt beim Anleger, dafür profitiert er weiterhin von steigenden Kursen.
| Variante | Kosten vorab | Ergebnis bei −8,4 % | Ergebnis bei steigendem Markt |
|---|---|---|---|
| — | — | — | — |
| Ohne Absicherung | 0 € | rund −38.310 € | volle Teilnahme |
| 4 Mini-DAX-Futures verkauft | Sicherheitsleistung | rund +1.573 € netto | Gewinne werden ausgeglichen |
| 4 DAX-Puts gekauft | 6.368 € Prämie | Verlust gemildert | Teilnahme abzüglich Prämie |
Bedeutung für Anleger
- Eine Absicherung kann sinnvoll sein, wenn ein Verkauf hohe Steuern oder Kosten auslösen würde oder wenn eine Phase erhöhter Unsicherheit überbrückt werden soll, etwa vor wichtigen Notenbankterminen.
- Für Zinsrisiken in Anleiheportfolios setzen Profis Zinsfutures wie den Bund-Future ein.
- Wie teuer Absicherung über Optionen gerade ist, zeigt die implizite Volatilität, gemessen etwa am VDAX-NEW für den DAX.
Grenzen und Risiken
Kein Hedge ist perfekt. Das Basisrisiko entsteht, weil Depot und Index sich nicht exakt gleich entwickeln, und Beta ist eine Schätzung aus der Vergangenheit. Futures erfordern Sicherheitsleistungen, und bei steigenden Kursen werden täglich Verluste auf der Sicherungsseite fällig, auch wenn das Depot gleichzeitig gewinnt. Optionen kosten Prämie, die bei ruhigen Märkten verfällt. Über viele Jahre summiert sich das zu einer spürbaren Renditebelastung. Schließlich wird eine Absicherung häufig zu spät abgeschlossen, wenn die Prämien nach einem Kursrutsch bereits gestiegen sind.
Laufzeit und Anpassung der Absicherung
Futures und Optionen haben feste Verfallstermine. Eine Absicherung über mehrere Monate muss deshalb gerollt werden, indem der auslaufende Kontrakt glattgestellt und ein späterer eröffnet wird. Zusätzlich ändert sich der Depotwert laufend. Steigt er, reicht die ursprüngliche Zahl an Kontrakten nicht mehr aus. Fällt er, ist das Depot überabgesichert. Wer genau absichern möchte, überprüft die Kontraktzahl in regelmäßigen Abständen und passt sie an. Auch das Beta sollte neu geschätzt werden, wenn sich die Zusammensetzung des Depots ändert.
Fazit
Hedging tauscht Unsicherheit gegen einen kalkulierbaren Preis. Mit Futures lässt sich ein Depot schnell und günstig neutralisieren, mit Puts begrenzt man Verluste und behält Gewinnchancen. Beta und Kontraktgröße bestimmen den Umfang. Für langfristige Anleger ist eine breite Streuung meist der einfachere Schutz, gezielte Absicherung eignet sich vor allem für begrenzte Zeiträume.
Fragen und Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Hedging und Spekulation?
Beim Hedging gibt es eine bestehende Position, deren Risiko ausgeglichen wird. Bei der Spekulation wird ein Risiko neu eingegangen, um von einer Preisbewegung zu profitieren.
Wie viele Futures braucht man zur Absicherung eines Depots?
Depotwert mal Beta, geteilt durch Indexstand mal Kontraktwert je Punkt. Das Ergebnis wird auf ganze Kontrakte gerundet.
Ist eine Absicherung mit Puts teuer?
Das hängt von Laufzeit, Basispreis und Volatilität ab. In ruhigen Märkten sind Puts günstiger, nach starken Kursverlusten deutlich teurer.
Können Privatanleger ihr Depot absichern?
Ja, über Index-Futures, Indexoptionen oder Hebelprodukte bei entsprechender Freischaltung des Depots für Termingeschäfte. Die Risiken der Instrumente sollte man vorher genau kennen.
Quellen
- Eurex: DAX Futures, Contract Specifications
- Eurex: Mini-DAX Futures
- Eurex: DAX Options
- IFRS Foundation: IFRS 9 Financial Instruments
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.