D-Wave Quantum Aktie: Porträt, Kurs und Geschäftsmodell
D-Wave Quantum gilt als erster kommerzieller Anbieter von Quantencomputern. Das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto und Wurzeln in Kanada ist vor allem für Quanten-Annealer bekannt, die auf Optimierungsprobleme spezialisiert sind. Mit der Übernahme von Quantum Circuits ist D-Wave 2026 zusätzlich in universelle Gate-Modell-Quantencomputer eingestiegen. Seit Juli 2026 wird die Aktie an der Nasdaq statt an der NYSE gehandelt.
Unternehmensprofil
Kursverlauf
Das Geschäftsmodell
D-Waves Kernprodukt ist das Annealing-System Advantage2 mit rund 4.500 Qubits. Annealer sind keine Universalrechner, sondern suchen gezielt nach guten Lösungen für Optimierungsaufgaben, etwa in Logistik, Planung oder Finanzwesen. Kunden nutzen die Systeme überwiegend über den Cloud-Dienst Leap, zunehmend aber auch als eigene Installation. Als Kunden nennt D-Wave unter anderem AT&T, Nasdaq Verafin, Oki Electric, Shionogi und Unisys. Nach eigener Darstellung hat Advantage2 als einziges System weltweit Quantenüberlegenheit bei einem nützlichen, realen Problem gezeigt.
Das zweite Standbein ist das Gate-Modell. Am 20. Januar 2026 schloss D-Wave die Übernahme des Spezialisten Quantum Circuits ab. Den Gesamtwert gibt das Unternehmen mit rund 538,5 Mio. US-Dollar an, davon rund 256,0 Mio. US-Dollar in bar und rund 282,0 Mio. US-Dollar in Form von 10.430.444 neuen Aktien. Für das Gate-Modell nennt D-Wave einen Fahrplan bis 2032 mit dann 100 logischen Qubits; 2030 sollen zehn logische Qubits erste fehlertolerante Algorithmen ermöglichen. Im Annealing plant das Unternehmen ein System mit 20.000 Qubits für 2029 und eines mit 100.000 Qubits bis 2031.
Zahlen
| Kennzahl | 2024 | 2025 | Q2 2026 |
| Umsatz | 8,8 Mio. US-$ | 24,6 Mio. US-$ | 3,1 Mio. US-$ |
| Bruttoergebnis | 5,6 Mio. US-$ | 20,3 Mio. US-$ | 1,7 Mio. US-$ |
| Bereinigtes EBITDA | −56,0 Mio. US-$ | −71,8 Mio. US-$ | −37,1 Mio. US-$ |
| Nettoergebnis | −143,9 Mio. US-$ | −355,1 Mio. US-$ | −48,0 Mio. US-$ |
| Auftragseingang (Bookings) | 23,9 Mio. US-$ | 18,7 Mio. US-$ | 2,1 Mio. US-$ |
| Liquide Mittel und Wertpapiere (Stichtag) | 178,0 Mio. US-$ | 884,5 Mio. US-$ | 546,2 Mio. US-$ |
Der Umsatzsprung 2025 geht nach Unternehmensangaben vor allem auf den Verkauf eines Quantencomputer-Systems zurück. Der höhere Nettoverlust 2025 resultierte überwiegend aus nicht zahlungswirksamen Belastungen von 270,5 Mio. US-Dollar durch die Neubewertung von Optionsscheinen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte der Auftragseingang 35,5 Mio. US-Dollar, darunter ein Systemverkauf über 20 Mio. US-Dollar. Der Rückgang der Liquidität seit Jahresende geht laut D-Wave zu über 90 Prozent auf den Barkaufpreis für Quantum Circuits zurück.
Was den Kurs bewegt
- Kapitalerhöhungen und Verwässerung: 2025 nahm D-Wave über At-the-Market-Programme 536,7 Mio. US-Dollar ein, dazu 202,9 Mio. US-Dollar aus Optionsscheinausübungen und 37,8 Mio. US-Dollar aus einer Vereinbarung mit Lincoln Park. Im ersten Halbjahr 2026 gab es keine ATM-Verkäufe. Die verbliebenen öffentlichen Optionsscheine wurden im November 2025 gekündigt (Redemption). Anfang August 2026 waren rund 369,3 Mio. Aktien ausstehend, zuzüglich gut 3,2 Mio. umtauschbarer Aktien.
- Große Einzelaufträge: Wenige Systemverkäufe bestimmen die Umsatzentwicklung. Das zweite Quartal 2026 zeigte mit stagnierendem Umsatz, wie unregelmäßig die Erlöse sein können.
- Steigende Kosten: Die operativen Aufwendungen stiegen im zweiten Quartal 2026 um 93 Prozent auf 55,0 Mio. US-Dollar, auch wegen der Integration von Quantum Circuits.
- Gate-Modell-Fahrplan: Für 2026 kündigt D-Wave ein System mit 17 physischen Qubits an, dessen logische Fehlerrate halb so hoch sein soll wie die physische. Das Erreichen solcher Etappen dürfte die Wahrnehmung der Aktie prägen.
- Standortwechsel: Das Unternehmen plant, seinen Hauptsitz nach Boca Raton in Florida zu verlegen und dort ein System an der Florida Atlantic University zu installieren.
Wettbewerber
Bei Optimierungsanwendungen konkurriert D-Wave unter anderem mit Quantum Computing Inc., das mit Dirac-3 ebenfalls einen Optimierungsrechner anbietet. Im Gate-Modell trifft D-Wave auf IonQ, Rigetti Computing sowie die Quantenprogramme von IBM, Alphabet, Microsoft und das aus dem Quantengeschäft von Honeywell hervorgegangene Quantinuum. Klassische Hochleistungsrechner, etwa auf Basis von Nvidia-Chips, bleiben bei Optimierungsaufgaben eine Alternative.
Einordnung
D-Wave hat den Umsatz 2025 fast verdreifacht und verfügt dank umfangreicher Aktienverkäufe über eine solide Kasse, die allerdings durch die Übernahme von Quantum Circuits spürbar geschrumpft ist. Die Erlöse schwanken stark mit einzelnen Systemverkäufen, während die Kosten mit dem Ausbau des Gate-Modell-Geschäfts steigen.
Aus Sicht der Marktteilnehmer verbindet D-Wave ein bereits kommerziell genutztes Annealing-Angebot mit einer langfristigen Option auf universelle Quantencomputer. Ob der Spagat zwischen beiden Technologien gelingt und die angekündigten Meilensteine erreicht werden, ist offen. Weitere Kapitalmaßnahmen sind angesichts der Verluste nicht ausgeschlossen.
Mehr zum Sektor im Überblick Quantencomputer-Aktien. Weitere Unternehmen finden Sie in unserer Übersicht Aktien im Portrait.
Quellen
- D-Wave Quantum Inc., Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (SEC EDGAR)
- D-Wave Quantum Inc., Ergebnismitteilung Q4 und Gesamtjahr 2025 (SEC EDGAR, Exhibit 99.1)
- D-Wave Quantum Inc., Ergebnismitteilung Q2 2026 (SEC EDGAR, Exhibit 99.1)
- D-Wave Quantum Inc., Form 10-Q für das zweite Quartal 2026 (SEC EDGAR)
- D-Wave Quantum Inc., Mitteilung zum Wechsel der Börsennotierung an die Nasdaq, Juli 2026 (SEC EDGAR)
- Tradegate Exchange, Orderbuch D-Wave Quantum Inc. (ISIN)
Kursdaten von TradingView, verzögert. Angaben nach Unternehmensmitteilungen, Stand Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.