Bretton Woods steht für die Währungsordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg fast drei Jahrzehnte lang die Weltwirtschaft zusammenhielt: feste Wechselkurse, ein an Gold gebundener US-Dollar als Anker und zwei neue Institutionen, der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Das System endete 1971 mit einer Fernsehansprache von Richard Nixon – seine Folgen prägen Devisen- und Goldmarkt bis heute.
Das Wichtigste in Kürze
| Konferenz | Juli 1944, Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire (USA) |
| Teilnehmer | 730 Delegierte aus 44 Staaten |
| Prägende Köpfe | John Maynard Keynes (Großbritannien), Harry Dexter White (USA) |
| Kern des Systems | Dollar an Gold gebunden (35 US-Dollar je Feinunze), andere Währungen fest an den Dollar |
| Schwankungsbreite | 1 Prozent um die vereinbarte Parität |
| Gegründete Institutionen | Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank (IBRD) |
| Ende | 15. August 1971: USA beenden die Goldeinlösung; ab März 1973 freie Wechselkurse |
Die Konferenz von 1944
Im Juli 1944, noch vor Kriegsende, trafen sich 730 Delegierte aus 44 Staaten in dem kleinen Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire. Die Erfahrung der Zwischenkriegszeit stand allen vor Augen: Abwertungswettläufe, Handelsschranken und der Zusammenbruch des Goldstandards hatten die Weltwirtschaftskrise verschärft. Eine neue Ordnung sollte stabile Wechselkurse schaffen, ohne die Länder in das starre Korsett des alten Goldstandards zu zwingen.
Zwei Pläne konkurrierten. Der britische Ökonom John Maynard Keynes schlug eine internationale Clearing-Union mit einer eigenen Kunstwährung vor, dem „Bancor“. Harry Dexter White aus dem US-Finanzministerium setzte dagegen auf einen Stabilisierungsfonds mit dem Dollar im Zentrum. Durchgesetzt hat sich im Wesentlichen der amerikanische Entwurf – die USA waren die mit Abstand stärkste Wirtschaftsmacht und hielten damals rund drei Viertel der offiziellen Goldreserven der Welt.
So funktionierte das Bretton-Woods-System
Das System beruhte auf zwei Stufen. Die USA verpflichteten sich, Dollar, die ausländische Notenbanken hielten, jederzeit zu 35 Dollar je Feinunze in Gold umzutauschen. Alle anderen Mitglieder legten für ihre Währung eine feste Parität zum Dollar fest und mussten den Kurs innerhalb einer Bandbreite von einem Prozent halten. Drohte ihre Währung aus dem Band zu fallen, griffen ihre Notenbanken am Devisenmarkt ein.
Ganz starr war die Ordnung nicht: Bei einem „fundamentalen Ungleichgewicht“ der Zahlungsbilanz durfte ein Land seine Parität ändern, allerdings nur in Abstimmung mit dem IWF. Der Internationale Währungsfonds überwachte die Wechselkurse und lieh Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen Devisen, damit sie nicht abwerten mussten. Die Weltbank finanzierte zunächst den Wiederaufbau Europas, später Entwicklungsprojekte. Voll funktionsfähig wurde das System erst Ende 1958, als die wichtigsten europäischen Währungen frei in Dollar umtauschbar wurden.
Die D-Mark im Bretton-Woods-System
Die Bundesrepublik trat dem IWF 1952 bei. Der Kurs der D-Mark lag ab 1949 bei 4,20 DM je US-Dollar. Mit dem deutschen Wirtschaftswunder wuchsen die Exportüberschüsse, und die D-Mark geriet immer wieder unter Aufwertungsdruck. 1961 wurde sie auf 4,00 DM aufgewertet, 1969 auf 3,66 DM. Im Mai 1971 gab die Bundesregierung den Kurs vorübergehend frei, weil spekulative Dollarzuflüsse nicht mehr zu bremsen waren – ein Vorbote des nahen Endes.
Der Konstruktionsfehler: das Triffin-Dilemma
Der Ökonom Robert Triffin beschrieb früh das Grundproblem: Damit die Welt genug Dollar als Reservewährung hat, müssen die USA dauerhaft Defizite in ihrer Zahlungsbilanz fahren. Je mehr Dollar jedoch im Ausland liegen, desto weniger glaubwürdig wird das Versprechen, sie in Gold einzulösen. Genau das trat ein. Die Ausgaben für den Vietnamkrieg und die Sozialprogramme der 1960er-Jahre vergrößerten die Defizite, bis die Dollarbestände im Ausland die amerikanischen Goldreserven überstiegen.
Die Notenbanken versuchten gegenzusteuern. Acht von ihnen bildeten 1961 den Londoner Goldpool, um den Marktpreis für Gold bei 35 Dollar zu halten. Der Pool brach im März 1968 zusammen; danach galt ein gespaltener Goldpreis – der offizielle Kurs für Notenbanken und ein freier Marktpreis für alle anderen.
Das Ende: Nixon-Schock 1971 und freie Kurse ab 1973
Am Abend des 15. August 1971 verkündete Präsident Richard Nixon nach einem Wochenende in Camp David seine „neue Wirtschaftspolitik“: Ausländische Regierungen konnten Dollar nicht mehr in Gold tauschen, dazu kamen ein 90-tägiger Lohn- und Preisstopp und ein Importzuschlag von 10 Prozent. Die Aussetzung war als vorübergehend angekündigt – sie wurde endgültig.
Ein letzter Rettungsversuch folgte im Dezember 1971 mit dem Smithsonian-Abkommen: Der Dollar wurde gegenüber Gold auf 38 Dollar je Unze abgewertet, die Bandbreite auf 2,25 Prozent erweitert. Es hielt nicht lange. Nach einer weiteren Dollarabwertung im Februar 1973 gaben die großen Industrieländer im März 1973 ihre Wechselkurse frei. Seither schwanken die wichtigsten Währungen am Markt. Mit der Änderung seines Abkommens, beschlossen 1976 auf Jamaika, erlaubt der IWF seinen Mitgliedern jede Wechselkursordnung – außer der Bindung an Gold.
Was von Bretton Woods geblieben ist
- Die Institutionen: IWF und Weltbank existieren bis heute und sind die Säulen der internationalen Finanzarchitektur.
- Der Dollar als Leitwährung: Obwohl die Goldbindung fiel, blieb der Dollar die wichtigste Reserve- und Handelswährung der Welt. Wie sich Wechselkurse heute bilden, zeigt unser Überblick zu Devisen.
- Der freie Goldpreis: Erst mit dem Ende der Goldbindung konnte sich der Preis frei am Markt bilden. Mehr dazu im Beitrag zu Gold.
- Feste Kurse im Kleinen: Einzelne Länder binden ihre Währung bis heute an den Dollar oder den Euro; in Europa führte der Weg über das Europäische Währungssystem zum Euro.
Einordnung: Aus Sicht der Marktteilnehmer
Bretton Woods ist mehr als Wirtschaftsgeschichte. Das Ende der Goldbindung erklärt, warum Notenbanken wie die Fed heute Geldmengen und Zinsen ohne Rücksicht auf Goldreserven steuern können – und warum der Goldpreis seither als Gradmesser für das Vertrauen in Papierwährungen gilt. Wenn Ökonomen und Investoren über ein „neues Bretton Woods“ sprechen, geht es meist um dieselbe Frage wie 1944: wie viel Stabilität feste Regeln schaffen und wie viel Flexibilität eine Volkswirtschaft braucht, um auf Schocks reagieren zu können. Das Triffin-Dilemma ist dabei nicht verschwunden; es taucht in jeder Debatte über die Rolle des Dollars als Weltreservewährung wieder auf.
Häufige Fragen
Was war das Bretton-Woods-System?
Eine internationale Währungsordnung mit festen, aber anpassbaren Wechselkursen. Der US-Dollar war zu 35 Dollar je Unze an Gold gebunden, die übrigen Währungen an den Dollar.
Warum ist Bretton Woods gescheitert?
Die USA gaben mehr Dollar aus, als sie mit Gold decken konnten. Als das Vertrauen in die Einlösung schwand, beendete Nixon 1971 den Goldumtausch; 1973 gingen die großen Währungen zu freien Kursen über.
Welche Institutionen entstanden in Bretton Woods?
Der Internationale Währungsfonds und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, aus der die Weltbankgruppe hervorging.
Quellen
- Federal Reserve History: Creation of the Bretton Woods System
- Federal Reserve History: Nixon Ends Convertibility of U.S. Dollars to Gold
- Internationaler Währungsfonds: Cooperation and Reconstruction (1944–71)
- Internationaler Währungsfonds: The End of the Bretton Woods System (1972–81)
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.