Quantencomputer-Aktien: Spezialisten, Konzerne und Risiken im Überblick
Quantencomputer sollen Aufgaben lösen, an denen klassische Rechner scheitern – etwa die Simulation von Molekülen, neue Materialien oder komplexe Optimierungsprobleme. An der Börse zählt das Thema zu den volatilsten überhaupt: Die Spezialisten erzielen bislang nur kleine Umsätze, sind aber mit Milliarden bewertet und haben sich über Kapitalerhöhungen hohe Geldpolster angelegt. Daneben forschen Technologiekonzerne wie IBM, Google und Microsoft seit Jahren an eigenen Systemen. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Quantencomputer-Aktien, ihre Geschäftszahlen, die konkurrierenden Technologien und was den Sektor antreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Quantencomputer-Aktien lassen sich in zwei Gruppen teilen: reine Spezialisten wie IonQ, Rigetti, D-Wave, Quantum Computing Inc. und – seit Juni 2026 – Quantinuum sowie Großkonzerne, für die Quantencomputing ein Forschungsfeld unter vielen ist.
- Alle Spezialisten schreiben Verluste. Der größte Anbieter, IonQ, erzielte 2025 einen Umsatz von 130,0 Millionen Dollar; die übrigen liegen meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
- Finanziert wird das Wachstum vor allem über neue Aktien. Allein 2025 flossen den Unternehmen über Kapitalmaßnahmen jeweils mehrere hundert Millionen Dollar zu – zulasten der Altaktionäre.
- Mit Quantinuum ist im Juni 2026 der bislang größte Börsengang der Branche gelungen; Honeywell bleibt als Großaktionär beteiligt.
Die wichtigsten Quantencomputer-Aktien im Überblick
| Unternehmen | Börse | Schwerpunkt | Umsatz (letztes Geschäftsjahr) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| IonQ | NYSE | Ionenfallen, Quantennetzwerke | 130,0 Mio. $ (2025) | −510,4 Mio. $ |
| Rigetti Computing | Nasdaq | Supraleitende Qubits | 7,1 Mio. $ (2025) | −216,2 Mio. $ |
| D-Wave Quantum | Nasdaq | Quanten-Annealing, supraleitendes Gate-Modell | 24,6 Mio. $ (2025) | −355,1 Mio. $ |
| Quantum Computing Inc. | Nasdaq | Photonik, Chip-Fertigung | 0,7 Mio. $ (2025) | −18,7 Mio. $ |
| Quantinuum | Nasdaq | Ionenfallen | 13,2 Mio. $ (1. Halbjahr 2026) | −733,1 Mio. $ (1. Halbjahr 2026) |
| IBM | NYSE | Supraleitende Qubits, Quanten-Cloud | 67,5 Mrd. $ (2025) | +10,6 Mrd. $ |
| Alphabet | Nasdaq | Google Quantum AI (supraleitend) | 402,8 Mrd. $ (2025) | +132,2 Mrd. $ |
| Microsoft | Nasdaq | Topologische Qubits, Azure Quantum | 331,8 Mrd. $ (GJ bis Juni 2026) | +133,7 Mrd. $ |
| Honeywell | Nasdaq | Großaktionär von Quantinuum | 37,4 Mrd. $ (2025) | +5,1 Mrd. $ |
| Nvidia | Nasdaq | Software und Hardware für hybride Systeme (CUDA-Q, NVQLink) | 215,9 Mrd. $ (GJ bis Jan. 2026) | +120,1 Mrd. $ |
| Infineon | Frankfurt | Ionenfallen-Chips für Partner | 14,66 Mrd. € (GJ 2024/25) | +1,02 Mrd. € |
Die Spezialisten: Kleine Umsätze, große Kassen
IonQ ist der umsatzstärkste reine Quantencomputer-Anbieter. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 287 Prozent auf 80,1 Millionen Dollar, die Jahresprognose wurde auf 280 bis 290 Millionen Dollar angehoben. Ein Teil des Wachstums ist zugekauft: IonQ hat eine Reihe von Übernahmen getätigt und Ende Juli 2026 den Chipfertiger SkyWater Technology übernommen, der mit rund 1,8 Milliarden Dollar bewertet wurde. Der Nettoverlust im zweiten Quartal betrug 1,87 Milliarden Dollar; den größten Teil machte mit rund 1,65 Milliarden Dollar die nicht zahlungswirksame Neubewertung von Optionsscheinen aus. Zur Jahresmitte verfügte IonQ über 3,0 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, nach Abschluss der SkyWater-Übernahme rechnerisch noch rund 2,0 Milliarden Dollar.
Rigetti Computing baut supraleitende Quantenprozessoren und verkauft kleinere Systeme an Forschungseinrichtungen. Im zweiten Quartal 2026 stand bei 5,1 Millionen Dollar Umsatz ein Nettoverlust von 52,6 Millionen Dollar. Mit einer Absichtserklärung hat das US-Handelsministerium Rigetti im Mai 2026 bis zu 100 Millionen Dollar Förderung über drei Jahre in Aussicht gestellt – im Gegenzug für eine Beteiligung; endgültige Verträge stehen noch aus. Die liquiden Mittel lagen Ende Juni bei 541,3 Millionen Dollar.
D-Wave Quantum ist der Pionier des Quanten-Annealings und hat im Januar 2026 für rund 540 Millionen Dollar – rund 256 Millionen in bar, der Rest in Aktien – das US-Unternehmen Quantum Circuits übernommen, um auch universelle Gate-Modell-Rechner zu bauen. Der Quartalsumsatz stagnierte im zweiten Quartal 2026 bei 3,1 Millionen Dollar, der Nettoverlust betrug 48,0 Millionen Dollar. Quantum Computing Inc. setzt auf Photonik und bietet zunehmend Fertigungsdienste für photonische Chips an; der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 5,6 Millionen Dollar, nachdem es 2025 im Gesamtjahr lediglich 0,7 Millionen Dollar waren. Das Unternehmen sitzt nach Kapitalmaßnahmen von nach eigenen Angaben über 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf rund 1,3 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln.
Typisch für alle Spezialisten ist die Finanzierung über neue Aktien. Rigetti nahm 2025 über ein At-the-Market-Programm – den laufenden Verkauf neuer Aktien über die Börse – 346,7 Millionen Dollar ein, D-Wave netto 536,7 Millionen Dollar. Bei IonQ stieg die durchschnittliche Aktienzahl binnen eines Jahres von rund 251 auf 368 Millionen Stück. Im ersten Halbjahr 2026 haben Rigetti, D-Wave und IonQ nach ihren Abschlüssen keine neuen Aktien über solche Programme verkauft.
Die Konzerne: Quantencomputing als Nebenschauplatz
Quantinuum, entstanden aus der Quantensparte von Honeywell und Cambridge Quantum, ging am 4. Juni 2026 an die Nasdaq. Die Aktien wurden zu 60 Dollar platziert, der Bruttoerlös lag bei rund 1,7 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Quantinuum 8,0 Millionen Dollar Umsatz und einen Nettoverlust von 597 Millionen Dollar, der vor allem auf aktienbasierte Vergütung im Zuge des Börsengangs zurückging. Honeywell bilanziert seine Beteiligung seitdem nach der Equity-Methode und verbuchte im zweiten Quartal einen Entkonsolidierungsgewinn von 6,6 Milliarden Dollar vor Steuern. Ende Juni 2026 hat Honeywell zudem sein Luftfahrtgeschäft als eigene Gesellschaft abgespalten.
IBM verfolgt den ausführlichsten öffentlichen Fahrplan: Bis 2029 soll im Bundesstaat New York mit „Starling“ ein fehlertoleranter Quantencomputer mit 200 logischen Qubits entstehen, der 100 Millionen Rechenoperationen ausführen kann. Alphabet meldete im Oktober 2025, dass ein Algorithmus auf dem Google-Chip „Willow“ mit 105 Qubits 13.000-mal schneller lief als der beste klassische Algorithmus auf einem Supercomputer. Microsoft stellte im Februar 2025 den Chip „Majorana 1“ vor, der auf sogenannten topologischen Qubits beruht und auf eine Million Qubits skalierbar sein soll. Nvidia baut keine eigenen Quantencomputer, liefert aber mit der Software CUDA-Q und der Schnittstelle NVQLink die Verbindung zwischen Grafikprozessoren und den Quantenprozessoren zahlreicher Partner. Infineon entwickelt seit 2017 Ionenfallen-Chips und arbeitet seit 2024 in einer Partnerschaft mit Quantinuum an deren nächster Generation.
Technologien im Vergleich
Noch ist offen, welche Bauweise sich durchsetzt:
- Supraleitende Qubits (IBM, Google, Rigetti, D-Wave über Quantum Circuits): Schaltkreise, die nahe dem absoluten Nullpunkt gekühlt werden. Schnelle Rechenoperationen, aber vergleichsweise hohe Fehlerraten. Rigettis 108-Qubit-System erreicht nach Firmenangaben eine mittlere Zwei-Qubit-Genauigkeit von rund 99,1 Prozent.
- Ionenfallen (IonQ, Quantinuum, Chips von Infineon): Einzelne geladene Atome werden in elektromagnetischen Feldern gehalten. Sehr hohe Genauigkeit – IonQ meldete 2025 einen Rekordwert von 99,99 Prozent bei Zwei-Qubit-Operationen –, dafür langsamere Rechenschritte.
- Quanten-Annealing (D-Wave): Spezialrechner für Optimierungsaufgaben, bereits kommerziell im Einsatz, aber nicht für beliebige Algorithmen geeignet.
- Photonik (Quantum Computing Inc.): Rechnen mit Lichtteilchen, teils bei Raumtemperatur. Gilt als gut skalierbar, ist technisch aber weniger weit erprobt.
- Topologische Qubits (Microsoft): sollen von Natur aus weniger fehleranfällig sein, befinden sich aber noch im frühen Forschungsstadium.
Was den Sektor antreibt – und was ihn bremst
- DARPA-Programm in den USA: Die Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums prüft in ihrer Quantum Benchmarking Initiative, ob ein Ansatz bis 2033 einen Quantencomputer erreichen kann, dessen Nutzen seine Kosten übersteigt. Im Oktober 2026 rückten Atom Computing, Diraq, IBM und IonQ in die Schlussphase auf; Microsoft und PsiQuantum waren bereits dort.
- US-Gesetzgebung: Die National Quantum Initiative von 2018 bündelt die Bundesforschung. Ein im Januar 2026 im Senat eingebrachter Entwurf soll das Programm bis Dezember 2034 verlängern und neue Forschungszentren schaffen.
- Europa: Die EU-Kommission will Europa mit ihrer Quantenstrategie vom Juli 2025 bis 2030 zu einem weltweit führenden Standort machen; ein Quanten-Gesetz ist für 2026 angekündigt. Geplant sind unter anderem sechs Pilotlinien für Quantenchips.
- Deutschland: Das „Handlungskonzept Quantentechnologien“ der Bundesregierung sieht für 2023 bis 2026 rund drei Milliarden Euro vor; Ziel ist unter anderem ein leistungsfähiger universeller Quantenrechner.
- Bremsfaktoren: Technisch ist der Durchbruch zu fehlertoleranten Rechnern im großen Maßstab noch nicht geschafft; die meisten Fahrpläne zielen auf das Ende des Jahrzehnts.
Risiken: Bewertung, Verwässerung, Zeitplan
Die Börsenwerte der Spezialisten liegen bei einem Vielfachen ihrer Umsätze; Anleger bezahlen damit vor allem für erwartete Erfolge in vielen Jahren. Verschiebt sich der technische Zeitplan, kann das die Kurse stark belasten. Die großen Geldpolster verschaffen den Unternehmen zwar Zeit, wurden aber überwiegend durch neue Aktien finanziert – und Übernahmen, die teils in Aktien bezahlt werden, erhöhen die Aktienzahl weiter. Hinzu kommen Bilanzeffekte: Die Neubewertung von Optionsscheinen kann, wie bei IonQ, das ausgewiesene Ergebnis um Milliardenbeträge schwanken lassen. Wichtige Kennzahlen sind deshalb Auftragseingang, Liquidität, Cash-Verbrauch und die Zahl der ausstehenden Aktien.
Einordnung
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist Quantencomputing ein klassisches Zukunftsthema: technisch beeindruckende Fortschritte, kräftig wachsende, aber noch kleine Umsätze und Bewertungen, die weit in die Zukunft vorgreifen. Anders als in vielen anderen Wachstumsbranchen sind die führenden Spezialisten derzeit gut finanziert – das Risiko liegt weniger in einer akuten Geldnot als in der Frage, ob und wann sich die Investitionen auszahlen. Wer am Thema teilhaben möchte, trägt bei den reinen Anbietern ein hohes Einzelrisiko; bei Konzernen wie IBM, Alphabet, Microsoft oder Nvidia ist das Quantengeschäft dagegen nur ein kleiner Baustein, der die Aktie kaum bewegt. Breiter streuen thematische ETFs, die allerdings ebenfalls stark von den schwankungsanfälligen Spezialisten geprägt sein können.
Häufige Fragen
Welche Quantencomputer-Aktie hat den höchsten Umsatz?
Unter den reinen Anbietern ist IonQ mit 130,0 Millionen Dollar Umsatz 2025 und einer Prognose von 280 bis 290 Millionen Dollar für 2026 mit Abstand der größte. Ein Teil davon stammt aus zugekauften Unternehmen.
Verdient schon ein Quantencomputer-Unternehmen Geld?
Nein. Alle börsennotierten Spezialisten schreiben Verluste. Profitabel sind nur die Konzerne mit Quantenprogrammen – deren Gewinne stammen aber aus Cloud, Software, Halbleitern oder Werbung, nicht aus Quantencomputern.
Gibt es deutsche Quantencomputer-Aktien?
Ein börsennotierter deutscher Spezialist fehlt bislang. Infineon entwickelt Ionenfallen-Chips für Quantencomputer, für den Halbleiterkonzern ist das aber ein kleines Zukunftsfeld. Die Aktien der US-Spezialisten sind an deutschen Handelsplätzen handelbar.
Weitere Branchen im Überblick
- Wasserstoff-Aktien: Elektrolyseure, Brennstoffzellen, Industriegase
- Uran-Aktien: Produzenten, Entwickler, Anreicherung und der Uranpreis
- Seltene-Erden-Aktien: Magnetrohstoffe und Chinas Exportkontrollen
- Drohnen-Aktien: Hersteller, Drohnenabwehr und Rüstungskonzerne
- Lithium-Aktien: Produzenten, Projekte und der Lithiumpreis
- Rüstungsaktien: Kurse, Bewertungen und was den Sektor antreibt
Quellen
- IonQ: Q2 2026 results (SEC), Form 10-Q Q2 2026, Full year 2025 results, SkyWater-Übernahme (SEC)
- Rigetti Computing: Q2 2026 results (SEC), Full year 2025 results
- D-Wave Quantum: Q2 2026 results (SEC), Full year 2025 results, Übernahme Quantum Circuits (SEC), Form 10-Q Q2 2026
- Quantum Computing Inc.: Q2 2026 results (SEC), Full year 2025 results (SEC)
- Quantinuum: Pricing des Börsengangs, Q2 2026 results (SEC), Partnerschaft mit Infineon
- Honeywell: Fourth quarter 2025 results, Q2 2026 financial tables, Abspaltung Honeywell Aerospace
- IBM: Fourth quarter 2025 results, Quantum-Fahrplan Starling
- Alphabet: Q4 2025 earnings release; Google: Quantum Echoes
- Microsoft: FY2026 Q4 results (SEC), Majorana 1
- Nvidia: Fiscal 2026 results (SEC), NVQLink
- Infineon: Geschäftsjahr 2025
- DARPA: Quantum Benchmarking Initiative, Stage C
- US-Senat: National Quantum Initiative Reauthorization Act
- Europäische Kommission: Quantum Europe Strategy
- Bundesregierung: Handlungskonzept Quantentechnologien
Stand: 14. Oktober 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen, SEC-Einreichungen und Veröffentlichungen der genannten Behörden. Dieser Beitrag dient der Information. Keine Anlageberatung. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.