CAGR steht für Compound Annual Growth Rate, auf Deutsch durchschnittliche jährliche Wachstumsrate. Die Kennzahl beantwortet eine einfache Frage: Um wie viel Prozent hätte eine Größe jedes Jahr gleichmäßig wachsen müssen, um vom Anfangs- zum Endwert zu kommen? Anleger nutzen sie für Depotrenditen, Analysten für Umsatz- und Gewinnwachstum von Unternehmen.
Die CAGR-Formel
CAGR = (Endwert ÷ Anfangswert)1 ÷ Anzahl Jahre − 1
Beispiel: Eine Anlage wächst in fünf Jahren von 10.000 Euro auf 16.105 Euro. Dann gilt (16.105 ÷ 10.000)1/5 − 1 = 1,61050,2 − 1 = 0,10. Die CAGR beträgt also 10 Prozent pro Jahr.
Warum nicht einfach den Durchschnitt nehmen?
Der einfache Durchschnitt der Jahresrenditen führt bei schwankenden Werten in die Irre. Ein Beispiel zeigt das deutlich:
| Jahr | Rendite | Depotwert |
|---|---|---|
| Start | – | 10.000 € |
| Jahr 1 | +50 % | 15.000 € |
| Jahr 2 | −50 % | 7.500 € |
Der Durchschnitt der beiden Renditen beträgt 0 Prozent, tatsächlich hat das Depot aber ein Viertel verloren. Die CAGR bildet das richtig ab: (7.500 ÷ 10.000)1/2 − 1 = −13,4 Prozent pro Jahr. Weil Verluste schwerer wiegen als gleich hohe Gewinne, liegt die CAGR bei schwankenden Anlagen immer unter dem einfachen Durchschnitt.
Wofür die CAGR verwendet wird
- Depot und Fonds: Vergleich der Rendite verschiedener Anlagen über unterschiedlich lange Zeiträume.
- Unternehmen: Wie schnell sind Umsatz, Gewinn oder Free Cashflow in den vergangenen fünf oder zehn Jahren gewachsen?
- Märkte: Branchenstudien geben das erwartete Marktwachstum häufig als CAGR an.
- Planung: Rückwärts gerechnet zeigt die Formel, welche jährliche Rendite für ein Sparziel nötig ist. Dafür eignet sich auch der Zinseszinsrechner.
Die Grenzen der CAGR
- Sie glättet alle Schwankungen. Zwei Anlagen mit gleicher CAGR können sehr unterschiedlich riskant gewesen sein.
- Sie berücksichtigt nur Anfangs- und Endwert. Ein Ausreißer am Ende des Zeitraums verzerrt das Ergebnis stark.
- Zwischenzeitliche Einzahlungen oder Entnahmen, etwa bei einem Sparplan, verfälschen die Rechnung. Dafür eignet sich der interne Zinsfuß (IRR) besser.
- Eine hohe CAGR der Vergangenheit sagt nichts darüber aus, ob das Wachstum anhält.
Fazit
Die CAGR ist die ehrlichste Art, Wachstum über mehrere Jahre in einer Zahl auszudrücken, weil sie den Zinseszinseffekt berücksichtigt. Für eine vollständige Einschätzung gehört aber immer ein Blick auf die Schwankungen dazu.
Fragen und Antworten
Wie berechnet man die CAGR?
Endwert durch Anfangswert teilen, das Ergebnis mit 1 geteilt durch die Anzahl der Jahre potenzieren und 1 abziehen.
Was ist eine gute CAGR?
Das hängt von der Anlage ab. Breite Aktienindizes kamen langfristig auf einen hohen einstelligen Prozentwert pro Jahr. Bei Unternehmen gelten zweistellige Wachstumsraten über viele Jahre als stark.
Was ist der Unterschied zwischen CAGR und Rendite?
Die Gesamtrendite zeigt den Zuwachs über den ganzen Zeitraum, die CAGR rechnet ihn auf ein gleichmäßiges Wachstum pro Jahr um.
Kann die CAGR negativ sein?
Ja. Liegt der Endwert unter dem Anfangswert, ist die CAGR negativ.
Quellen
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov – Compound Interest – investor.gov
- Deutsche Bundesbank, Zinsstatistik – bundesbank.de
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.