Der COT-Report (Commitments of Traders) ist ein wöchentlicher Bericht der US-Terminmarktaufsicht CFTC, der die offenen Positionen verschiedener Marktteilnehmer an den amerikanischen Terminbörsen aufschlüsselt. Er zeigt, ob Hedgefonds bei Rohöl überwiegend auf steigende oder fallende Preise setzen, wie stark sich Landwirte bei Mais absichern und wie Vermögensverwalter bei Aktienindex-Futures aufgestellt sind. Für viele Rohstoff- und Devisenhändler gehört er zum festen Wochenprogramm.
Definition: Was der Bericht enthält
Grundlage sind Meldungen von Clearingmitgliedern, Futures-Brokern und ausländischen Brokern. Sie müssen der Commodity Futures Trading Commission täglich alle Positionen melden, die eine festgelegte Meldeschwelle überschreiten. Die CFTC fasst diese Daten zu Gruppen zusammen und veröffentlicht sie für jeden Markt, in dem mindestens 20 Händler meldepflichtige Positionen halten.
Ausgewiesen werden Long- und Short-Positionen, Spread-Positionen, das gesamte offene Interesse (Open Interest), die Veränderung zur Vorwoche und die Zahl der Händler je Gruppe. Positionen unterhalb der Meldeschwelle erscheinen gesammelt als nicht meldepflichtige Positionen, häufig mit kleineren Marktteilnehmern gleichgesetzt.
Funktionsweise: vier Berichte, verschiedene Gruppen
| Bericht | Händlergruppen | Märkte |
|---|---|---|
| Legacy | Commercial, Non-Commercial | alle erfassten Märkte |
| Disaggregated | Producer/Merchant/Processor/User, Swap Dealers, Managed Money, Other Reportables | Rohstoffe wie Energie, Metalle, Agrar |
| Traders in Financial Futures (TFF) | Dealer/Intermediary, Asset Manager/Institutional, Leveraged Funds, Other Reportables | Finanzterminkontrakte wie Zinsen, Währungen, Aktienindizes |
| Supplemental | Commercial, Non-Commercial, Index Traders | 13 Agrarkontrakte |
Der Legacy-Bericht ist die älteste Form mit Daten seit 1986. Seine grobe Zweiteilung in kommerzielle Absicherer und nicht kommerzielle Spekulanten wurde ab 2009 durch die feineren Berichte ergänzt, deren Daten bis Juni 2006 zurückreichen. Für Rohstoffe ist heute meist der Disaggregated-Bericht die erste Wahl, für Finanzterminkontrakte der TFF-Bericht. Jeden Bericht gibt es als reine Futures-Fassung und als kombinierte Fassung mit Optionen.
Meldeschwellen und Datenzugang
Welche Position meldepflichtig ist, legt die CFTC je Kontrakt in ihren Vorschriften fest. Die Schwellen unterscheiden sich nach Markt und werden in einer eigenen Übersicht der Behörde veröffentlicht. Für sehr liquide Kontrakte liegen sie höher als für kleine Agrarmärkte. Die Daten selbst stehen kostenlos zur Verfügung: als lesbare Textfassung, als Tabelle für Tabellenkalkulationen und als historisches Archiv mit Jahresdateien. Viele Auswertungen beruhen auf diesen Archivdaten, weil sich Extremwerte erst im Vergleich über mehrere Jahre erkennen lassen. Welche Kontrakte an den Börsen der CME Group gehandelt werden, die den Großteil der erfassten Märkte stellen, zeigt der Beitrag zum Börsenbetreiber.
Termine in deutscher Zeit
Der Stichtag ist jeweils Dienstag zum Handelsschluss. Die Meldungen gehen am Mittwochmorgen ein, werden geprüft und am Freitag um 15:30 Uhr Ortszeit Washington veröffentlicht. In Deutschland ist das in der Regel 21:30 Uhr, in den kurzen Phasen unterschiedlicher Zeitumstellung 20:30 Uhr. Zwischen Stichtag und Veröffentlichung liegen damit drei Handelstage.
Fällt ein US-Feiertag in die Woche, verschiebt sich der Bericht. Im Rest des Jahres 2026 ist das dreimal der Fall:
| Regulärer Termin | Verschobene Veröffentlichung |
|---|---|
| Freitag, 13. November 2026 | Montag, 16. November 2026 |
| Freitag, 27. November 2026 | Montag, 30. November 2026 |
| Freitag, 25. Dezember 2026 | Montag, 28. Dezember 2026 |
Beispiel: eine Fondsposition auswerten
Angenommen, der Disaggregated-Bericht für einen Mais-Future weist für die Gruppe Managed Money 287.415 Long-Kontrakte und 141.902 Short-Kontrakte aus. Das offene Interesse liegt bei 1.563.240 Kontrakten.
- Netto-Position: 287.415 − 141.902 = 145.513 Kontrakte netto long
- Veränderung zur Vorwoche (damals 131.088): plus 14.425 Kontrakte
- Anteil am offenen Interesse: 145.513 ÷ 1.563.240 = 9,31 Prozent
Um einzuschätzen, ob dieser Wert hoch oder niedrig ist, berechnen viele Analysten einen COT-Index. Er setzt die aktuelle Netto-Position ins Verhältnis zur Spanne der vergangenen drei Jahre. Lag das Minimum dort bei minus 48.300 und das Maximum bei 212.700 Kontrakten, ergibt sich:
COT-Index = (145.513 − (−48.300)) ÷ (212.700 − (−48.300)) = 74,3 Prozent
Die Fonds sind also deutlich, aber nicht extrem long positioniert. Werte nahe 100 oder 0 gelten als Extremzonen, in denen viele Marktteilnehmer bereits in eine Richtung gesetzt haben.
Bedeutung für Anleger
Der Bericht ist vor allem ein Stimmungsindikator. Er zeigt, wo sich spekulatives Kapital ballt. Sehr einseitige Positionierungen können Trends verstärken, sie bergen aber auch das Risiko schneller Gegenbewegungen, wenn viele Teilnehmer gleichzeitig aussteigen. Für Rohstoffe wie Gold, Silber oder Öl wird der Bericht deshalb häufig neben dem Preis selbst beobachtet, etwa beim Goldpreis, am COMEX oder beim Ölpreis. Für den Aktienmarkt liefert der TFF-Bericht ähnliche Hinweise zu Index-Futures wie dem S&P-500-Future.
Kommerzielle Teilnehmer sind meist Absicherer. Ein Ölproduzent, der künftige Fördermengen verkauft, erscheint als Short-Position, ohne eine Meinung über den Preis zu äußern. Ihre Positionen bewegen sich daher oft gegen den Trend und sollten nicht mit Spekulation verwechselt werden.
Grenzen und Risiken
- Zeitverzug: Bis zur Veröffentlichung sind drei Tage vergangen. In schnellen Märkten kann sich die Lage längst gedreht haben.
- Grobe Gruppen: Ein Swap Dealer kann Kundenaufträge absichern, die selbst spekulativ sind. Die Einteilung beruht auf der Haupttätigkeit des Händlers.
- Kein Timing-Signal: Extreme Positionierungen können wochenlang bestehen bleiben, bevor sich der Preis dreht.
- Nur US-Börsen: Positionen an europäischen oder asiatischen Börsen sowie außerbörsliche Geschäfte fehlen.
Fazit
Der COT-Report macht die Positionierung großer Marktteilnehmer an den US-Terminmärkten sichtbar. Am meisten sagt er im Zeitverlauf und im Vergleich zu früheren Extremwerten aus. Als alleinige Grundlage für Handelsentscheidungen eignet er sich nicht, als Ergänzung zur Preis- und Fundamentalanalyse liefert er wertvolle Hinweise auf die Stimmung im Markt.
Fragen und Antworten
Wann erscheint der COT-Report?
Freitags um 15:30 Uhr Ortszeit Washington, in Deutschland meist um 21:30 Uhr. Die Daten beziehen sich auf den vorangegangenen Dienstag.
Was bedeutet Managed Money?
Die Gruppe umfasst Fonds und Vermögensverwalter, die für Kunden an Terminmärkten handeln, darunter Commodity Trading Advisors und Hedgefonds.
Wo findet man den COT-Report?
Kostenlos auf der Website der CFTC, als Textdatei, Tabelle und historisches Archiv zum Herunterladen.
Was ist der Unterschied zwischen Legacy und Disaggregated?
Der Legacy-Bericht unterscheidet nur zwei Gruppen. Der Disaggregated-Bericht teilt Rohstoffmärkte in vier Gruppen auf und trennt etwa Produzenten, Swap-Händler und Fonds.
Quellen
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.