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FOMC: Was der Offenmarktausschuss ist und was im Sitzungsprotokoll steht

von FNE-Redaktion

Das FOMC (Federal Open Market Committee) ist der Offenmarktausschuss der US-Notenbank und entscheidet über die Zielspanne für den Leitzins der Vereinigten Staaten. Achtmal im Jahr tritt das Gremium zusammen. Am Ende jeder Sitzung steht eine knappe Erklärung, drei Wochen später folgt das ausführliche Sitzungsprotokoll, die sogenannten Minutes. Gerade dieses Protokoll bewegt regelmäßig Anleihen, Devisen und Aktien, weil es zeigt, wie geschlossen oder gespalten der Ausschuss tatsächlich ist.

Definition: Wer im FOMC sitzt

Der Ausschuss besteht aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern: den sieben Gouverneuren des Board of Governors in Washington, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York und vier weiteren Präsidenten regionaler Notenbanken, die jährlich rotieren. An den Beratungen nehmen jedoch alle zwölf Regionalpräsidenten teil, insgesamt also 19 Personen. Den Vorsitz führt der Fed-Vorsitzende, seit Mai 2026 Kevin Warsh. Wie die Federal Reserve als Ganzes aufgebaut ist und welches Mandat sie hat, erklärt der Beitrag zur Fed.

Diese Unterscheidung ist für das Lesen des Protokolls wichtig. Die Minutes sprechen von „participants“, wenn alle 19 Teilnehmer gemeint sind, und von „members“, wenn es nur um die zwölf Stimmberechtigten geht.

Funktionsweise: Erklärung, Protokoll, Wortprotokoll

Die Fed veröffentlicht zu jeder Sitzung mehrere Dokumente in festem Rhythmus:

DokumentZeitpunktInhalt
StatementSitzungsende, 14:00 Uhr Ortszeit WashingtonEntscheidung, kurze Lagebeschreibung, Abstimmungsergebnis
Pressekonferenz30 Minuten nach dem StatementErläuterungen des Vorsitzenden, Fragen der Presse
Projektionen (SEP)bei vier Sitzungen mit dem StatementPrognosen und [[dot-plotDot Plot]]
Minutesdrei Wochen nach der Entscheidung, 14:00 Uhr Ortszeitausführliche Zusammenfassung der Diskussion
Transcriptnach fünf Jahrenwörtliches Protokoll der Sitzung

In deutscher Zeit erscheinen Statement und Minutes in der Regel um 20:00 Uhr. In den kurzen Phasen, in denen Europa und die USA die Uhren an unterschiedlichen Tagen umstellen, verschiebt sich der Termin auf 19:00 Uhr.

Aufbau der Minutes

Das Protokoll folgt seit Jahren einer festen Gliederung. Es beginnt mit der Entwicklung an den Finanzmärkten und den Offenmarktgeschäften der New Yorker Fed. Danach folgen die Einschätzungen des Stabs zu Wirtschaft, Finanzlage und Ausblick. Der für Anleger wichtigste Teil ist der Abschnitt zu den Einschätzungen der Teilnehmer, in dem Argumente für und gegen eine Zinsänderung gesammelt werden. Am Schluss stehen die Beschlüsse, der Wortlaut der Anweisung an den Handelsdesk und das Abstimmungsergebnis.

Namen nennen die Minutes bei der Diskussion nicht. Stattdessen arbeiten sie mit Mengenwörtern, die sich über die Jahre zu einer festen Skala entwickelt haben:

Formulierungungefähre Bedeutung
a couplezwei Teilnehmer
a fewdrei bis vier
severaletwa vier bis sechs
some / manyeine größere Gruppe, aber keine Mehrheit
most / almost allMehrheit bis nahezu alle

Die Abstufung ist nicht offiziell definiert, wird aber von der Fed sehr konsequent verwendet. Schreibt das Protokoll, dass „several participants“ eine Zinserhöhung für angemessen hielten, deutet das auf eine relevante Minderheit hin.

Beispiel: die Sitzungen im Herbst 2026

Am 16. September 2026 hob das FOMC die Zielspanne für die Federal Funds Rate um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Am 28. Oktober 2026 blieb sie unverändert. Die Entscheidung fiel mit zehn zu zwei Stimmen: Lisa Cook und Beth Hammack sprachen sich für eine weitere Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus.

Nach der Drei-Wochen-Regel ergeben sich die folgenden Termine:

SitzungStatement (deutsche Zeit)Minutes
15./16. September 202616. September, 20:00 Uhrveröffentlicht am 7. Oktober 2026
27./28. Oktober 202628. Oktober, 19:00 Uhrvoraussichtlich 18. November 2026, 20:00 Uhr
8./9. Dezember 20269. Dezember, 20:00 Uhrvoraussichtlich 30. Dezember 2026, 20:00 Uhr

Wie Märkte ein Protokoll verarbeiten, lässt sich an Zinsfutures zeigen. Der Preis eines Fed-Funds-Futures entspricht 100 minus dem erwarteten Durchschnittszins des Monats. Notiert ein Kontrakt vor den Minutes bei 96,135, preist der Markt einen Durchschnittszins von 3,865 Prozent ein. Lesen Händler im Protokoll, dass mehr Teilnehmer als gedacht eine Erhöhung befürworten, kann der Kurs etwa auf 96,080 fallen. Der eingepreiste Zins steigt dann auf 3,920 Prozent, ein Plus von 5,5 Basispunkten.

Bedeutung für Anleger

Das Statement liefert die Entscheidung, das Protokoll die Begründung. Weil die Minutes erst drei Wochen später erscheinen, sind sie vor allem dann marktbewegend, wenn sie ein anderes Bild zeichnen als die Pressekonferenz. Ein Vorsitzender kann nach außen Geschlossenheit betonen, während das Protokoll eine breite Diskussion über weitere Schritte offenlegt.

Auswirkungen zeigen sich zuerst bei den Renditen kurz laufender US-Staatsanleihen und beim Dollar, danach bei zinsempfindlichen Aktien. Für Anleger im Euroraum ist zudem der Wechselkurs relevant, weil er den Wert von US-Anlagen in Euro bestimmt. Wann welche Termine anstehen, zeigt der Wirtschaftskalender, die Ergebnisse der Sitzungen fasst die Seite zum Fed-Zinsentscheid zusammen.

Grenzen und Risiken

  • Zeitverzug: Zwischen Sitzung und Protokoll können neue Daten die Diskussion überholt haben.
  • Redigierte Fassung: Die Minutes sind eine abgestimmte Zusammenfassung, kein Wortlaut. Nuancen gehen verloren.
  • Interpretationsspielraum: Mengenwörter lassen sich unterschiedlich gewichten, erste Marktreaktionen kehren sich daher oft um.
  • Kurze Halbwertszeit: Reden einzelner Mitglieder nach der Sitzung können das Bild schneller verändern als das Protokoll.

Fazit

Das FOMC ist das Entscheidungsgremium der US-Geldpolitik, das Sitzungsprotokoll sein wichtigstes Begleitdokument. Wer die Minutes liest, sollte auf die Unterscheidung zwischen Teilnehmern und Mitgliedern sowie auf die Mengenwörter achten. Sie verraten, wie breit eine Meinung im Ausschuss getragen wird und ob die nächste Zinsänderung näher rückt.

Fragen und Antworten

Wofür steht FOMC?

Federal Open Market Committee, auf Deutsch Offenmarktausschuss. Er legt die Zielspanne für die Federal Funds Rate fest und steuert die Offenmarktgeschäfte der Fed.

Wann erscheint das FOMC-Protokoll?

Drei Wochen nach jeder Zinsentscheidung um 14:00 Uhr Ortszeit Washington, in Deutschland meist um 20:00 Uhr.

Wie viele Mitglieder hat das FOMC?

Zwölf stimmberechtigte Mitglieder. An den Sitzungen nehmen insgesamt 19 Personen teil, weil alle Präsidenten der regionalen Notenbanken mitdiskutieren.

Werden die Namen im Protokoll genannt?

In der Diskussion nicht. Namentlich aufgeführt werden nur die Stimmen bei der Abstimmung, einschließlich abweichender Voten.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.

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