Eine Stop-Order ist ein Auftrag, der erst dann an die Börse geht, wenn der Kurs eines Wertpapiers eine vorher festgelegte Marke erreicht. In ihrer häufigsten Form, der Stop-Loss-Order, dient sie dazu, eine Aktie automatisch zu verkaufen, sobald der Kurs unter eine bestimmte Schwelle fällt. Nach dem Auslösen wird die Stop-Order zu einer unlimitierten Market-Order und zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt.
Diese Ausführung ohne Preisgrenze unterscheidet die klassische Stop-Order von der Stop-Limit-Order, die nach dem Auslösen nur bis zu einem bestimmten Limit ausgeführt wird. Der folgende Beitrag konzentriert sich auf die Stopp-Market-Variante und ihre Spielarten.
Definition und Varianten
Eine Stop-Order besteht aus zwei Angaben: der Stückzahl und dem Stoppkurs. Solange der Stoppkurs nicht erreicht ist, ruht der Auftrag und ist für andere Marktteilnehmer nicht sichtbar im Orderbuch. Erst die Auslösung verwandelt ihn in eine Market-Order.
| Variante | Richtung | Stoppkurs liegt | Typischer Zweck |
|---|---|---|---|
| Stop-Loss (Stop-Sell) | Verkauf | unter dem aktuellen Kurs | Verluste begrenzen, Gewinne sichern |
| Stop-Buy | Kauf | über dem aktuellen Kurs | Einstieg bei Ausbruch über eine Marke |
| Trailing Stop | Verkauf oder Kauf | im festen Abstand zum Kurs, nachgezogen | Gewinne laufen lassen, Rückschläge begrenzen |
Der Stop-Buy wird oft übersehen. Er kauft erst, wenn der Kurs steigt, etwa über ein früheres Hoch. Bei Leerverkäufen dient er umgekehrt als Absicherung gegen steigende Kurse.
Wie die Auslösung funktioniert
Welche Kurse eine Stop-Order auslösen, legt der jeweilige Handelsplatz fest. Im elektronischen Handel auf Xetra löst ein tatsächlich zustande gekommener Börsenpreis am oder jenseits des Stoppkurses die Order aus. An Börsen mit Market-Maker- oder Spezialistenmodell, etwa an der Börse Stuttgart, kann auch ein gestellter Geld- oder Briefkurs die Auslösung bewirken. Bei außerbörslichen Handelsplätzen überwacht häufig der Broker selbst die Stoppkurse.
Für Anleger heißt das: Dieselbe Stop-Order kann je nach Handelsplatz zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgelöst werden. Die Bedingungen stehen in den Regelwerken der Börsen und in den Sonderbedingungen des Brokers. Außerhalb der Handelszeiten wird nicht ausgelöst; die erste Gelegenheit ist dann der Eröffnungskurs.
Beispiel mit Zahlen
Ein Anleger kauft 85 Aktien der fiktiven Ostrander AG zu 37,46 €. Er setzt eine Stop-Loss-Order bei 34,10 €.
- Geplanter Maximalverlust: (37,46 − 34,10) × 85 = 285,60 €
Nach schwachen Quartalszahlen eröffnet die Aktie am nächsten Morgen bei 32,58 €. Der Stoppkurs ist unterschritten, die Order wird ausgelöst und zum ersten verfügbaren Kurs ausgeführt.
- Tatsächlicher Verlust: (37,46 − 32,58) × 85 = 414,80 €
- Mehrverlust durch die Kurslücke: 129,20 €
Der Stop-Loss hat den Verlust also nicht auf den geplanten Betrag begrenzt, sondern nur dafür gesorgt, dass die Position überhaupt geschlossen wurde. Solche Abweichungen zwischen Stoppkurs und Ausführungspreis werden als Slippage bezeichnet.
Variante mit Trailing Stop
Ein anderer Anleger kauft dieselbe Stückzahl zum selben Preis, nutzt aber einen Trailing Stop mit 7,5 % Abstand. Steigt die Aktie auf 41,20 €, zieht der Stopp automatisch auf 38,11 € nach. Bei einem Hoch von 44,85 € liegt er bei 41,49 €. Fällt der Kurs anschließend, bleibt der Stopp stehen und wird bei 41,49 € ausgelöst. Bei einer Ausführung zu diesem Kurs bleibt ein Gewinn von 342,55 € vor Kosten.
Den Stoppkurs wählen
Ein zu enger Stopp wird durch normale Tagesschwankungen ausgelöst, ein zu weiter begrenzt kaum etwas. Häufig genutzte Ansätze sind:
- ein fester Prozentsatz vom Kaufkurs, abgestimmt auf die übliche Volatilität der Aktie
- ein Abstand unter einer markanten Unterstützung im Chart
- ein Vielfaches der durchschnittlichen Tagesschwankung (Average True Range)
- ein Betrag, der zu dem Verlust passt, den der Anleger pro Position höchstens tragen will
Runde Kurse wie 30 oder 35 € sind beliebte Stoppmarken. Liegen dort viele Aufträge, kann ihre gleichzeitige Auslösung den Kurs kurzfristig zusätzlich drücken.
Gültigkeit und Kapitalmaßnahmen
Stop-Orders werden meist mit einer Gültigkeit versehen, etwa bis Tagesende, bis zu einem Datum oder bis auf Widerruf mit einer Höchstfrist. Bei Kapitalmaßnahmen wie einem Aktiensplit oder am Tag des Dividendenabschlags löschen viele Börsen und Broker bestehende Stop-Orders, weil sich der Kurs ohne Marktbewegung ändert. Anleger müssen den Auftrag dann neu erteilen.
Bedeutung für Anleger
Die Stop-Order ist ein Werkzeug der Disziplin. Sie setzt eine Verlustgrenze um, auch wenn der Anleger nicht vor dem Bildschirm sitzt oder emotional zögert. Für aktive Strategien wie das Swing-Trading ist sie fast unverzichtbar. Langfristige Anleger mit breit gestreuten Depots nutzen sie seltener, weil vorübergehende Rückschläge bei ihnen zum Plan gehören.
Grenzen und Risiken
Der wichtigste Nachteil ist die fehlende Preisgarantie. Bei Kurslücken, in sehr schnellen Märkten und bei wenig gehandelten Werten kann die Ausführung deutlich unter dem Stoppkurs liegen. Zudem kann ein kurzer Ausreißer, etwa ein einzelner fehlerhafter Kurs, eine Stop-Order auslösen, obwohl sich der Kurs sofort erholt. In beiden Fällen ist die Position verkauft, und ein Wiedereinstieg kostet erneut Gebühren.
Fazit
Eine Stop-Order wird erst bei Erreichen des Stoppkurses aktiv und dann wie eine Market-Order ausgeführt. Sie sorgt verlässlich dafür, dass eine Position geschlossen wird, garantiert aber keinen Preis. Wer den Stoppkurs mit Blick auf die Schwankungsbreite wählt und die Regeln seines Handelsplatzes kennt, kann Verluste begrenzen, ohne bei jeder kleinen Bewegung ausgestoppt zu werden.
Fragen und Antworten
Was ist eine Stop-Order?
Ein Auftrag, der bei Erreichen eines festgelegten Kurses ausgelöst und dann als unlimitierte Market-Order ausgeführt wird.
Ist Stop-Order dasselbe wie Stop-Loss?
Stop-Loss ist die häufigste Form der Stop-Order, nämlich ein Verkaufsauftrag unterhalb des aktuellen Kurses. Daneben gibt es Stop-Buy und Trailing Stop.
Warum wurde meine Stop-Loss-Order unter dem Stoppkurs ausgeführt?
Weil die Order nach der Auslösung zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt wird. Bei Kurslücken liegt dieser unter dem Stoppkurs.
Was ist ein Trailing Stop?
Eine Stop-Order, deren Stoppkurs dem steigenden Kurs in festem Abstand folgt und bei fallenden Kursen stehen bleibt.
Quellen
- Deutsche Börse, Xetra-Regelwerk und Ordertypen – deutsche-boerse-cash-market.com
- Börse Stuttgart, Regelwerk und Handelsbedingungen – boerse-stuttgart.de
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor Bulletin: Stop, Stop-Limit and Trailing Stop Orders – investor.gov
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.