Der VVIX-Index ist ein Volatilitätsindex der Cboe, der die erwartete Schwankungsbreite des VIX über die nächsten 30 Tage abbildet. Während der VIX aus Optionen auf den S&P 500 ableitet, wie stark Anleger den Aktienmarkt schwanken sehen, wendet der VVIX dieselbe Methode auf Optionen auf den VIX an. Er wird deshalb oft als „VIX des VIX“ bezeichnet und zeigt, wie unsicher der Markt über die künftige Unsicherheit ist.
Definition und Entstehung
Die Cboe begann am 14. März 2012 mit der Veröffentlichung des VVIX. Voraussetzung war ein liquider Markt für Optionen auf den VIX, die die Börse seit 2006 anbietet. Der Index wird während der Handelszeit fortlaufend berechnet und als Prozentzahl auf Jahresbasis angegeben.
Wie der VVIX berechnet wird
Grundlage sind Preise von Put- und Call-Optionen auf den VIX, die aus dem Geld liegen. Aus ihnen ermittelt die Cboe nach derselben Formel wie beim VIX eine erwartete Varianz, interpoliert auf eine konstante Laufzeit von 30 Tagen, und zieht daraus die Wurzel. Das Ergebnis ist keine Prognose eines einzelnen Analysten, sondern die vom Optionsmarkt eingepreiste Erwartung, inklusive einer Risikoprämie, die Käufer von Absicherungen zu zahlen bereit sind.
Eine Besonderheit: Optionen auf den VIX beziehen sich nicht auf den Kassaindex, sondern auf den VIX-Future mit gleichem Verfall. Der VVIX misst also streng genommen die erwartete Schwankung des VIX-Terminkurses.
Werte lesen und umrechnen
Ein VVIX von 104 bedeutet, dass der Optionsmarkt eine annualisierte Schwankung des VIX von 104 % erwartet. Um daraus eine Spanne für die nächsten 30 Tage abzuleiten, wird durch die Wurzel aus zwölf geteilt:
Erwartete Monatsschwankung = VVIX ÷ √12
Bei einem VVIX von 104 ergeben sich rund 30 %. Steht der VIX bei 17,8 Punkten, entspricht eine Standardabweichung damit etwa 5,3 Punkten. Der Markt hält es also für gut möglich, dass der VIX innerhalb eines Monats zwischen etwa 12,5 und 23,1 Punkten liegt. Wie bei jeder Volatilitätskennzahl handelt es sich um eine statistische Größe, nicht um eine Ober- oder Untergrenze.
| VVIX | Erwartete Schwankung des VIX in 30 Tagen | Spanne bei VIX 17,8 (eine Standardabweichung) |
|---|---|---|
| 80 | 23,1 % | 13,7 bis 21,9 |
| 104 | 30,0 % | 12,5 bis 23,1 |
| 130 | 37,5 % | 11,1 bis 24,5 |
| 160 | 46,2 % | 9,6 bis 26,0 |
Wie VIX und VVIX zusammenhängen
Beide Indizes steigen häufig gemeinsam, wenn Aktienkurse plötzlich fallen. Der VVIX reagiert dabei oft früher und stärker, weil Händler kurzfristige Absicherungen über Calls auf den VIX kaufen. Es gibt aber auch Phasen, in denen der VIX niedrig ist und der VVIX trotzdem hoch steht. Das deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer zwar wenig aktuelle Unruhe sehen, aber einen sprunghaften Anstieg der Volatilität für möglich halten und dafür bezahlen.
Umgekehrt kann der VVIX nach einem Schock rasch fallen, während der VIX noch erhöht bleibt. Dann erwartet der Markt zwar eine weiterhin unruhige Börse, hält aber weitere Sprünge des Angstbarometers für weniger wahrscheinlich.
Typische Größenordnungen
In ruhigen Marktphasen liegt der VVIX häufig im Bereich zwischen etwa 80 und 100 Punkten. In Stressphasen, etwa beim Einbruch der Kurse im Februar 2018, beim Beginn der Pandemie im März 2020 oder bei der Kursturbulenz im August 2024, stieg er deutlich darüber. Werte über 150 gelten als Ausdruck extremer Nervosität im Volatilitätsmarkt. Aktuelle Werte veröffentlicht die Cboe auf ihrer Indexseite.
Bedeutung für Anleger
Für Privatanleger ist der VVIX vor allem eine ergänzende Stimmungskennzahl. Zusammen mit VIX und Fear and Greed Index hilft er einzuschätzen, wie viel Sorge im Markt eingepreist ist. Ein hoher VVIX zeigt, dass Absicherungen gegen Volatilitätsspitzen teuer sind.
Für Händler von VIX-Optionen und Volatilitätsprodukten ist der VVIX ein direktes Preisbarometer. Er zeigt, ob Optionen auf den VIX im historischen Vergleich günstig oder teuer sind. Wer etwa mit Calls auf den VIX ein Aktiendepot gegen einen Börsencrash absichert, zahlt bei hohem VVIX deutlich mehr für denselben Schutz.
Manche Marktteilnehmer beobachten das Verhältnis von VVIX zu VIX. Ein hohes Verhältnis bei niedrigem VIX gilt als Hinweis, dass der Markt trotz ruhiger Oberfläche Absicherung nachfragt. Belastbare Handelsregeln lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.
Grenzen und Risiken
Der VVIX ist nicht direkt handelbar. Es gibt weder Futures noch börsengehandelte Fonds, die ihn eins zu eins abbilden. Als Signalgeber für Kursrichtungen am Aktienmarkt ist er ungeeignet: Er sagt etwas über die erwartete Unruhe, nicht über deren Richtung. Zudem enthält er eine Risikoprämie, sodass der tatsächlich eintretende Schwankungsumfang des VIX im Mittel niedriger ausfällt, als der VVIX vorab anzeigt. Wer auf Basis des Index mit Volatilitätsprodukten handelt, sollte die besonderen Risiken dieser Instrumente kennen, darunter starke Verluste durch Rollkosten bei VIX-Futures.
Fazit
Der VVIX misst die erwartete Schwankung des VIX und damit die Unsicherheit über die künftige Marktvolatilität. Als Ergänzung zum VIX zeigt er, wie teuer Absicherungen gegen Volatilitätssprünge sind. Für Richtungsentscheidungen am Aktienmarkt taugt er nicht, als Stimmungs- und Preisindikator für den Optionsmarkt aber sehr wohl.
Fragen und Antworten
Was misst der VVIX?
Die vom Optionsmarkt erwartete Schwankung des VIX über die nächsten 30 Tage, berechnet aus Optionen auf den VIX.
Was ist ein hoher VVIX-Wert?
Werte deutlich über 100 zeigen erhöhte Nervosität, Werte über 150 gelten als extrem.
Kann man den VVIX kaufen?
Nein. Der VVIX ist ein reiner Indikator ohne direkt handelbare Futures oder Fonds.
Seit wann gibt es den VVIX?
Die Cboe veröffentlicht den Index seit dem 14. März 2012.
Quellen
- Cboe, VVIX Index – cboe.com
- Cboe, Volatility Index Methodology – cdn.cboe.com
- Cboe, VIX Options Produktinformationen – cboe.com
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.